{"id":71,"date":"2012-03-16T13:56:18","date_gmt":"2012-03-16T12:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=71"},"modified":"2025-08-24T20:45:41","modified_gmt":"2025-08-24T18:45:41","slug":"ostara-feste-feiern-mit-kindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/ostara-feste-feiern-mit-kindern\/","title":{"rendered":"Ostara \u2013 Feste feiern mit Kindern"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon einige Jahre her, dass ich so sch\u00f6n Ostara feiern konnte wie damals mit den Kindern. Ich versuche also aus dem Ged\u00e4chtnis davon zu berichten und mir sei verziehen, wenn ich verschiedene Ostarafeste durcheinander w\u00fcrfele. Aber das w\u00fcrden ohnehin nur diejenigen bemerken, die dabei waren. Allen anderen soll es Inspiration schenken.<\/p>\n<p>Wir haben uns immer am Nachmittag der Fr\u00fchjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am 20. bzw. 21. M\u00e4rz am Gel\u00e4nde des Treppenhauers getroffen. Meist waren wir 5-8 Frauen mit ebenso vielen Kindern im Alter zwischen 2-6 Jahren. Von zu Hause brachten wir Beutel voller Stoffreste, Stricke und Stroh mit. Mit dort zusammen gesammelten \u00c4sten bastelten wir daraus als Erstes den Herrn Winter, den wir schlie\u00dflich alle lautstark austreiben wollten. Nach und nach trudelten alle ein. Wir Frauen bastelten, stellten das Essen f\u00fcr das sp\u00e4tere Picknick in den K\u00fchlschrank und die Kinder tobten durch das Museumsgel\u00e4nde, das langsam aus der Winterstarre erwachte. Als der Herr Winter fertig war und alle sich am Eingangstor versammelt hatten, konnte es ab in den Wald gehen. Es gab ein ziemliches Gerangel unter den Kindern bei der Frage, wer die Winterpuppe tragen durfte. Jeder wollte einen Zipfel von ihr ergattern. Die Muttis bestimmten dann, dass abwechselnd getragen werden durfte. Und so ging es laut mit dem Winteraustreib-Lied in den Wald:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>So treiben wir den Winter aus<br \/>\ndurch unsre Stadt zum Tor hinaus<br \/>\nund jagen ihn zu Schanden,<br \/>\nhinweg aus unsren Landen.<\/p>\n<p>Wir st\u00fcrzen ihn von Berg zu Tal,<br \/>\ndamit er sich zu Tode fall<br \/>\nund uns nicht mehr betr\u00fcge<br \/>\nmit seine sp\u00e4ten Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Nun haben wir den Winter ausgetrieben,<br \/>\nSo bringen wir den Sommer wieder.<br \/>\nDen Sommer und den Maien,<br \/>\ndie Bl\u00fcmlein mancherleien.<\/p><\/blockquote>\n<p>Unter dem Vorwand, dass ich noch auf die Nachz\u00fcgler warten wolle, blieb ich mit dem Korb voller bunt gef\u00e4rbter Eier und diverser Schokoleckereien zur\u00fcck. Als ich die Kinder nicht mehr durch die B\u00e4ume sehen konnte, begann ich damit, den ganzen Inhalt des Korbes im Wald zu verteilen. Im Geb\u00fcsch, in Str\u00e4uchern, in Astgabelungen, in ausgeh\u00f6hlten Baumst\u00fcmpfen \u2026 Danach wetzte ich den anderen hinterher. Die waren inzwischen an unserer Quelle am Bach angekommen und hatten sie vom Winterm\u00fcll befreit. Es geh\u00f6rt immer bei uns mit zu Ostara, die Quelle sauber zu machen, altes Laub zu entfernen, das ihren Abfluss verstopft, und M\u00fcll aufzusammeln, der von dem nahegelegenen Jugendclub immer irgendwie seinen Weg in den Wald findet. Es werden Fr\u00fchjahrsbl\u00fcher gepflanzt, wie Narzissen oder Primeln. Um eine gro\u00dfe Kerze drapieren wir unsere Opfergaben: rohe angeknackste Eier (roh deshalb, damit die Tiere des Waldes ohne Probleme die Eier fressen k\u00f6nnen), Milch, Lauch, Hirse, Honig \u2026 darum einige duftige R\u00e4ucherst\u00e4bchen.<\/p>\n<p>Die Kinder stellten nat\u00fcrlich mit Best\u00fcrzung fest, dass inzwischen mein Korb leer war. Ich erfand schnell die Geschichte, dass mich unterwegs doch tats\u00e4chlich der Osterhase \u00fcberfallen und alle Eier gestohlen hatte! Und als ich ihn verfolgte, hatte er bei seiner Flucht alles panisch in den Wald geworfen, und deshalb m\u00fcssten die Kinder mir helfen, alles wieder zu finden. Ich erntete nur ein Kopfsch\u00fctteln und die Bemerkung, dass es ein ziemlich dummer Hase gewesen sein m\u00fcsse. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Nun wo wir alle beisammen waren, konnte das Ritual mit den Kindern beginnen. Ich erkl\u00e4rte, dass nun die Frau Sommer \u00fcber den Herrn Winter siegt, die Sonne immer w\u00e4rmer strahlt und die Tage l\u00e4nger werden. Und um sie dabei zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsste zun\u00e4chst der Herr Winter in den Bach geworfen werden, damit er auch wirklich verschwindet. Gesagt getan: Die Kinder stellten sich alle auf der sehr wackeligen selbstgebauten Br\u00fccke auf, die \u00fcber den Bach f\u00fchrte. Jedes Kind wollte die Winterpuppe in den Bach werfen. Die M\u00fctter am Ufer hatten die Bef\u00fcrchtung, dass die Kinder gleich mit hinterher fliegen. Aber sie schafften es wie jedes Jahr, dass nur die Winterpuppe in den Bach flog und sich wie immer am einzigen Felsbrocken im Bach vehement festkrallte, und ich, auch wie jedes Jahr, bewaffnet mit einem langen Stock zum Bach hinunterklettern musste, um die Winterpuppe vom Felsen zu sto\u00dfen. Der vom Tauwetter angeschwollene Bach nahm die Winterpuppe schnell mit hinunter zur Zschopau. Zur\u00fcck um die Kerze versammelt, begannen wir unsere Runenintonation. Meist waren es Laguz \u2013 f\u00fcr die flie\u00dfenden Wasser und erwachenden Gef\u00fchle \u2013, Berkana \u2013 f\u00fcr das erwachende Gr\u00fcn \u2013 und Sowilo \u2013 f\u00fcr das st\u00e4rker werdende Licht.<\/p>\n<p>Besonders gern erz\u00e4hlte ich zu Ostara von Thor und seinem Kampf gegen die Winterriesen. Witzigerweise ist auch das Wetter meist passend, ein wildes Wechselspiel zwischen Schneegest\u00f6ber und pl\u00f6tzlicher Sonne. Vor vielen Jahren hatte ich f\u00fcr Ostara einen Text zur Anrufung des Gottes verfasst, den ich hier auch nicht vorenthalten will:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Heil dir Thor, Sohn der Erde,<br \/>\nFreund und Besch\u00fctzer der Menschen.<br \/>\nMit Blitz und Donner ziehst du durch die L\u00fcfte.<br \/>\nSt\u00fcrmst vorw\u00e4rts und vertreibst alle Eisriesen<br \/>\nund befreist so deine Mutter Erde,<br \/>\ndamit wieder alles gr\u00fcnen und bl\u00fchen kann.<\/p>\n<p>Nun kannst du kommen, geweihgeschm\u00fcckter Gott,<br \/>\nder du auch Frey, Pan, Cernunnos genannt wirst.<br \/>\nKomm zu uns mit all deinen Begleitern,<br \/>\nLichtalben, Kobolden, Feen und Idisen.<br \/>\nVerspritze deinen Samen \u00fcber die gr\u00fcnende Erde<br \/>\nauf dass alles gedeiht und w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Heil Euch, Thor &amp; Frey,<br \/>\nfeiert mit uns unser Fr\u00fchlingsfest!<br \/>\nSeid willkommen!<\/p><\/blockquote>\n<p>Man kann ein Eierorakel machen, wo jeder aus einem verdeckten Korb bunt gef\u00e4rbte, mit Runen verzierte Eier zieht, die dann dementsprechend gedeutet werden. Die Eier hatte ich in der Nacht zuvor gef\u00e4rbt: Rot mit dem Saft Roter Bete, Gelb mit Kurkuma, Blau bis Schwarz mit Heidelbeersaft, das Gr\u00fcn habe ich mit dickem Brennesseltee versucht, ist aber eher Blassgelb geworden. Und nat\u00fcrlich werden jede Menge Fr\u00fchlingslieder gesungen.<\/p>\n<p>Inzwischen wurden die Kinder immer hippeliger und wollten endlich wieder in den Wald, um die Leckereien zu suchen. Wir mussten uns auch wirklich beeilen, noch wurde es zeitig dunkel, und wir mussten auch aufpassen, dass die Hunde die Eier nicht zuerst finden. Also schnell noch an der Quelle das Osterwasser gesch\u00f6pft und den Kindern hinterher. Aber wie war das herrlich, dieses vergn\u00fcgte Quietschen und Jauchzen, wenn die Kinder etwas gefunden hatten, und schnell f\u00fcllten sich deren mitgebrachten K\u00f6rbchen. Und wir konnten uns oft genug das Lachen nicht verkneifen, wenn jemand zum xten Mal an einem offensichtlichen Versteck vorbeilief und absolut nichts sah. Aber irgendwann hatten wir wieder alles gefunden, hofften wir jedenfalls.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Museumsdorf deckten wir die Tische mit unseren mitgebrachten Picknicksachen. Zu Ostara versuchen wir immer Essen in den Farben Gr\u00fcn, Wei\u00df und Gelb aufzutischen. Nat\u00fcrlich gab es alles M\u00f6gliche aus Eiern. Die \u00fcblichen buntgef\u00e4rbten Eier, Eiersalat \u2026 und was ich immer mache: aus dem Eigelb Eierlik\u00f6r und dem \u00fcbriggebliebenen Eiwei\u00df Baiser. Hier die Rezepte:<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ines\u2019 Eierlik\u00f6r:<\/h4>\n<p>6 Eigelb mit 250 g Puderzucker und 2 T\u00fcten Vanillezucker schaumig schlagen. Nach und nach 1 kleine Dose Kondensmilch und dann einen halben Liter Klaren unterr\u00fchren. Alles in eine Flasche f\u00fcllen und solange stehen lassen wie man\u2019s aush\u00e4lt. Lecker!<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Pl\u00e4tzchen aus Zucker im Schnee \u2013 wird heutzutage \u201eBaiser\u201c genannt und ist ein Rezept aus dem 17. Jahrhundert:<\/h4>\n<p>6 Eiwei\u00df mit 200 g Zucker steifschlagen. Mit der Spritze kleine Spitzen auf das Backblech setzen und bei 125 \u00b0C in 45 min luftig locker backen. Eine schreckliche Kr\u00fcmelei, aber ein Traum!<\/p>\n<p>Dazu gab\u2019s nat\u00fcrlich selbst gebackenes Wei\u00dfbrot mit Kr\u00e4uter-Schmand-Aufstrich, und auch ein Lauch-Apfel-Salat ist sehr fr\u00fchlingshaft. Die Kinder hatten nat\u00fcrlich haupts\u00e4chlich mit ihrem Naschwerk zu tun.<\/p>\n<p>Als es dann langsam dunkel wurde, fuhren nach und nach alle heim. Doch noch Tage sp\u00e4ter musste der Kleine einer Freundin regelm\u00e4\u00dfig kontrollieren, ob der Winter jetzt wirklich weggesp\u00fclt worden war und langsam die Knospen an den B\u00e4umen sprossen. Und als einen Monat sp\u00e4ter die Christen immer noch Ostern feierten, beschwerte er sich im Kindergarten, dass der dumme Hase langsam aufh\u00f6ren k\u00f6nne, st\u00e4ndig die Eier zu verstecken. Das werde langsam albern. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2012 in Herdfeuer 33<\/strong><strong><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon einige Jahre her, dass ich so sch\u00f6n Ostara feiern konnte wie damals mit den Kindern. Ich versuche also aus dem Ged\u00e4chtnis davon zu berichten und mir sei verziehen, wenn ich verschiedene Ostarafeste durcheinander w\u00fcrfele. Aber das w\u00fcrden ohnehin nur diejenigen bemerken, die dabei waren. Allen anderen soll es Inspiration schenken. 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