{"id":63,"date":"2020-05-30T13:45:10","date_gmt":"2020-05-30T11:45:10","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=63"},"modified":"2025-08-23T16:28:07","modified_gmt":"2025-08-23T14:28:07","slug":"was-ist-dran-an-asa-og-vana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/","title":{"rendered":"Was ist dran an \u201easa og vana\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber die Gru\u00dfformel\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0oder in der Schreibweise\u00a0<em>Asa og Vana<\/em>\u00a0stolpert man heutzutage h\u00e4ufig in Social Media-Beitr\u00e4gen innerhalb deutscher Heiden- oder \u00c1satr\u00fa-Gruppen. Woher kommt dieser Ausspruch? Was bedeutet er und welche Sprache ist das eigentlich? Diese Fragen sollen hier etwas beleuchtet werden.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00c1saheill ok\u00a0<\/strong><strong>Vana<\/strong><\/h2>\n<p>Zuallererst sei gesagt, dass ich zu der Geschichte von\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0nur einige wenige Worte verlieren werde, da es mir hier vielmehr um die sprachlichen Eigenheiten der Formel geht. Ich habe daher nur m\u00e4\u00dfigen Aufwand betrieben, um die Herkunft der Formel zu beleuchten. Manch eine oder einer mag in dieser Hinsicht viel besser informiert sein. Dies gilt vor allem, da ich anhand meiner Recherche festgestellt habe, dass ein m\u00f6glicher Vorl\u00e4ufer zuerst in Kreisen des Vereins f\u00fcr germanisches Heidentum e.V. (ehemals Odinic Rite Deutschland e.V.) genutzt worden sein k\u00f6nnte. Aus der Community ist mir leider nicht so viel bekannt. Sicher ist, dass das VfgH-Mitglied Fritz Steinbock (alias Asfrid) bereits 2003 die Formel\u00a0<em>\u00c1saheill ok\u00a0<\/em><em>Vana<\/em>\u00a0als Abschiedsformel in seinen Beitr\u00e4gen im Forum des Eldaring e.V. nutzte.<sup><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote1sym\">1<\/a><\/sup>\u00a0Er f\u00fchrt diese Formel auch im Kapitel \u201eTexte in Originalsprache\u201c in seinem Buch \u201eDas Heilige Fest\u201c an, das 2004 in erster Auflage erschien.<sup><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote2sym\">2<\/a><\/sup>\u00a0Au\u00dfer dem Hinweis, dass die Formel auf \u201eNordisch\u201c verfasst sei, gibt Steinbock nichts Weiteres dazu an. Ob er der Urheber dieser Formel ist, kann ich nicht sagen, aber es w\u00e4re sicherlich interessant zu erfahren. Mir ist diese Formel aus mittelalterlichen, altisl\u00e4ndischen Schriften jedenfalls nicht bekannt. Aber auch das sei zun\u00e4chst eine Angabe ohne Gew\u00e4hr. Die Formel\u00a0<em>\u00c1saheill ok\u00a0<\/em><em>Vana<\/em>wird auch auf der Seite\u00a0<em>asentr.eu<\/em>\u00a0unter dem Kapitel \u201eTischspr\u00fcche\u201c als Trinkspruch angef\u00fchrt.<sup><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote3sym\">3<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Ich komme jetzt zum Sprachlichen. Zu der Formel\u00a0<em>\u00c1saheill ok\u00a0<\/em><em>Vana<\/em>\u00a0m\u00f6chte ich Folgendes sagen: Abgesehen von der un\u00fcblichen Gro\u00dfschreibung der beiden Substantive (Hauptw\u00f6rter) scheint es sich um ein korrektes Altisl\u00e4ndisch zu handeln. \u00dcbersetzt hei\u00dft sie so viel wie \u201eAsenheil und Wanenheil\u201c<strong>.\u00a0<\/strong>Heil (Gl\u00fcckskraft usw.) von jedem der beiden G\u00f6ttergeschlechter (sofern man die Wanen als solches sieht) ist doch etwas, das man jedem guten Freund w\u00fcnschen m\u00f6chte, nicht wahr?<\/p>\n<p>Aber was f\u00e4llt auf? Bei\u00a0<em>Vana<\/em>\u00a0scheint dem Schreiber irgendwie das<em>\u00a0-heill<\/em>\u00a0abhanden gekommen zu sein. Beim zusammengesetzten Substantiv (Kompositum)\u00a0<em>\u00c1saheill<\/em>\u00a0scheint der Schreiber weniger geschludert zu haben. Sprachlich liegt hier jedoch in Wirklichkeit wohl kein Problem vor. Es l\u00e4sst sich n\u00e4mlich eine schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Auslassung von\u00a0<em>-heill<\/em>\u00a0finden.<\/p>\n<p>Das Auslassen des Wortglieds\u00a0<em>heill<\/em>\u00a0stellt eine Reduktion dar, die sich mit dem Streben nach einem m\u00f6glichst knappen Ausdruck vereinbaren l\u00e4sst. Und das w\u00e4re typisch f\u00fcr den sprach\u00f6konomischen Schreibstil der altisl\u00e4ndischen Sagas. Wichtig bei solchen Auslassungen ist lediglich, dass sich das Gemeinte etwa aufgrund des Kontextes verstehen l\u00e4sst. Bei der Formel\u00a0<em>\u00c1saheill ok<\/em><em>Vana<\/em>\u00a0ist es f\u00fcr den Leser nicht schwierig, das fehlende Satzglied zu rekonstruieren. Der Schreiber wiederum freut sich, da er sich eine unn\u00f6tige Doppelung spart.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich schon einmal vermerken: Das Vorderglied\u00a0<em>vana<\/em>, welches das Grundwort\u00a0<em>-heill<\/em>\u00a0n\u00e4her determiniert (bestimmt), bleibt als sogenannte Kopfform bestehen. Eine tolle Abk\u00fcrzung \u2013 und sieht auch irgendwie sehr Altisl\u00e4ndisch aus.<\/p>\n<p>Solche Reduktionen von Komposita gibt es auch im Deutschen. Dass das bestimmende Erstglied zur Kopfform reduziert wird, ist jedoch nicht sehr verbreitet. Die Reduktion zu einer Endform kennt man etwa bei\u00a0<em>Regenschirm \u2013 Schirm<\/em>.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Asenheil und Vanensegen<\/strong><\/h2>\n<p>Bevor ich jetzt zu\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0komme, sei noch erw\u00e4hnt, dass sich die deutschsprachige Formel \u201eAsenheil und Vanensegen\u201c ebenfalls zu Beginn der 2000er in neuheidnischen Kreisen belegen l\u00e4sst.<sup><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote4sym\">4<\/a><\/sup>\u00a0Ich erinnere mich daran, dass sowohl\u00a0<em>\u00c1saheill ok\u00a0<\/em><em>Vana<\/em>\u00a0als auch\u00a0<em>Asenheil und Vanensegen<\/em>\u00a0(oder in der Schreibweise\u00a0<em>Wanensegen<\/em>) h\u00e4ufiger als Schlussformeln von Internetbeitr\u00e4gen genutzt wurden. Es kam auch damals schon zu leichten Variationen: z.B. von\u00a0<em>\u00c1saheill<\/em>\u00a0zu\u00a0<em>Asaheill<\/em>\u00a0oder von\u00a0<em>ok<\/em>\u00a0zu\u00a0<em>og<\/em>. Letzteres erkl\u00e4rt sich wom\u00f6glich dadurch, dass in Neuisl\u00e4ndisch und anderen modernen skandinavischen Sprachen \u201eund\u201c mit \u201eog\u201c zu \u00fcbersetzen ist. Es muss sich aber nicht immer um eine unabsichtliche Ver\u00e4nderung handeln. Das \u201eg\u201c und das \u201ek\u201c sind n\u00e4mlich einzig entscheidend daf\u00fcr, ob die Formel als Neu- oder Altisl\u00e4ndisch zu identifizieren ist. Es kann in manchen F\u00e4llen also auch eine bewusste Entscheidung f\u00fcr Neuisl\u00e4ndisch zugrunde liegen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Grammatik im Isl\u00e4ndischen<\/strong><\/h2>\n<p>Und jetzt komme ich zu einem etwas nervigen, aber wichtigen Punkt: Die Deklination von Substantiven im Isl\u00e4ndischen. Im Deutschen ist die Deklination von Substantiven gem\u00e4\u00df der vier F\u00e4lle meist nicht so spektakul\u00e4r.<\/p>\n<p>Ein Beispiel zur Erinnerung:<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Kasus (Fall)<\/strong><\/td>\n<td><strong>Singular (Einzahl)<\/strong><\/td>\n<td><strong>Plural (Mehrzahl)<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nominativ<\/td>\n<td>das Kind<\/td>\n<td>die Kinder<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Genitiv<\/td>\n<td>des Kindes<\/td>\n<td>der Kinder<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Dativ<\/td>\n<td>dem Kind<\/td>\n<td>den Kindern<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Akkusativ<\/td>\n<td>das Kind<\/td>\n<td>die Kinder<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Ich betrachte f\u00fcr die isl\u00e4ndischen W\u00f6rter nur einmal die Mehrzahl-Formen, und zwar in folgenden beiden F\u00e4llen: im Nominativ, der immer nach\u00a0<em>wer oder was<\/em>\u00a0fragt, und im Genitiv, der nach\u00a0<em>wessen<\/em>\u00a0fragt. Der Nominativ ist gewisserma\u00dfen der Standardfall, und der besitzanzeigende Genitiv ist f\u00fcr die Formel\u00a0<em>\u00c1saheill ok\u00a0<\/em><em>Vana<\/em>\u00a0von Bedeutung:\u00a0<em>Wessen Heil? Das Heil der Asen<\/em>.<\/p>\n<p>Was Altisl\u00e4ndisch\u00a0<em>\u00e1ss<\/em>\u00a0(Ase) anbelangt, so verk\u00fcrzt sich beim Neuisl\u00e4ndischen die Nominativ-Form in der Einzahl auf\u00a0<em>\u00e1s<\/em>. Die an dieser Stelle interessanten Formen in der Mehrzahl (Asen, Wanen) unterscheiden sich im Alt- und Neuisl\u00e4ndischen allerdings nicht.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Kasus, Numerus (Anzahl)<\/strong><\/td>\n<td><strong>Neu- und Altisl\u00e4ndisch<\/strong><\/td>\n<td><strong>Neu- und Altisl\u00e4ndisch<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nominativ,Plural<\/td>\n<td><em>vanir<\/em><\/td>\n<td><em>\u00e6sir<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Genitiv,Plural<\/td>\n<td><em>vana<\/em><\/td>\n<td><em>\u00e1sa<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Hier zeigt sich, wie sehr sich die unterschiedlichen Varianten von den Grundformen (im Altisl.\u00a0<em>\u00e1ss<\/em>\u00a0und\u00a0<em>vanr<\/em>) je nach Deklination unterscheiden k\u00f6nnen. Da auch das Wort\u00a0<em>heill<\/em>\u00a0im Alt- und Neuisl\u00e4ndischen identisch ist, liegt es wie gesagt lediglich an der Schreibweise von\u00a0<em>og<\/em>\u00a0(Neuisl\u00e4ndisch) oder\u00a0<em>ok<\/em>\u00a0(Altisl\u00e4ndisch), um die Sprache eindeutig identifizieren zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>\u00c1saheill ok vana = Altisl\u00e4ndisch<\/p>\n<p>\u00c1saheill og vana = Neuisl\u00e4ndisch<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Asa og vana<\/strong><\/h2>\n<p>Da es gerade darum ging, l\u00e4sst sich jetzt schon feststellen, dass das \u201eog\u201c auf Neuisl\u00e4ndisch und nicht auf Altisl\u00e4ndisch hindeutet. Als N\u00e4chstes ist zu kl\u00e4ren, wie es sich mit den Kurzformen bzw. den Auslassungen bei<em>\u00a0asa og vana<\/em>\u00a0verh\u00e4lt, schlie\u00dflich ist dort ja weder von Heil noch von Segen die Rede. Die Facebook-Seite \u201eAsa og Vana \u2013 Alte Sitte\u201c schreibt zu der Formel Folgendes:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIn der direkten \u00dcbersetzung bedeutet Asa og Vana: \u201aAsen und Vanen\u2018[.] Man nutzt es daher auch gerne als Kurzform f\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung\/Verabschiedung: \u201aAsenheil und Vanensegen\u2018 Es ehrt die Asen sowie Vanen gleicherma\u00dfen und w\u00fcnscht dem Angesprochenem (sic), Gesundheit und Segen.\u201c<sup><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote5sym\">5<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Abk\u00fcrzung\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0wird als Gru\u00dfformel genutzt und in Internetbeitr\u00e4gen in der Regel zu Anfang oder als Abschiedsformel am Ende genannt. Dabei treten die beiden Schreibweisen\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0sowie\u00a0<em>Asa og Vana<\/em>\u00a0auf.<\/p>\n<p>Ich lasse zun\u00e4chst einmal die Erkl\u00e4rung der Formel au\u00dfen vor und gehe auf das geschriebene Wort ein. Zur Auslassung von Worten oder Wortgliedern wurde bereits gesagt, dass der Kontext dem Leser ausreichend deutlich machen muss, dass er ein bestimmtes Wort erg\u00e4nzen muss. Bei\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0wird die Sprachverknappung quasi auf die Spitze getrieben, wenn man davon ausgeht, dass es sich eigentlich um Komposita handeln soll. Ein zu erg\u00e4nzendes Grundwort wird nicht genannt. Wenn man nicht \u00fcber das Wissen zur Dekodierung verf\u00fcgt, dann kann der naive Leser nur feststellen, dass dort \u201eAsen und Wanen\u201c auf etwas falsch geschriebenem Neuisl\u00e4ndisch zu lesen ist (<em>a\u00a0<\/em>statt\u00a0<em>\u00e1<\/em>). Meines Erachtens l\u00e4sst sich dieser reduzierende Stil nicht mehr nur mit einer Nachahmung altisl\u00e4ndischer Schreibstile erkl\u00e4ren. Ich w\u00fcrde es als etwas Neues einordnen, aber das mag von anderen auch etwas anders eingesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung \u201eAsen und Wanen\u201c ist jedenfalls korrekt. Dennoch l\u00e4sst sich dazu noch etwas mehr sagen. Nicht nur der Kontext kann den Leser darauf hinweisen, dass im Satz etwas zu erg\u00e4nzen ist. Auch die Grammatik kann ihm einen n\u00f6tigen Hinweis geben. Die W\u00f6rter Asen (<em>\u00e6sir<\/em>) und Wanen (<em>vanir<\/em>) stehen hier im Genitiv. Sofern der Leser dies erkennen kann, muss er sich also fragen, was die sogenannten Determinantien\u00a0<em>\u00e1sa<\/em>\u00a0und\u00a0<em>vana<\/em>\u00a0denn nun n\u00e4her bestimmen sollen. Jemand mit isl\u00e4ndischen Sprachkenntnissen kann ohne das n\u00f6tige Wissen zur Dekodierung dieser Abk\u00fcrzung nur feststellen, dass irgendetwas in dem Satz zu fehlen scheint. Diese Seltsamkeit l\u00e4sst sich im Deutschen so leider nicht ganz nachvollziehen, da die W\u00f6rter\u00a0<em>Asen<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Wanen<\/em>\u00a0im Nominativ und Genitiv identisch sind.\u00a0<em>Wessen Heil? Das Heil\u00a0<\/em><em><strong>der Asen<\/strong><\/em><em>. Wer wird im Ritual angerufen?\u00a0<\/em><em><strong>Die Asen<\/strong><\/em><em>\u00a0werden angerufen<\/em>.<\/p>\n<p>Ich versuche trotzdem einmal das Ph\u00e4nomen mit der deutschen Sprache zu illustrieren. Daf\u00fcr eignen sich zum Beispiel zwei Substantive im Dativ (<em>wem oder was<\/em>), die im Plural stehen. In einem vollst\u00e4ndigen Satz k\u00f6nnte das wie folgt aussehen:\u00a0<em>Wir suchen nach Kindern und M\u00e4nnern.\u00a0<\/em>F\u00fcr einen deutschsprachigen Leser ist klar, dass die Formel\u00a0<em>Kinder<\/em><em><strong>n<\/strong><\/em><em>\u00a0und M\u00e4nner<\/em><em><strong>n<\/strong><\/em>\u00a0im Vergleich zu\u00a0<em>Kinder und M\u00e4nner<\/em>\u00a0etwas seltsam erscheint. Es scheint irgendwas falsch oder unvollst\u00e4ndig zu sein. In der direkten \u00dcbersetzung von\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0zu\u00a0<em>Asen und Wanen<\/em>\u00a0f\u00e4llt eine solche Seltsamkeit dem deutschsprachigen Leser verst\u00e4ndlicherweise nicht auf. Da\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0auch nicht hundertprozentig korrektes Neuisl\u00e4ndisch ist \u2013 es m\u00fcsste eigentlich\u00a0<em>\u00e1sa<\/em>\u00a0hei\u00dfen \u2013 k\u00f6nnte der deutsche Vergleichssatz etwa so aussehen:\u00a0<em>Kindern und Mannern<\/em>. Es l\u00e4sst sich also zusammenfassen, dass es sich bei\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0um einen pseudo-neuisl\u00e4ndischen Satz handelt, der mittels Auslassungen stark reduziert wurde. Der Inhalt l\u00e4sst sich nur mit bestimmtem Hintergrundwissen \u00fcber die ausgelassenen Wortglieder entschl\u00fcsseln.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlusswort<\/strong><\/h2>\n<p>Meiner Meinung nach deutet vieles darauf hin, dass sich die Formel\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0nur aufgrund von mangelhaften Sprachkenntnissen entwickeln und verbreiten konnte. In gewisser Weise ist sie auch eine Mogelpackung: Entscheidend f\u00fcr die Verbreitung war meiner Einsch\u00e4tzung nach der altisl\u00e4ndische Touch und die damit verbundenen atmosph\u00e4rischen Eigenschaften des Altehrw\u00fcrdigen, des sprachlich Exotischen (mit nordisch-heidnischer Note) und nicht zuletzt des Authentischen. Schlie\u00dflich h\u00e4tte man ja auch auf Deutsch \u201eAsen und Wanen\u201c schreiben k\u00f6nnen. Nach dem Faktencheck liegt eigentlich nur der sprachlichen Exotik etwas Reelles zugrunde. Ansonsten ist\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0vielmehr ein sprachliches Designerst\u00fcck deutscher \u00c1satr\u00fa-Communities. F\u00fcr Menschen mit isl\u00e4ndischen Sprachkenntnissen mutet es seltsam an. Codierte Sprachformeln erf\u00fcllen jedoch auch eine soziokulturelle Funktion, sodass sich die Frage nach korrekter Rechtschreibung nicht unbedingt stellt. Mit dem Gebrauch der Formel wird demonstriert, wer dazugeh\u00f6rt und wer nicht. Es wird ein gruppenspezifisches Wissen ben\u00f6tigt, um die Formel zu verstehen. Das eigentlich Wichtige ist, sie richtig anwenden zu k\u00f6nnen. Grunds\u00e4tzlich ist das nichts Ungew\u00f6hnliches. Interessant ist, dass innerhalb der Communities etwas offen bleibt, was der Satz genau bedeuten soll. Dies wird schon aus dem gegebenen Zitat deutlich, in dem die Formel sowohl als Ehrung der G\u00f6tter wie auch als Segens- und Gl\u00fcckswunsch an den Kommunikationspartner verstanden wird. In einer Diskussion zu dem Thema \u201eAsenheil und Vanensegen\u201c auf der Internetplattform asatru-forum.de aus dem Jahr 2013 wird neben genannten Deutungen auch vorgeschlagen, dass sich der Heilswunsch ebenso an die G\u00f6tter richte: Das Heil m\u00f6ge sich auch f\u00fcr die G\u00f6tter st\u00e4rken.<sup><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote6sym\">6<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Ich halte es f\u00fcr m\u00f6glich, dass\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0als unabsichtliche Verballhornung von\u00a0<em>\u00c1saheill ok vana<\/em>\u00a0entstanden ist und vor allem in Verbindung mit dem Ausspruch \u201eAsenheil und Vanensegen\u201c mit einem gewissen Bedeutungsspektrum versehen wird. Genauso m\u00f6glich w\u00e4re es, dass es sich bei\u00a0<em>Asa og Vana<\/em>\u00a0um eine bewusste Kreation handelt, die sich anschlie\u00dfend verbreitet hat.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass dem Leser auch nachvollziehbar geworden ist, aus welchen Gr\u00fcnden manche Leute \u2013 auch solche mit heidnischem Hintergrund \u2013 die Formel\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0kritisieren k\u00f6nnten. Die meisten deutschen Leser haben keine so tiefgehenden Kenntnisse isl\u00e4ndischer Sprache. Warum auch? F\u00fcr sie sieht die Formel\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0m\u00f6glicherweise nach etwas aus, was sie nicht ist. Letztendlich ist sie eine sprachlich etwas seltsame, neuartige Konstruktion. Andererseits wird\u00a0<em>asa og vana<\/em>\u00a0durch die Leute, die sie gebrauchen, mit durchaus tiefgehenden Bedeutungen versehen. Ich pers\u00f6nlich frage mich, warum man unbedingt diesen altisl\u00e4ndischen Touch braucht, zumal man als normaler, deutschsprachiger Leser nicht nachvollziehen kann, ob solcherlei S\u00e4tze \u00fcberhaupt in einem nur einigerma\u00dfen richtigen Altisl\u00e4ndisch verfasst sind. Letztendlich muss jedoch jeder f\u00fcr sich entscheiden, ob das eine Kritik von Wichtigkeit ist.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Endnoten<\/strong><\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote1anc\">1<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/forum.eldaring.de\/search.php?keywords=%C3%81saheill+ok+Vana&amp;sid=495acbd1a406e1ccb4bc524ff3d7ba7c\">https:\/\/forum.eldaring.de\/search.php?keywords=%C3%81saheill+ok+Vana&amp;sid=495acbd1a406e1ccb4bc524ff3d7ba7c<\/a>, Stand Mai 2020.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote2anc\">2<\/a>\u00a0Steinbock, Fritz: Das Heilige Fest. Hamburg 2004, S. 240.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote3anc\">3<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.asentr.eu\/anr_tis.html\">https:\/\/www.asentr.eu\/anr_tis.html<\/a>, Stand Mai 2020.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote4anc\">4<\/a>\u00a0Nachzulesen etwa auf der Seite http:\/\/www.laukaz.de\/ von Eira (Eldaring-Mitglied). Der entsprechende Text ist auf 2002 datiert. Stand Mai 2020.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote5anc\">5<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/asaogvana\/posts\/asa-og-vanader-wahre-ursprung-dieser-aussage-liegt-sehr-wahrscheinlich-irgendwo-\/321879048288660\/\">https:\/\/www.facebook.com\/asaogvana\/posts\/asa-og-vanader-wahre-ursprung-dieser-aussage-liegt-sehr-wahrscheinlich-irgendwo-\/321879048288660\/<\/a>, Stand Mai 2020.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2020\/05\/30\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/#sdfootnote6anc\">6<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.asatru-forum.de\/forum\/index.php?thread\/7820-asenheil-und-vanensegen\/\">https:\/\/www.asatru-forum.de\/forum\/index.php?thread\/7820-asenheil-und-vanensegen\/<\/a>, Stand Mai 2020.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Gru\u00dfformel\u00a0asa og vana\u00a0oder in der Schreibweise\u00a0Asa og Vana\u00a0stolpert man heutzutage h\u00e4ufig in Social Media-Beitr\u00e4gen innerhalb deutscher Heiden- oder \u00c1satr\u00fa-Gruppen. Woher kommt dieser Ausspruch? Was bedeutet er und welche Sprache ist das eigentlich? Diese Fragen sollen hier etwas beleuchtet werden. \u00c1saheill ok\u00a0Vana Zuallererst sei gesagt, dass ich zu der Geschichte von\u00a0asa og vana\u00a0nur einige&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/was-ist-dran-an-asa-og-vana\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[11,14,13,12],"class_list":["post-63","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-asatru-heute","tag-asen","tag-ausdruecke","tag-sprache","tag-wanen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63\/revisions\/64"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}