{"id":347,"date":"2002-12-01T20:39:11","date_gmt":"2002-12-01T19:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=347"},"modified":"2025-08-24T20:39:40","modified_gmt":"2025-08-24T18:39:40","slug":"geschichte-der-runen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/geschichte-der-runen\/","title":{"rendered":"Geschichte der Runen"},"content":{"rendered":"<p>von Christian Bartel<\/p>\n<p>Die Runen sind Schriftzeichen, unserem Alphabet nicht un\u00e4hnlich, die in Nordeuropa vom 1. Jahrhundert bis weit ins Mittelalter hinein benutzt wurden.<\/p>\n<p>Neben ihrer Funktion als reine Schrift dienten die Runen auch als ein System von Symbolen zur Magie und Wahrsagerei (Divination). Als allgemeines Schriftsystem verschwanden die Runen im heutigen Deutschland mit der Christianisierung, und es setzte sich mehr und mehr die lateinische Schrift durch. Die Bedeutung der Runen und ihre Formen blieben uns aber in Inschriften und Manuskripten erhalten.<\/p>\n<p>Die wesentliche Charakteristik, die die Runen von dem lateinischen Alphabet unterscheidet, ist die, dass jede Rune nicht nur einen phonetischen Wert hat, sondern auch eine Bedeutung. So steht die Rune Fehu nicht nur f\u00fcr den Laut F, sondern auch f\u00fcr das Wort \u201eVieh\u201c. An diesen Benennungen wird ihre magische und divinatorische Bedeutung festgemacht. So kann Fehu im \u00fcbertragenen Sinne dann f\u00fcr Reichtum stehen.<\/p>\n<p>Heute sind die Runen als symbolisches System wieder entdeckt worden und als Orakel sehr popul\u00e4r. Sie sind aber wesentlich mehr als eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Version der Tarotkarten. Sie sind ein Schl\u00fcssel zum Leben und Glauben der Menschen zur damaligen Zeit und lehren uns viel \u00fcber die Lebensweise der Menschen, die sie geschaffen haben. Menschen, deren Leben direkter mit der Natur und ihren Geistern verbunden waren, als wir es heute sind.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Geschichte und Herkunft der Runen<\/strong><\/h4>\n<p>Wir wissen heute, dass die Runen zwei verschiedene Quellen haben, eine \u201emagische\u201c und eine \u201eschriftliche\u201c. Pr\u00e4-runische Symbole<span>\u00a0<\/span><em>(h\u00e4llristningar)<\/em><span>\u00a0<\/span>aus der Bronzezeit sind sind als Steininschriften vor allem in Schweden gefunden worden. Einige dieser Symbole kann man ohne weiteres als sp\u00e4tere Runen erkennen, w\u00e4hrend andere nur das Konzept oder die Idee einer sp\u00e4teren Rune wiedergeben. Die genaue Bedeutung dieser alten Zeichen ist uns nicht mehr bekannt, ebenso wenig wie ihr Zweck. Man geht aber davon aus, dass sie zum Orakel und zur Magie genutzt wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie zur magischen Funktion der Runen beigetragen haben.<\/p>\n<p>\u00dcber die genaue Herkunft der Runen gibt es unterschiedliche fachliche Meinungen (und Diskussionen). Es gibt die Ansicht, dass die Runen auf den griechisch\/lateinischen Buchstaben beruhen, aber historische sowie arch\u00e4ologische Erw\u00e4gungen setzen den Ursprung in norditalischen Schriftsystemen an. Die \u00c4hnlichkeit zwischen den beiden Alphabeten, ihre Ausrichtung und Form ist zu gro\u00df, um ignoriert zu werden. Dieser Ursprung w\u00fcrde auch erkl\u00e4ren, wieso die Runen dem lateinischen Alphabet \u00e4hneln, da beide Schriften ihren Ursprung im Etrusikischen haben. Die Theorie w\u00fcrde das Futhark (das runische Alphabet) vor dem ersten Jahrhundert ansetzen. Aus linguisitischer und phonetischer Sicht ergibt sich ein etwas fr\u00fcheres Datum: ca. 200 vor Christus.<\/p>\n<p>In der Zeit, als die nordischen V\u00f6lker die Schriftzeichen \u00fcbernahmen und sie zu ihrem System umformten, gaben sie den Zeichen Namen, die sich auf Aspekte ihres t\u00e4glichen Lebens bezogen. Dadurch transformierten sie die einfachen Piktogramme in ein magisches Alphabet, welches zur Magie und Divination benutzt werden konnte.<\/p>\n<p>Der Name \u201eFuthark\u201c ist \u00e4hnlich aufgebaut wie \u201eAlphabet\u201c, er besteht aus den ersten Buchstaben der Schriftreihe, die sich erheblich von der lateinischen unterscheidet. Das Futhark bestand urspr\u00fcnglich aus 24 Zeichen, die mit dem F begannen und mit O endeten. Diese Runen sind als das \u201e\u00c4ltere Futhark\u201c bekannt.<\/p>\n<p>Etwa im f\u00fcnten Jahrhundert n. Chr. \u00e4nderten sich die Runen \u2013 zuerst in Friesland. Zu dieser Zeit fielen die Angelsachsen in Britannien ein und \u00e4hnliche Runen traten zum ersten Mal auf der Insel auf. Die Formen einiger Runen \u00e4nderten sich, besonders A\/O, C\/K, H, J, S, Ng. Eine \u00c4nderung der Sprache f\u00fcgte zwischen f\u00fcnf und neun zus\u00e4tzliche Zeichen ein, damit das Alphabet die neuen Laute darstellen konnte. Dieses Alphabet wird \u201eAnglo-Saxon Futhark\u201c genannt.<\/p>\n<p>In Skandinavien blieb das \u00e4ltere Futhark bis ins 8. Jahrhundert in Gebrauch. Zu der Zeit \u00e4nderte sich die Sprache und auch hier wurden die Runen angepasst, um die neuen Laute darzustellen. Allerdings reduzierte das \u201eJ\u00fcngere Futhark\u201c die Runen von 24 auf 16 und einige Runen standen nun f\u00fcr mehrere Laute. Die Form der Runen wurde ebenso ge\u00e4ndert und vereinfacht. Dieses Alphabet brachte mehrere Variationen hervor, meistens l\u00e4nderspezifisch. Dieses Alphabet kam dann auch nach Island und Gr\u00f6nland.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Wiederauferstehung<\/strong><\/h4>\n<p>Die Runen \u2013 in erster Linie die j\u00fcngere Form \u2013 blieben in Skandinavien bis weit in die Neuzeit hinein in Gebrauch. Dabei fanden sie vielf\u00e4ltige Verwendung, von M\u00fcnzen bis hin zu Sargverzierungen, in einigen F\u00e4llen waren sie sogar durch die Kirche sanktioniert. Vielfach kannte auch das normale Volk einfache Runenspr\u00fcche und die Runen wurden bei bestimmten Fragen zur Hilfe gezogen. 1639 verbot die Kirche in Skandinavien jedwede magische Kunst, um \u201edas B\u00f6se aus Europa zu treiben\u201c. Das Wissen der Runenkundigen ging verloren. Ende des 19. Jahrhunderts kam es nicht nur zur Entwicklung der wissenschaftlichen Runenkunde, sondern sie wurden auch von der v\u00f6lkischen Bewegung wiederentdeckt, hier vor allem durch Guido List. Die von ihm in einer Vision \u201eerschauten\u201c 18 Symbole haben allerdings nichts mit den historischen Runen gemeinsam, sondern waren ein reines Phantasieprodukt, das keinerlei historische Grundlage aufweisen kann und zudem ganz der rassistischen Ausrichtung seiner \u201eAriosophie\u201c verbunden war. Diese f\u00e4lschlich als Runen bezeichnete Symbolreihe wird heute nur noch von zweifelhaften Gruppen und esoterischen Scharlatanen verwendet.<\/p>\n<p>Nach dem zweiten Weltkrieg war zun\u00e4chst alles \u201eGermanische\u201c tabuisiert, erst mit dem Aufkommen der New-Age-Bewegung und des Esoterik-Booms seit Beginn der 1980er Jahre gab es eine abermalige Wiederauferstehung der Runen, nachdem sie zuvor so pervertiert worden waren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christian Bartel Die Runen sind Schriftzeichen, unserem Alphabet nicht un\u00e4hnlich, die in Nordeuropa vom 1. Jahrhundert bis weit ins Mittelalter hinein benutzt wurden. 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