{"id":339,"date":"2015-12-01T20:14:24","date_gmt":"2015-12-01T19:14:24","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=339"},"modified":"2025-08-24T20:14:43","modified_gmt":"2025-08-24T18:14:43","slug":"thorri-und-das-thorrablot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/thorri-und-das-thorrablot\/","title":{"rendered":"Thorri und das Thorrabl\u00f3t"},"content":{"rendered":"<p>von Gunivortus Goos<\/p>\n<p>Wer dem Titel zu entnehmen glaubt, dass dieser Beitrag von dem nordischen Gott Thor (altnordisch: \u00de\u00f3rr) handelt, unterliegt einem Irrtum. Thorri bezieht sich auf eine andere Gestalt der nordischen Mythologie. Aber wer dieser Thorri (altnordisch: \u00deorri) nun eigentlich war, ist nicht sicher gekl\u00e4rt, die alten Quellen sind dar\u00fcber leider nicht eindeutig und gleicher Ansicht. Nach der<span>\u00a0<\/span><em>Orkneyinga Saga<\/em><span>\u00a0<\/span>aus dem 13. Jahrhundert war Thorri der K\u00f6nig eines fr\u00fchen K\u00f6nigreichs in Norwegen. Aus historischer Sicht gibt es daf\u00fcr keine Belege, es geh\u00f6rt deshalb auch wohl zur Mythologie, so wie das vermutlich auch bei dem d\u00e4nischen K\u00f6nig Rolf Krake (altnordisch: Hr\u00f3lfr Kraki) der Fall ist.<\/p>\n<p>Thorri soll von Fornjot (altnordisch: Fornj\u00f3tr) abstammen und dieser Name kommt an mehreren Stellen in der skandinavischen Mythologie vor: In den<span>\u00a0<\/span><em>Thulur<\/em><span>\u00a0<\/span>(<em>Nafna\u00feulur<\/em>), dem letzten Teil der<span>\u00a0<\/span><em>Sk\u00e1ldskaparm\u00e1l,<\/em><span>\u00a0<\/span>einem der Hauptteile der Prosa-Edda des Snorri Sturluson aus dem 13. Jahrhundert, kommt Fornjot als Name eines Riesen (J\u00f6te, J\u00f6tunn) vor. Heute existiert die Ansicht, er k\u00f6nnte der Stammvater eines Reifriesengeschlechts sein. Im<span>\u00a0<\/span><em>Flateyjarb\u00f3k,<\/em><span>\u00a0<\/span>einer Sammlung von Handschriften aus fr\u00fch-isl\u00e4ndischer Zeit, gibt es ein Dokument, das von der Besiedelung Norwegens (<em>Hversu N\u00f3regr bygg\u00f0isk<\/em><strong><span>\u00a0<\/span>\u2013<span>\u00a0<\/span><\/strong>Wie Norwegen besiedelt wurde) erz\u00e4hlt, und das enth\u00e4lt mehr Informationen \u00fcber Thorri und seinen Ahn Fornjot. In der<span>\u00a0<\/span><em>Orkneyinga Saga<\/em><span>\u00a0<\/span>findet sich ein \u00e4hnlicher Abschnitt, und auch Rasmus B. Anderson schreibt in seiner englischen \u00dcbersetzung der Prosa-Edda \u00fcber Thorri und seine Verwandten:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDa war ein Mann, dessen Name Fornjot war. Er hatte drei S\u00f6hne; einer hie\u00df Hl\u00e9r (\u00c6gir?), der zweite hie\u00df Logi und der dritte K\u00e1ri, der Herrscher war \u00fcber die Winde. Logi war Herrscher \u00fcber das Feuer und Hl\u00e9r \u00fcber das Meer. K\u00e1ri hatte zahlreiche Nachkommen. Einer seiner S\u00f6hne hie\u00df J\u00f6kul (Eisberg), eine anderer hie\u00df Froste (Frost) und dessen Sohn war K\u00f6nig Snae (Schnee). Ein dritter Sohn K\u00e1ris hie\u00df Thorri (strenger Frost) und nach ihm wurde der Wintermonat genannt: Thorramonat. K\u00e1ris T\u00f6chter hie\u00dfen Fonn (festgefahrener Schnee), Drifa (Schneeverwehung) und Mj\u00f3ll (feiner Schnee). Alle diese Namen h\u00e4ngen zusammen mit K\u00e1ris Namen, der \u00bbWind\u00ab bedeutet.<\/p>\n<p>Thorri hatte zwei S\u00f6hne Nor und Gar und eine Tochter Goe. Es wird erz\u00e4hlt, dass Goe verschwand und ihre Br\u00fcder nach ihr suchten. Schlie\u00dflich fanden sie heraus, wer sie entf\u00fchrt hatte. Das war Hrolf vom Berg, ein Sohn des Riesen Svadi und Enkel von Asa-Thor. Sie bereinigten den Streit und darauf heiratete Hrolf seine Goe. Nor heiratete Hrolfs Schwester und sie lie\u00dfen sich in einem Land nieder, das er nach seinen eigenen Namen nannte; Norvegr, also Norwegen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(\u00dcbersetzt nach Rasmus B. Anderson)<\/p>\n<p>In dieser Beschreibung wird Thorri also als Sohn K\u00e1ris verstanden. Die<span>\u00a0<\/span><em>Historia Norwegiae<\/em><span>\u00a0<\/span>(Geschichte Norwegens, geschrieben zwischen 1152 und 1266) best\u00e4tigt die Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Entstehen des Namens Norwegen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eUnd Norwegen bekam seinen Namen von einen bestimmten K\u00f6nig der Norr hie\u00df.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In einer zweiten Darstellung aus \u201eWie Norwegen besiedelt wurde\u201c wird Thorri nicht als Sohn K\u00e1ris bezeichnet, sondern als Sohn von K\u00f6nig Snae:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEs gab einen Mann dessen Name Fornj\u00f3t war. Er hatte drei S\u00f6hne; einer wurde Hl\u00e9r(\u00c6gir) genannt, der zweite hie\u00df Logi und der dritte K\u00e1ri. Der Dritte herrschte \u00fcber die Winde, Logi \u00fcber das Feuer und Hl\u00e9r war Herrscher der Meere. K\u00e1ri war der Vater von J\u00f6kul (Gletscher oder Eisberg) und der war der Vater von K\u00f6nig Snae (Schnee). Die S\u00f6hne von K\u00f6nig Snae hie\u00dfen \u00deorri, F\u00f6nn, Dr\u00edfa und Mj\u00f6ll. \u00deorri war ein gro\u00dfartiger K\u00f6nig. Er herrschte \u00fcber Gotland, Kaenland, and Finland. Er f\u00f6rderte die Bewohner von Kaenland, indem er daf\u00fcr sorgte, dass es genug Schnee gab, damit das Reisen per Ski einfach war. Wenn das soweit war, dann wurde gefeiert und die Feier fand in der Mitte des Winters statt. Ab dieser Zeit wurde dieser Monat der Thorrimonat genannt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(Frei \u00fcbersetzt nach der George-L.-Hardman-\u00dcbersetzung der<span>\u00a0<\/span><em>Hversu Noregr Bygg\u00f0ist<\/em>)<\/p>\n<p>Nach dieser Beschreibung w\u00e4re die Abstammungslinie des norwegischen K\u00f6nigshauses:<\/p>\n<p><em>Fornj\u00f3tr<\/em>\u2013K\u00e1ri\u2013Frosti\u2013Snaer\u2013<em>Thorri<\/em>\u2013N\u00f3rr\u2013Harald Sch\u00f6nhaar, usw.<\/p>\n<p>Und die dritte Beschreibung entstammt der<span>\u00a0<\/span><em>Orkneyingas Saga<\/em>. Der entsprechende Abschnitt lautet:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEs gab einmal einen K\u00f6nig und der hie\u00df Fornjot. Er herrschte \u00fcber die L\u00e4nder Finnland und Kvenland. Das liegt \u00f6stlich der Meeresbucht, die sich nordw\u00e4rts biegt bis Gandvik; wir nennen sie die Helsingbucht. Fornjot hatte drei S\u00f6hne; einer hie\u00df Hler, den wir \u00c6gir nennen, der zweite hie\u00df Logi und der dritte Kari. Kari war der Vater von Frost, der Vater von Snae dem Alten, der Name seines Sohnes war Thorri. Er (Thorri) hatte zwei S\u00f6hne, der Name eines von beiden war Norr und der andere hie\u00df Gorr und seine Tochter hie\u00df Goi.<\/p>\n<p>Thorri war ein gro\u00dfartiger Opferer, jedes Mal zur Wintersonnenwende zelebrierte er ein Opferritual. Man nannte es das Thorri-Opfer und der Monat wurde danach genannt. Als es einmal wieder die Zeit f\u00fcr das Thorri-Opfer war, bemerkte man, das Goi verschwunden und verloren war und sie suchten sie, aber Goi wurde nicht gefunden. Und als dann ein Monat vorbei war, lie\u00df Thorri sie Opfer bringen, damit sie entdecken w\u00fcrden, wo Goi versteckt war. Das nannte man das Goi-Opfer, aber dennoch wurde sie nicht gefunden. Vier Winter nachdem die Br\u00fcder geschworen hatten ihre Schwester zu suchen, teilten sie das Gebiet auf in dem jeder suchen sollte. Norr sollte das Land absuchen und Gorr die abgelegenen Gebiete und die Inseln und er begab sich auf ein Schiff. Jeder der beiden Br\u00fcder hatte viele M\u00e4nner dabei. Gorr fuhr mit seinem Schiff nordw\u00e4rts entlang der Meeresbucht; nachdem er die schwedische K\u00fcstengebiete abgesucht hatte und auch alle Inseln, die dort in der Ostsee liegen bis hin zu den Ausl\u00e4ufern von Gothland, fuhr er nach D\u00e4nemark und suchte dort auf allen Inseln. Dort begegnete er seinen Angeh\u00f6rigen, die von Hlers Insel kamen (jetzt ist das L\u00e6s\u00f8 im Kattegat). Von dort f\u00fchrte er seine Reise weiter, aber fand seine Schwester nicht.<\/p>\n<p>Sein Bruder Norr wartete, bis auf allen H\u00f6hen Schnee lag und er gut auf Schneeschuhen vorankommen konnte. Nachdem er im Norden Kvenland erreicht hatte und entlang der Meeresbucht weiter ging, kam er dorthin, wo die Menschen Lappen genannt wurden, das ist weit weg in der Finnmark. Die Lappen verweigerten ihm den Durchgang und es kam zu einem Streit. Kraft und Magie waren an Norrs Seite und seine Gegner wurden von Angst ergriffen und fl\u00fcchteten, sobald sie das Kriegsgeschrei und die gezogenen Waffen sahen. Norr reiste weiter entlang dem Gebirgsr\u00fccken, der zwischen Schweden und Norwegen liegt. dort wohnten keine Menschen und sie mussten Wildtiere und V\u00f6gel schie\u00dfen, um an Nahrung zu kommen. Sie gingen immer weiter, bis sie an die Gew\u00e4sser kamen, die westlich der Felsen flossen, und sie erreichten dann ein Meer und da war ein Fjord, der so gro\u00df war wie eine Meeresbucht. Sie sahen einen riesigen Iltis und sch\u00f6ne T\u00e4ler f\u00fchrten zu dem Fjord.<\/p>\n<p>Das Volk dort sammelte sich und stellte sich ihnen entgegen und sie machten sich bereit f\u00fcr den Krieg gegen Norr und suchten den Kampf. Sie fielen oder fl\u00fcchteten aber, als Norr und seine M\u00e4nner \u00fcber sie her fielen, als seien sie blo\u00df Unkraut in einem Kornfeld. Norr reiste durch das Land entlang der Fjorde und nahm es in Besitz, rief sich selber zu K\u00f6nig aus \u00fcber alle Gebiete, die an den Fjorden lagen. Norr wartete, bis der Sommer vorbei war und Schnee wieder auf die Feuer fiel. Dann setzte er seine Reise fort entlang dem Tal, das s\u00fcdlich des Fjords verlief. Dieser Fjord hei\u00dft heute der Trondheimfjord.<\/p>\n<p>Er schickte einige seiner M\u00e4nner aus, um den K\u00fcstenweg durch M\u00e6ren zu \u00fcberpr\u00fcfen, und er nahm alles Land, durch das er reiste, in Besitz.<\/p>\n<p>Und als er dann den s\u00fcdlichen H\u00fcgelkamm passierte, der s\u00fcdlich der Talkurve lag, verfolgte er seinen Weg durch die T\u00e4ler in s\u00fcdlicher Richtung, bis er bei einem gro\u00dfen Gew\u00e4sser ankam, das dort Mj\u00f6sen genannt wurde. Darauf zog er zu dem H\u00fcgelkamm im Westen, denn er hatte geh\u00f6rt, dass seine M\u00e4nner Probleme gehabt hatten mit den K\u00f6nig dort, der Sokni hie\u00df. Sie erreichten das Gebiet Valders und begaben sich zum Meer und kamen zu einem langen und schmalen Fjord, der Sognefjord genannt wurde. Dort begegneten sie K\u00f6nig Sokni. Dort fand eine gro\u00dfe Schlacht statt, denn ihre Magie hatte keinen Einfluss auf Sogni. Norr ging dann unwiderstehlich nach vorne und bek\u00e4mpfte Sogni, der dann fiel und viele seiner M\u00e4nner auch.<\/p>\n<p>Als das vorbei war, zog Norr zu dem Fjord, der n\u00f6rdlich von Sogne lag. Dort hatte Sogni geherrscht und das Gebiet hei\u00dft jetzt Sognis Tal. Norr verblieb dort lange Zeit und das Gew\u00e4sser wurde seitdem Norafjord (Nordfjord?) genannt. Dort begegnete er seinem Bruder Gorr und keiner von beiden hatte etwas \u00fcber ihre Schwester geh\u00f6rt. Gorr hatte auch alle Gebiete, durch die er gezogen war, in Besitz genommen, als er aus dem S\u00fcden angereist kam. Die Br\u00fcder teilten das Land unter sich auf. Norr bekam das ganze Festland und Gorr alle Inseln, an denen er in einem Schiff mit einem festgesetzten Ruder vorbeifahren konnte.<\/p>\n<p>Dann zog Norr in das Hochland und erreichte Heidm\u00f6rk (das hei\u00dft jetzt Hedemark). Der K\u00f6nig, der dort herrschte, hie\u00df Hrolf vom Berg; er war der Sohn von Svadi, dem Riesen, der n\u00f6rdlich des Dovrebergs wohnte. Und Hrolf hatte auch Kvenland Thorris Tochter Goi entf\u00fchrt. Hrolf ging sofort auf Norr zu und bot ihm einen Zweikampf an. Lange k\u00e4mpften sie miteinander und keiner wurde verwundet. Danach legten sie ihren Streit bei, und Norr bekam Hrolfs Schwester und Hrolf bekam Goi zur Frau.<\/p>\n<p>Darauf kehrte Norr zur\u00fcck zu dem Reich, das er in Besitz genommen hatte, und nannte sein Land Norwegen. Er herrschte dort bis zu seinem Lebensende und seine S\u00f6hne nach ihm. Sie teilten aber das Land unter sich auf und deshalb wurden die Reiche immer kleiner, weil es auch immer mehr K\u00f6nige gab. Das war der Grund, weshalb Norwegen in Provinzen unterteilt ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(\u00dcbersetzt nach der englischen \u00dcbertragung von G. W. Dasent von 1894)<\/p>\n<p>Weil zwei der drei hier zitierten Geschichten Thorri als einen Sohn von K\u00f6nig Snae ansehen, sollte diese Sichtweise zwar bevorzugt werden. Gleichzeitig ist dabei aber Vorsicht geboten, denn vermutlich wurde der Abschnitt aus der<span>\u00a0<\/span><em>Orkneyingas Saga<\/em><span>\u00a0<\/span>f\u00fcr den Eintrag in \u201eWie Norwegen besiedelt wurde\u201c \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Wo das Kaenland, auch Kvenland geschrieben, nun genau lag, ist umstritten, es werden Gebiete in Schweden und Finnland genannt, wie auch irgendwo dazwischen an der n\u00f6rdlichen Ostsee. Thorris Feier begann damit, dass er daf\u00fcr sorgte, dass es genug Schnee gab, um das Reisen auf Skiern zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Aus dem Prolog der Prosa-Edda und aus der<span>\u00a0<\/span><em>Gesta Danorum<\/em><span>\u00a0<\/span>(um 1200) des d\u00e4nischen Autors Saxo Grammaticus kennen wir die Idee, mythische Gestalten als Menschen zu sehen \u2013 dort werden die nordischen Gottheiten zu Menschen und das homerische Troja zu ihrer Urheimat. Das gleiche Ph\u00e4nomen finden wir auch in Bezug auf Thorri. Da aber Fornjot als (Reif)riese dargestellt wird und seine S\u00f6hne Hl\u00e9r (das Meer), Logi (das Feuer) und K\u00e1ri (der Wind) mythologische \u201eM\u00e4chte\u201c sind \u2013 manchmal werden sie als personifizierte Naturkr\u00e4fte interpretiert \u2013 und daher auch Thorri wohl auf der gleichen Ebene gesehen werden darf, ist die Vermenschlichung wohl als eine bewusste Herabsetzung nordischer Gottheiten zu verstehen. Diese Methode der Herabsetzung heidnischer G\u00f6tter entstand bereits im klassischen Griechenland vor der Zeitenwende und setzte sich sp\u00e4ter \u00fcber Kl\u00f6ster in das mittelalterliche Christentum hinein fort. (F\u00fcr eine ausf\u00fchrlichere Erl\u00e4uterung dazu vgl.: Odin \u2013 Ein mythologischer Spaziergang, S. 206ff.).<\/p>\n<p>Thorri stammt von den Riesen ab, wie das auch von mehreren G\u00f6ttern bekannt ist, die wir aus den Eddas kennen, z.B. Odin, Thor und Loki. Dar\u00fcber hinaus gibt es noch eine m\u00f6gliche Verwandtschaft mit dem Gott und Meeresriesen \u00c6gir. Kapitel 1 der<span>\u00a0<\/span><em>Sk\u00e1ldskaparm\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>f\u00e4ngt an mit:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eEinn ma\u00f0r er nefndr \u00c6gir e\u00f0a Hl\u00e9r\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>und das bedeutet:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEin Mann wurde \u00c6gir oder Hl\u00e9r genannt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn der Name Hl\u00e9r auf die gleiche oben erw\u00e4hnte Figur deutet, dann ist Thorris Vater oder Urgro\u00dfvater K\u00e1ri der Bruder von \u00c6gir. Die schon erw\u00e4hnte Zeile aus der<span>\u00a0<\/span><em>Orkneyingas Saga<\/em><span>\u00a0<\/span>st\u00fctzt diese Ansicht:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eFornjot hatte drei S\u00f6hne; einer wurde Hl\u00e9r genannt, den wir \u00c6gir nennen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das schon genannte Werk \u00fcber die Besiedelung Norwegens berichtet \u00fcber ein Mittwinter-Ritual, das Thorri gewidmet war. Das ist das Thorrablot. Weil Thorri darin geehrt wurde, ist die Schlussfolgerung vertretbar, dass Thorri als skandinavischer Wintergott gesehen wird. Dieses Mittwinterfest ist insbesondere auf Island belegt.<\/p>\n<p>Mit der Christianisierung Islands ging das Verschwinden heidnischer Br\u00e4uche und Riten einher, und erst im 19. Jahrhundert \u2013 wohl unter dem Einfluss der Romantik \u2013 lebten sie wieder auf. Im Jahr 1873 sollen isl\u00e4ndische Studenten in Kopenhagen zum ersten Mal wieder ein Thorrabl\u00f3t abgehalten haben, wie auch einige andere Gruppierungen, die nach der isl\u00e4ndischen Unabh\u00e4ngigkeit strebten.<\/p>\n<p>Aber auch zuvor wurde Thorri schon auf andere Art gefeiert: 1728 schrieb der isl\u00e4ndische Pfarrer J\u00f3n Halldorson in einem Brief, dass er nicht wisse, ob er das Feiern Thorris als alten Brauch begr\u00fc\u00dfen oder als neumodische Idee des einfachen Volkes abtun solle. Er erkl\u00e4rt, dass er keine vern\u00fcnftigen Menschen kenne, die in frivolen Kost\u00fcmen an solchem Treiben teiln\u00e4hmen, und er sich eigentlich sch\u00e4me, solchen Unsinn zu Papier zu bringen, damit vornehme Menschen es lesen.<\/p>\n<p>Beim Thorrabl\u00f3t handelt es sich um ein Abendessen, bei dem die Teilnehmer Ansprachen halten und Gedichte vortragen. Weil bei der Einf\u00fchrung dieses modernen Bl\u00f3ts auch auf Island Thorri oft mit dem Donnergott Thor verwechselt wurde, wird seitdem nicht immer, aber doch oftmals, auch Thor im Bl\u00f3t geehrt. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erreichte die Feier auf Island eine breitere Bekanntheit. Daf\u00fcr war ein Restaurant in Reykjav\u00edk verantwortlich; dort wurde damit begonnen, spezielles Essen auf einer Servierplatte, einer Art Trog aus Holz anzubieten. Das Essen nannte man<span>\u00a0<\/span><em>\u00deorramatur<\/em><span>\u00a0<\/span>(Thorri-Mahlzeit). Das Essen bestand haupts\u00e4chlich aus in Scheiben und St\u00fccke geschnittenem Fleisch und Fisch, beides zubereitet nach alten Rezepten vom Land, die inzwischen fast vergessen waren \u2013 also Zubereitungen auf der Basis von eingelegten, gesalzenen, getrockneten und ger\u00e4ucherten Nahrungsmitteln nach Konservierungsmethoden aus der Zeit, bevor es K\u00fchl- und Gefrierschr\u00e4nke gab. Das Fest wird heute in der Zeit zwischen Mitte Januar und Mitte Februar von vielen Isl\u00e4ndern gefeiert; ob Thor oder Thorri ist dabei f\u00fcr die Teilnehmer mehr oder weniger unerheblich. Statt auf einer Servierplatte werden die Gerichte heute meistens als Buffet angeboten.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/h2>\n<p>Anderson, Rasmus B. (translator): The Younger Edda. Also called Snorre\u2019s Edda, or The Prose Edda, Author: Snorre, Chicago, 1901.<\/p>\n<p>Dasent, George W. (translator): the Orkneyingers\u2019 Saga, 1894.<\/p>\n<p>GardenStone: Odin \u2013 Ein mythologischer Spaziergang, Norderstedt, 2015.<\/p>\n<p>Hardman, George L. (translator): Hversu Noregr Bygg\u00f0ist (How Norway was Settled), 2011.<\/p>\n<p>Kunin, Devra (translator): A History of Norway (Historia Norwegiae) and the passion and miracles of the blessed \u00d3l\u00e1fr, Viking Society for Northern Research, London, 2001.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gunivortus Goos Wer dem Titel zu entnehmen glaubt, dass dieser Beitrag von dem nordischen Gott Thor (altnordisch: \u00de\u00f3rr) handelt, unterliegt einem Irrtum. Thorri bezieht sich auf eine andere Gestalt der nordischen Mythologie. Aber wer dieser Thorri (altnordisch: \u00deorri) nun eigentlich war, ist nicht sicher gekl\u00e4rt, die alten Quellen sind dar\u00fcber leider nicht eindeutig und&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/thorri-und-das-thorrablot\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[20,52,15,28],"class_list":["post-339","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mythen-quellen","tag-asatru","tag-edda","tag-goetter","tag-heidentum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=339"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":340,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339\/revisions\/340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}