{"id":335,"date":"2007-04-10T20:11:09","date_gmt":"2007-04-10T18:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=335"},"modified":"2025-08-24T20:11:30","modified_gmt":"2025-08-24T18:11:30","slug":"der-rheingold-ritus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/der-rheingold-ritus\/","title":{"rendered":"Der \u201eRheingold-Ritus\u201c"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung in den Kult und die Riten der Rheingold-Blotgemeinschaft aus K\u00f6ln.<\/h3>\n<p>von Sebastian Stein<br \/>\nunter Mithilfe von Hans Stucken, G\u00fcnter Stienecke und der Rheingold-Blotgemeinschaft<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>1 Einf\u00fchrung<\/strong><\/h2>\n<p>Der Eldaring-Stammtisch K\u00f6ln hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer kleinen, aber best\u00e4ndigen Blotgemeinschaft von ca. 12 Leuten entwickelt, die sich alle 1-2 Monate zu einem gemeinsamen Blot trifft, zumindest aber die Hauptjahresfeste miteinander feiert (Jul, Mittsommer und die beiden Tag-und-Nachtgleichen). Der Ablauf eines Blots ist in seiner Grundstruktur immer \u00e4hnlich und daher haben wir uns entschlossen dieses Grundmuster einmal schriftlich festzuhalten.<\/p>\n<p>Dieser Artikel nun ist eben die schriftliche Niederlegung unseres \u201eRheingold-Ritus\u201c und soll f\u00fcr die Rheingold-Blotgemeinschaft zur Orientierung und in gewissen Ma\u00df auch Vorgabe sein und f\u00fcr alle anderen als Ansatz zum Austausch und zur Ideenfindung f\u00fcr die eigenen Rituale dienen. Nach einem kurzen historischen R\u00fcckblick folgen ein paar Definitionen und Vorraussetzungen, um Unklarheiten und Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden. Erst dann folgt die Beschreibung des eigentlichen Blotablaufs mit Beispielen f\u00fcr die verschiedenen Gedichte, Lieder und Anrufungen, die w\u00e4hrend eines Blots verwendet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2 Historisches<\/strong><\/h2>\n<p>Historisch ist der Ablauf durch den ersten K\u00f6lner Herdwart des Eldarings Ingmar begr\u00fcndet worden. Er hat die Form der Rituale aus seiner nordamerikanischen Sippe, dem<span>\u00a0<\/span><em>Raven-Kindred North<\/em>, \u00fcbernommen und auch in der (neu gegr\u00fcndeten) deutschen Schwestersippe, der Raben-Sippe Deutschland (oder auch Raven-Kindred Deutschland, ehedem als \u201eDonars Ring\u201c bekannt), etabliert. Unser Ritus unterscheidet sich dabei von dem der Raben-Sippe in ein paar kleinen, aber wichtigen Details.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>3 Definitionen &amp; Voraussetzungen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Rheingold-Blotgemeinschaft versteht sich als eine Gruppe von Menschen, die der weitgef\u00e4cherten Religion Asatru angeh\u00f6ren, die gemeinsam die Jahreskreisfeste begehen wollen. Asatru beruht in religi\u00f6ser Hinsicht auf einem Polytheismus germanischer Auspr\u00e4gung, Ahnenverehrung, \u201eGeisterglaube\u201c und einem entsprechenden Kultverst\u00e4ndnis. Teil dieses Weltverst\u00e4ndnisses ist auch das, was wir heute ganz allgemein als \u201eMagie\u201c bezeichnen. Wir haben uns also bewusst f\u00fcr die uns \u00fcberlieferten Traditionen und den Glauben unserer germanischen Vorfahren entschieden. Das bedeutet auch, dass wir die G\u00f6tter und Wesen eben dieser nordischen Mythologie ehren und ihnen opfern. Innerhalb dieses Rahmens aber ist es jedem selbst \u00fcberlassen, was er als Asatru definiert und welche Akzente er setzt. Hieraus aber ergeben sich auch einige Grundvoraussetzungen zum Selbstverst\u00e4ndnis unserer Feierlichkeiten:<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.1 Blot und Sumbel<\/strong><\/h3>\n<p>Wir feiern Blot und Sumbel: Das Blot ist die Zeremonie, durch welche wir unsere G\u00f6tter, Ahnen, andere Wesenheiten und die Natur\/Welt im Allgemeinen heiligen und ehren. Wie der Ablauf eines solchen Blots aussehen kann, wird unter Punkt 4 beschrieben. Das Sumbel ist eine ehrenvolle und heilige Form einer Trinkspruchrunde und elementarer Bestandteil eines jeden Blots, die aber auch unabh\u00e4ngig von einem Blot vollzogen werden kann. Au\u00dferhalb eines Blots ist es weniger formal und freier gestaltet, aber immer noch mit der geb\u00fchrenden Heiligkeit verbunden. Da alle Teilnehmer einschlie\u00dflich des Ritualleiters bei einem Blot (f\u00fcr ein Sumbel ist in der Regel kein Leiter notwendig) als gleichberechtigt angesehen werden, vollzieht man die Rituale in einem Kreis. Bei besonders gro\u00dfen Gruppen mag man zum Beispiel aus Platzmangel von dieser Tradition abweichen.<\/p>\n<p>Zum Sumbel einigt man sich vorher auf ein Getr\u00e4nk, \u00fcber dem die Trinkspr\u00fcche gesprochen werden. In der Regel wird dies Met oder ein anderes alkoholisches Getr\u00e4nk sein, aber es mag auch Anl\u00e4sse geben, wo mit einem nichtalkoholischen Getr\u00e4nk gesumbelt wird. Beispielhaft sei hier ein Idun-Blot mit Apfelsaft genannt. Dieses Getr\u00e4nk wird in einem Gef\u00e4\u00df, in der Regel einem Horn, herum gereicht. Wer aus welchen Gr\u00fcnden auch immer nicht aus dem Horn trinken m\u00f6chte, hat die M\u00f6glichkeit, entweder das Horn zu k\u00fcssen oder seinen Schluck auf dem Boden vor ihm zu vergie\u00dfen. In keinem Fall sollte ein zweites Horn nebenher gereicht werden, weil dies unserer Ansicht nach die Heiligkeit des Rituals st\u00f6rt.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2007\/04\/10\/der-rheingold-ritus\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Neben dem eigentliche Getr\u00e4nk kann auch etwas Essbares gereicht werden, das nach dem Getr\u00e4nk weitergereicht wird.<\/p>\n<p>Neben Blot und Sumbel gibt es noch andere Rituale zu besonderen Anl\u00e4ssen, zum Beispiel Hochzeit, Totenfeier, Namensweihe usw. Diese werden aber \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nicht so regelm\u00e4\u00dfig begangen, dass sich hierf\u00fcr schon eine eigene Tradition gebildet h\u00e4tte. Grunds\u00e4tzlich aber k\u00f6nnen sie sich an den Ablauf eines Blots oder Sumbels anlehnen.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.2 Heiligkeit der Rituale<\/strong><\/h3>\n<p>Die Rituale sind heilig: Hier treten wir direkt mit unseren G\u00f6ttern, Ahnen und Wesenheiten innerhalb und au\u00dferhalb Mitgards in Kontakt. Dar\u00fcber hinaus ist das, was dabei gesagt wird, f\u00fcr jeden Einzelnen etwas sehr Pers\u00f6nliches. Wir verlangen daher von jedem Teilnehmer entsprechenden Respekt gegen\u00fcber den Teilnehmern und auch dem Ritual selbst. Nat\u00fcrlich sind Blot und Sumbel nicht zwangsl\u00e4ufig bitterernste Dinge, bei denen nicht gelacht werden darf. Im Gegenteil: In einem Ritual haben grunds\u00e4tzlich alle Gef\u00fchle und Gef\u00fchlsregungen ihren Platz. Diese sind aber abh\u00e4ngig vom Blot selbst, seinem Anlass und davon, dass damit nicht die Gef\u00fchle anderer verletzt werden. Vor und nach dem Ritual mag es durchaus seinen Platz haben, aber w\u00e4hrenddessen sollte man die G\u00f6tter, unsere Ahnen und auch die religi\u00f6sen Gef\u00fchle der anderen respektieren. Bei einem Blot zur Wilden Jagd einen Witz rei\u00dfen zu m\u00fcssen, w\u00e4re nicht nur v\u00f6llig fehl am Platz, sondern w\u00fcrde auch die heilige Atmosph\u00e4re empfindlich st\u00f6ren. In einer solchen Situation sollte man engagiert genug sein, einem etwaigen St\u00f6renfried mit einem knappen Satz auch mal die Meinung zu sagen und Kritik bei Fehlverhalten auch zu beherzigen.<\/p>\n<p>Zur Heiligkeit und dem Respekt gegen\u00fcber dem Blot geh\u00f6rt auch, dass das Ritual in einer allen verst\u00e4ndlichen Sprache abgehalten wird, in der Regel also Deutsch. Das gilt auch und insbesondere f\u00fcr den Sumbelteil, in dem jeder einzelne die M\u00f6glichkeit hat, sich zu \u00e4u\u00dfern. Wenn pl\u00f6tzlich ein Teil des Rituals in einer den meisten Anwesenden fremden Sprache gesprochen wird, so st\u00f6rt dies nicht allein ihre Konzentration, sondern l\u00e4sst auch den n\u00f6tigen Respekt ihnen gegen\u00fcber vermissen. Nat\u00fcrlich gibt es nat\u00fcrlich Ausnahmen. Dann aber sollte zuvor gekl\u00e4rt werden, ob alle damit einverstanden sind.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.3 Asatru und Germanische Mythologie<\/strong><\/h3>\n<p>Da wir uns, wie oben erw\u00e4hnt, als eine Asatru-Gruppe verstehen, werden von uns nur Wesenheiten der germanischen Mythologie angerufen. Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel: Wenn es einem Mitglied des Rituals wichtig ist, so kann nach vorheriger Absprache auch eine Wesenheit aus anderen Mythologien angerufen werden.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.4 Jahreskreisfeste<\/strong><\/h3>\n<p>Unsere Feste orientieren sich an den Jahreskreisfesten Jul (Wintersonnenwende), der Sommersonnenwende (spa\u00dfeshalber bei uns Jul 2 genannt) und die beiden Tag-und-Nachtgleichen. Bei uns hat es sich eingeb\u00fcrgert, das Blot am Wochenende vor oder nach dem entsprechenden Jahreskreistag zu begehen. Jul und Mittsommer kommen dabei traditionell die wichtigste Bedeutung zu.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.5 Blotgemeinschaft, Stammtisch und Sippe<\/strong><\/h3>\n<p>Die Rheingold-Gruppe ist eine Blotgemeinschaft. Das hei\u00dft, sie ist eine \u201eZweckgemeinschaft\u201c von bekannten und auch befreunden Asatru-Anh\u00e4ngern, die gemeinsam die Jahreskreisfeste feiern. Diese Blotgemeinschaft ist prinzipiell personell deckungsgleich mit dem K\u00f6lner Stammtisch des Eldaring, von diesem aber per Definition zu unterscheiden: Der Stammtisch ist ein Treffpunkt zum Erfahrungsaustausch und dem Kn\u00fcpfen von Kontakten. Die Rheingold-Gruppe ist auch nicht mit einer Sippe, wie etwa dem Raven-Kindred Deutschland zu verwechseln, deren Mitglieder sich durch Schw\u00fcre miteinander verbunden haben und die auch einen famili\u00e4ren und heilsgemeinschaftlichen Charakter hat.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.6 Ritualleiter<\/strong><\/h3>\n<p>In unserem Verst\u00e4ndnis kennt Asatru keine hauptberuflichen Priester. Jeder in unserer Blotgemeinschaft sollte zumindest theoretisch ein Blot abhalten k\u00f6nnen. Wer der Ritualleiter eines Blots ist, bestimmt sich letztlich durch Eigeninitative. Nat\u00fcrlich ist die Leitung eines Blots nichts, mit dem man verantwortungslos umgehen soll, aber auch nichts, was nur ein paar elit\u00e4ren Mitgliedern vorbehalten ist. Der unstenstehende Ablauf soll daher auch als Orientierung dienen. Wir erwarten, dass der Ritualleiter sich auf das von ihm gef\u00fchrte Blot in einem gewissen Mindestma\u00df vorbereitet und nicht v\u00f6llig ahnungslos in das Fest hineinstolpert. Bei gr\u00f6\u00dferen oder l\u00e4ngeren Ritualen k\u00f6nnen auch die einzelnen Teile von mehreren Teilnehmern durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.7 Teilnehmer<\/strong><\/h3>\n<p>Jeder, der die Heiligkeit unserer Rituale respektiert, ist herzlich eingeladen, an unseren Blots teilzunehmen. Es ist dabei keine unabdingbare Voraussetzung, sich selbst zu Asatru zu bekennen. Aber wir erwarten Respekt vor unserem Glauben und unseren Ritualen, unabh\u00e4ngig von eigenen Glaubensvorstellungen. Teilnehmern anderen Glaubens, aber auch solche, die das erste Mal einem Blot beiwohnen, sollte in jedem Fall der Ablauf zuvor beschrieben und erkl\u00e4rt werden. Auch sollten die Trinkspr\u00fcche beim Sumbelteil mit diesem Teilnehmer abgesprochen sein, damit es nicht zu befremdlichen Situationen kommt. Eine M\u00f6glichkeit ist, dass betroffene Personen nur mit einem einfachem \u201eHeil!\u201c sumbeln. Ein einfaches, kommentarloses Weitergeben des Horns sollte vermieden werden. Wenn viele Personen anwesend sind, die sich nicht mit Asatru identifizieren k\u00f6nnen, so ist es m\u00f6glich, diese au\u00dferhalb des Kreises beim Ritual zuschauen zu lassen.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.8 Blotbesteck<\/strong><\/h3>\n<p>Zu einem Blot ist an sich au\u00dfer etwas zum Sumbeln und ein Gef\u00e4\u00df, woraus man trinken kann, nichts weiter n\u00f6tig. Allerdings hat sich unsere Blotgemeinschaft entschlossen, ein gemeinsames \u201eBlotbesteck\u201c anzuschaffen \u2013 bestehend aus Horn, Opfersch\u00fcssel Weihehammer und anderen Gegenst\u00e4nden. Diese Gegenst\u00e4nde werden dann jeweils zu den Feiern mitgebracht. Wichtigstes Utensil hierbei ist das Trinkhorn, welches beim Sumbel herumgereicht wird. Nach einer Sumbelrunde wird der restliche Met in die Opfersch\u00fcssel gegossen und nach dem Blot den G\u00f6ttern \u00fcbergeben. Zur Platzweihe, An- und Abrufung kann ein spezieller Weihehammer verwendet werden, es reicht aber auch ein normaler Mj\u00f6llnir-Anh\u00e4nger. Man kann darauf auch ganz verzichten, aber mit etwas in der Faust f\u00fchlt sich diese Handlung einfach besser an. Weitere Gegenst\u00e4nde f\u00fcr das Blotbesteck, die nicht zu jedem Blot Verwendung finden und teilweise auch spontan vor Ort besorgt werden k\u00f6nnen, sind eine Einhaselung, Altar oder Opferstein, Tischdecke usw.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4 Der Ablauf eines Blotes nach dem Rheingold-Ritus<\/strong><\/h2>\n<p>Der hier vorgestellte Ritus bietet nur den Rahmen, nicht den Inhalt des Blotes, dieser h\u00e4ngt vom Anlass, der Kreativit\u00e4t des Ritualleiters, aber auch dem Rest der Gruppe ab. Der Ritus ist offen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen und Variationen und kein starres Ger\u00fcst.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.1 Einstimmung<\/strong><\/h3>\n<p>Zu Beginn des Blotes sollte sich die Gruppe auf das kommende Ritual einstimmen. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen und sollte sich am Anlass des Festes orientieren. Wir beschr\u00e4nken uns bei unseren \u201ekleinen\u201c Blots auf einen kurzen, meditativen Angesang auf die drei Sch\u00f6pfungsaspekte Odins. Nat\u00fcrlich sind auch Gesang und \u00c4hnliches, wie zum Beispiel das Herdfeuer-Lied, m\u00f6glich.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.1.1 Gesang an die drei Sch\u00f6pfungsg\u00f6tter<\/strong><\/h4>\n<p>Alle: Woden \u2013 Vili \u2013 Ve (3x)<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.2 Platzweihe<\/strong><\/h3>\n<p>Der Ort des Blots ist ein Ort des Friedens. Den Schutz f\u00fcr diesen Ort und die dort Versammelten herbeizurufen, ist der erste aktive zeremonielle Akt. Verschiedene Versionen des Hammer-Rituals oder das Ritual der drei Runenkreise bieten sich hier an, aber auch weniger imperative Ma\u00dfnahmen wie ein Wortritus sind eine beliebte Er\u00f6ffnung. Eine Variante f\u00fcr einen Kultplatz, der \u00f6fter Verwendung findet, ist eine Einhaselung, die historisch eigentlich f\u00fcr gerichtliche Zwecke eingerichtet wurde. Wir haben diese Idee allerdings f\u00fcr unsere Zwecke, z.B. f\u00fcr Jul, adaptiert, das mehrere Blots an einem Wochenende umfasst. So reicht es, wenn nur einmalig eine Platzweihe f\u00fcr diese Einhaselung gemacht wird. Da die meisten mit dem Hammer-Ritual vertraut sind, soll an dieser Stelle beispielhaft die vom Verfasser bevorzugte Anrufung der Wesen vorgestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Anrufung der Wesen<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDer Ritualleiter breitet die Arme aus und schaut zum Himmel:<br \/>\n\u201eWir rufen die G\u00f6tter Asgards: Weihet diese St\u00e4tte und haltet Wacht!\u201c<\/p>\n<p>Der Ritualleiter dreht sich mit ausgebreiteten Armen langsam im Kreis:<br \/>\n\u201eWir rufen die Wesen Mitgards: Weihet diese St\u00e4tte und haltet Wacht!\u201c<\/p>\n<p>Der Ritualleiter schaut zum Boden:<br \/>\n\u201eWir rufen unsere Ahnen: Weihet diese St\u00e4tte und haltet Wacht!\u201c<\/p>\n<p>Der Ritualleiter stellt sich an den Rand des Kreises und schaut mit Abwehrgeste nach au\u00dfen:<br \/>\n\u201eAn die Wesen Utgards und alle, die uns \u00dcbles wollen: Fahret fort; Ihr seid nicht willkommen!\u201c<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.3 Anrufung der G\u00f6tter<\/strong><\/h3>\n<p>Jeweils die G\u00f6tter\/G\u00f6ttinnen oder Wesenheiten werden angerufen, deren Pr\u00e4senz f\u00fcr den Zweck des Blots besonders erw\u00fcnscht ist. Nat\u00fcrlich sollten auch die anderen G\u00f6tter und Wesenheiten, die nicht direkt mit dem jeweiligen Anlass zu tun haben, eingeladen werden, am Blot Teil zu haben.<\/p>\n<p>Dieser Teil des Blotes ist oft sehr von den jahreszeitlichen Gegebenheiten und dem eigentlichen Anlass des Blotes abh\u00e4ngig. Je nachdem geb\u00fchrt bestimmten G\u00f6ttern Dank und Respekt, und es werden konkrete Bitten oder Versprechen ausgedr\u00fcckt. Es gibt keine festen Regeln f\u00fcr diese Anrufung. Der oder die Ritualleiter k\u00f6nnen frei sprechen, Gedichte vortragen oder es kann gesungen werden. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.4 Varia I: Weitere rituelle Aktivit\u00e4ten, Meditationen etc.<\/strong><\/h3>\n<p>An dieser Stelle k\u00f6nnen gef\u00fchrte Meditationen in das Blot eingebunden werden oder Dinge, die sich am Anlass des Blots orientieren, wie das gemeinsame Singen von Liedern oder das Verbrennen von Symbolbauten. Auch h\u00e4tten Schw\u00fcre, Ansprachen f\u00fcr besondere Anl\u00e4sse und andere Aktivit\u00e4ten hier ihren Platz. Dieser Teil ist optional und nicht f\u00fcr jedes Blot notwendig; es soll aber den Anlass f\u00fcr das Blot unterstreichen.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.5 Sumbel<\/strong><\/h3>\n<p>Beim Sumbel wird das gef\u00fcllte Trinkhorn im Kreis weitergereicht. Jeder Teilnehmer kann dabei seinen Trinkspruch laut \u00e4u\u00dfern und anschlie\u00dfend einen Schluck nehmen. Der Spruch wird mit einem deutlichen \u201eHeil\u201c beendet und die Runde antwortet ebenfalls mit einem gemeinsamen \u201eHeil!\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2007\/04\/10\/der-rheingold-ritus\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Obwohl der Spruch letztlich jedem selbst \u00fcberlassen ist, sollte auf ein paar Kleinigkeiten geachtet werden: Zum einen ist das Sumbel eine Gemeinschaftssache und keine Selbstdarstellung, daher ist darauf zu achten, dass der eigene Spruch nicht ausufert, sondern sich an Stimmung und Gruppengr\u00f6\u00dfe orientiert, also kein Stilbruch zu den Sumbelspr\u00fcchen der anderen und auch nicht zu lange dauert. Zum anderen sollte auch immer nur eine Gottheit oder Wesenheit angesprochen werden.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2007\/04\/10\/der-rheingold-ritus\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Wenn jemand, z.B. weil er selbst nicht Asatru-Anh\u00e4nger ist, keinen Trinkspruch ablegen m\u00f6chte, so kann er auch einfach nur einen Schluck aus dem Horn nehmen und \u201eHeil!\u201c rufen. Da in der Regel mit Alkohol geblotet wird, kann es sein, dass manche aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht mittrinken wollen. Alternativ ist auch das K\u00fcssen des Hornes m\u00f6glich. Bei einem Blot f\u00fcr das \u201ekleine Volk\u201c oder G\u00f6tter, die mit der Erde assoziiert werden, kann auch ein Schluck auf die Erde gegossen werden, dies sollte allerdings vorher abgesprochen werden.<\/p>\n<p>Es wird mindestens drei Runden lang gesumbelt, in folgender Reihenfolge:<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. G\u00f6tterrunde:<\/strong><\/h4>\n<p>Die erste Runde wird traditionell auf die G\u00f6ttergeschlechter der Asen und Vanen getrunken. Wenn das Ritual zu Ehren einer bestimmten Gottheit gehalten wird, so ist zumindest der Ritualleiter verpflichtet, eben auf diese sein Horn zu heben. Den anderen Teilnehmern ist dies freigestellt, da besonders in einer gr\u00f6\u00dferen Runde es sonst zu Wiederholungen oder \u00e4hnlichen Spr\u00fcchen kommen kann.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Ahnen- und \u201eniedere\u201c Mythologierunde:<\/strong><\/h4>\n<p>Die zweite Runde wird auf die Ahnen und Verstorbenen oder auf Wesen der sogenannten \u201eniederen Mythologie\u201c getrunken, also auf Geister, Wichte, Alben usw. H\u00e4ufig wird hier den Geistern des Blotplatzes f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung gedankt.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Freie Runde:<\/strong><\/h4>\n<p>Die letzte \u201ePflicht-Runde\u201c kann jeder nach freier Wahl gestalten. Es kann auf G\u00f6tter, Ahnen, Geister, aber auch auf Helden und andere mythologische Wesen getrunken und Segen f\u00fcr gemeinschaftliche oder pers\u00f6nliche Belange erbeten werden.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. K\u00fcr-Runde(n):<\/strong><\/h4>\n<p>Nach der dritten Runde ist oft noch Met \u00fcbrig, manchmal hat aber auch ein Teilnehmer noch etwas auf dem Herzen, das er unbedingt noch in einer Runde sagen m\u00f6chte, aber zuvor nicht unterbringen konnte oder wollte. Hier k\u00f6nnen nach kurzer Absprache noch ein oder mehrere freie Runden angeh\u00e4ngt werden. Dies kann manchmal zu einer kleinen \u201einoffiziellen\u201c Subelrunde innerhalb des Blots ausarten, solange eben genug Getr\u00e4nk zum Sumbeln da ist.<\/p>\n<p>Am Ende jeder Runde wird das Horn vom Leiter mit einem kurzen Segensspruch (z.B. \u201eNehmt dieses Opfer und die Spr\u00fcche an!\u201c) in eine Opferschale gegossen und danach erneut gef\u00fcllt. Nicht immer ist eine Opferschale zur Hand und so kann das Horn einfach weitergereicht werden. Wichtig ist aber, dass ein Rest \u00fcbrig bleibt, der sp\u00e4ter an die G\u00f6tter zur\u00fcckgegeben werden kann. Auch das Ausgie\u00dfen direkt in ein Feuer ist eine M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.6 Varia II: Weitere rituelle Aktivit\u00e4ten, Meditationen etc.<\/strong><\/h3>\n<p>Auch an dieser Stelle k\u00f6nnen bestimmte optionale Handlungen vollzogen werden. Entweder anstelle der ersten Varia oder zus\u00e4tzlich. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass das Blot nicht zu sehr in die L\u00e4nge gezogen wird.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.7 Abschluss des Hauptritus<\/strong><\/h3>\n<p>Das Blot wird aufgehoben, die Zeremonie beendet, man dankt den angerufenen Kr\u00e4ften h\u00f6flich und respektvoll und l\u00e4sst sie mit Heilsw\u00fcnschen wieder ziehen. Dies kann entweder schlicht und einfach mit ein paar Abschlussworten geschehen oder auch lyrisch, mit Gesang usw. Es wird in die konventionelle Jetzt-und-Hier-Zeit \u00fcbergeleitet. Die Abrufung nimmt h\u00e4ufig die Gedanken der Anrufung und der Platzweihe wieder auf, um so den Ritus abzurunden.<\/p>\n<p><strong>Abrufung<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritualleiter hebt den Hammer sichtbar f\u00fcr alle hoch.<br \/>\nRitualleiter: \u201eAsen und Wanen, Wesen Mitgards und der neun Welten. Wir danken Euch f\u00fcr Eure Anwesenheit und Euren Schutz. Bleibt, wenn ihr bleiben m\u00f6gt; fahrt, wenn ihr fahren m\u00f6gt! Heil Euch!\u201c<\/p>\n<p>Alle: \u201eHeil!\u201c<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.8 Ausgie\u00dfen des Trankopfers<\/strong><\/h3>\n<p>Nach Abschluss des Blots wird gemeinsam das Trankopfer der Erde und damit den G\u00f6ttern und Wesenheiten \u00fcbergeben. Traditionell wird das Ausgie\u00dfen des Opfers von der Gruppe mit ein paar Dankesworten oder Weihespruch begleitet.<\/p>\n<p><strong>Opferweihe<\/strong><\/p>\n<p>Alle: \u201eVon den G\u00f6ttern\u00a0zur Erde\u00a0zu uns. Von uns\u00a0zur Erde\u00a0zu den G\u00f6ttern.\u201c<br \/>\nRitualleiter: \u201eDer Bund zwischen Asgard und Midgard wurde neu geschmiedet!\u201c<br \/>\nAlle: \u201eHeil Asgard!\u201c<\/p>\n<p>Hiermit ist das Blot beendet.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>5 Schlu\u00dfbemerkung<\/strong><\/h2>\n<p>Dieser Artikel enth\u00e4lt an sich nicht viel Neuartiges, und \u00e4hnliche Rituale sind sicher in der ein oder anderen Blotgemeinschaft und Sippe bereits g\u00e4ngiger Alltag. Er m\u00f6chte allerdings blitzlichtartig zeigen, wie eine bestimmte Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Feste feiert. Und es ist meine Hoffnung, mit diesen Zeilen auch andere zu ermutigen, ihren eigenen Ritus zu schaffen oder zu formulieren, entweder in Anlehnung oder im Kontrast zu unserem \u201eRheingold-Ritus\u201c. Wichtig ist letztlich, dass wir die G\u00f6tter und unsere Ahnen ehren und ihnen mit W\u00fcrde entgegentreten. Und hier gilt, dass Religi\u00f6sit\u00e4t den Kult gebiert, und nicht der Kult die Religi\u00f6sit\u00e4t.<\/p>\n<p>Und nicht vergessen: Nach dem Blot ist vor dem Blot.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Endnoten<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2007\/04\/10\/der-rheingold-ritus\/#sdfootnote1anc\">1<\/a><span>\u00a0<\/span>Siehe hierzu Punkt 3.2. Eine Ausnahme mag hierzu eine \u201eKinderrunde\u201c sein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2007\/04\/10\/der-rheingold-ritus\/#sdfootnote2anc\">2<\/a><span>\u00a0<\/span>Evt. \u201eHeil\u201c + Name, wenn eine bestimmte Wesenheit speziell angerufen wurde, auch die Runde erwidert dann \u201eHeil\u201c + Name. Also z.B.: \u201eHeil Donar!\u201c oder \u201eHeil meinen Ahnen\u201c usw.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2007\/04\/10\/der-rheingold-ritus\/#sdfootnote3anc\">3<\/a><span>\u00a0<\/span>Ausnahmen best\u00e4tigen nat\u00fcrlich die Regel: Wenn die angerufenen Gottheiten in einem sinnvollen Zusammenhang stehen, etwa Fro und Frouwe, ist auch eine doppelte Anrufung m\u00f6glich. Ansonsten gilt: \u201eBuy one, get one for free\u201c gibt\u2019s nur bei McBlot um die Ecke.<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2007 in Herdfeuer 15\u00a0<\/strong><em><strong><\/strong><\/em><strong><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung in den Kult und die Riten der Rheingold-Blotgemeinschaft aus K\u00f6ln. von Sebastian Stein unter Mithilfe von Hans Stucken, G\u00fcnter Stienecke und der Rheingold-Blotgemeinschaft 1 Einf\u00fchrung Der Eldaring-Stammtisch K\u00f6ln hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer kleinen, aber best\u00e4ndigen Blotgemeinschaft von ca. 12 Leuten entwickelt, die sich alle 1-2 Monate zu einem gemeinsamen&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/der-rheingold-ritus\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[72,73,20,11,22,12],"class_list":["post-335","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kult-ritus","tag-ahnen","tag-ahnenkult","tag-asatru","tag-asen","tag-ritual","tag-wanen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=335"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":336,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/335\/revisions\/336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}