{"id":326,"date":"2009-09-21T19:59:47","date_gmt":"2009-09-21T17:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=326"},"modified":"2025-08-24T20:00:12","modified_gmt":"2025-08-24T18:00:12","slug":"osterquellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/osterquellen\/","title":{"rendered":"Osterquellen"},"content":{"rendered":"<p>von Petra Bolte<\/p>\n<p>In der Ortschaft im S\u00fcden Schleswig-Holsteins, in der ich wohne, gibt es eine Osterquelle. So jedenfalls laut Internetauftritt der Stadt. Nach \u00fcber 15 Jahren in diesem Ort hatte ich bis 2007 jedoch nie zuvor davon geh\u00f6rt. Erste Recherchen f\u00f6rderten nicht nur die heimische Osterquelle zutage, sondern auch weitere in ganz Deutschland. Und so kam ich dazu, zun\u00e4chst der Osterquelle bei mir zu Hause buchst\u00e4blich \u201eauf den Grund\u201c zu gehen und anschlie\u00dfend vier weiteren im Norden und Osten Deutschlands.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Osterquelle in Geesthacht<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eDas Sch\u00f6pfen heilkr\u00e4ftigen Wassers am Ostermorgen ist ein Brauch, der einst im Herzogtum Lauenburg weit verbreitet war, aber nur hier in Geesthacht hat der Name Osterquelle die Zeiten \u00fcberdauert\u201c, informiert die Internetseite der Kleinstadt im Osten von Hamburg. Die Nutzung der Quelle zum Sch\u00f6pfen heilbringenden Wassers in fr\u00fcheren Zeiten ist belegt. Der Brauch verlangte, dass junge Frauen vor Sonnenaufgang am Ostermorgen das Wasser in absolutem Schweigen sch\u00f6pften. Kam ihnen ein Wort \u00fcber die Lippen, verwandelte sich das kostbare Nass in \u201eBabbelwasser\u201c und wurde wertlos. Im Mittelalter soll es zeitweilig Brauch gewesen sein, gleich den ganzen Jahresvorrat Taufwasser an Ostern zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Das wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt:<\/p>\n<p>1. Seit wann wurde die Quelle zu rituellen Zwecken genutzt?<br \/>\n2. Welche Glaubensvorstellungen waren damit verbunden?<br \/>\n3. L\u00e4sst sich auf einen heidnischen Ursprung schlie\u00dfen?<br \/>\n4. Kann die Osterquelle auch heute noch ihren Zauber entfalten?<\/p>\n<p>Zu Frage 1: Seit wann genau die Osterquelle zu rituellen Zwecken in Gebrauch ist, ist bisher nicht genau bestimmt worden. Sicher war gutes Quellwasser aber bereits den ersten Siedlern der Elbgeest wertvoll. Der gro\u00dfe Strom mochte viel zu bieten haben \u2013 Fische, Treibgut \u2013 doch zur Gewinnung von Trinkwasser ist eine Quelle vorzuziehen. Bronzezeitliche Grabst\u00e4tten keine 5 km \u00f6stlich und gut 10 km westlich belegen, dass das n\u00f6rdliche Elbufer mit seinem Hinterland schon von den Menschen der Megalithkultur vor mehr als 3500 Jahren bewohnt und mit ihren Kulten belebt wurde. Sp\u00e4ter besiedelten Slawen und Germanen die Gegend. Eine Christianisierung erfolgte erst ab dem 11.\/12. Jahrhundert. Bis heute bekannte Geschichten aus dem Lauenburgischen illustrieren den Kampf zwischen christlichen und heidnischen Vorstellungen: Unterirdische, Riesen, unheimliche Pferde, Gespenster, sogar Werw\u00f6lfe bewohnten H\u00fcgel, \u00c4cker, W\u00e4lder und Grabst\u00e4tten, bek\u00e4mpft und d\u00e4monisiert von den Vertretern der neuen Religion. Bekannt waren auch der Wode mit seiner wilden Schar und eine vornehme Frau, die in den Zw\u00f6lften auf dem<span>\u00a0<\/span><em>Hell<\/em>berg ihrer Jagdleidenschaft nachging.<\/p>\n<p>Zu Frage 2: \u00dcberliefert ist die Vorstellung, das Wasser der Osterquelle am Fu\u00dfe des Katzbergs sei heilig. Es verhie\u00df Gesundheit und Sch\u00f6nheit, wenn man das Gesicht, speziell die Augen benetzte und wenn man es trank. Seine h\u00f6chste Wirksamkeit entfaltete das Wasser, wenn es von jungen Frauen vor Sonnenaufgang am Ostermorgen gesch\u00f6pft wurde, die kein Wort sprechen durften. Anschlie\u00dfend bestiegen die Frauen den Katzberg und warteten dort auf den Sonnenaufgang. Das Wasser der Osterquelle wurde in den christlichen Ritus als Taufwasser implementiert. \u00c4hnliche oder weitgehend gleiche Vorstellungen verbanden sich mit anderen ebenfalls als Osterquellen \u00fcberlieferten Orten in Deutschland, am bekanntesten wohl die auch Marienquelle genannte in L\u00fcbars, heute Berlin-Reinickendorf. Der Name L\u00fcbars soll m\u00f6glicherweise auf Hlodyn (J\u00f6rd, Erde) zur\u00fcckgehen. Bereits eine kurze Internet-Recherche f\u00fchrt zu weniger bekannten Osterquellen vorwiegend im \u00f6stlichen Deutschland: Trebendorf nahe der Lausitz, Langewahl in den Dubrower Bergen (m\u00e4rkische Oder), Lehnam\u00fchle (Neum\u00fchle\/Elster) im Landkreis Greiz, Tarnow im Landkreis G\u00fcstrow. Aber auch in Oberkirchen, Kreis Wendeln im Saarland gibt es eine Osterquelle, eine weitere soll sich in Bad Nauheim-Schwalheim im Wetteraukreis befinden. Als gemeinsames Merkmal all dieser Orte ist der Brauch des Wassersch\u00f6pfens in Schweigsamkeit zu Ostern festzuhalten.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck nach Geesthacht.<\/p>\n<p>Zu Frage 3: Gleich vorab: Belege aus heidnischer Zeit, die die rituelle Nutzung der Osterquelle bezeugen, liegen mir nicht vor. Allerdings ist auch sonst kaum etwas \u00fcber das Brauchtum im Lauenburgischen vor der Christianisierung bekannt. Welche Annahmen aber w\u00e4ren plausibel? Wir wissen, dass die Vertreter der Kirche das christliche Taufritual heidnischen Br\u00e4uchen der Namensgebung anpassten. W\u00e4hrend die christliche Taufe urspr\u00fcnglich die Ganzk\u00f6rpertaufe Erwachsener ohne Namensgebung war, in Anlehnung an die Taufe Jesu durch Johannes den T\u00e4ufer, sollen unsere Vorfahren S\u00e4uglingen ihren Namen verliehen haben, w\u00e4hrend diese mit Wasser besprengt wurden, dieser Vorgang ist \u00fcberliefert als<span>\u00a0<\/span><em>ausa vatni<\/em>, was wiederum m\u00f6glicherweise etymologisch quer durch die indoeurop\u00e4ische Welt mit u.a. Austro, Aurora, Osten, Eostra und der<span>\u00a0<\/span><em>eorthan modor<\/em><span>\u00a0<\/span>zusammenh\u00e4ngt \u2013 was uns folgende Puzzleteile in die Hand gibt: die Himmelsrichtung Osten, die Morgenr\u00f6te, den Ostermonat, die Erdmutter, das (heidnische) Taufwasser.<\/p>\n<p>Wir sind heute zwar daran gew\u00f6hnt, jederzeit bestes Trinkwasser aus dem Wasserhahn zur Verf\u00fcgung zu haben. Man muss sich jedoch vor Augen halten, dass f\u00fcr Menschen in einfacheren Lebensverh\u00e4ltnissen gutes Quellwasser eine Kostbarkeit und K\u00f6stlichkeit war und ist. Wasser, das direkt aus der Natur gewonnen wird, hat die beste Qualit\u00e4t am fr\u00fchen Morgen (die k\u00fchlste Temperatur, die wenigsten Keime). Dieser Effekt wird durch das Ende des Winters noch gesteigert, wenn nach der kalten Jahreszeit besonders wenig Keime \u00fcberlebt haben und durch die Schneeschmelze viel Wasser zur Verf\u00fcgung steht. Dem zu Sonnenaufgang und im \u00dcbergang vom Winter zum Fr\u00fchling gesch\u00f6pften Quellwasser heilsame Wirkungen zuzuschreiben, ist daher naheliegend. Wenn zur Namensgebung S\u00e4uglinge mit Wasser besprengt wurden, welches Wasser w\u00e4re besser geeignet als dieses? Die christlichen Priester werden aus der Not eine Tugend gemacht und mit der Kindstaufe auch die Osterquelle f\u00fcr sich reklamiert haben. Immerhin blieb sie uns auf diese Weise erhalten.<\/p>\n<p>Zu Frage 4: Im Sommer 2007 mache ich mich auf die Suche nach der wenig bekannten Osterquelle am Geesthang. Der Geesthang zieht sich in Ost-West-Richtung parallel zur Elbe hin. Am Fu\u00dfe des Hangs f\u00fchrt ein schmaler Trampelpfad durch Dickicht, wenige Meter von einer alten Eisenbahnlinie und einer stark befahrenen Stra\u00dfe. Zwischen Elbe und Hang liegen vielleicht 30 Meter. Tats\u00e4chlich muss ich eine Weile suchen, um das kleine Rinnsal zu finden. B\u00e4ume und B\u00fcsche sind dicht belaubt, die Quelle daher kaum zu entdecken. Versuche, den Ort zu \u201ezivilisieren\u201c, sind zu erkennen: Die Quelle ist in Steine eingefasst und sprudelt nicht mehr frei, sondern wird durch ein Rohr aus dem Hang geleitet. Urspr\u00fcnglich ergoss sie sich in die Elbe, doch nun staut sich das Wasser im Dickicht, so dass ein kleiner T\u00fcmpel und jede Menge Morast die Quelle fast unzug\u00e4nglich machen. Gerade das verleiht dem Ort einen besonderen Charme.<\/p>\n<p>Eigentlich will ich nur mal das Gel\u00e4nde sondieren, doch wo ich schon mal da bin, probiere ich auch das Wasser. Hm, wirklich k\u00f6stlich und trotz der Jahreszeit sch\u00f6n k\u00fchl. Habe gar keine Lust wieder zu gehen, bleibe noch ein bisschen, schaue mir die B\u00e4ume n\u00e4her an, trinke noch ein wenig Wasser. Als ich mich dann doch zum Gehen wende, h\u00e4lt mich etwas auf. Jemand ist zu Hause. Es w\u00e4re angebracht, diesem jemand eine Gegengabe dazulassen, wenn man sich hier schon an der Quelle bedient. Einer Eingebung folgend werfe ich ein paar Kupferm\u00fcnzen in den T\u00fcmpel \u2013 Kupfer, das passt zur Morgenr\u00f6te \u2013, bedanke mich bei Ostara und k\u00fcndige an, zur Tag-Nacht-Gleiche wiederzukommen. Dieser Ort hat seinen Zauber jedenfalls nicht eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Doch in den n\u00e4chsten Wochen wird die Quelle in das Licht der \u00d6ffentlichkeit gezerrt und zum Gegenstand von Presseberichten und Ausschusssitzungen. Sie soll touristisch nutzbar gemacht werden. Es wird beschlossen, einen Steg \u00fcber den Morast zu bauen, um die Quelle trockenen Fu\u00dfes erreichbar zu machen und das Sch\u00f6pfen zu erleichtern. Ich verfolge diese Entwicklung misstrauisch. Der Steg wird kurz vor Ostern fertig. Da er \u00fcber die Quelle hinwegf\u00fchrt, wird das Sch\u00f6pfen eher erschwert. Doch hat man soviel Respekt gezeigt, B\u00e4ume und B\u00fcsche bei den Bauarbeiten nicht zu besch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Am 21. M\u00e4rz 2008 \u2013 die Tag-Nacht-Gleiche erscheint mir f\u00fcr mein Vorhaben angemessen \u2013 stehe ich in aller Fr\u00fche auf und mache mich fein f\u00fcr meine Verabredung. In Begleitung unserer H\u00fcndin Hexe erreiche ich die Quelle gerade rechtzeitig vor Sonnenaufgang. Der Vollmond spendet gen\u00fcgend Helligkeit zur Orientierung. Hexe verzichtet darauf, das Territorium nahe der Quelle zu markieren. Braver Hund! Und nun? Wegen des Schweigegebotes kann ich Ostara nicht anrufen, und offen gestanden kommt es mir sehr entgegen, jetzt keinen Text deklamieren zu m\u00fcssen. Ich wende mich also zur Quelle nach Norden und gr\u00fc\u00dfe nonverbal, danach wende ich mich den anderen Himmelsrichtungen zu. Anschlie\u00dfend krabbele ich vom Steg hinunter zur Quelle, f\u00fclle einige Flakons ab und trinke aus der hohlen Hand. Hexe, die abseits der Quelle wartet, bekommt auch eine Handvoll gebracht. Schlie\u00dflich bedanke ich mich wortlos f\u00fcr das Wasser und werfe die extra gesammelten Kupferm\u00fcnzen in den T\u00fcmpel. Da der Geesthang heutzutage bebaut und durch einen hohen Zaun gesch\u00fctzt ist, erwarte ich den Sonnenaufgang am Elbufer. Im diesigen Nieselwetter ist die Sonne hinter den Wolken nicht zu sehen, das Licht bricht aus dem Osten diffus hervor und erzeugt dieses fantastische Bild verschiedener Graut\u00f6ne am Himmel, wie es so wohl nur in Norddeutschland zu sehen ist. Ein Anblick f\u00fcr Kenner.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg zum Auto beschleicht mich eine Ahnung. Mit einer Plastikt\u00fcte kehre ich noch mal zur Quelle zur\u00fcck. Das Tageslicht best\u00e4tigt meine Vermutung: Der gestiegene Bekanntheitsgrad der Quelle hat erste Spuren hinterlassen und ich sammle einen ganzen Beutel M\u00fcll ringsumher ein. Will mich schon \u00e4rgern, aber was soll\u2019s? Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie das Wasser einst aus der nackten Erde sprudelte, Tiere ihren Durst stillen, Menschen in grobes Tuch geh\u00fcllt Wasser sch\u00f6pfen, geschm\u00fcckte M\u00e4dchen in feierlichen Prozessionen Kr\u00fcge f\u00fcllen, sehe sie kichern und die Kr\u00fcge fallen lassen, Priester aus der Bibel lesen, Handwerker, die die Quelle in Stein fassen, Arbeiter, die einen Steg bauen. Sehe den Steg vermodern und die Steine aus der Wand brechen, das Wasser der Elbe \u00fcber die Ufer treten und die Stra\u00dfe \u00fcberschwemmen, sehe, wie das Rinnsal sich mit dem gro\u00dfen Fluss vereinigt. Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Reise zu weiteren Osterquellen, Sommer 2008<\/strong><\/h2>\n<p>Recherchen zur Geesthachter Osterquelle wiesen mich auf weitere Orte dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und im Saarland hin. Gern w\u00fcrde ich alle besuchen, aber die Wege zwischen diesen Orten sind doch sehr weit. F\u00fcr einige Tage im Sommer 2008 stelle ich mir jedoch eine Route zusammen, die gut zu bew\u00e4ltigen ist. Und ohne allzu viel Vorbereitung machen H\u00fcndin Hexe und ich uns eines strahlenden Sommertags auf den Weg.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>29. Juli 2008: Tarnow, Landkreis G\u00fcstrow, Mecklenburg-Vorpommern<\/strong><\/h4>\n<p>Ankunft in Tarnow am 29. Juli. Ein Hotelzimmer habe ich gefunden in Gro\u00df Rauen, nahe dem Arch\u00e4ologischen Freilandmuseum. Ich hatte gehofft dort jemanden zu finden, der etwas \u00fcber die Quelle wei\u00df oder sie gar n\u00e4her lokalisieren kann. Leider ist das Museumshaus wegen Bauarbeiten geschlossen, keine Arch\u00e4ologen da, mitten in den Sommerferien! Also fahre ich einfach von Gro\u00df Rauen aus nach Tarnow.<\/p>\n<p>Hier gibt es eine Touristeninformation, die ich von zu Hause aus telefonisch nicht erreicht hatte, die nun aber ge\u00f6ffnet hat. Dort arbeiten Frau Sabine Perlick und Frau Rosi Brock. Beide sind sehr \u00fcberrascht, als ich nach der Osterquelle von Tarnow frage, sie haben noch nie davon geh\u00f6rt. Erwartet hatten sie, dass ich mich f\u00fcr den bekannten bronzezeitlichen Steinkreis von Boitin interessiere und geben mir gleich zwei Brosch\u00fcren dazu. Boitin liegt nur wenige Kilometer westlich von Tarnow. Ich zeige den beiden Damen Ausdrucke aus dem Internet von der Tarnower Osterquelle. Die Internetseite ist veraltet, aber die Quelle ist dort mit einem sch\u00f6nen Foto belegt. Frau Brock und Frau Perlick vermuten, dass wohl nur noch die \u00e4ltesten Tarnower etwas dar\u00fcber wissen k\u00f6nnen. Sie rufen die B\u00fcrgermeisterin an, die die Quelle auch nicht kennt, aber um meine Anschrift bittet, damit sie Kontakt zu mir aufnehmen kann, wenn sie etwas herausfindet. Auf der alten Internetseite steht, die Quelle \u201esucht sich ihren Weg zwischen Tarnow und Boitin entlang der Stra\u00dfe von Ost nach West.\u201c Frau Perlick und Frau Brock kommen zu dem Schluss, dass es sich nur um das kleine Rinnsal handeln kann, das hinter dem Ortsausgang unter der Stra\u00dfe von Nord nach S\u00fcd durchgeleitet wird und dann von Ost nach West an der S\u00fcdseite der Stra\u00dfe entlang zwischen Tarnow und Boitin verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Nachdem ich mit den beiden Damen ein wenig \u00fcber mein Interesse an der Osterquelle geplaudert habe, berichtet Frau Brock, dass auch sie in ihrer Jugend an einer Osterquelle zum Wassersch\u00f6pfen war, n\u00e4mlich in G\u00fcstrow. Frau Brock berichtet, dass sie als junges M\u00e4dchen im Kinderheim von G\u00fcstrow lebte. Dort schlichen sich die M\u00e4dchen zu Ostern morgens gegen 5 Uhr aus dem Haus \u2013 was strengstens verboten war. Jede nahm einen Apfel mit. Das musste in absolutem Schweigen geschehen. Allerdings war es nicht n\u00f6tig, die Quelle vor Sonnenaufgang zu erreichen, die M\u00e4dchen schlichen sich heraus, wenn es gerade hell wurde. Sie folgten diesem Brauch trotz des Verbotes aus der \u00dcberzeugung heraus, das Osterwasser mache sch\u00f6n. Deswegen, so Frau Brock, gebe es in G\u00fcstrow so sch\u00f6ne M\u00e4dchen! \u201eSchreiben Sie das\u201c, sagt sie, und ich schreibe\u2026<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich mache ich mich auf den Weg und finde das Rinnsal wie beschrieben am Ortsausgang von Tarnow Richtung Boitin. Die Beschreibung, die Quelle suche sich ihren Weg entlang der Stra\u00dfe, ist so nicht mehr zutreffend. Da rechts und links gro\u00dfe Ackerfl\u00e4chen sind, wird das Rinnsal durch einen entlang der Stra\u00dfe laufenden Graben geleitet. An der Stelle n\u00f6rdlich der Stra\u00dfe, bevor das Rinnsal unter der Stra\u00dfe durchgef\u00fchrt wird, sto\u00dfe ich auf den Ort, der dem Foto der Quelle zumindest stark \u00e4hnelt. Zwischen etlichen Steinen sammelt sich das Wasser. H\u00f6chstwahrscheinlich ist dies die Quelle. Der genaue Verlauf ist jedoch schwer zu erkennen, da jetzt, im Hochsommer, alles hoch von Pflanzen \u00fcberwuchert ist. Ich mache mehrere Aufnahmen. Mein Hund ist ganz aus dem H\u00e4uschen und will das Wasser sogleich trinken. Drum herum sind alles \u00c4cker und um die \u00c4cker herum sind Gr\u00e4ben angelegt zur Be- und Entw\u00e4sserung. Ein solcher Graben geht auch unter dem Dickicht in die mutma\u00dfliche Quelle \u00fcber, die dadurch v\u00f6llig verschlammt. Jetzt bei sommerlichen 30 \u00b0C ist sowieso nur wenig Wasser da, und es ist voller Insekten und Gew\u00fcrm, daher f\u00fclle ich kein Wasser ab. Zur Sicherheit folge ich dem Entw\u00e4sserungsgraben noch etliche hundert Meter entlang des Ackers, doch da ist nichts zu entdecken. Die Stelle zwischen den Steinen am Ortsausgang ist wohl wirklich die urspr\u00fcngliche Quelle. Ich halte fest: Die Quelle entspringt von Nord nach S\u00fcd, wird einige Meter unter der Stra\u00dfe hergeleitet und flie\u00dft dort im Graben l\u00e4ngs von Ost nach West.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg versuche ich einen Abstecher zum Steintanz von Boitin und mache eine seltsame Erfahrung: Mehrmals fahre ich den Weg Richtung Steintanz viele hundert Meter weit durch den Wald, komme aber schlie\u00dflich wieder an eine Stra\u00dfe, ohne den Steintanz gesichtet zu haben. Es ist schon auch seltsam, dass die Touristenattraktion so wenig beschildert ist \u2013 als Stadtmensch bin ich darauf konditioniert, Schilder zu lesen, nicht Topografien. Schlie\u00dflich und endlich akzeptiere ich, dass sich der Boitiner Steinkreis vor meinem Auge versteckt. Erst abends lese ich im Prospekt aus der Tourist-Information, dass es eine Eigenart des Boitiner Steinkreises ist, manchmal verborgen zu bleiben, auch wenn sich dies einer Erkl\u00e4rung entzieht.<\/p>\n<p>Da die Musik auf den langen Fahrten im Auto einen erheblichen Einfluss auf die Atmosph\u00e4re des Tages hat, m\u00f6chte ich sie hier \u2013 gewisserma\u00dfen<span>\u00a0<\/span><em>off topic<\/em><span>\u00a0<\/span>\u2013 nicht unerw\u00e4hnt lassen.<br \/>\nUnd die CD des Tages war J. J. Cale, \u201eGreatest Hits\u201c:<\/p>\n<p>\u201eI can\u2019t count from one to ten, I don\u2019t know the shape I\u2019m in, I can\u2019t tell if the sun\u2019s gonna shine and I don\u2019t know if you\u2019ll ever be mine. But I make love to you any o\u2019 time\u201c. Sch\u00f6n, wenn die Priorit\u00e4ten gekl\u00e4rt sind!<\/p>\n<p><strong>30. Juli 2008: L\u00fcbars, Bezirk Reinickendorf, Berlin<\/strong><\/p>\n<p>Am 30. Juli erreiche ich L\u00fcbars. Unterkunft habe ich im benachbarten Waidmannslust genommen bei einer freundlichen Wirtin, die meinen Airedale sogleich ins Herz schlie\u00dft, aber leider nichts \u00fcber den Osterbrauch wei\u00df. W\u00e4hrend Waidmannslust eher einen kleinst\u00e4dtischen Eindruck macht, ist L\u00fcbars richtig d\u00f6rflich, mit Landwirtschaft und Reitsport. Eigenartig, dass sich trotz des kargen Bodens, auf dem kaum etwas au\u00dfer Lein und Raps gedeiht, gerade hier die Bauernh\u00f6fe halten.<\/p>\n<p>Die Suche nach der Osterquelle gestaltet sich diesmal wohltuend einfach. Man f\u00e4hrt einfach die Hauptverkehrsstra\u00dfe durch bis ans Ende von L\u00fcbars. Dort zweigt ausweislich des Berliner Stadtplans der Schildower Weg ab, ein Feldweg, den man vielleicht einen Kilometer weit wahlweise geht, joggt oder reitet. Hexe und ich w\u00e4hlen eine gem\u00fctliche Gangart durch die Flie\u00dflandschaft, denn es ist br\u00fctend hei\u00df. \u00dcberbr\u00fcckt von einem soliden Holzsteg finden wir die Quelle am Wegesrand. Es handelt sich wohl um die bekannteste und nie in Vergessenheit geratene Osterquelle Deutschlands. Bis Anfang 2008 war sie die einzige Osterquelle, die bei Wikipedia verzeichnet war. Man kennt sie auch als \u201eMarienquelle\u201c. Um die Flie\u00dflandschaft k\u00fcmmert sich der Nabu, der auch die Quelle beschildert hat. Dem Schild ist zu entnehmen, dass es sich um eine Springquelle handelt, wie es deren mehrere in der Umgebung gibt. Der Nabu weist auch auf den Brauch des Osterwassersch\u00f6pfens hin, das kalkhaltige Wasser war sehr begehrt und sowohl Gesundheit wie Sch\u00f6nheit f\u00f6rderlich. Heute allerdings ist das Wasser f\u00fcr den Genuss zu mineralhaltig \u2013 wohl eine Folge jahrelanger \u00dcberd\u00fcngung der \u00c4cker. Die Quelle ist sorgf\u00e4ltig in Stein gefasst in einem Halbkreis mit ca. 2 m Radius. Aus mehreren \u00d6ffnungen oben und unten in dem Halbkreis rinnt etwas Wasser. Trotz der Hitze ist das Wasser k\u00fchl und glasklar. Gl\u00fccklich sch\u00f6pfe ich eine Flasche Wasser und mache ein paar Aufnahmen von der Quelle, die mitsamt Einfassung trotz Weitwinkel nicht auf ein Bild passt. Ich bedanke mich bei Ostara und werfe im Tausch ein Mitbringsel in die Pf\u00fctze unterhalb der Quelle. Ich halte fest: Die Quelle entspringt von S\u00fcd nach Nord und flie\u00dft als Rinnsal in n\u00f6rdlicher Richtung weiter in das Flie\u00dftal. Man sieht deutlich, wie sich die Vegetation nahe des Rinnsals ver\u00e4ndert. Es ist nicht nur die Bew\u00e4sserung als solche, auch der besondere Mineralgehalt des Quellwassers, der hier Pflanzen gedeihen l\u00e4sst, die in der weiteren Umgebung keine Chance haben. Es gibt wundersch\u00f6ne Wanderwege in unmittelbarer N\u00e4he der Quelle, die Hexe und ich erkunden, der Ausflug hierher hat sich auf alle F\u00e4lle gelohnt.<\/p>\n<p>Die CD des Tages war Fats Domino: \u201eGreatest Hits\u201c:<br \/>\n\u201eBaby, don\u2019t you let your dog bite me.\u201c Keine Sorge, der will nur spielen\u2026<\/p>\n<p><strong>31. Juli 2008: Langewahl, Landkreis F\u00fcrstenwalde, Brandenburg<\/strong><\/p>\n<p>Am 31. Juli erreiche ich Langewahl. Dieses winzige Dorf s\u00fcdlich von F\u00fcrstenwalde bietet Reisenden keine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten, ich suche mir daher ein Zimmer in Neu Golm. Zwischen Neu Golm, Alt Golm und Langewahl liegen die Dubrower Berge (faktisch eher H\u00fcgel als Berge). Und die Dubrower Berge bergen eine unter den Einheimischen wohlbekannte Osterquelle.<\/p>\n<p>Ich parke an einem der zahlreichen Waldwege, dort weist sogar ein Hinweisschild auf die Quelle hin. \u201ePrima\u201c, denke ich, \u201eeinfach den Wegweisern nach\u201c. Auch mein Hund freut sich auf den Spaziergang im Wald. Wir ahnen ja nicht, dass wir von einem Labyrinth verschluckt werden, welches uns erst Stunden sp\u00e4ter wieder ausspucken wird. \u201eDub\u201c bedeutet im Sorbischen \u201eEiche\u201c. Doch statt des Eichenhains, der hier fr\u00fcher mal stand, sind heute Nadelh\u00f6lzer dicht an dicht als reiner Nutzwald gepflanzt, durchzogen von einem Netz von Waldwegen f\u00fcr die Fahrzeuge der Holzf\u00e4ller. Alle Wege sehen mehr oder weniger gleich aus, alle B\u00e4ume ebenso. Ich sto\u00dfe zwar auf ein weiteres Hinweisschild, aber leider nicht an den zahlreichen Weggabelungen und Kreuzungen, wo es w\u00fcnschenswert w\u00e4re. Mein Orientierungssinn wird auf eine ernsthafte Probe gestellt und schlie\u00dflich verlassen der Hund und ich die Wege, um einfach auf den h\u00f6chsten H\u00fcgel zu klettern in der Hoffnung, einen \u00dcberblick zu gewinnen. Umsonst! Wir wandern weiter, einfach der Nase lang, bis wir schlie\u00dflich doch f\u00fcndig werden, tief, tief im Wald. Ein kr\u00e4ftiges Rinnsal, in Natursteine gefasst, entspringt einer Anh\u00f6he aus einem Wasserspeier. Das Wasser ist klar, k\u00fchl und wohlschmeckend. Es soll Ammoniak enthalten. Ich halte fest: Die Quelle entspringt von Westen nach Osten, m\u00fcndet in einen Goldfischteich und versickert nach vielleicht 30 m im Waldboden. Die Anlage, zu der auch ein Steg, ein gr\u00f6\u00dferer Platz und Sitzgelegenheiten geh\u00f6ren, wird von den \u00f6rtlichen Anglern sorgsam gepflegt.<\/p>\n<p>Traditionell gingen die jungen Frauen in bekannter Manier schweigend am fr\u00fchen Morgen des Ostersonntags Wasser sch\u00f6pfen, trinken und das Gesicht benetzen. Nicht selten wurden sie von den jungen M\u00e4nnern dort bereits erwartet, die an den Osterfeuern des Vorabends die Nacht verbracht hatten. Das Osterwasser aus Langewahl hat jedoch eine besondere Eigenschaft: Es bringt nicht nur Sch\u00f6nheit, sondern auch Kraft und K\u00fchnheit. Das mag mit ein Grund daf\u00fcr sein, dass an der Langewahler Quelle mittlerweile Gleichberechtigung herrscht. Heutzutage treffen sich etwa 100 Jugendliche beiderlei Geschlechts aus der gesamten Umgebung am Ostersamstag, entz\u00fcnden auf der Lichtung vor der Quelle Osterfeuer und feiern die Nacht durch, um sich dann morgens am Quellwasser zu laben. Nat\u00fcrlich flie\u00dft dabei heute nicht mehr nur reines Quellwasser sondern auch Hochprozentigeres, und mit dem absoluten Schweigen wird es wohl auch nicht mehr ganz so genau genommen. In der Lokalpresse wird auch gelegentlicher Vandalismus beklagt, der den Jugendlichen angelastet wird und dessen Spuren meist vom Anglerverein beseitigt werden. Dennoch freut es mich, dass an diesem beschaulichen und bezaubernden Ort jedes Jahr solch ein reges Treiben herrscht. Ostara wird ihre Gunst auch unter sich ver\u00e4ndernden kulturellen Bedingungen verschenken, erst recht, wenn sie so enthusiastisch gefeiert wird. Ich selbst rufe die G\u00f6tter und speziell Ostara an, f\u00fclle eine Halbliterflasche des guten Wassers und hinterlasse eine Gegengabe am Rinnsal.<\/p>\n<p>Auch wenn die Dubrower Berge als Wald nicht mehr so attraktiv sein m\u00f6gen wie fr\u00fcher einmal \u2013 denn vom Eichenhain, der den Bergen einst seinen Namen gegeben hat, ist kaum noch etwas zu ahnen \u2013, der Ort um die Quelle selbst atmet den alten Geist.<\/p>\n<p>Die CD des Tages war The Chieftains, \u201eThe Long Black Veil\u201c:<\/p>\n<p>\u201eShe walks these hills in a long black veil\u201d \u2013 In welchem Gewand w\u00fcrde ich mir Ostara vorstellen? In einem flie\u00dfenden Stoff, in leuchtendem Hellblau, keine Frage \u2013 in der Farbe, die die Farbe Marias werden sollte\u2026<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. August 2008: Trebendorf, Landkreis Spree-Nei\u00dfe, Brandenburg<\/strong><\/h4>\n<p>Am 1. August erreiche ich Trebendorf. Das Dorf geh\u00f6rt zur Gemeinde Wiesengrund und liegt tief in der Niederlausitz, wo die Ortsschilder zweisprachig sind \u2013 sorbisch und deutsch. Die hiesige Osterquelle ist besonders einfach zu finden, denn sie hat eine Postanschrift, n\u00e4mlich die von Familie Schwekutsch. Ein paar Tage zuvor hatte ich telefonisch Kontakt zum Ehepaar Schwekutsch aufgenommen, was einige Recherche erfordert hatte. Das Ehepaar war sehr verwundert, dass sich pl\u00f6tzlich jemand aus Schleswig-Holstein f\u00fcr ihre Quelle interessiert. Nun stehe ich vor ihrem Haus. Herr und Frau Schwekutsch sowie ihre Tochter Frau Tauche samt dem kleinen Tom begr\u00fc\u00dfen mich freundlich und f\u00fchren mich in ihren Garten. Herr Schwekutsch, heute 70 Jahre alt, kam als Kind in dieses ehemals sorbisch gepr\u00e4gte Gebiet und war von klein auf fasziniert von der hiesigen Quelle und dem damit verbundenen Brauchtum. In sp\u00e4teren Jahren konnte er das Grundst\u00fcck mit der Quelle erwerben. Seine Frau und seine Tochter sch\u00f6pfen jedes Jahr aus der Quelle \u2013 wie auch andere Frauen und M\u00e4dchen der Umgebung, denn obwohl auf Privatgrund, ist die Quelle der \u00d6ffentlichkeit keineswegs entzogen. Sie wurde von Herrn Schwekutsch mit Freunden liebevoll hergerichtet. Nur hier darf das Wasser direkt aus dem sandigen Boden quillen. Ich halte fest: Eine genaue Himmelsrichtung kann ich nicht bestimmen; nachdem das Wasser ebenerdig entsprungen ist, sammelt es sich in einem in Stein gefassten L-f\u00f6rmigen Becken und versickert einige Meter weiter s\u00fcdlich in einer Lache unter einer schattigen Baumgruppe. Mein Hund ist begeistert und nimmt erst einmal ein Schlammbad. Im Schatten der B\u00e4ume haben die Schwekutschs Bank und Tisch f\u00fcr Besucher aufgestellt, die manchmal \u00fcber den benachbarten Radweg zur Quelle kommen. Das lauschige Pl\u00e4tzchen an der Quelle erscheint mir wie eine kleine Oase an diesem hei\u00dfen Sommertag. Es spendet K\u00fchle und ist g\u00e4nzlich frei von M\u00fccken. Frau Tauche ist sehr kundig und kann ausf\u00fchrlich \u00fcber die Region und ihre nat\u00fcrlichen Gegebenheiten berichten. Au\u00dfer der Osterquelle bietet die Gemeinde Wiesengrund noch ein anderes Naturdenkmal, die Charlotteneiche. Sie wurde benannt nach der Mutter der ber\u00fchmten preu\u00dfischen K\u00f6nigin Luise. Es hei\u00dft, man brauche zw\u00f6lf M\u00e4nner, um diese Eiche zu umfassen. Etliche Springquellen in der Umgebung sorgen daf\u00fcr, dass das Land auch in hei\u00dfen Sommern nie austrocknet. Durch Flurbegradigung, Meliorisierung (Entw\u00e4sserung) und intensive Landwirtschaft ist jedoch vieles in der Natur aus dem Gleichgewicht geraten. Auch der gro\u00dffl\u00e4chige Braunkohletagebau nahe Cottbus, f\u00fcr den nicht nur zur DDR-Zeit, sondern auch heute auf Betreiben eines privatwirtschaftlichen \u201eEnergieriesen\u201c Ortschaften entv\u00f6lkert und die Bodensch\u00e4tze ausgebeutet werden, tut der Erde Gewalt an. Riesige Krater, die nach dem Tagebau in der Landschaft zur\u00fcck bleiben, sollen zum Teil geflutet und renaturiert werden. Doch dadurch wird den Nachbarregionen Wasser entzogen. Dies ist auch eine Bedrohung f\u00fcr die Osterquelle von Trebendorf, die schon einmal in Folge von Meliorisierung versiegt war. Die Familie Schwekutsch\/Tauche ist zu Recht stolz darauf, mit ihrem privaten Engagement die Trebendorfer Osterquelle erhalten und vor dem Zugriff anderer Interessen bewahrt zu haben.<\/p>\n<p>Auch in Trebendorf verlangt der Brauch, dass die M\u00e4dchen und Frauen sich am Ostersonntagmorgen schweigend der Quelle n\u00e4hern. Jungen verstecken sich im Unterholz, um die M\u00e4dchen zu erschrecken \u2013 wer aufschreit und das Schweigen bricht, hat sich umsonst aus dem Bett gequ\u00e4lt. Auch das hiesige Wasser wird getrunken und zum Waschen des Gesichts benutzt, auch dieses Wasser macht besonders sch\u00f6n. Es ist wohlschmeckend und soll Eisenocker enthalten, wurde bislang aber noch nicht analysiert. Ich darf mir eine Flasche abf\u00fcllen. Es f\u00e4llt schwer, sich von diesem wundersamen Ort loszurei\u00dfen, doch ich verabschiede mich von meinen liebensw\u00fcrdigen Gastgebern und danke Ostara diesmal im Stillen.<\/p>\n<p>Die CD des Tages war Achim Reichel, \u201eWilder Wassermann\u201c:<\/p>\n<p>\u201eDie B\u00e4ume, sie neigen sich tief und schweigen, und atmend horcht die Nachtigall.\u201c Eine Stimme, die m\u00fchelos Jahrhunderte \u00fcberbr\u00fcckt, ein verwandter Geist.<\/p>\n<p>Zeit, heim zu fahren.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geesthacht.de\/\">www.geesthacht.de<\/a><span>\u00a0<\/span>(Suchbegriff Osterquelle)<\/p>\n<p>Claudia Tanck: Geschichten aus dem Lauenburger Land. Schwarzenbek, 2004<\/p>\n<p>Matth\u00e4us 3, 13-17<\/p>\n<p>Kurt Oertel: Ostara \u2013 eine germanische G\u00f6ttin? in: Herdfeuer 8\/2005. S. 20; auch online unter:<span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2005\/04\/27\/goettin-ostara\/\">https:\/\/eldaring.de\/2005\/04\/27\/goettin-ostara\/<\/a><\/p>\n<p>Erika Timm unter Mitarbeit von Gustav Adolf Beckmann: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten, Stuttgart, 2003<\/p>\n<p>Theodor Fontane, Die Br\u00fcck\u2019 am Tay, in: Deutsche Gedichte II, Frankfurt\/M.: Insel Vlg. 1984<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2009 in Herdfeuer 24\u00a0<\/strong><em><strong><\/strong><\/em><strong><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Petra Bolte In der Ortschaft im S\u00fcden Schleswig-Holsteins, in der ich wohne, gibt es eine Osterquelle. So jedenfalls laut Internetauftritt der Stadt. Nach \u00fcber 15 Jahren in diesem Ort hatte ich bis 2007 jedoch nie zuvor davon geh\u00f6rt. Erste Recherchen f\u00f6rderten nicht nur die heimische Osterquelle zutage, sondern auch weitere in ganz Deutschland. 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