{"id":324,"date":"2010-04-19T19:57:47","date_gmt":"2010-04-19T17:57:47","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=324"},"modified":"2025-08-24T20:47:49","modified_gmt":"2025-08-24T18:47:49","slug":"zieh-mit-den-woelfen-krieger-in-der-vergangenheit-und-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/zieh-mit-den-woelfen-krieger-in-der-vergangenheit-und-gegenwart\/","title":{"rendered":"Zieh mit den W\u00f6lfen Krieger in der Vergangenheit \u2013 und Gegenwart?"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine historische wie auch pers\u00f6nliche Betrachtung eines Begriffes<\/h3>\n<p>von Alex Jahnke<\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Krieger\u201c \u2013 ein Begriff, der in Asatrukreisen h\u00e4ufig diskutiert wird und dem kaum jemand neutral gegen\u00fcbersteht. Die Haltung reicht dabei von romantisierten ritterlichen Vorstellungen bis hin zu absoluter Ablehnung als brutalem Relikt der Vergangenheit. Dieser Artikel versucht, als Bindeglied zwischen den Meinungen zu fungieren und aufzuzeigen, warum das Kriegerbild heute nicht \u00fcberholt ist, als auch, warum eine romantisierte Vorstellung aufgrund des fehlenden sozialen Hintergrundes falsch ist. Dabei werden die grundlegenden Riten und Rituale der Krieger durch die Zeit aufgezeigt und ihre bis heute andauernde Existenz dargelegt.<\/p>\n<p>Der Krieger-Archetyp \u2013 wie auch das Kriegertum selbst \u2013 ist aus Asatru nicht wegzudenken und deshalb allgegenw\u00e4rtig, da die Religion fest in einer kriegerischen Stammes-Gesellschaft verwurzelt ist. Fritz Steinbock schreibt dazu:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDas Krieger-Ideal ist so pr\u00e4sent, weil unsere Quellen aus Krieger-Kreisen stammen. Daher erscheint z.B. Odin mehr als Gott der Krieger und seltener als Gott der Dichter, Seher und Magier, obwohl man das in der Edda sehr deutlich sehen kann. Vieles Kriegerische ist historisch bedingt und nicht auf heute zu \u00fcbertragen. Ein wesenhafter Bestandteil von Asatru ist aber die Grundhaltung des Kriegers: das Wissen, in einer Welt zu leben, in der man um seinen Platz sehr oft k\u00e4mpfen muss \u2013 und da\u00df das kein Skandal, sondern nun mal der Lauf der Welt ist, das Schicksal des Menschen, das man akzeptieren und in W\u00fcrde erf\u00fcllen muss. Ehre ist eine Krieger-Tugend, auch Treue: die Krieger m\u00fcssen sich aufeinander verlassen k\u00f6nnen. Mut nat\u00fcrlich auch \u2013 die Neun Tugenden haben viel mit dem fr\u00fcheren Kriegertum zu tun. Es geht dabei um den \u201ainneren Krieger\u2018, den Asatru f\u00f6rdert. Das hat mit Ehrenhaftigkeit zu tun, durchaus auch mit Ritterlichkeit. Die Ritter-Ideale sind ja nur oberfl\u00e4chlich christianisiert, ihre Wurzeln sind heidnisch.\u201c[1]<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie tief diese Verwurzelung ist, zeigte der franz\u00f6sische Mythologie-Forscher Georges Dum\u00e9zil (1898-1986) Anfang des 20. Jahrhunderts. Dum\u00e9zil hat eine Analyse der indoeurop\u00e4ischen Mythologie entwickelt, die die gesamte Kultur untersucht. Mythen sind f\u00fcr Dum\u00e9zil nicht nur literarische Werke der Skalden und Barden, sondern sind konkrete Beschreibungen sozialer Lebensgewohnheiten und dienen als Regelwerk der Gesellschaft:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201e[Mythen stellen] \u2026 keine beliebigen dramatischen oder lyrischen Erfindungen ohne Bezug zur politischen und sozialen Organisation, zum Ritual, zum Gesetz oder zum Brauchtum dar; im Gegenteil, ihre Rolle besteht gerade in der Rechtfertigung des Ganzen, in der Bebilderung der gro\u00dfen Ideen, die das Ganze organisieren und st\u00fctzen.\u201c[2]<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aus diesem Material entwickelte er drei gesellschaftliche Gruppen: Bauer, Krieger und Priester, die parallel zu der G\u00f6ttergesellschaft strukturiert waren und aus drei menschlichen Grundbed\u00fcrfnissen entstanden waren: \u201edie Verwaltung des Heiligen (oder heute seiner ideologischen Surrogate), die Verteidigung und die Nahrung.\u201c[3]<\/p>\n<p>Diese Struktur hatte die Indoeurop\u00e4er soweit gepr\u00e4gt, dass sie die Theologie, Mythologie sowie die soziale Organisation des Alltags beeinflussten.<\/p>\n<p>Dum\u00e9zil entwickelte daraus die These, dass es sich dabei um die Manifestation von drei Funktionen handelt \u2013 Souver\u00e4nit\u00e4t, Verteidigung, Fruchtbarkeit. Zu einem Zeitpunkt in der fernen Vergangenheit existierte eine angenommene vor-indoeurop\u00e4ische Struktur, die sich zwar durch V\u00f6lkerwanderungen ausbreitete, aber von lokalen Kulturen \u00fcberlagert und dadurch in den neuen Kulturen verschieden transformiert wurde.<\/p>\n<p>Der germanische G\u00f6tterhimmel l\u00e4sst sich laut Dum\u00e9zil in drei Gruppen einordnen. Die skandinavischen Quellen aus Island unterteilen den Pantheon in die uns bekannten zwei G\u00f6tterfamilien: Asen (Krieger\/Priester) und Wanen (Bauern). Odin ist unschwer als Vertreter der ersten beiden Funktionen zu erkennen. Er ist der m\u00e4chtige Magier, der G\u00f6ttervater. Er vertritt die intellektuelle Klasse, wenn auch nicht ganz so \u201erein\u201c wie seine Entsprechungen in der indischen Mythologie. Odin ist nicht ausschlie\u00dflich der Priestergott, denn er f\u00fchrt auch ekstatisch die wilde Jagd an und wird als Krieger gegen seine letzten Feinde antreten.<\/p>\n<p>Thor, der Donnerer, der mit seinem Hammer die Riesen bek\u00e4mpft und dem der \u201eFuror\u201c nicht unbekannt ist, ist ein idealer Vertreter der Kriegergruppe. Die Wanen vertreten Reichtum, Fruchtbarkeit und Landwirtschaft und damit die gro\u00dfe Kategorie der dritten Funktion.<\/p>\n<p>Wollen wir Asatru als authentische Religion wieder- und neuerleben, muss auch diese soziale Grundlage ein Thema sein. Im Folgenden werden wir uns nur auf den Aspekt des Kriegers konzentrieren und sein Verhalten n\u00e4her untersuchen.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aspekte des Kriegertums<\/strong><\/h4>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIn diesem Kampfe muss der Schw\u00e4chere am Boden bleiben, w\u00e4hrend der Sieger, die Waffe fester in der Faust, \u00fcber den Erschlagenen hinwegtritt, tiefer ins Leben, tiefer in den Kampf. So ist der Aufschrei, den solcher Anprall mit dem des Feindes vermischt, ein Schrei, der sich Herzen entringt, vor denen die Grenzen der Ewigkeit schimmern. Es ist ein Schrei, im Flusse der Kultur l\u00e4ngst vergessen, ein Schrei aus Erkennen, Grauen und Blutdurst.\u201c[4]<\/p><\/blockquote>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Helfer des Kriegers ist die Angst, andererseits aber auch sein schlimmster Gegner. Das Ritual vor einem Kampf ist auch in der Tierwelt deutlich l\u00e4nger als die eigentliche k\u00f6rperliche Auseinandersetzung. Es wird gedroht, imponiert und Scheinattacken werden gef\u00fchrt. Man m\u00f6chte den Gegner bereits vor dem k\u00f6rperlichen Konflikt in die Flucht schlagen. Dieses Verhalten findet sich bei Tieren, aber auch bei steinzeitlichen menschlichen Kulturen. Der Hinterhalt oder schnelle \u00dcberfall ist die h\u00e4ufigste Form des Konfliktes, offene K\u00e4mpfe oder Schlachten hingegen beginnen mit einem festgelegten Ritual unter den Kriegern beider Parteien. Drohen, prahlen, beschimpfen, obsz\u00f6ne Gesten, hin und wieder ein Pfeil, wobei beide Parteien im gro\u00dfen Abstand zueinander stehen. Einzelne Krieger springen aus der Reihe, um ihren besonderen Mut zu beweisen, und ziehen sich dann wieder zur\u00fcck. Als extrem ritualisierte Form ist dieses Verhalten bei den Lakota und anderen Plainsst\u00e4mmen zu finden. Man prescht vor und ber\u00fchrt den Gegner nur mit der eigens daf\u00fcr vorgesehen Coup-Stange. Einen Coup zu schlagen, wird als mutigste Handlung \u00fcberhaupt angesehen. Bei Schlachten kann dieses Gepl\u00e4nkel Tage dauern und Tote sind dabei selten.<\/p>\n<p>Gerade in lebensgef\u00e4hrlichen Situationen vertraut der Mensch auf h\u00f6here M\u00e4chte, w\u00fcnscht sich deren Beistand und Hilfe. Schon aus fr\u00fchester Vorzeit (vor 30.000 Jahren) gibt es Funde, die beweisen, dass sich Krieger mittels schamanischer Techniken in m\u00e4chtigere, gef\u00e4hrlichere Wesen zu verwandeln w\u00fcnschten. Dazu maskierten sie sich mit Fellen oder Masken und wurden zu Tieren. Diesen Brauch findet man in fast allen Kulturen: die Berserker \u2013 die B\u00e4renh\u00e4uter \u2013, die Ulfhednar, die Jaguarkrieger der Azteken, der Schakal bei den \u00c4gyptern, Herakles trug ein L\u00f6wenfell, die Gr\u00fcndervater Roms wurden von W\u00f6lfen ges\u00e4ugt, und nat\u00fcrlich ist Odin der Herr der W\u00f6lfe, der letztendlich aber auch seine eigene Nemesis ist.<\/p>\n<p>Der Wolf ist das am meisten verbreitete Totem- und Krafttier der Krieger in allen Kulturen. Wolfs- und\/oder Hundemythen findet man auf der ganzen Welt. Ist es kein Wolf oder Hund, w\u00e4hlen die Krieger interessanterweise eher listige R\u00e4uber als Krafttier: Coyote, Schakal, Leopard, Raubv\u00f6gel. Schnelligkeit des Pferdes oder Kraft des B\u00fcffels wird von den Kriegerb\u00fcnden nur selten gew\u00e4hlt. Entstanden ist der Wolfsmythos unter den Nomaden Zentralasiens, hier war der Wolf ein starkes und kluges Raubtier, ein Vorbild f\u00fcr Krieger und J\u00e4ger. Viele mongolische und t\u00fcrkische St\u00e4mme nannten sich \u201eW\u00f6lfe\u201c und f\u00fchrten ihre Abstammung auf die tierischen Vorfahren zur\u00fcck. In sp\u00e4teren, sesshafteren Kulturen wandelte sich das Bild des Wolfes. Er war eine Gefahr f\u00fcr die Herden der Bauern und wurde so zum Sinnbild des B\u00f6sen. Wer zum Wolf wurde, war ein aus der Gesellschaft Ausgesto\u00dfener. Beide Sinnbilder haben sich vermischt und geben das bis heute vorherrschende Bild \u00fcber W\u00f6lfe vor: der b\u00f6se Wolf, der die Zicklein frisst und das gro\u00dfe Vorbild, das sich in vielen Vornamen mit Wolfsbedeutung wieder findet (Wolfgang, Ulf, Markolf usw.). Bezeichnend ist auch, dass sich die Bezeichnung \u201eDogs of War\u201c (Hunde des Krieges) bis heute in der englischen Sprache f\u00fcr S\u00f6ldner gehalten hat.<\/p>\n<p>Wechselte der germanische Mann vom Kindes- ins Mannesalter, so wurden auf der J\u00fcnglingsweihe Wolfsfelle und Wolfsmasken getragen. Die Sagas erz\u00e4hlen uns, dass die besten Krieger des K\u00f6nigs Harald die Ulfhednar (Wolfshemdtragenden) waren. Der Mythos des gewaltt\u00e4tigen Wolfsmenschen, des Wer(e)wolfs, ist in fast allen Kulturen zu finden. F\u00fcr die Opfer eines Raubzuges mussten die wilden Krieger in Wolfsmasken wie Ungeheuer aus Albtr\u00e4umen erscheinen und so die Skalden zu ihren Geschichten inspirieren.<\/p>\n<p>Neben dem Anlegen von Fellen oder Masken wurden auch T\u00e4towierungen oder Kriegsbemalungen zur magischen Verwandlung genutzt. Von diesen furchterregenden Bemalungen oder auch von wilder Haarpracht (bei den Kelten) berichten die r\u00f6mischen Autoren voller Ehrfurcht: \u201eAlle Britannier f\u00e4rbten sich mit Waid, der eine blaue F\u00e4rbung bewirkt \u2026 und hierdurch sind sie im Kampf so schrecklich anzusehen\u201c, schreibt Caesar. Dass diese Bemalung magisch war, zeigt auch das deutsche Wort \u201ezaubern\u201c, das von \u201er\u00f6teln\u201c abgeleitet wird. Bei den kultivierten Griechen und R\u00f6mern waren solche Sitten verachtet; sp\u00e4ter wurden sie dann von der christlichen Kirche als heidnisch verboten, hielten sich aber unter den keltischen St\u00e4mmen auf den britischen Inseln bis ins Mittelalter.<\/p>\n<p>Aber auch in der christlichen Zeit war der Schrecken des Gegners eine zu wichtige Waffe, um sie nicht zu gebrauchen. Jedes Volk und jedes Zeitalter nutze dieses psychologische Moment. Schon im Krieg zwischen Persien und \u00c4gypten wird von Hinrichtungen vor den Augen des Gegners und vom Trinken des Blutes des Opfers im Angesicht des Vaters berichtet. Bei den R\u00f6mern trug der Standartentr\u00e4ger einen L\u00f6wenkopf, die Samurai hatten wilde Fratzen auf ihren Helmen. Um den Gegner zu demoralisieren, wurde die eroberte Stadt zuerst gepl\u00fcndert, bevor wieder Ordnung eintrat.<\/p>\n<p>Diese sozialen Verhaltensweisen richten sich allerdings nicht nur auf die Gegner, sondern es werden damit auch innerhalb der Gruppe die Rangfolge und der \u201ePlatz im Rudel\u201c festgelegt. Innerhalb primitiver Gesellschaften herrscht eine konstante Gewaltbereitschaft, um den errungenen Platz zu verteidigen und gegebenenfalls nach oben auszubauen. Aus dieser Grundhaltung entstehen lange Rachefehden wegen geringster Ehrverletzungen. Das erinnert nicht zuf\u00e4llig an die Rangk\u00e4mpfe in einem Wolfsrudel. Von Menschen wird der Rangkampf aufgrund seiner Vernunft abstrahiert und auf eine symbolische Ebene gehoben. Er kann seine alten Erfolge vorweisen, durch Troph\u00e4en in seiner Geschichte zur\u00fcckreisen und so wieder ein Drohpotential aufbauen, das seine Stellung im Rudel, aber auch die Stellung gegen\u00fcber Feinden sichert. Das soll nicht nur den potentiellen Gegner abschrecken, sondern den Tr\u00e4ger der Troph\u00e4e auch wiederum magisch sch\u00fctzen. Selbst das Skalpieren des Gegners im \u201eWilden Westen\u201c kann als solch magischer Akt gesehen werden. Neben der magischen Komponente, ist die Troph\u00e4e auch ein Zeichen des \u201eHandwerks\u201c des Kriegers und sagt aus: \u201eSchaut her, so viele habe ich schon get\u00f6tet. Nehmt euch in Acht vor mir, sonst h\u00e4ngt ihr auch an meinem G\u00fcrtel.\u201c<\/p>\n<p>Wie fundamental diese Riten sind, zeigt ihr Vorkommen in allen kriegerischen Kulturen auf der Erde. Kopfjagd und Skalpieren findet sich im Pazifik, bei den Thrakern, Skythen und in Nord- und S\u00fcdamerika. Die Griechen haben sich Schauergeschichten erz\u00e4hlt, dass die Skythen das Blut ihrer Feinde trinken. Man formte Trinkbecher aus den Sch\u00e4deln ber\u00fchmter Feinde oder n\u00e4hte M\u00e4ntel aus deren Skalpen. Die Mischung aus M\u00e4rchen und Wahrheit ist durchaus gewollt und tr\u00e4gt zur Wirkung beim Gegner bei.<\/p>\n<p>Die Zeit des wilden Kriegers war bei den Germanen zeitlich beschr\u00e4nkt. Mit dem \u00dcbertritt des Kindes ins Jugendalter wurde der Jugendliche zum Mitglied der Kriegerb\u00fcnde, einer Gesellschaft die au\u00dferhalb der \u201enormalen\u201c Normen und Moral der germanischen Gesellschaft lag. Die Kriegerb\u00fcnde pr\u00e4gten das Bild der Berserker und Ulfhednar, wilde Krieger mit wenig, au\u00dfer mit Tierfellen und\/oder Masken bekleidet, die ohne R\u00fccksicht auf Verluste k\u00e4mpften und den<span>\u00a0<\/span><em>Furor Teutonicus<\/em><span>\u00a0<\/span>begr\u00fcndeten. Als wilde Horde zogen sie durch die Lande und gaben so der \u201eWilden Jagd\u201c eine reale Entsprechung. Sie galten f\u00fcr die Gemeinschaft als tot, was wahrscheinlich ihre Kampfbereitschaft steigerte. Kris Kershaw sieht in diesen marodierenden Horden auch den Ursprung des Fasnachtsbrauches, die Bewohner eines Hauses in wilden Masken um Essen anzubetteln. Wann das genaue Ende der \u201ewilden Jahre\u201c war, l\u00e4sst sich r\u00fcckblickend schwer feststellen. Wahrscheinlich lag die Zeit irgendwo zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Von den Chatten ist das Ritual \u00fcberliefert, sich nach dem ersten get\u00f6teten Feind die Haare und den Bart zu stutzen, vielleicht war dies der erste Schritt aus dem geregelten Ungest\u00fcm in das geordnete Leben. Ab dann stand nicht mehr der wilde Kampf im Vordergrund, sondern Familie, Sippe und Besitz. Aus dem wilden Krieger, dessen F\u00e4higkeiten gerne von den K\u00f6nigen als eine Art \u201eSpezialeinheit\u201c eingesetzt wurden, wurde der wehrhafte Mann. Er hatte nun Erfahrungen im Kampf gesammelt, war f\u00e4hig, sich und die Seinen zu sch\u00fctzen. Er w\u00fcrde sein Recht bei Schw\u00e4chung des Heils der Sippe durchsetzen k\u00f6nnen, aber f\u00fcr politisch motivierte Feldz\u00fcge war er nicht mehr der erste Ansprechpartner.<\/p>\n<p>Der Bund war f\u00fcr den Krieger lebenswichtig. Zum einen galt er f\u00fcr die Gesellschaft als Ausgesto\u00dfener, als lebender Toter, und der Bund gab ihm sozialen Halt und Sicherheit. Zum anderen konnten ihn nur die Menschen dort verstehen und er konnte dort \u00fcber sein Leben au\u00dferhalb der klassischen Moralvorstellungen sprechen. Wer sonst sollte f\u00fcr ein Leben gepr\u00e4gt von Grausamkeiten und Mord Verst\u00e4ndnis aufbringen?<\/p>\n<p>Man mag dieses Verhalten als Geschichten aus uralten Zeiten abtun, es ist aber fest in das menschliche Verhalten eingebettet. Bis heute hat sich an den Grunds\u00e4tzen des Kriegers, seinen Handlungen und Ritualen nur wenig ge\u00e4ndert. So findet man unter den Troph\u00e4en eines britischen Offiziers aus der Kolonialzeit die K\u00f6pfe get\u00f6teter Maoris. Im Kongokrieg wurden zwei S\u00f6ldner f\u00fcr ihren Sch\u00e4delhandel unr\u00fchmlich bekannt. \u00c4hnliche grausame Berichte kennen wir aus Vietnam, Korea und als aktuelles Beispiel dem Irakkrieg.<\/p>\n<p>Moderne Elitesoldaten greifen tief in die Geschichte zur\u00fcck und schm\u00fccken sich mit Tribals. Dabei werden Motive von Skythen und Maoris aufgegriffen, die den K\u00f6rper auf magische Weise sch\u00fctzen und die Zusammengeh\u00f6rigkeit mit den Kameraden zeigen sollen. Man sieht sich in der Tradition dieser Kriegerv\u00f6lker. Schon die Tarnfarbe wird mit Hingabe aufgetragen, es geht nicht nur um Tarnung, es ist eine archaische Kriegsbemalung. Der Schrecken des Krieges wird mit uralten Ritualen wieder abgewehrt: Kameradschaften und B\u00fcnde sollen dem Krieger eine Familie sein, die er in der Gesellschaft seiner Taten wegen nicht gr\u00fcnden k\u00f6nnte. Im Umgang mit dem eigenen Schrecken und der gleichzeitigen Verwendung des Terrors als Waffe wird wieder auf uralte Riten nomadischer Krieger zur\u00fcckgegriffen. Die beeindruckendste Umsetzung dieser magischen Metamorphose vom zivilisierten Soldaten zum archetypischen Krieger gelang Francis Ford Coppola in seinem Film<span>\u00a0<\/span><em>Apocalypse Now<\/em>. In der literarischen Vorlage des Films verarbeitet Joseph Conrad seine Kongoerlebnisse. Damals hatte er beobachtet, wie sich die Repr\u00e4sentanten der Zivilisation zu barbarischen Kriegsherren wandelten. Die Trennlinie zwischen zivilisiertem Verhalten und hemmungsloser Brutalit\u00e4t wurde auch von denen \u00fcberschritten, von denen Conrad das nie erwartet h\u00e4tte. Bevor Willard \u2013 der Abgesandte der Zivilisation \u2013 seinen Auftrag im Film ausf\u00fchren kann, verwandelt er sich selbst durch Kriegsbemalung und Bad in einen Krieger. Erst danach kann er Kurtz, den barbarischen Colonel, in Form einer rituellen Schlachtung t\u00f6ten. Auf \u00e4hnliche Weise hatte sich schon 1976 Robert de Niro in Martin Scorseses<span>\u00a0<\/span><em>Taxi Driver<\/em><span>\u00a0<\/span>auf den Showdown vorbereitet. Weder Coppola noch Scorsese hatten sich diese Rituale ausgedacht, sondern sie bei Vietnamveteranen beobachtet.<\/p>\n<p>Das Verhalten der Krieger ist also durch die Zeiten gleich geblieben, nicht aber die Haltung der \u201eBauern\u201c ihnen gegen\u00fcber. W\u00e4hrend die soziale Gruppe der Krieger sich innerlich kaum von den Ritualen der Urgesellschaft entfernt hat, haben sich die beiden anderen Gruppen im Laufe der Zeit deutlich transformiert. Bis ins 17. Jahrhundert kann man in den Berichten der S\u00f6ldner keine Scham \u00fcber ihre Arbeit finden, mit den napoleonischen Kriegen aber hatte sich diese Haltung ge\u00e4ndert. Die Taten wurden entweder verschwiegen oder aber als Unrecht empfunden. Die Zeit der Aufkl\u00e4rung hatte ihre Wirkung auch bei den Menschen hinterlassen, die dem blutigen Handwerk nachgingen. Gebraucht wurden sie immer noch, aber ihre \u201eArbeit\u201c war nicht l\u00e4nger akzeptiertes Handeln der Gesellschaft. Die Kriege waren immer noch blutig und forderten Menschenleben. Aber es ging nicht mehr um den Schutz oder das Heil der Sippe, rein politisches Kalk\u00fcl war an die Stelle dieser Ideale getreten. Die Krieger waren aber immer noch unbeherrschbar, wenn sie einmal losgelassen waren: ein wildes Heer, das sich nicht an Regeln hielt, die man ihnen gegeben hatte, hie\u00dfen sie nun Genfer Konventionen oder Menschenrechte.<\/p>\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt, war der Krieger im germanischen Kontext fest in ein soziales Gef\u00fcge \u2013 dem M\u00e4nnerbund \u2013 eingebunden. Diesem geh\u00f6rte er an, bis er eine Familie gr\u00fcndete und die Seiten wechselte. Insbesondere handelt es sich bei dem Krieger im germanischen Kulturkreis um einen Gefolgschaftskrieger und keinen freien K\u00e4mpfer. Man darf sich also nicht den romantisierten Braveheart-Archetypen \u00e1 la Mel Gibson vorstellen, der Gondor vor den Orks verteidigt, sondern es handelte sich um einen S\u00f6ldner, der f\u00fcr seinen pers\u00f6nlichen Ruhm und vor allem f\u00fcr Reichtum k\u00e4mpfte. Allerdings darf man auch nicht so weit gehen und die Valhall-Vorstellung f\u00fcr sehr repr\u00e4sentativ nehmen. Wenn sie in der Dichtung so unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hervortritt, dann deshalb, weil die entsprechenden Gedichte Adelige und ihre Gefolgschaft als Zielpublikum hatte. In diesen Berufskriegerverb\u00e4nden mag diese Jenseitsvorstellung gepflegt worden sein. Bei der \u00fcberwiegenden Mehrheit der Bev\u00f6lkerung d\u00fcrfte aber eine etwas ruhigere und angenehmere Jenseitsvorstellung g\u00e4ngig gewesen sein und nicht die, dass die Widerw\u00e4rtigkeiten des Lebens sich dergestalt auch im Jenseits fortsetzen. Auch wenn der Krieger ein zentrales Element der Gesellschaft war, darf man ihn dennoch nicht \u00fcberbewerten. Es handelte sich nur um einen sehr kurzen Abschnitt im Leben eines Mannes, den er als reiner Krieger verbrachte. Aber die Lehren und Erfahrungen aus dieser Zeit blieben ihm nat\u00fcrlich erhalten.<\/p>\n<p>So w\u00e4re auch zum Ende dieses Abschnittes noch die Bemerkung angebracht, dass Dum\u00e9zils sehr strenge Einteilung von heutigen Fachleuten weitgehend abgelehnt wird, aber immer noch einen guten Denkansatz liefert.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Zwei Gef\u00fchle treten uns so als Ursachen dieser Springflut sinnlicher Erscheinungen entgegen: Der Drang des Lebens, sich noch einmal gesteigert zu \u00e4u\u00dfern, und die Flucht in das Dickicht der R\u00e4usche, um in der Lust die drohenden Gefahren zu vergessen. Daneben schwingt nat\u00fcrlich viel anderes mit, doch unsere beschr\u00e4nkte Fragestellung wird dem Reiche der Seele ja immer nur kleine Provinzen entrei\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kehren wir wieder zur\u00fcck zum Jetzt und vor allem zum Hier. Die beschriebenen Verhaltensmuster m\u00f6gen uns fremd und barbarisch anmuten, aber im Kleinen finden sie t\u00e4glich statt, und jeder hat vermutlich dieses Muster aus Drohgeb\u00e4rden und Imponiergehabe schon am eigenen K\u00f6rper erlebt: den Ritualkampf. Er wird von Soziologen in vier Stufen eingeteilt, dem visuellen Vorspiel, der verbalen Phase, der k\u00f6rperlichen Drohung und dem Schlussakt. Im visuellen Vorspiel wird ein Blick vom Gegner als Angriff gedeutet, er richtet sich auf und beginnt das Ritual. Meistens mit den Worten \u201eWas guckst du?\u201c leitet er die verbale Phase ein und bringt die beiden Kontrahenten in eine Verbindung miteinander. F\u00e4llt dem Angesprochenen nun nichts Kluges ein, folgt rasant die k\u00f6rperliche Drohung. Der Gegner tritt auf seinen Kontrahenten zu, schr\u00e4nkt seinen Raum ein und macht ihm so seinen Rang streitig. Um seinen Anspruch auf einen h\u00f6heren Rang zu unterstreichen, wird der Gegner geschubst und so im wahrsten Sinne des Wortes seines Platzes verwiesen. Sollte der Kampf nun nicht schon zu Ende und der Rang im Raum neu vergeben sein, kommt es zum Schlussakt: dem eigentlichen Kampf. Kann man bei diesem allt\u00e4glichen Verhalten auch im Kleinen tats\u00e4chlich sagen, dass der Krieger nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df sei?<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Man muss sich die Frage stellen: K\u00f6nnen Krieger ohne diese B\u00fcnde heute \u00fcberhaupt existieren, geschweige denn, h\u00e4tten sie in der Gesellschaft den n\u00f6tigen R\u00fcckhalt f\u00fcr ihre Handlungsweisen? Die Frage l\u00e4sst sich relativ schnell verneinen, niemand m\u00f6chte ernsthaft marodierende Banden erleben und ihr Tun als Auftrag der G\u00f6tter sehen. Das spricht zwar gegen den Krieger in der authentischen Rekonstruktion, l\u00e4sst aber Raum f\u00fcr neue Ideen und soziale Formen. Soziale Formen, die aus meiner Sicht f\u00fcr Menschen wichtig sind und auch wieder ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Die Suche nach \u201egeregeltem Ungest\u00fcm\u201c ist auch heute noch pr\u00e4sent und wird durch modernere B\u00fcnde befriedigt. Diese k\u00f6nnen zum Teil wiederum auf eine eigene lange Geschichte zur\u00fcckblicken. Zwei der \u00e4ltesten B\u00fcnde haben ihren Ursprung im gleichen historischen Ereignis, den Befreiungskriegen von 1813-1815 gegen das napoleonische Heer. Im Februar 1813 gr\u00fcndete Ludwig Adolph Wilhelm von L\u00fctzow ein Freikorps im Rahmen des preu\u00dfischen Heeres: Die \u201eL\u00fctzower J\u00e4ger\u201c bestanden ausschlie\u00dflich aus Studenten und Akademikern aller damaligen Kleinstaaten und waren Selbstversorger: Sie erhielten keinen Sold und bezahlten auch ihre Ausr\u00fcstung selber. Ihre Uniformen (schwarz mit roten Aufschl\u00e4gen und goldenen Kn\u00f6pfen) wurden farblich das Vorbild f\u00fcr die Burschenschaften und sp\u00e4ter f\u00fcr die deutsche Nationalflagge. Dieses Freikorps war die Grundlage zweier B\u00fcnde, wie wir sie heute noch kennen, zum einen in der milit\u00e4rischen traditionsorientierten Philosophie der Sch\u00fctzenvereine und B\u00fcrgerwehren, zum anderen in der demokratischen Philosophie der Burschenschaften.<\/p>\n<p>Die heutigen Sch\u00fctzenvereine lassen aber kaum noch etwas von ihrer kriegerischen Vergangenheit sp\u00fcren, Traditionspflege und Volksfeste sind in den Vordergrund getreten. Dennoch ist es gerade in kleinen D\u00f6rfern nahezu die \u201ePflicht\u201c eines jeden jungen Mannes, in den Sch\u00fctzenverein einzutreten und sich dort einen Namen zu machen.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz dazu steht bei vielen Burschenschaften noch ein kriegerisches Element im Mittelpunkt ihres \u201eb\u00fcndischen Lebens\u201c, der Kampf mit einer Klinge, die Mensur. Das studentische Fechten hat seine historischen Wurzeln nicht in einer milit\u00e4rischen Tradition, sondern in einem sehr pragmatischen Grund, der Selbstverteidigung. Vom Mittelalter bis zur fr\u00fchen Neuzeit war die \u00f6ffentliche Sicherheit gerade bei \u00dcberlandreisen kaum gew\u00e4hrleistet. Da besonders Sch\u00fcler und Studenten oft lange zu ihren Studienorten reisen mussten, erlaubte Kaiser Maximilian I. von Habsburg ihnen 1514 das Tragen von Waffen zum Selbstschutz. Dieses Privileg wurde au\u00dfer den Studenten nur dem Adel und dem Milit\u00e4r gew\u00e4hrt: Es war damit Ausweis einer gehobenen gesellschaftlichen Position. Zu dieser Zeit nutzte man in erster Linie die Waffen, die man sich leisten konnte (meist Schwert und Dussack). Eine spezielle Form des studentischen Fechtens war noch nicht bekannt. Im Laufe der Zeit trat der Degen in den Vordergrund als Hauptwaffe, bald darauf das noch leichtere Rapier, womit sich auch die Technik vom Schlagen zum Stechen wandelte.<\/p>\n<p>Mit dem Sonderprivileg des Waffentragens entwickelte sich auch ein besonderes St\u00e4ndegef\u00fchl, wie bei jeder Peergruppe entstand eine eigene Sprache mit eigenen Regeln. Diese Regeln beruhten auf einem strengen Ehrenkodex, dessen Bruch oder in Fragestellung zu Duellen f\u00fchrte. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert wuchs die Brutalit\u00e4t der Duelle stark an, und die Universit\u00e4ten versuchten durch Fechtunterricht die Situation zu entsch\u00e4rfen und in geregelte Bahnen zu lenken. Durch strenge Duellregeln wurde ebenfalls versucht, die bis dato t\u00f6dlichen Duelle zu entsch\u00e4rfen. Zu einem Ehrenduell geh\u00f6rten ab dem 17. Jahrhundert Kartelltr\u00e4ger und Sekundanten, die daf\u00fcr zu sorgen hatten, dass der Unterlegene nicht mehr einfach liegen gelassen wurde und verblutete.<\/p>\n<p>Mitte des 18. Jahrhunderts kam der \u201ePariser\u201c in Mode, ein sehr leichter und extrem schneller Sto\u00dfdegen, der die Duelle wieder zu t\u00f6dlichen Gefechten machte. Ein einfaches Kr\u00e4ftemessen war fast nicht mehr m\u00f6glich. Daraufhin wurde in G\u00f6ttingen die bis heute \u00fcbliche Form des studentischen Fechtens entwickelt, die bis heute in verschiedenen Formen g\u00fcltig ist: das Hiebfechten (Mensur) mit einer besonderen Waffe, dem Korb- oder Glockenschl\u00e4ger.<\/p>\n<p>Die Mensur (eigentlich der Abstand zwischen zwei K\u00e4mpfern) setzt den K\u00e4mpfenden strenge Regeln, innerhalb derer er agieren kann. Sie gilt als pers\u00f6nlichkeitsbildend, wobei den K\u00e4mpfer vor allem die Ruhe im Anblick der Angst gelehrt werden soll. F\u00fcr die urspr\u00fcngliche Selbstverteidigung kann die Mensur nicht angewandt werden, da die strengen Regeln, die Schlagtechnik und die extrem statische Haltung sich nicht f\u00fcr einen realistischen Kampf eignen.<\/p>\n<p>Die Narben eines solchen Gefechtes \u2013 \u201eder Schmiss\u201c \u2013 werden mit besonderem Stolz getragen, \u00e4hnlich den bereits erw\u00e4hnten Troph\u00e4en, und festigen den Status innerhalb und au\u00dferhalb der Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu ist die soziale Komponente innerhalb der studentischen Verbindungen bis heute stark ausgepr\u00e4gt. Die \u201eAlten Herren\u201c kommen finanziell f\u00fcr die Jungen auf und man sieht sich als Lebensbund innerhalb der Gemeinschaft, eine Art Ersatzfamilie. \u00c4hnlich wie bei den historischen B\u00fcnden ist die Bindung w\u00e4hrend der Jugendzeit (Studium) enger, da man zum Teil auch eigene H\u00e4user besitzt und gemeinschaftlich wohnt, und wird lockerer, sobald das Studium beendet wurde. Aus dem \u201eFuchs\u201c von damals ist der \u201eAlte Herr\u201c geworden, der sich nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig beweisen muss.<\/p>\n<p>Weitere Gruppen seien nur kurz angeschnitten, da sie ein interessantes Themengebiet weiterer Forschung bilden. Bestimmte gesellschaftliche Subkulturen wie Biker oder (Stra\u00dfen-)Gangs zeigen ein ganz \u00e4hnliches soziales Verhalten, wie es historisch beschrieben wird: einen Codex, der innerhalb der Gruppe gilt, bestimmte Zeichen und Troph\u00e4en, eine mehr oder weniger strenge Hierarchie, Mutproben und Gewalt als Teil des t\u00e4glichen Lebens. \u00c4hnlich wie bei den Kriegerb\u00fcnden ist die Mitgliedschaft innerhalb einer solchen Gruppe nur auf einen bestimmten Lebensabschnitt beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Eine sehr moderne und faszinierende Vision eines Bundes schafft David Fincher mit seiner filmischen Umsetzung des Romans von Chuck Palahniuk<span>\u00a0<\/span><em>Fight Club<\/em><span>\u00a0<\/span>(Drehbuch: Jim Uhls). Im Fight Club ist das zentrale Motiv nicht der Lebensbund oder die Selbstverteidigung, hier tritt das geregelte Ungest\u00fcm in den Vordergrund. Man gibt sich selbst Regeln, die wie religi\u00f6se Gebote befolgt werden und allen Teilnehmern neuen Halt und Ziele im Leben geben. Der Kampf bei den Treffen ver\u00e4ndert sie, k\u00f6rperlich wie geistig.<\/p>\n<p>\u201eWe all started seeing things differently. Wherever we went.\u201d[5], sagt der Erz\u00e4hler im Film und der Zuschauer wird in diese neue Sichtweise miteinbezogen. Die Teilnehmer des Fight Club taxieren ihre Umwelt, nehmen sie intensiver wahr, erkennen Gefahren und M\u00f6glichkeiten fr\u00fcher. Innerhalb des Bundes gibt es keine sozialen Unterschiede, der B\u00fcrobote ist auf dem gleichen Niveau wie der Manager.<\/p>\n<p>Dies sind einige wenige Bespiele f\u00fcr M\u00e4nnerb\u00fcnde unserer Zeit. Ist da die Idee von B\u00fcnden im heidnischen Umfeld wirklich reine Fantasie? Sowohl die Verbindung und Freundschaft innerhalb des Bundes als auch die Spiritualit\u00e4t von \u00dcbergangsritualen ist etwas, was in unserer heutigen Gesellschaft fast g\u00e4nzlich verloren gegangen ist. Hier neue B\u00fcnde zu schaffen und \u00dcbergangsriten wieder zu beleben, sehe ich als eines der zentralen Themen des Heidentums in der Zukunft.<\/p>\n<p>Eine moderne Krieger-Definition ist durch die Esoterik hinzugekommen. Da wird vom \u201eWeg des friedlichen Kriegers\u201c gesprochen, der \u201eKrieger des Lichtes\u201c leistet seine \u201eLichtarbeit\u201c, dreht aber keine Gl\u00fchlampen ein, sondern k\u00e4mpft gegen dunkle Kr\u00e4fte. Man f\u00fchlt sich schnell an<span>\u00a0<\/span><em>Star Wars<\/em><span>\u00a0<\/span>erinnert und fragt sich, ob die Lichtseite nicht doch die dunkle Seite der Macht ist, die Seite, die den einfachen, schnellen Weg zeigt, wie Meister Yoda sagen w\u00fcrde. Der einfache Weg deswegen, weil es ein Weg ohne M\u00fchen und Anstrengungen ist. Niemand wird mir widersprechen, wenn ich mich \u201efriedlicher Krieger\u201c nenne und mit Lichtarbeit k\u00e4mpfe. Das kann niemand nachvollziehen geschweige denn, mich fordern oder mir meinen Platz streitig machen. Nur stellt sich die Frage, ob der Kirmesschl\u00e4ger sich auch von meiner Lichtarbeit beeindruckt zeigt oder ob hier der Weg der Anstrengung, sei es durch Sport, Rhetorik oder andere F\u00e4higkeiten, nicht doch der bessere ist \u2013 weil er der Realit\u00e4t der Welt n\u00e4her kommt und durch seine Anstrengung auch ehrlicher ist. Wer schwitzt, lernt und dabei auch versagt, ist ehrlich zu sich selbst, denn dieses Versagen \u2013 aber auch die kleinen Erfolge \u2013 sind ein Spiegel meiner Taten. Damit stellt man sich dem h\u00e4rtesten Gegner \u00fcberhaupt: sich selbst.<\/p>\n<p>Ist der Krieger damit<span>\u00a0<\/span><em>ad acta<\/em><span>\u00a0<\/span>gelegt? Ich denke nein, denn seine F\u00e4higkeiten werden auch heute noch gebraucht, wie das Beispiel \u201eRitualkampf\u201c weiter oben zeigt. Gemeint ist heute nicht mehr der ungest\u00fcme Jugendliche, sondern der Mann, der diese Phase hinter sich hat und den \u00dcbergangsritus zum wehrhaften Sippenvorsteher gemacht hat: der Mann, der sich nicht mehr ausprobieren und seine Grenzen kennen lernen muss, sondern diese Grenzen, vor allem aber sich selbst, kennt. Dabei hat er die vorher erlernten F\u00e4higkeiten, n\u00e4mlich sich zu wehren und seinen Platz (im \u201eRudel\u201c) zu behaupten, nicht verloren und sie sind ihm n\u00fctzlich.<\/p>\n<p>Man darf den Krieger heute nicht als Fortf\u00fchrung historischen Verhaltens sehen, sondern muss einen Schritt weiter gehen und den Typus neu definieren und mit Leben f\u00fcllen. Dazu ist es notwendig, das herauszuarbeiten, was den Krieger ausmacht, unabh\u00e4ngig von historischen oder kulturellen Einfl\u00fcssen. \u00c4hnlich wie der amerikanische Anthropologe Prof. Michael Harner den Schamanismus untersuchte und dabei einen Satz von Grundlagentechniken entwickelte, die in den schamanischen Traditionen in unterschiedlicher Ausgestaltung angewendet werden. Auf dieser Basis wurde ein kulturunabh\u00e4ngiger Weg zu schamanischer Erfahrung entwickelt, der von Menschen der modernen Welt gegangen werden kann, dem so genannten Core-Schamanismus.<\/p>\n<p>Mit dieser neu zu fassenden Definition hat der Krieger als sozialer Typus wieder einen Platz in einer modernen Gesellschaft. Zun\u00e4chst ist es notwendig, sich mit dem Archetyp des Kriegers n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen: Was macht ihn aus? Was ist seine Antriebskraft? Der Psychoanalytiker Moore schreibt dazu Folgendes:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEin Mann, der dem Archetyp des Kriegers entspricht, zieht aus ihm eine enorme Kraft, die ihn dazu bef\u00e4higt ein selbst\u00e4ndiges Leben zu f\u00fchren (\u2026) Wenn der Krieger im Vordergrund steht, sp\u00fcren wir den Rausch des Blutes und des Adrenalins, eine Verschnellerung des Herzschlages und eine Aufmerksamkeit, die auf den Moment gerichtet ist. Wir f\u00fchlen uns bereit zum Handeln, bereit nach vorne zu st\u00fcrmen und das Leben zu bew\u00e4ltigen. Unsere t\u00e4glichen Sorgen fallen von uns ab und wir fallen in eine Art Ekstase, in der wir uns und die Welt in einem Focus ungeheurer Sch\u00e4rfe sehen. Die versteckte Wut wird verwandelt in engagierten Mut. Wir kommen in Ber\u00fchrung mit dem gro\u00dfen Geheimnis von Leben und Tod und wir empfinden eine seltsame Sch\u00f6nheit im Schmerz.\u201c[6]<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus dieser Definition lassen sich drei grunds\u00e4tzliche Thesen ableiten, die auch der heidnischen Philosophie des Asatru entsprechen:<\/p>\n<p>Ein selbst\u00e4ndiges Leben,<br \/>\nEin Leben f\u00fcr den Moment<br \/>\nDas Leben ist zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Selbst\u00e4ndiges Leben<\/strong><\/h4>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWaldg\u00e4nger ist also jener, der ein urspr\u00fcngliches Verh\u00e4ltnis zur Freiheit besitzt, das sich, zeitlich gesehen, darin \u00e4u\u00dfert, da\u00df er dem Automatismus sich zu widersetzen und dessen ethische Konsequenz, den Fatalismus, nicht zu ziehen gedenkt.\u201d[7]<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein komplett autarkes Leben zu f\u00fchren, kann in unserer Gesellschaft nicht mehr als eine Utopie sein. Wir leben nicht mehr in einer Agrargesellschaft, und f\u00fcr die meisten von uns ist Landwirtschaft sehr weit vom t\u00e4glichen Leben entfernt. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang keine Einzelg\u00e4ngermentalit\u00e4t gemeint, die dem Sippen- und Gemeinschaftsgedanken des Asatru entgegenstehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In unserer hoch spezialisierten Gesellschaft ist es nicht mehr m\u00f6glich, allen Aufgaben des Lebens selbst nachzukommen. M\u00f6glich ist aber nach wie vor, sich stetig gut informiert zu halten, um so die Aufgaben, die wir abgeben, besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Damit ein Krieger die Situation auch stets richtig erfassen und einsch\u00e4tzen kann, ist er einem lebenslangen Lernprozess unterworfen. Denn nur so kann er sich den st\u00e4ndig neuen Herausforderungen im Leben stellen, die richtigen Entscheidungen f\u00e4llen und selber handeln. Dabei gibt es keine Einschr\u00e4nkung im Spektrum des zu Erlernenden, denn jede F\u00e4higkeit und jedes Wissen kann irgendwann gebraucht oder in abstrahierter Form angewandt werden. Der Krieger definiert seine eigenen Schwerpunkte, die auch seinen F\u00e4higkeiten und Neigungen entsprechen. Aber wir sollten uns dabei nicht zu weit vom Kriegerbild entfernen, ein rein spiritueller Krieger ist eine Erfindung der Esoterik, die einen bequemen spirituellen Weg sucht. Es gibt zentrale F\u00e4higkeiten, die jeder Krieger beherrschen sollte: grundlegende Kenntnisse in Medizin (Erste Hilfe), Kampfkunst, handwerkliche Fertigkeiten und Nahrungszubereitung. Diese Forderungen m\u00f6gen im ersten Moment profan und etwas l\u00e4cherlich wirken, aber sie sind die vier zentralen Pfeiler eines selbst\u00e4ndigen Lebens. Sich verteidigen, sich heilen, sich versorgen und sich ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Auf diesen vier S\u00e4ulen ruht alles weitere Wissen, Lernen und Leben.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Leben f\u00fcr den Moment<\/strong><\/h4>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eBe like water, my friend\u201c[8]<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass man seinen Lebensweg nicht planen kann, ist eine Erfahrung, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter jeder macht. Ungl\u00fccke brechen \u00fcber einen herein, der Weg verl\u00e4uft ganz anders als vorgesehen, Tr\u00e4ume zerplatzen. Darauf gibt es zwei Antworten: Man verschiebt die \u201egute Zeit\u201c auf sp\u00e4ter und freut sich auf ein Paradies, eine Erl\u00f6sung, einen Aufstieg in der n\u00e4chsten Reinkarnation. Oder man lebt im Hier und Jetzt, denn aus den Entscheidungen und Taten im Jetzt wird der Pfad der Zukunft. Habe ich jeden Moment voll ausgekostet und mich mit wachem Geist f\u00fcr einen Weg entschieden, brauche ich nicht auf ein besseres Leben zu hoffen. Denn dies hier ist mein Leben, wie ich es mir erschaffen habe. Jeder Tag und jede Handlung bin ich. Um ein Leben mit und f\u00fcr den Moment zu erm\u00f6glichen, braucht der Krieger Grundeigenschaften, die auch die vorchristlichen europ\u00e4ischen St\u00e4mme ausgezeichnet haben: Pragmatismus und Anpassungsf\u00e4higkeit. Wer im Hier und Jetzt lebt und handelt, muss sich mit den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen auseinandersetzen und die vorhandenen Ressourcen nutzen. Wer auf eine bessere Zukunft setzt, braucht sich nicht anzupassen oder zu improvisieren. Er ist nicht einmal verantwortlich f\u00fcr seinen Weg und kann stets die Schuld bei anderen suchen.<\/p>\n<p>Dieser Pragmatismus steht im Widerspruch zum oft zitierten Bild des \u201eedlen Wilden\u201c, des ritterlichen Kriegers, der selbstlos und mit einem strengen Codex durch die Welt zieht, um gute Taten zu vollbringen. Eine pragmatische L\u00f6sung eines Problems kann sich nur selten an einen Codex halten, der dem \u201eFeind\u201c \u2013 sei es eine Person oder ein Problem \u2013 einen Vorteil bringt. Der Fehdehandschuh bringt einen vielleicht in den Mittelpunkt einer romantischen Erz\u00e4hlung, aber ebenso gibt er dem Gegner Zeit, sich zu sammeln, und dieser h\u00e4lt sich vielleicht nicht an einen Codex, sondern schl\u00e4gt direkt zur\u00fcck. Der Krieger wei\u00df: Mit dem Leben f\u00fcr den Moment ist er der Natur und Sch\u00f6pfung nahe, denn auch die Natur lebt im Jetzt und sch\u00f6pft ihre unendliche Kraft aus den vorhandenen Ressourcen. Durch perfekte Anpassung vollbringt sie Gro\u00dfartiges. Mit diesem gro\u00dfen Vorbild im Herzen zieht der Krieger in die Welt und erlebt diese in ungeheurer Sch\u00e4rfe und kann sein Handeln bis zur Ekstase steigern.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Leben ist zu bew\u00e4ltigen<\/strong><\/h4>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDo or do not. There is no try\u201d[9]<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus der vorherigen These ergibt sich in direkter Konsequenz: Wenn ich mich f\u00fcr ein Leben im Hier und Jetzt entscheide, dann muss ich auch die mir gestellten Aufgaben bew\u00e4ltigen, mich den Herausforderungen stellen und eine L\u00f6sung suchen. Das bedeutet allerdings nicht Kampf und Konfrontation ohne Nachdenken und blinder Aktionismus bei jedem Hindernis, das sich einem stellt. Es macht wenig Sinn, sich einer Herausforderung zu stellen, die man zum jetzigen Zeitpunkt nicht f\u00fcr sich entscheiden kann.<\/p>\n<p>Viele kleine und gro\u00dfe Probleme im Leben lassen sich durch einfaches Handeln l\u00f6sen. Leider h\u00e4lt einen meistens der Verstand zur\u00fcck und sagt einem \u201eDas kann ich nicht\u201c, noch bevor man \u00fcberhaupt begonnen hat. Schlimmer noch, der Verstand bietet einem viele gute Ausreden an, warum sich der Einsatz erst gar nicht lohnen wird, sodass man sich sogar im Recht f\u00fchlt. Der Krieger sucht durch Handeln einen Ausweg zu finden. Wenn etwas zu \u00e4ndern ist, erfordert es eine Handlung, und zwar eine echte Handlung, keinen halbherzigen Versuch. Wer Ausreden sucht, dem ist die L\u00f6sung des Problems nicht wichtig genug.<\/p>\n<p>Eine befreundete Physiotherapeutin fasste diesen Gedanken in Zusammenhang mit einem Patienten ausgezeichnet zusammen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWenn ihre Schmerzen Sie nicht dazu bewegen diese Therapie zu machen, dann tut es ihnen einfach noch nicht weh genug. Lassen sie also das Jammern.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Genau diese Frage stellt sich der Krieger: Tut es weh genug, dass ich auch mit den Unannehmlichkeiten der L\u00f6sung leben kann? Wenn ja, geh es an. Wenn nein, jammere nicht dar\u00fcber, denn auch dies ist deine Entscheidung.<\/p>\n<p>Mit der Wahl, das Leben zu bew\u00e4ltigen, wie es kommt, und diese Herausforderung anzunehmen, stellt sich der Krieger in den Mittelpunkt des eigenen Lebens und definiert dadurch einen positiven Egoismus. Positiv, weil der eigene Vorteil wichtig ist, um die selbstgesetzten Ziele zu erreichen, letztendlich aber auch, um selbst gl\u00fccklich und zufrieden leben zu k\u00f6nnen. Ein Altruismus, der komplett auf den Vorteil anderer ausgerichtet ist, f\u00fchrt zur Selbstaufgabe und kann damit nicht im Sinne eines selbstbestimmten Lebens sein. Hingegen einen Vorteil f\u00fcr die eigene Sippe oder Bund zu erk\u00e4mpfen, entspricht vollst\u00e4ndig diesem positiven Egoismus, denn der Bund bildet die Grundlage f\u00fcr den Krieger.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich falsch w\u00e4re es aber, hieraus eine Philosophie abzuleiten, die ohne R\u00fccksicht ist, keine Schw\u00e4chen kennt und diese sogar verachtet. Nur wer um seine eigenen Schw\u00e4chen wei\u00df und sie erfahren hat, kann sie dort vermeiden, wo sie Schaden bringen w\u00fcrden, und eventuell kann man seine eigenen Schw\u00e4chen in einem Vorteil verwandeln. Das Bild eines egoistischen, muskelbepackten Testosteron-Monsters, das keine Schw\u00e4chen kennt, entspricht nicht im Geringsten dem Bild eines modernen Kriegers.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Der moderne Krieger ist also kein r\u00fcckw\u00e4rtsgewandter Reenactor oder aggressiver Muskelprotz. Er ist ein Mensch, der sein Leben und das seiner Sippe in die Hand nimmt und zu sch\u00fctzen wei\u00df. Er handelt in dem gleichen Geist, wie viele Generationen vor ihm, und nutzt das, was ihm seine Umwelt als Werkstoff anbietet. Das Werkzeug bringt er mit: einen hellen Geist mit unkonventionellem Denken, Anpassungsf\u00e4higkeit, Pragmatismus und dem steten Willen zum Handeln und der Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen. Letztendlich kann dies aber nur die Grundlage sein, auf die wir durch Lernen und Erleben wieder den Weg des Kriegers gehen k\u00f6nnen. Ein Weg, der dem Krieger-Archetypen entspricht: ohne vorgefassten Plan und einengende Regeln das Leben zu bew\u00e4ltigen, dazuzulernen und so auch den Pfad des Kriegers um neue Aspekte zu bereichern.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Endnoten<\/strong><\/h4>\n<p>1 Steinbock, Fritz (2005): Interview zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches \u201eDas Heilige Fest\u201c. In: Herdfeuer 8 (Jahrgang 4\/2005). Kiel. S. 27.<\/p>\n<p>2 Dum\u00e9zil, G. (1989): Mythos und Epos. Die Ideologie der drei Funktionen in den Epen der indoeurop\u00e4ischen V\u00f6lker. Frankfurt\/New York: Campus. S. 12.<\/p>\n<p>3 ebd. S. 49.<\/p>\n<p>4 J\u00fcnger, Ernst (1926): Der Kampf als inneres Erlebnis. Berlin: E.S. Mittler und Sohn.<\/p>\n<p>5 Palahniuk, Chuck (2004): Fight Club. M\u00fcnchen: Goldmann<\/p>\n<p>6 Moore, Robert and Gillette, Douglas (1992): The Warrior Within. Accessing the Knight in the Male Pysche. San Francisco: Harper Collins. S. 184.<\/p>\n<p>7 J\u00fcnger, Ernst (2001): Der Waldgang. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 28.<\/p>\n<p>8 Lee, Bruce (1975): The Tao of Jeet Kune Do. Ohama: Ohama Publications Inc.. S. 11.<\/p>\n<p>9 Lucas, George (1976): Star Wars \u2013 The Empire strikes Back<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quellen und weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/h4>\n<p>Barger, Ralph (2003): Hell\u2019s Angel. Berlin: rororo<\/p>\n<p>Brown, Tom (1978): The Tracker. New York: Penguin<\/p>\n<p>Brown, Tom (1988): The Vision. New York: Penguin<\/p>\n<p>Conrad, Joseph (1991): Herz der Finsternis. Ditzingen: Reclam<\/p>\n<p>Coppola, Francis Ford (2002): Apocalypse Now Redux. Universum Film<\/p>\n<p>Dum\u00e9zil, G. (1964): Aspekte der Kriegerfunktion bei den Indogermanen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft<\/p>\n<p>Egon Eis, Duell (1971): Geschichte und Geschichten des Zweikampfs. M\u00fcnchen: Desch<\/p>\n<p>H\u00f6fler, Otto (1934): Kultische Geheimb\u00fcnde der Germanen. Frankfurt am Main: Diesterweg<\/p>\n<p>Keegan, John (1997): Die Kultur des Krieges. Berlin: Rowohlt<\/p>\n<p>Kernspecht, Keith R. (2000): Blitzdefence. Burg: Wu Shu-Verlag<\/p>\n<p>Kershaw, Kris (2003): Odin. Uhlst\u00e4dt: Arun-Verlag<\/p>\n<p>McKone Kim R. (1987): Hund, Wolf und Krieger bei den Indogermanen. In: Meid, Wolfgang (Hg.): Studien zum indogermanischen Wortschatz. Innsbruck: Inst. f. Sprachwiss. 1987 (Innsbrucker Beitr\u00e4ge zur Sprachwissenschaft; 52)<\/p>\n<p>Meiser, Gerhard; Das, Rahul Peter [Hrsg.] (2002): Geregeltes Ungest\u00fcm. Bruderschaften und Jugendb\u00fcnde bei indogermanischen V\u00f6lkern. Bremen: Hempen<\/p>\n<p>Musashi, Miyamoto (1992): The Book of five rings. New York: Bantam<\/p>\n<p>Plottkin, Bill (2003): Soulcraft. Novato: New World Library<\/p>\n<p>Price, Arnold H. (1974): Die Nibelungen als kriegerischer Weihebund. In: Vierteljahrschrift f\u00fcr Sozial- u. Wirtschaftsgeschichte Jg. 61\/1974<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2009 in Herdfeuer 26\u00a0<\/strong><em><strong><\/strong><\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine historische wie auch pers\u00f6nliche Betrachtung eines Begriffes von Alex Jahnke Einleitung \u201eDer Krieger\u201c \u2013 ein Begriff, der in Asatrukreisen h\u00e4ufig diskutiert wird und dem kaum jemand neutral gegen\u00fcbersteht. Die Haltung reicht dabei von romantisierten ritterlichen Vorstellungen bis hin zu absoluter Ablehnung als brutalem Relikt der Vergangenheit. Dieser Artikel versucht, als Bindeglied zwischen den Meinungen&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/zieh-mit-den-woelfen-krieger-in-der-vergangenheit-und-gegenwart\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[20,11,28,64,12,53,65],"class_list":["post-324","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-historisches","tag-asatru","tag-asen","tag-heidentum","tag-odin","tag-wanen","tag-wilde-jagd","tag-wolf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":356,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324\/revisions\/356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}