{"id":314,"date":"2015-10-04T19:45:24","date_gmt":"2015-10-04T17:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=314"},"modified":"2025-08-24T20:43:28","modified_gmt":"2025-08-24T18:43:28","slug":"arbogast-eine-vergessene-heldengeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/arbogast-eine-vergessene-heldengeschichte\/","title":{"rendered":"Arbogast &#8211; eine vergessene Heldengeschichte"},"content":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel<\/p>\n<p>Die V\u00f6lkerwanderungszeit war ein Zeitalter, in dem herausragende und entschlossene Pers\u00f6nlichkeiten zu Legenden werden konnten. Praktisch alle gro\u00dfen Figuren der s\u00fcdgermanischen Heldensage haben ihren Ursprung in dieser unruhigen Zeit, aus der letztlich ein neues und v\u00f6llig ver\u00e4ndertes Europa hervorging. Wenn im heutigen Heidentum Namen der gro\u00dfen Volksk\u00f6nige wie Theoderich der Gro\u00dfe, Alarich, Geiserich usw. bewundernd genannt werden, scheint dabei jedoch gerne \u00fcbersehen zu werden, dass all diese Herrscher und ihre V\u00f6lker bereits Christen waren. Mit dem Namen Arbogast aber scheinen nur spezialisierte Historiker vertraut zu sein. Und doch ist gerade seine Geschichte des Erz\u00e4hlens wert, nicht nur, weil er Zeit seines Lebens den G\u00f6ttern seiner Ahnen treu blieb, sondern mehr noch, weil er in Ereignisse verwickelt wurde, deren Kenntnis jedem heutigen Heiden gut anstehen w\u00fcrde und die in zusammenh\u00e4ngender und gemeinverst\u00e4ndlicher Form so noch nie erz\u00e4hlt worden sind, sondern in fachwissenschaftlichen Gesamtdarstellungen bestenfalls nur in wenigen S\u00e4tzen abgehandelt werden. Dies also ist sie, die seltsame, gro\u00dfartige und (wie jede gute germanische Heldensage) tragische Geschichte Arbogasts.<\/p>\n<p>Dazu m\u00fcssen wir unseren Blick auf das R\u00f6mische Reich im sp\u00e4ten 4. Jahrhundert n.d.Z. richten. Wer sich in ein geschichtliches \u00dcberblickswerk \u00fcber diese Periode der Sp\u00e4tantike vertieft, dem wird ohne solides Vorwissen f\u00fcr gew\u00f6hnlich nach ca. 20 Seiten schwindlig. Ganze V\u00f6lker waren in Bewegung, kurzlebige Allianzen entstanden und zerbrachen wieder, \u00fcberall flackerten Kriege auf, im R\u00f6mischen Reich gab es eine rasche Folge von Kaisern, die auch noch in \u00f6stliche und westliche zu unterscheiden sind, von denen sich jeder wieder mit illegitimen Usurpatoren (Thronr\u00e4ubern) herumzuschlagen hatte, und Politik bestand aus Machtk\u00e4mpfen, in denen jede Fraktion gegen alle anderen intrigierte. Das war in der religi\u00f6sen Welt nicht viel anders. Obwohl das Christentum schon recht verbreitet war, kann man von einer Kirche als machtvoller Institution aber noch nicht sprechen, sondern es befand sich in aufreibenden inneren Auseinandersetzungen, da es in etliche \u2013 sich gnadenlos bek\u00e4mpfende \u2013 Str\u00f6mungen zerfallen war, und zudem das Heidentum auch im R\u00f6mischen Reich noch ungebrochen war. In Folge dessen wird der Leser eines solchen Buches auf jeder Seite mit so vielen neuen Namen und komplizierten Entwicklungen konfrontiert, dass er sp\u00e4testens nach einer halben Stunde v\u00f6llig den \u00dcberblick verloren hat und das Buch mit resignierendem Seufzen wieder aus der Hand legt. Deshalb wurde in dieser Darstellung auf alles \u00dcberfl\u00fcssige verzichtet, auch wenn der Preis daf\u00fcr zwangsl\u00e4ufig eine Vereinfachung oftmals sehr viel komplizierterer Zusammenh\u00e4nge ist. Der Leser muss sich lediglich die sechs Hauptpersonen merken, die hiermit kurz vorgestellt seien:<\/p>\n<p>Arbogast (ca. 360-394): Ein germanischer Heide vom Stamm der Franken mit ungew\u00f6hnlicher Karriere. Der Held unserer Geschichte.<\/p>\n<p>Theodosius (347-395): R\u00f6mischer Kaiser f\u00fcr den \u00f6stlichen Reichsteil und katholischer Christ. Eigentlich kein \u00fcbler Bursche, aber \u2026 na ja, man wird sehen.<\/p>\n<p>Valentinian II. (371-392): R\u00f6mischer Kaiser f\u00fcr den westlichen Reichsteil und arianischer Christ, von Theodosius ernannt, aber zu jung, um eine wirkliche Rolle zu spielen.<\/p>\n<p>Ambrosius (339-397): Katholischer Bischof von Mailand, ein trickreicher Demagoge und gewiefter Populist. Christlicher Widersacher in unserer Geschichte (wurde sp\u00e4ter nat\u00fcrlich auch noch heilig gesprochen!).<\/p>\n<p>Flavianus (335-394): H\u00f6chster Politiker Italiens, r\u00f6mischer Aristokrat und Wortf\u00fchrer des Senats, Ehrenmann und \u00fcberzeugter Heide.<\/p>\n<p>Eugenius (ca. 360-394): Ein Lehrer f\u00fcr Rhetorik und Beamter am Hof Valentinians, dessen Leben in unserer Geschichte eine erstaunliche Wendung nimmt. Nominell zwar ein Christ, aber als Philosoph mit gro\u00dfer Sympathie f\u00fcr das Heidentum.<\/p>\n<p>Das R\u00f6mische Reich hatte zu dieser Zeit eine ungeheure Ausdehnung erreicht, es erstreckte sich von Portugal bis zum Vorderen Orient, einschlie\u00dflich Nordafrikas und \u00c4gyptens. Die einzigen nichtr\u00f6mischen Gebiete Europas waren Deutschland nord\u00f6stlich der Rhein-Main-Grenze, Irland, Schottland, Skandinavien und das heutige Polen und Russland. Der Begriff \u201eR\u00f6mer\u201c bezeichnete schon l\u00e4nger nicht mehr lediglich die B\u00fcrger der Stadt Rom oder die Bewohner Italiens, sondern war seit der<span>\u00a0<\/span><em>Constitutio Antoniniana<\/em><span>\u00a0<\/span>im Jahr 212 im modernsten Sinn eine reine Bezeichnung f\u00fcr Staatsb\u00fcrgerschaft aller freien Einwohner des Reiches ohne jeden ethnischen Beigeschmack (und selbstverst\u00e4ndlich konnte man insofern gleichzeitig Germane und R\u00f6mer sein, wie man auch heute gleichzeitig Schwabe und Deutscher sein kann. Bereits Arminius war schon Jahrhunderte zuvor r\u00f6mischer B\u00fcrger im Rang eines Ritters gewesen). Die Stadt Rom selbst war auch nicht mehr Hauptstadt des Reiches, sondern der Kaiser residierte in Konstantinopel (das sp\u00e4tere Byzanz und heutige Istanbul), das der erste christliche Kaiser Konstantin als bewusst christliches Gegenst\u00fcck (\u201eNova Roma\u201c) zum heidnischen Rom 330 als neue Hauptstadt eingeweiht hatte. Der altehrw\u00fcrdige Senat in Rom aber war immer noch eine politisch ungemein machtvolle K\u00f6rperschaft, und bei dem alten r\u00f6mischen Adel Italiens, aus dessen Reihen sich auch der Senat zusammensetzte, liefen nach wie vor alle F\u00e4den wirtschaftlicher Macht zusammen. Ein Kaiser allein konnte ein so riesiges Reich jedoch kaum noch wirkungsvoll regieren, deshalb hatte es sich eingeb\u00fcrgert, dass er einen gleichberechtigten Mitkaiser f\u00fcr den jeweils anderen Reichsteil einsetzte. Starb einer der beiden, ernannte der \u00dcberlebende einen neuen Mitregenten. Auch der Kaiser im Westen residierte \u00fcblicherweise nicht mehr in Rom, sondern abwechselnd in Trier, Mailand oder Vienne (S\u00fcdfrankreich), um bei m\u00f6glichen Grenzkonflikten im Norden schneller und milit\u00e4risch wirkungsvoller eingreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kaiser in Konstantinopel war seit 381 Theodosius, ernannt von seinem westlichen Kollegen Gratian. Theodosius\u2019 Vorg\u00e4nger, der ostr\u00f6mische Kaiser Valens, war kurz zuvor an der Spitze seiner Truppen gefallen, als er sich in der folgenschweren Schlacht von Adrianopolis den Westgoten entgegenstellte \u2013 folgenschwer deshalb, weil die Westgoten siegten und nicht nur der Kaiser selbst, sondern auch mehr als zwei Drittel des gesamten ostr\u00f6mischen Heeres dabei den Tod fanden. Die Westgoten waren in den Jahren zuvor ungebremst durch Griechenland gezogen und hatten nicht nur St\u00e4dte, sondern vor allem die mit reichen Schatzkammern best\u00fcckten heidnischen Tempel und Heiligt\u00fcmer gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt \u2013 nicht etwa, weil sie \u201egermanische Barbaren\u201c, sondern weil sie bereits \u201egute Christen\u201c waren. 382 aber gelang Theodosius ein Vertragsabschluss mit ihnen: Er gab ihnen Siedlungsland im Reich, wonach sie seit ihrer Flucht vor den Hunnen gesucht hatten, und daf\u00fcr bildeten die Westgoten ab nun genau den strategisch zentralen Teil des ostr\u00f6mischen Heeres, den sie kurz zuvor noch selbst so hingebungsvoll niedergemetzelt hatten.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Jahr 381 findet sich auch die erste Erw\u00e4hnung Arbogasts als Offizier der westr\u00f6mischen Armee. Zwar kennen wir sein Geburtsjahr nicht, d\u00fcrfen aufgrund vergleichbarer Lebensl\u00e4ufe aber annehmen, dass er damals um die 20 Jahre alt gewesen sein muss. Die originale Form seines Namens muss Arbogastiz gelautet haben, und selbst einige lateinische Quellen nennen ihn Arbogastes. Sein Name bedeutet w\u00f6rtlich \u201eErb-Fremdling\u201c, also jemand, der als Fremder ein Erbe bzw. ein Erbe in der Fremde antritt, und die Frage, in wie weit sich diese Namensgebung in seiner Biographie erf\u00fcllt hat, mag ein reizvolles Gedankenspiel sein. Er war Franke und hatte aus seiner niederrheinischen Heimat fliehen m\u00fcssen. Die genauen Hintergr\u00fcnde dessen sind nicht ganz klar, aber er kann eigentlich nur mit Sunno und Marcomer aneinandergeraten sein, den zwei ber\u00fcchtigten fr\u00e4nkischen Stammesf\u00fcrsten seiner Tage. W\u00e4re er in eine anderweitige Fehde geraten, h\u00e4tten gerade die beiden ihn wohl zu sch\u00fctzen vermocht \u2013 und bei einem so hoffnungsvollen jungen Mann aus eigenem Interesse auch gut daran getan. So aber suchte Arbogast eine bessere Zukunft im r\u00f6mischen Heer, wie es sch\u00e4tzungsweise jeder zehnte germanische Krieger seiner Zeit tat, denn Mitgliedschaft in der r\u00f6mischen Armee war wegen der auch aus heutiger Sicht erstaunlich modernen Versorgungs- und Sozialleistungen bei allen Germanen extrem beliebt.<\/p>\n<p>Oberbefehlshaber des westr\u00f6mischen Heeres war damals Bauto, ebenfalls ein heidnischer Franke und von bedeutendem Einfluss. Sein niveauvoller Briefwechsel mit dem Politiker Symmachus, dem ber\u00fchmtesten Redner seiner Zeit, ist \u00fcberliefert, und Bautos Tochter Eudoxia wurde die Frau von Theodosius\u2019 Sohn Arcadius und somit sp\u00e4tere Kaiserin. Bauto scheint sich seines jungen Landsmannes angenommen und ihn gef\u00f6rdert zu haben, denn in den folgenden Jahren trat Arbogast zunehmend an Bautos Seite in Erscheinung und machte eine rasante Karriere als Offizier (was einige fr\u00fchere Historiker sogar vermuten lie\u00df, er sei Bautos Sohn gewesen). So verwundert es auch nicht, dass er pl\u00f6tzlich im Generalsrang am kaiserlichen Hof Gratians in Mailand erw\u00e4hnt wird, wo er in den folgenden Jahren zudem alles gelernt zu haben scheint, was Verwaltungs- und Regierungsgesch\u00e4fte betrifft. Arbogast muss die F\u00e4higkeiten eines hervorragenden Kriegers, eines brillianten Strategen, wie auch menschliche Vorbildhaftigkeit und die psychologische F\u00e4higkeit der Menschenf\u00fchrung in sich vereinigt haben \u2013 eine wahrlich seltene Kombination von Tugenden. Die r\u00f6mischen Truppen jedenfalls verg\u00f6tterten ihn, wozu auch die Tatsache beigetragen haben mag, dass er nachweislich \u2013 anders als manche seiner Kollegen \u2013 nicht korrupt oder bestechlich war.<\/p>\n<p>Nach Gratians Tod 383 ernannte Theodosius von Konstantinopel aus Valentinian II. als Mitkaiser f\u00fcr den Westen. Der winzige Sch\u00f6nheitsfehler dabei war allerdings der, dass Valentinian damals gerade erst 12 Jahre alt war. Kaiser Theodosius wird uns in allen Quellen als warmherziger, gef\u00fchlvoller Mensch und liebender Familienvater beschrieben, der allerdings auch f\u00fcr seine Launenhaftigkeit bekannt war, was sich leider zu oft direkt auf seine politischen Entscheidungen auswirkte. Er \u00f6ffnete sich auch zu leicht dominierenden Einfl\u00fcssen seiner Umgebung und hatte nicht den Ehrgeiz, alles im Reich pers\u00f6nlich \u00fcberwachen und kontrollieren zu wollen. Im Vergleich zur gesamten r\u00f6mischen Kaisergeschichte also bestimmt keine abschreckende Gestalt, andererseits aber auch kein wirklich machtvoller Herrscher \u2013 auch wenn ihm sp\u00e4ter der Titel \u201eder Gro\u00dfe\u201c verliehen wurde (nat\u00fcrlich auf Betreiben kirchlicher Kreise, und wir werden die Gr\u00fcnde daf\u00fcr bald erfahren). Aber warum hatte er ein Kind als Kaiser des Westreiches eingesetzt, wo doch gerade im Norden der stetigen germanischen Vertrags- und Eidbr\u00fcche und der darauf verl\u00e4sslich folgenden Raubz\u00fcge wegen ein milit\u00e4risches Genie ben\u00f6tigt wurde? Diese Frage stellten sich anl\u00e4sslich der langen und unseligen Geschichte ehemaliger Kindkaiser, die von Ratgebern dominiert worden waren, schon die damaligen Zeitgenossen. Und darauf gibt es zwei Antworten: Erstens war Valentinian der j\u00fcngste Bruder des verstorbenen Kaisers Gratian, und ein sentimentales Gef\u00fchl von Dankbarkeit gegen\u00fcber Gratian, der ihn selbst zum Kaiser ernannt hatte, mag Theodosius bewogen haben, sich an dessen Familie zu halten. Zweitens hatte diese Entscheidung den Vorteil, kein Risiko darzustellen, denn wie alle Herrscher hatte gerade der Familienmensch Theodosius den Wunsch, die dynastische Nachfolge f\u00fcr seine eigenen S\u00f6hne Arcadius und Honorius zu sichern. Der junge Valentinian jedenfalls sollte eindeutig nur rein nomineller Herrscher im Westen sein, w\u00e4hrend Theodosius Alleinherrscher \u00fcber das Reich sein wollte, weshalb die Gener\u00e4le Bauto und Maximus zu \u201eBesch\u00fctzern\u201c Valentinians ernannt wurden, die offenbar auch die n\u00f6tigen Regierungsgesch\u00e4fte im Westen erledigten.<\/p>\n<p>Aber 387 rebellierte Maximus von England aus, lie\u00df sich von seinen britischen Truppen selbst zum Kaiser des Westens ausrufen und marschierte gegen das Reich. Valentinian floh ver\u00e4ngstigt nach Konstantinopel zu Theodosius, und es war Arbogast, der mit seinen Truppen loyal den Aufstand des Maximus niederk\u00e4mpfte, wobei er dessen Sohn, der eine der Armeen seines Vaters f\u00fchrte, in der Schlacht eigenh\u00e4ndig erschlug. Maximus selbst wurde auf Befehl des Kaisers wegen Hochverrats hingerichtet. Kurz darauf starb auch Arbogasts v\u00e4terlicher Freund Bauto, der Oberkommandierende des Heeres, und auf der Stelle w\u00e4hlte das westr\u00f6mische Heer Arbogast zu seinem neuen Oberbefehlshaber. Zwar hatte das Heer schon oft zuvor einen Kaiser auf den Schild gehoben, aber noch nie zuvor seinen Oberbefehlshaber selbst gew\u00e4hlt, sondern der war immer nur vom Kaiser ernannt worden. Insofern war dies ein wahrlich revolution\u00e4rer Akt. Theodosius muss sich dabei in einem Zwiespalt befunden haben, denn eigentlich h\u00e4tte er den Truppen eine derartige Eigenm\u00e4chtigkeit nicht durchgehen lassen d\u00fcrfen. Andererseits aber war Arbogast nat\u00fcrlich auch sein eigener Wunschkandidat, da er sich keine bessere und loyalere Besetzung des Amtes h\u00e4tte w\u00fcnschen k\u00f6nnen, was ihm eine ideale Perspektive bot: Auch wenn Theodosius kaum eine andere Wahl blieb, als dem Heer nachzugeben, tat er das in diesem Fall aber nur zu gerne, konnte er der Armee des Westreiches seine Haltung doch als \u201ehuldvolles Zugest\u00e4ndnis\u201c darstellen, w\u00e4hrend seine eigene Wahl ganz genauso ausgefallen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Theodosius fand es aber nun n\u00f6tig, nach Mailand zu reisen (in seinem Gefolge auch der junge Valentinian, der wieder in seine kaiserliche Position eingesetzt wurde), und er residierte dort fast drei Jahre lang, um alles im Westreich in seinem Sinne zu regeln. Valentinians zus\u00e4tzliche Anwesenheit in Mailand wurde deshalb jedoch als \u00fcberfl\u00fcssig betrachtet, weshalb Theodosius anordnete, dass Valentinian und sein Hofstaat ab jetzt abwechselnd in Trier und Vienne zu residieren h\u00e4tten. Der Unm\u00fcndigkeit des Knaben wegen ordnete der Kaiser weiterhin an, dass ihm abermals ein Berater zur Seite stehen sollte, und das war nat\u00fcrlich niemand anderes als der treue Arbogast. Das war ein kluger Schachzug von Theodosius, da diese Regelung zudem auch noch unerw\u00fcnschte Einfl\u00fcsse auf den Knaben ausschloss. Arbogast, Valentinian und dessen kaiserlicher Hof begaben sich also auf die lange Reise nach Trier, wo sie im Wechsel mit Vienne auch verblieben, nachdem Theodosius nach Konstantinopel zur\u00fcckgereist war.<\/p>\n<p>Arbogasts regul\u00e4rer Titel war nun der des<span>\u00a0<\/span><em>Magister militium in praesenti<\/em>, d.h. Oberbefehlshaber des Heeres und nur dem Kaiser selbst unterstellt. Anders als im Ostreich, wo dieser Rang auf f\u00fcnf Gener\u00e4le verteilt war (einschlie\u00dflich des Wandalen Stilicho, der sp\u00e4ter noch eine wichtige Rolle f\u00fcr das Reich spielen sollte), hatte Arbogast keinerlei Instanz, die ihn irgendwie h\u00e4tte kontrollieren k\u00f6nnen, nicht einmal in Italien, denn auch der Senat von Rom pries ihn als Sch\u00fctzer des Reiches, und er war einer der beliebtesten Helden Roms \u2013 geradezu eine Lichtgestalt des gesamten Reiches \u2013 und zweifellos von makelloser Loyalit\u00e4t den beiden Herrscherh\u00e4usern gegen\u00fcber. Kein Wunder also, dass er bald sehr viel mehr wurde, als ein reiner Ratgeber Valentinians. Schnell beherrschte er die Situation v\u00f6llig, und er vergab nicht nur die h\u00f6chsten Offiziersr\u00e4nge an seine fr\u00e4nkischen Freunde im Heer (wodurch er sich eine verl\u00e4ssliche germanische Gefolgschaft aufbaute), sondern besetzte auch alle politischen Schl\u00fcsselstellungen im westr\u00f6mischen Reich mit seinen Vertrauten. Mittlerweile war er es, der nicht nur den Beamten Valentinians Anweisungen erteilte, sondern auch Druck auf zivile Beh\u00f6rden aus\u00fcben konnte, w\u00e4hrend alle milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte Westeuropas sowieso schon seinem Kommando unterstanden. Tats\u00e4chlich war er nun alleiniger Herrscher \u00fcber das gesamte r\u00f6mische Westreich, also \u00fcber Spanien, Gallien, England und teilweise Italien und Germanien, offiziell zwar im Namen Valentinians, in Wirklichkeit aber nur Theodosius gegen\u00fcber verantwortlich. Arbogast hatte diese Position nicht etwa machtgierig an sich gerissen, sondern sie entsprach genau abgesprochener Befugnis und Bewilligung durch Theodosius, der sein Vertrauen nicht auf den falschen Mann gesetzt hatte, denn Arbogast erwies sich im Folgenden als in jeder Hinsicht vertrauensw\u00fcrdig, verl\u00e4sslich und brilliant.<\/p>\n<p>Wir sollten hier einmal kurz innehalten, um uns klarzumachen, was f\u00fcr ein einzigartiger und atemberaubender Aufstieg das f\u00fcr einen Mann war, der noch wenige Jahre zuvor nichts anderes als ein einfacher, aus seiner Heimat vertriebener, germanischer Stammeskrieger gewesen war. Als geb\u00fcrtiger Nicht-R\u00f6mer konnte er allerdings nie darauf hoffen, auf legale Weise selbst Kaiser zu werden. Aber das war ihm v\u00f6llig klar, und er scheint nie auch nur daran gedacht zu haben, sondern war mehr als zufrieden damit, die tats\u00e4chliche Macht in H\u00e4nden zu halten. Er war somit der erste jener germanischen Oberbefehlshaber Roms (wie sp\u00e4ter Stilicho, Ricimer und andere nach ihm), die das R\u00f6mische Reich tats\u00e4chlich regierten, w\u00e4hrend die eigentlichen Kaiser lediglich reine Vorzeigefiguren waren (bis Odoaker 476 dieser Farce ein Ende machte und sich selbst zum K\u00f6nig Italiens ausrief). Das war die Situation die folgenden Jahre hindurch bis 391, und alles schien bestens \u2013 sowohl f\u00fcr Theodosius wie auch f\u00fcr Arbogast, der allen Grund hatte, den G\u00f6ttern zu danken.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns nun kurz von Arbogast abwenden, denn zum Verst\u00e4ndnis der weiteren Geschehnisse gilt es, das Augenmerk auf die religi\u00f6sen Verh\u00e4ltnisse der Zeit zu richten. Das 4. Jahrhundert. war in Rom sehr von der Auseinandersetzung zwischen Heidentum und Christentum gepr\u00e4gt. 312 hatte Konstantin sein ber\u00fchmtes Toleranzedikt erlassen. 341 ordnete sein Sohn Konstans die Abschaffung der heidnischen Staatsopfer an. Doch der Erlass erwies sich als h\u00f6chst voreilig und musste aufgrund heftigen und machtvollen gesellschaftlichen Widerstandes schon im Jahr darauf eiligst zur\u00fcckgenommen werden. Dennoch standen die Zeichen der Zeit insgesamt nicht gut f\u00fcr das Heidentum, das aufgrund der aggressiven Intoleranz des Christentums anderen Religionen gegen\u00fcber zunehmend in die Defensive zu geraten drohte. Zwar versuchte Kaiser Julian, der letzte wirkliche Heide auf dem Kaiserthron, in seiner kurzen Regierungszeit (361-363) das Steuer noch einmal grunds\u00e4tzlich herumzurei\u00dfen, in seinen Aktionen und gesetzlichen Verordnungen zur Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des Christentums agierte er aber trotz philosophisch brillianter eigener Schriften diplomatisch so ungeschickt und \u201eunheidnisch\u201c intolerant, dass selbst viele Heiden ihm darin nicht zu folgen vermochten. Konstantin hatte das Christentum 312 zwar keineswegs zur Staatsreligion erkl\u00e4rt, wie zuweilen immer noch f\u00e4lschlich behauptet wird, sondern hatte ihm lediglich dieselben Rechte wie jeder anderen Religion auch zugestanden. Aber seine naive Hoffnung war in der Tat die gewesen, dass diese neue, diszipliniert organisierte Religion sein geeinigtes Reich auch mit einem geeinigten Glauben st\u00fctzen k\u00f6nnte. Darin wurde er nat\u00fcrlich entt\u00e4uscht:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie F\u00fchrer jeder erfolgreichen Revolution spalten sich danach erfahrungsgem\u00e4\u00df in Lager auf, von denen jedes allein \u00fcberzeugt ist, die Ideale und den wahren Geist all dessen, wof\u00fcr man gek\u00e4mpft hat, in einzig reiner Form zu vertreten, w\u00e4hrend man den ehemaligen Weggef\u00e4hrten Verrat an der Sache vorwirft. Bisch\u00f6fe, die eher Kerker, Folter und Tod erduldet hatten, als dem Genius des Kaisers als rein konventionelles Zeichen der Anerkennung ein St\u00fcck R\u00e4ucherwerk darzubringen, waren jetzt nicht bereit, interne Glaubensstreitigkeiten zu begraben, nur weil der Kaiser das so w\u00fcnschte. Konstantin sah genau das als Verb\u00fcndeten an, was Diokletian vor ihm als gr\u00f6\u00dften Feind bek\u00e4mpft hatte: die au\u00dferordentliche Starrk\u00f6pfigkeit des Christentums, das Dogma und Reinheit der Lehre \u00fcber alle Belange von Politik und gesellschaftlichem Gemeinwohl stellte. Er selbst hatte kaum begriffen, wie radikal sich diese Religion von allen anderen unterschied. Das traditionelle Heidentum wies zwar etliche Gemeinsamkeiten mit dem aufkommenden Christentum auf, das Konzept der H\u00e4resie, also der \u201aAbweichung vom rechten Glauben\u2018, aber war etwas v\u00f6llig Neues. Eine genaue Formulierung von Glaubenslehren war dem Heidentum g\u00e4nzlich fremd, und dergleichen w\u00e4re mit Unverst\u00e4ndnis aufgenommen worden. Was z\u00e4hlte, waren Traditionen, Mythen und Riten als symbolischer Ausdruck zutiefst menschlicher und gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Die zahlreichen Gottheiten erf\u00fcllten diese Bed\u00fcrfnisse, und jeder durfte diese Gottheiten auf seine Art sehen, ohne dass das jemanden gest\u00f6rt h\u00e4tte. Selbst die neueren Mysterienkulte, die einem synkretistischen Monotheismus zuneigten, wie z.B. der Kult des Sol Invictus, sahen die Vielzahl der Gottheiten v\u00f6llig locker und betrachteten sie lediglich als f\u00fcr das Volk leichter verst\u00e4ndliche Aspekte des einen g\u00f6ttlichen Urgrundes, der hinter allem liegt. Eine solche Sichtweise aber war dem Christentum unm\u00f6glich. Dessen Wurzeln lagen nicht im Hellenismus, sondern im Judentum, und von diesem hatte es nicht nur den eifernden und militanten Monotheismus des Buches Exodus, sondern auch die f\u00fcr das Judentum immense Bedeutung des \u201aGesetzes\u2018 geerbt. Alle anderen G\u00f6tter waren nur b\u00f6se D\u00e4monen \u2013 wenn es sie denn \u00fcberhaupt gab. Nur ein einziges Mal hatte das G\u00f6ttliche menschliche Form angenommen, n\u00e4mlich in dem erhabenen Mysterium von Christi Fleischwerdung. Wenn Wesen und Botschaft Christi diskutierbar w\u00e4ren, dann w\u00e4ren alle Vorraussetzungen und Autorit\u00e4t von Glauben, Kirche und Priestertum auf Sand gebaut. Ohne priesterliche Autorit\u00e4t keine eindeutige Endg\u00fcltigkeit. Ohne eindeutige Endg\u00fcltigkeit keine \u201aheilige\u2018 Schrift. Ohne \u201aheilige\u2018 Schrift kein Christus.\u201c<\/p>\n<p><cite>(Williams, S. 47, deutsche \u00dcbers. vom Verf.).<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>In den Tagen Arbogasts war der prominenteste Vertreter dieses Ausschlie\u00dflichkeitsanspruches Ambrosius, Bischof von Mailand. Ambrosius war als Sohn eines der h\u00f6chsten Verwaltungsbeamten f\u00fcr den Nordwesten des Reiches in Trier geboren worden, hatte in Rom eine seiner senatorischen Herkunft entsprechende sorgf\u00e4ltige Ausbildung erhalten und selbst eine Karriere in der Reichsverwaltung begonnen. Als Statthalter Norditaliens mit Amtssitz in Mailand hatte er 374 im Streit um die Nachfolge des Mail\u00e4nder Bischofs Auxentius lediglich vermitteln wollen \u2013 und war in den turbulenten Wirren dabei \u00fcberraschend selbst zum Bischof ausgerufen worden. Und nun setzte er all seine \u00e4u\u00dferst scharfen Geistesgaben ein, um die Sache der Kirche zu f\u00f6rdern. Zu einer ersten Peinlichkeit war es allerdings bereits bei seinem Antritt des Bischofsamtes gekommen, als sich n\u00e4mlich herausstellte, dass er nicht einmal getauft war, was danach hektisch und in aller Heimlichkeit nachgeholt wurde, um einen m\u00f6glichen Skandal zu verhindern. Zwar war es damals auch unter gl\u00e4ubigen Christen \u00fcblich, sich erst auf dem Sterbebett taufen zu lassen (um nach der Taufe nicht mehr s\u00fcndigen zu k\u00f6nnen), f\u00fcr einen Priester oder gar Bischof galt das aber nat\u00fcrlich nicht.<\/p>\n<p>In einem seit Jahrzehnten zwischen den Kaisern in Mailand und dem r\u00f6mischen Senat schwelenden Streit, bei dem es um die Wiederaufstellung des einst von Augustus gestifteten heidnischen Victoria-Altars in der Kurie Roms ging (dem bis heute noch vollst\u00e4ndig erhaltenen Senatsgeb\u00e4ude auf dem Forum Romanum), hatte gerade Ambrosius die Antr\u00e4ge des Senats nat\u00fcrlich immer wieder erfolgreich sabotiert, was in Rom zu einer zunehmenden Verbitterung gef\u00fchrt hatte, die noch Wirkung zeigen sollte. Bei den konstanten Gegenversuchen des heidnischen Roms, Ambrosius eine antichristliche Bombe vor den Bug zu setzen, kam es dann aber zu einer so peinlichen Panne, dass die im Nachhinein als einer der \u00fcbelsten Treppenwitze der Religionsgeschichte erscheinen muss. Der Senat hatte n\u00e4mlich einen jungen und hochbegabten Gelehrten aus Nordafrika aufgetan und ihm listig die wichtige Stellung des kaiserlichen Rhetorikers am Hof zu Mailand verschafft. Nun war man in Rom guter Hoffnung, dass dieser brilliante junge Mann nach entsprechender Instruktion Ambrosius in Schach halten und dessen christlichen Einfluss in Mailand zumindest geh\u00f6rig zur\u00fcckdr\u00e4ngen w\u00fcrde. Und der war auch mehr als bereit zu dieser Aufgabe. Dieser junge Afrikaner war n\u00e4mlich Manich\u00e4er, und damit Angeh\u00f6riger einer sp\u00e4tantiken Religion, die ebenfalls auf massivem Kriegsfu\u00df mit dem Christentum stand, denn gerade der Manich\u00e4ismus stand unter heftigsten Angriffen christlicher Bisch\u00f6fe \u2013 eben weil er viele \u00c4hnlichkeiten zum Christentum aufwies und sich dadurch zu einer h\u00f6chst unliebsamen Konkurrenz entwickelt hatte. Leider kam es dann aber ganz anders: Der hoffnungsvolle Nachwuchs geriet unter den Bann des charismatischen Ambrosius, lie\u00df sich nicht nur von ihm bekehren, sondern wurde unter dem Namen Augustinus auch noch zu einem der einflussreichsten Kirchenv\u00e4ter der Geschichte \u00fcberhaupt (so wie auch Ambrosius).<\/p>\n<p>Auch Kaiser Theodosius war Christ, wenn auch nicht durch Geburt, sondern erst 380 im Alter von 33 Jahren bekehrt, doch er hatte sich bisher durch eine sehr tolerante Politik gegen\u00fcber dem Heidentum hervorgetan. Bei ihrer Begegnung in Mailand aber war es Ambrosius gelungen, den Kaiser schwer zu beeindrucken, und nun suchte er nach M\u00f6glichkeiten, Theodosius g\u00e4nzlich unter seinen geistlichen Einfluss zu bekommen. Ambrosius k\u00fchner Plan war es immer schon gewesen, den Angriff gegen das Heidentum auf dessen eigentliches Herz zu richten, n\u00e4mlich auf die elementaren Traditionen und Symbole des R\u00f6mischen Reiches. Vor allem wollte er deshalb den \u00fcber ein Jahrtausend alten offiziellen Staatskult und dessen Opferfeiern abschaffen und \u2013 wenn m\u00f6glich \u2013 verbieten lassen, und er hoffte, in dem pers\u00f6nlich sehr frommen Kaiser darin ein willf\u00e4hriges Instrument zu finden.<\/p>\n<p>Die erste M\u00f6glichkeit dazu er\u00f6ffnete sich, als in Callinicum am Euphrat eine Horde fanatischer M\u00f6nche \u2013 aufgestachelt durch ihren Bischof \u2013 eine Synagoge demoliert hatte, was eine eindeutig kriminelle Tat war, denn das Judentum stand unter ausdr\u00fccklichem Schutz des r\u00f6mischen Gesetzes. Im Gegensatz zum Mittelalter rekrutierten sich damalige M\u00f6nchsgemeinschaften aus den sozial untersten Schichten, die von ihren Bisch\u00f6fen gezielt als fanatisierte Schl\u00e4gerbanden eingesetzt wurden und die genauso menschenverachtend und ohne R\u00fccksicht auf das eigene Leben vorgingen wie heutige Islamisten. So zerschlug eine derartige Horde 362 in der phrygischen Stadt Merus (in Kleinasien) die Statuen in einem von Kaiser Julian neu er\u00f6ffneten heidnischen Tempel in der Hoffnung, dadurch zu M\u00e4rtyrern zu werden, ein Ziel, das sie innerhalb weniger Minuten danach zuverl\u00e4ssig erreichten. Theodosius entschied somit nach den Ausschreitungen in Callinicum auch weise, dass der Bischof den Wiederaufbau der Synagoge aus eigener Tasche zu bezahlen hatte, was f\u00fcr den eine \u00fcble und g\u00e4nzlich unerwartete \u00dcberraschung war. Als Ambrosius aber davon erfuhr, protestierte er beim Kaiser gegen dessen Entscheidung und forderte, dass das Judentum genausowenig durch das Gesetz gesch\u00fctzt sein sollte wie christliche H\u00e4retiker. Als Theodosius darauf mit einem langen S\u00fcndenregister gerade dieser M\u00f6nchsgemeinde konterte, bauschte Ambrosius die Geschichte \u00f6ffentlich auf und verk\u00fcndete theatralisch, dass er die Verabreichung aller Sakramente verweigern w\u00fcrde, bis Theodosius seine Entscheidung zur\u00fcckgenommen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das war gegen\u00fcber einem r\u00f6mischen Kaiser ein gef\u00e4hrliches Spiel, aber Ambrosius war ein gewiefter Demagoge, zudem umgeben von fanatischen Anh\u00e4ngern in seinem Mailand, die Theodosius als frommer Katholik nicht so einfach verdammen konnte. Dennoch verbl\u00fcffte es die \u00d6ffentlichkeit, dass der Kaiser schlie\u00dflich nachgab, denn dergleichen hatte es zuvor noch nie gegeben. Auch fr\u00fchere Kaiser seit Konstantin mochten privat \u00fcberzeugte Christen gewesen sein, aber sie hatten nie vergessen, dass sie an erster Stelle r\u00f6mische Kaiser waren. Auf Bisch\u00f6fe h\u00f6rten sie nicht mehr als auf ihre anderen Berater, und wenn sie sich von ihnen taufen lie\u00dfen, dann f\u00fcr gew\u00f6hnlich erst auf dem Sterbebett. Aber noch nie hatte sich ein Kaiser von Bisch\u00f6fen beherrschen lassen. Nun schien Theodosius die erste Ausnahme von dieser Regel darzustellen.<\/p>\n<p>Zu einer weitaus schlimmeren Geschichte kam es im griechischen Saloniki im Vorfeld eines Wagenrennens, die man als Formel 1 der Antike bezeichnen kann: ein hochprofessionelles Business mit m\u00e4chtigen Funktion\u00e4ren und Wagenlenkern, die umjubelte Superstars waren. So gilt z.B. der r\u00f6mische Wagenlenker Diocles (104-147 n.Chr.) bis heute als bestbezahlter Sportler aller Zeiten, der bei seinem Tod ein Verm\u00f6gen von mehr als umgerechnet zehn Milliarden Euro besa\u00df. Gingen Idole wie er an den Start, str\u00f6mten bis zu 250.000 Fans in den Circus Maximus Roms (die heutigen Trib\u00fcnen z.B. am Hockenheimring fassen nur halb so viele Zuschauer). Des Kaisers christliche Goten, die in den Stadtgarnisonen auch Polizeiaufgaben wahrnahmen, hatten nun den beliebtesten Wagenlenker der Stadt verhaftet, weil er eine homosexuelle Vergewaltigung begangen hatte. In Folge dessen konnte er nicht bei den extrem beliebten Wagenrennen am folgenden Tag auftreten. Ihres Idols beraubt, entlud sich der \u00c4rger des P\u00f6bels in wilden Randalen, die die ganze Stadt erfassten. Die gotische Garnison wurde gest\u00fcrmt, der Verhaftete gewaltsam befreit und zahlreiche germanische Soldaten und Offiziere brutal ermordet und ihre verst\u00fcmmelten K\u00f6rper durch die Stra\u00dfen geschleift. Als Theodosius davon erfuhr, explodierte er vor Zorn und lie\u00df der neuen Besatzung der Stadt sofort einen Geheimbefehl \u00fcbermitteln: Als die Wagenrennen einige Tage sp\u00e4ter erneut stattfanden, verbarrikadierten die Goten auf ein Zeichen hin von au\u00dfen alle Tore und schlachteten gnadenlos 7000 schreiende Zuschauer ungeachtet ihres Alters und Geschlechts ab. Zwar muss man antiken Zahlenangaben gegen\u00fcber \u2013 vor allem, wenn es um feindliche Heere und erschlagene Feinde geht \u2013 immer eine gewisse Vorsicht walten lassen, aber angesichts der Tatsache, dass das Stadion mehr als 100.000 Menschen fasste, scheint die Zahl nicht sonderlich \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>Seit Menschengedenken hatte keine r\u00f6mische Stadt dergleichen erlebt. So etwas richteten h\u00f6chstens brutale Eroberer in feindlichen St\u00e4dten an, und gerade f\u00fcr die heidnischen R\u00f6mer und Griechen setzte es die christlichen Germanen in genau dieses Licht, was im griechischen und sp\u00e4ter byzantinischen Kulturbereich auf Jahrhunderte f\u00fcr eine generell \u201eantigermanische\u201c Stimmung sorgte, die diplomatisch erst durch Karl den Gro\u00dfen wieder behutsam entsch\u00e4rft werden konnte. Der moralische Schock im gesamten Reich \u00fcber dieses Vorgehen war auch deshalb umso gr\u00f6\u00dfer, weil Theodosius eigentlich als sehr humaner und milder Herrscher bekannt war. Zwar hatte sich sein Zornesausbrauch schnell wieder gelegt, und er hatte eiligst einen Widerruf seines Befehls nach Saloniki geschickt, der die Garnison jedoch nicht mehr rechtzeitig erreichte, aber nun konnte er die Toten nicht wieder zum Leben erwecken, wie er selbst reum\u00fctig bekannte. Theodosius wurde dabei aber nicht nur von moralischen Schuldgef\u00fchlen geplagt, sondern viel mehr noch von der Angst ewiger Verdammnis durch Gott.<\/p>\n<p>Das war die gro\u00dfe Stunde des Ambrosius, der genau wusste, wie er den Kaiser nun psychologisch in die Zange zu nehmen hatte, und diesmal war sein Vorgehen subtil und meisterlich. Zun\u00e4chst drohte er ihm die Exkommunikation an. Theodosius hatte keine Wahl, als um Vergebung zu bitten und \u00f6ffentlich Bu\u00dfe zu tun. Nachdem er sich entsprechend gedem\u00fctigt hatte, legte Ambrosius ihm in ausgekl\u00fcgelter Taktik dar, dass es nur eine M\u00f6glichkeit gebe, seine Seele zu retten, und das sei der entschlossene Kampf gegen Ketzerei und Heidentum. Als Folge dessen beendete Theodosius seine bis dahin erfolgreiche und tolerante Religionspolitik und erlie\u00df im Fr\u00fchjahr 391 ein radikales Gesetz, in dem nicht nur jede \u00f6ffentliche und private Opferhandlung, sondern auch der Zugang zu allen heidnischen Tempeln und Heiligt\u00fcmern verboten wurde. Dem folgten schnell drei weitere, noch drastischere Gesetze, die darauf abzielten, jeden Rest heidnischer Riten, Sitten und Gesten endg\u00fcltig auszumerzen. In ihrem Generalangriff auf die gesamte r\u00f6mische Alltagskultur waren die Gesetze so weitreichend und vernichtend, als w\u00fcrde heute ein atheistisches und totalit\u00e4res Regime Ostereier, Geburtstagsfeiern, Weihnachtsgeschenke, Neujahrsgru\u00dfkarten und selbst so allt\u00e4gliche Sitten wie Trinkspr\u00fcche zu Verbrechen erkl\u00e4ren.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWahrscheinlich ist es nicht unm\u00f6glich, aber bestimmt sehr schwierig, gr\u00f6\u00dfere Beispiele f\u00fcr Intoleranz und Fanatismus zu finden, als den Geist, der aus diesen neuen Gesetzen sprach. Sie legen es nicht nur auf Abschaffung jeglicher heidnischer Symbolik an, sondern d\u00e4monisieren sie dar\u00fcber hinaus auch noch, und zwar bis hin zu den einfachsten und h\u00e4uslichsten Br\u00e4uchen. Das erste Gesetz z.B. bestimmt, \u201adass kein Mensch sich mehr den Heiligt\u00fcmern n\u00e4hern, die Tempel betreten oder Bildnisse verehren darf, die von menschlicher Hand geschaffen sind\u2018. Personen von Rang hatten bei Zuwiderhandlung 15 Pfund Gold Strafe zu zahlen. Das ist die staatliche \u00dcbernahme der Mosaischen Sichtweise der \u201aBilderverehrung\u2018, dass diese Abbilder n\u00e4mlich Fetische seien, die um ihrer selbst willen angebetet w\u00fcrden. Dabei war jedem Gebildeten klar, auch intelligenten Christen wie Ausonius oder Petronius Probus, die ebenso oft die heidnischen Heiligt\u00fcmer aufsuchten, dass Heiden nicht die Statuen selbst verehrten, sondern sie lediglich als Symbole der Gottheiten ansahen. Die edlen Traditionen und Mythen des hellenistischen Polytheismus, das gemeinsame Erbe der klassischen Antike, wurden nun gesetzlich von dem primitiveren hebr\u00e4ischen Rundumschlag gegen die \u201agottesl\u00e4sterlichen G\u00f6tzen\u2018 ihrer alten Stammesfeinde ausgel\u00f6scht. Dies war das Christentum der M\u00f6nche und des P\u00f6bels, das nun seinen sprachlichen Ausdruck in einem Reichsgesetz gefunden hatte, das nicht von n\u00fcchterner Politik oder w\u00fcnschenswerten religi\u00f6sen Zielen, sondern ausschlie\u00dflich von der Angst des Herrschers vor pers\u00f6nlicher Verdammnis bestimmt war\u201c.<\/p>\n<p><cite>(Williams, S. 120, deutsche \u00dcbers. vom Verf.)<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Gesetzgebung zeichnete sich \u2013 abgesehen von ihrer Dreistigkeit \u2013 vor allem durch eine extreme Realit\u00e4tsfremdheit aus. Zwar war das Christentum zur wichtigsten Einzelreligion des Reiches geworden, verglichen mit den Anh\u00e4ngern aller nichtchristlichen bzw. heidnischen Religionen im Reich insgesamt aber waren Christen immer noch erheblich in der Minderheit, wie man heute wei\u00df. Die christlichen Gemeinden konzentrierten sich vor allem im Einzugsbereich der wenigen Gro\u00dfst\u00e4dte Rom, Karthago, Konstantinopel, Athen und Alexandria sowie in ein paar kleinen Provinzst\u00e4dten der s\u00fcdlichen Iberischen Halbinsel und des westlichen Kleinasiens. Gr\u00f6\u00dfere Verbreitung auch abseits der St\u00e4dte hatte das Christentum bisher lediglich in Syrien, Pal\u00e4stina und vor allem \u00c4gypten gefunden. Im l\u00e4ndlichen Italien, in Nordafrika, weiten Teilen Griechenlands, dem Balkan und dem gesamten Norden des Reiches d\u00fcrfte es \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur sehr vereinzelt Christen gegeben haben. Insofern war dieses Signal aus Konstantinopel ein ungeheuerlicher Schock f\u00fcr ganz Italien und das r\u00f6mische Westeuropa, wo alle vornehmen Familien, die gesamte Aristokratie, die Politiker und die Landbev\u00f6lkerung alle noch \u00fcberzeugte Heiden und g\u00e4nzlich unber\u00fchrt vom Christentum des Stadtp\u00f6bels und dem der verschiedenen germanischen V\u00f6lker waren, die Rom immer heftiger bedr\u00e4ngten. Vor allem aber brachte das alle Politiker in gro\u00dfe Schwierigkeiten, denn sie mussten diese Gesetze, denen sie selbst v\u00f6llig ablehnend gegen\u00fcberstanden, nun \u00f6ffentlich verk\u00fcnden und durchsetzen. Vor allem Flavianus, Vorsitzender des Senats von Rom, als Pr\u00e4fekt Italiens h\u00f6chster Politiker des Landes und gl\u00fchender Heide, war von diesen hasserf\u00fcllten Gesetzen in gr\u00f6\u00dftem Ma\u00dfe angeekelt, verletzt und aufs h\u00f6chste alarmiert. Zu diesem religionspolitischen Schlag ins Gesicht kam zus\u00e4tzlich noch die pers\u00f6nliche Dem\u00fctigung, dass man ausgerechnet von ihm nun auch noch die Durchsetzung dieser Gesetze erwartete und er ein Handlanger bei nichts Geringerem sein sollte als der v\u00f6lligen Vernichtung seiner eigenen Religion und der seiner Ahnen.<\/p>\n<p>Es ist unklar, wie konsequent die Gesetze in der Praxis durchgef\u00fchrt und angewandt wurden \u2013 wohl je nach Gegend mehr oder weniger bis hin zu gar nicht, denn deren Durchsetzung oblag allein den \u00f6rtlichen Pr\u00e4fekten und Magistraten, die durchweg selbst ausnahmslos stockheidnisch und somit dabei mehr als nur z\u00f6gerlich waren. Allerdings d\u00fcrften sie in einigen Gegenden von eifernden Bisch\u00f6fen und deren fanatisierten Anh\u00e4ngern zum Handeln gezwungen worden sein. Und zumindest die offiziellen Staatskulte und Opferfeiern in Rom, die ein Jahrtausend lang die Sicherheit der Stadt gew\u00e4hrleistet hatten, mussten nun eingestellt werden. Das war ein bitterer Schlag f\u00fcr die Aristokratie Italiens, die kurz zuvor noch ihr ganzes Vertrauen auf die tolerante Religionspolitik des Kaisers gesetzt und zuversichtlich eine Wiedererstarkung des Heidentums angestrebt hatte. Aber der Schock blieb nicht auf Italien beschr\u00e4nkt. In den Teilen des Reiches, wo Christen einen nennenswerten Bev\u00f6lkerungsanteil darstellten (also nur in \u00c4gypten, Pal\u00e4stina und Syrien), entlud sich der Konflikt in Randalen und Schl\u00e4gereien zwischen christlichen und heidnischen Parteien. Tempel wurden demoliert und zerst\u00f6rt, und es kam dabei nicht selten zu Blutvergie\u00dfen. Vor allem die Zerst\u00f6rung des Serapeums im \u00e4gyptischen Alexandria, eines der ber\u00fchmtesten Heiligt\u00fcmer der antiken Welt, wurde von blutigen Unruhen begleitet. Die allerdings wurden wiederum dadurch ausgel\u00f6st, dass sich eine heidnische Fraktion darin verschanzt hatte, die alle (auch zuf\u00e4llig) vorbeikommende Christen angriff und zusammenschlug.<\/p>\n<p>Aber warum konnte das Heidentum darauf nicht mit einem \u00e4hnlich organisierten Widerstand antworten, wie es die Christen unter den drastischen Verfolgungen durch Diokletian getan hatten? Bereits eine solche Fragestellung verr\u00e4t geistiges Befangensein in christlichen Denkmustern, da sie das Wesen des Heidentums v\u00f6llig verkennt. Das Heidentum war kein organisiertes oder auch nur ansatzweise zusammenh\u00e4ngendes Gebilde. Darin unterschied es sich grunds\u00e4tzlich vom Christentum. Zum einen bestand es aus einer Unzahl ganz verschiedener Kulte, aus denen durch Verschmelzung wiederum konstant neue hervorgingen, und deren einzige Gemeinsamkeit darin bestand, dass sie \u201enichtchristlich\u201c waren, die sonst aber wenig miteinander zu tun hatten. Zum anderen \u2013 und das ist entscheidender \u2013 war ihre innere Natur eine g\u00e4nzlich andere (wobei es im Folgenden nur um das hellenistisch-r\u00f6mische Heidentum geht, nicht um die aus dem Orient importierten Religionen und Mysterienkulte). Das bezog sich vor allem auch auf das Wesen des Priestertums:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie R\u00f6mer haben immer gewollt, dass dieselben Leute die Gottesverehrung wahrnehmen, die auch den Staat lenken, damit die angesehensten und ber\u00fchmtesten B\u00fcrger einerseits durch gutes Regieren des Gemeinwesens die Gottesverehrung in all ihren Formen bewahren und andererseits durch weise Anwendung der Kultvorschriften das Gemeinwesen sichern.\u201c<\/p>\n<p><cite>(Cicero: De domo sua 1)<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser republikanischen Formulierung liegt die alte Vorstellung zu Grunde, dass der K\u00f6nig bzw. Stammesf\u00fchrer seines besonderen \u201eHeils\u201c wegen als wirkm\u00e4chtigstes Bindeglied zwischen oben und unten zu vermitteln hatte. Da K\u00f6nige aber nicht dauernd und \u00fcberall gleichzeitig im Lande die n\u00f6tigen Zeremonien abhalten konnten, entstand das Priestertum urspr\u00fcnglich als reine Stellvertreterfunktion. Im republikanischen Rom gab es keinen Herrscher. Da die Gottesverehrung aber staatstragend war, wurden auch hier die Priesterkollegien ausschlie\u00dflich aus den Reihen hoher und verdienter Senatoren besetzt. Das \u00e4nderte sich auch nicht, als mit Augustus ab 27 v.d.Z. Der Wechsel zum Prinzipat erfolgte. Zwar ging nun uralten Vorstellungen gem\u00e4\u00df der Titel des Pontifex maximus (w\u00f6rtlich: gro\u00dfer Br\u00fcckenbauer) auf den Kaiser als obersten religi\u00f6sen Repr\u00e4sentanten \u00fcber, das trotzdem immer noch notwendige Priesterkollegium war aber nach wie vor ausschlie\u00dflich f\u00fcr<span>\u00a0<\/span><em>religio<\/em><span>\u00a0<\/span>zust\u00e4ndig \u2013 und wurde deshalb auch weiterhin ausschlie\u00dflich mit Politikern besetzt. Dieser Begriff \u2013<span>\u00a0<\/span><em>religio<\/em><span>\u00a0<\/span>\u2013 war n\u00e4mlich strikt auf die offiziellen Staatskulte beschr\u00e4nkt, deren umfangreiche Durchf\u00fchrungsvorschriften aus erschreckend komplizierten und penibel einzuhaltenden Riten bestanden (zu denen sp\u00e4ter noch der Kaiserkult hinzukam), die auf die Sicherung g\u00f6ttlichen Wohlwollens f\u00fcr die Stadt Rom und das gesamte Gemeinwesen des Reiches zielten, wobei es theoretisch f\u00fcr deren Wirksamkeit unma\u00dfgeblich war, ob sie von einem Gl\u00e4ubigen oder einem Atheisten vollzogen wurden. Dass Letzteres im Norden genauso war, l\u00e4sst sich aus dem Beispiel des Freyrsgoden Hrafnkel in der gleichnamigen Saga ersehen, der nach seiner schmachvollen Entmachtung und seiner daraus resultierenden Hinwendung zum Atheismus sp\u00e4ter trotzdem in einem anderen Bezirk Islands wieder Gode wurde, worin weder er noch seine Umwelt ein Problem sahen, da es sich um ein rein politisches bzw. weltliches Amt handelte, zu dessen Pflichten gerade deshalb (!) u.a. eben auch der Vollzug der Opferhandlungen f\u00fcr das Gemeinwesen geh\u00f6rte. F\u00fcr das Kultpersonal der antiken Tempel, Heiligt\u00fcmer und Orakel gab es eine genau differenzierende Reihe von Bezeichnungen, das genaue Gegenst\u00fcck eines christlichen Priesters aber befand sich nicht darunter, und wenn in r\u00f6mischen Quellen vereinzelt \u201ePriester\u201c bei den Germanen erw\u00e4hnt werden, sollte man sehr gezielt hinschauen, welcher dieser Begriffe daf\u00fcr im lateinischen Original verwendet wird und was dessen r\u00f6mische Entsprechung genau bedeutet. Der Begriff<span>\u00a0<\/span><em>religio<\/em><span>\u00a0<\/span>jedenfalls beschr\u00e4nkte sich ausschlie\u00dflich auf die Staatskulte und auf die im gesamten indoeurop\u00e4ischen Raum nachweisbare und als Notwendigkeit empfundene Identit\u00e4t zwischen Kultgemeinschaft und B\u00fcrgergemeinde, wobei diese Gottesverehrung als \u00f6ffentliche Staatsb\u00fcrgerpflicht, nicht aber als pers\u00f6nliche Hingabe des einzelnen angesehen wurde. Das soll nicht hei\u00dfen, dass dahinter kein echter Glaube gestanden h\u00e4tte, denn sonst h\u00e4tte die notwendige Identifizierung mit dem Staatswesen nicht funktionieren k\u00f6nnen, aber der davon g\u00e4nzlich abgetrennte Bereich der privaten Fr\u00f6mmigkeit wurde im Lateinischen mit zwei ganz anderen Ausdr\u00fccken bezeichnet, die in ihrer damaligen Bedeutung wenig mit ihren heutigen romanischen Entsprechungen zu tun hatten:<span>\u00a0<\/span><em>pietas<\/em>, was u.a. die so wichtige Verehrung der Ahnen, Hausgeister (Laren) usw. bezeichnete, sowie<span>\u00a0<\/span><em>superstitio<\/em>, was die individuelle \u201eReligion\u201c im heutigen Wortsinn, also die private Kultzugeh\u00f6rigkeit definierte, die auf ganz andere Gottheiten gerichtet sein konnte als der Staatskult und nicht das Geringste mit diesem zu tun haben musste.<\/p>\n<p>Eine solche Trennung musste dem Christentum unverst\u00e4ndlich bleiben, und auch viele heutige Heiden sind unbewusst noch so christlich gepr\u00e4gt, dass sie diesen wichtigen Punkt verkennen oder v\u00f6llig \u00fcbersehen, denn Form, Funktion und Selbstverst\u00e4ndnis gerade des Priestertums waren im Christentum ein g\u00e4nzlich anderes. Kein Wunder, denn das war nat\u00fcrlich durch den Einfluss jener Gegenden und Kulturen gepr\u00e4gt, in denen das Christentum entstanden war und seine fr\u00fchesten Wurzeln hatte: Pal\u00e4stina, Syrien und \u00c4gypten, wo es tats\u00e4chlich eine alte Tradition machtvoller Priesterkasten mit Ausschlie\u00dflichkeitsanspruch f\u00fcr Opfer, Gottesdienst und Zugang zum \u201eAllerheiligsten\u201c des Tempels gab, die dem Christentum als Vorbild dienten. Ein christlicher Priester bzw. Bischof war somit der allein ma\u00dfgebende und monarchische Leiter der Gemeinde, alleinberechtigter Mittler zwischen Gott und den Menschen, verantwortlich f\u00fcr die \u201erichtige Lehre\u201c, Ordnung, Einheit und Erziehung sowie betraut mit der Aufsicht \u00fcber das bewegliche und unbewegliche Eigentum der Gemeinde. Im hellenistisch-r\u00f6mischen Heidentum dagegen gab es keinerlei kirchliche Organisation, keine priesterliche Autorit\u00e4t \u00fcber die Gl\u00e4ubigen, keine dogmatischen Vorgaben oder gar \u201eheilige Schriften\u201c, keine Er\u00f6rterung fundamentaler Glaubensfragen und keine mit den christlichen Gepflogenheiten vergleichbare Unterscheidung zwischen \u201ewahr\u201c und \u201efalsch\u201c (was sich z.B. in den mit unterschiedlichen Inhalten frei erz\u00e4hlbaren Mythen \u00e4u\u00dferte). Im Grunde ist der Begriff \u201eReligion\u201c nach heutigem Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr wahrscheinlich sogar v\u00f6llig verfehlt, denn Heidentum war eher mit Kulturverst\u00e4ndnis schlechthin gleichzusetzen. Heiden d\u00fcrften generell Schwierigkeiten gehabt haben, die christliche Sichtweise einer priesterlichen Autorit\u00e4t und Dogmatik, die \u00fcber den reinen Staatskult hinausging, \u00fcberhaupt zu begreifen. Heidentum war traditionelle Gesellschaftsauffassung, seine Wurzeln waren uralt, kultureller Art, betrafen Sitten und Umgangsformen, und seine St\u00e4rke lag in der Anpassungsf\u00e4higkeit, mit der neue Gottheiten \u2013 einschlie\u00dflich Christus \u2013 gesellschaftlich und religi\u00f6s problemlos integriert werden konnten. H\u00e4tte im Heidentum jemand katechetische Glaubensvorschriften verk\u00fcndet, selbst wenn sie auf allseits bekannten Mythen basiert h\u00e4tten, oder ein Abweichen davon als Irrlehre gebrandmarkt, h\u00e4tte er sich zum allgemeinen Gesp\u00f6tt gemacht.<\/p>\n<p>Genau das aber hatte das Christentum bereits geschafft. Dort hatte man n\u00e4mlich unter dem \u00e4tzenden Spott des Heidentums in Form der dauernd stattfindenden Konzilien\/Synoden (beide Begriffe bedeuten \u201eZusammenkunft\u201c) einen priesterlichen Bischofsrat eingerichtet (dem etliche Zeit sp\u00e4ter auch noch in Person des Papstes ein Vorsitzender auf Lebenszeit vorstehen sollte), ein Gremium, das auf eine f\u00fcr die monotheistischen Religionen so wichtige priesterliche Vorherrschaft \u00fcber die Gl\u00e4ubigen aus war, denen die \u201eheilige\u201c Schrift und Lehre nat\u00fcrlich \u201eausgelegt\u201c und \u201eerkl\u00e4rt\u201c werden mussten, eine f\u00fcr heidnisches Verst\u00e4ndnis ungeheuerliche Anma\u00dfung.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr das Fehlen eines heidnischen Widerstandes war aber auch, dass die ma\u00dfgeblichen heidnischen Kreise eben nicht so reagieren konnten, wie der christliche P\u00f6bel, dem die Zugeh\u00f6rigkeit zu seinem christlichen Neuverst\u00e4ndnis des Begriffs \u201eReligion\u201c stets wichtiger als seine Staatsb\u00fcrgerschaft und sein politisches Bekenntnis zum Staat gewesen waren, denn f\u00fcr Christen galt ab nun das Ambrosius-Wort: \u201eNichts ist wichtiger als die Religion, nichts steht h\u00f6her als der Glaube\u201c (Brief 17,12). F\u00fcr einen vornehmen Heiden war sein traditionelles Heidentum aber nicht von seinem gesellschaftlichen Selbstverst\u00e4ndnis, seiner Familienehre und der seiner Vorfahren zu trennen. Und genau deshalb konnte er sich auch nicht guten Gewissens gegen konstitutionell erlassenes r\u00f6misches Recht stellen, so wenig ihm das Gesetz selbst auch gefallen mochte. Dazu kam, dass auch Heiden in h\u00f6chsten Staats\u00e4mtern auf lange Sicht machtlos gegen die christlichen \u00dcbergriffe auf heidnische Heiligt\u00fcmer waren, da die Bisch\u00f6fe, die ihre M\u00f6nche und das Volk aufhetzten, genau wussten, dass sie mit Theodosius\u2019 Gesetzgebung im R\u00fccken handelten. Dennoch: Diese neuen Gesetze waren eindeutig einen Schritt zu weit gegangen. Und w\u00e4hrend Ambrosius in Mailand im h\u00f6chstem Himmel schwebte und seinen Gott und den Kaiser in ekstatischen Gedichten pries, br\u00fctete in Rom unter Leitung des ehrenwerten Flavianus der Senat finster vor sich hin, was man diesem Unheil entgegensetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Arbogast schien auf den ersten Blick weit weg von all diesen Geschehnissen zu sein und ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nichts \u00fcber seine k\u00fcnftige eigene Rolle in den kommenden Ereignissen. Zusammen mit dem jungen Kaiser Valentinian und dessen Hofstaat residierte er abwechselnd in Trier und Vienne und genoss im gesamten Reich h\u00f6chste Wertsch\u00e4tzung als gro\u00dfartiger und vertrauensw\u00fcrdiger Oberbefehlshaber des westr\u00f6mischen Heeres. Von dort aus sch\u00fctzte er zuverl\u00e4ssig die Nordwestgrenze des Reiches gegen die konstanten Versuche germanischer Raubz\u00fcge, wobei vor allem die Franken unter Sunno und Marcomer durch Raubz\u00fcge in linksrheinisches Gebiet unangenehm auffielen. Die Franken waren damals bereits ein Verband verschiedener St\u00e4mme: Brukterer, Chamaven, Ampsivarier und Chatten werden als den Franken zugeh\u00f6rig erw\u00e4hnt, was eine Ausdehnung ihres Gebietes vom Siegerland bis zur heutigen niederl\u00e4ndischen Grenze nahelegt. Die beiden h\u00f6chsten Milit\u00e4rs Arbogasts am Rhein \u2013 Charietto (dem Namen nach ebenfalls ein Germane) und Syrus \u2013 vermochten von K\u00f6ln aus die Franken zwar halbwegs in Schach zu halten, zu einem entscheidenden Sieg aber reichte es nicht, so sehr auch Arbogast von Trier aus darauf dr\u00e4ngte, sondern man begn\u00fcgte sich immer wieder mit der Erneuerung lauwarmer Abmachungen, wobei man sich gleichzeitig keinen Illusionen dar\u00fcber hingab, dass solche Vereinbarungen nur bis zur n\u00e4chsten f\u00fcr die Franken g\u00fcnstigen Gelegenheit halten w\u00fcrden. Diese unbefriedigende Situation lie\u00df Arbogast beschlie\u00dfen, die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen. Er zog nach K\u00f6ln, traf alle Vorbereitungen f\u00fcr einen Feldzug und lie\u00df gleichzeitig auch die alten Festungsanlagen der Stadt sowie andere offizielle Geb\u00e4ude wieder instandsetzen. Quelle f\u00fcr seine Baut\u00e4tigkeit ist u.a. eine Inschrift, die dadurch \u00fcberlebt hat, dass sie 1517 als Baumaterial am Chor von St. Peter in K\u00f6ln mit eingemauert wurde (heute im<span>\u00a0<\/span><em>R\u00f6misch-Germanischen Museum<\/em><span>\u00a0<\/span>der Stadt).<\/p>\n<p>Arbogast kannte nicht nur das Land selbst bestens (er war schlie\u00dflich dort geboren und aufgewachsen), sondern ebenso die Kampf- und Denkweise seiner fr\u00e4nkischen Stammesgenossen. Deshalb tat er etwas f\u00fcr die Antike Unerh\u00f6rtes, auf das kein anderer r\u00f6mischer Kommandant verfallen w\u00e4re: Er wartete mit seinem Feldzug, bis es tiefster Winter war. Erst als klirrender Frost eingesetzt hatte, \u00fcberquerte er mit seinen Truppen auf dem fr\u00fchesten Vorl\u00e4ufer der heutigen Deutzer Br\u00fccke den Rhein, besetzte als letzter r\u00f6mischer Kommandant der Geschichte das Ostufer und stie\u00df dann flussabw\u00e4rts in das Gebiet der Franken vor. Der Zeitpunkt war bewusst deshalb gew\u00e4hlt, weil nicht nur die S\u00fcmpfe und Moore, die wegen ihrer taktischen Einbeziehung durch Germanen im Kampf schon manch r\u00f6mischer Streitmacht zum Verh\u00e4ngnis geworden waren, nun gefroren und sicher begehbar waren, sondern vor allem, weil die zu dieser Jahreszeit laublosen und deshalb weithin durchsichtigen Waldgebiete den Franken kaum eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Verstecke und Hinterhalte gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes boten. Die Quelle erw\u00e4hnt hier ein seltsames Detail, dass Arbogast dieses Unternehmen n\u00e4mlich mit \u201eheidnischem Hass\u201c angegangen sei. Die Berichte \u00fcber Arbogasts Auseinandersetung mit den Franken entstammen dem Historiker Alexander Sulpicius aus dem 5. Jahrhundert, dessen Werk uns aber leider nur in Zitaten durch Gregor von Tours (538-594) in dessen<span>\u00a0<\/span><em>Historia Francorum<\/em><span>\u00a0<\/span>\u00fcberliefert ist. M\u00f6glicherweise ist diese Bemerkung also lediglich Zeichen religi\u00f6ser Absch\u00e4tzigkeit aus dem Mund eines Christen (obwohl wir nicht wissen, welcher Religion Sulpicius angeh\u00f6rte). Viel wahrscheinlicher aber ist, dass Arbogast hier tats\u00e4chlich aufgebrochen war, um grimmig eine alte Rechnung zu begleichen: Vor zehn Jahren hatten Sunno und Marcomir einen jungen und tapferen Krieger aus seiner Heimat vertrieben und ihn damit auf immer von seiner Familie, seiner Sippe, seinen Freunden und seinem Zuhause abgeschnitten. Nun war er auf einmal wieder da, und zwar als Oberbefehlshaber der gr\u00f6\u00dften und schlagkr\u00e4ftigsten Armee der Welt, und die dummen Gesichter von Sunno und Marcomer, als sie erstmals begriffen, wer ihnen da als Gegner gegen\u00fcberstand, d\u00fcrften sehenswert gewesen sein. Aber die Franken waren klug genug, das einzig Richtige zu tun: Arbogast traf ausschlie\u00dflich auf verlassene Siedlungen und entv\u00f6lkerte Gegenden und bekam keinen einzigen Menschen zu Gesicht. Die fr\u00e4nkischen St\u00e4mme waren komplett mit Kind und Kegel geflohen und wichen ihm im Folgenden aus, wo immer sie konnten, was angesichts der auf den H\u00f6fen im Stich gelassenen Wintervorr\u00e4te und der daraus resultierenden schwierigen Versorgungslage ebenfalls eine logistische Meisterleistung gewesen sein d\u00fcrfte (wenn dieses von Arbogast sicherlich ebenfalls taktisch eingeplante Problem denn gel\u00f6st wurde, was wir nicht wissen). Lediglich auf den K\u00e4mmen weit entfernter H\u00fcgel zeigten sich zuweilen Marcomer und einige fr\u00e4nkische Reiter, die Arbogasts Truppen aus sicherer Entfernung nicht aus den Augen lie\u00dfen. Arbogast kehrte schlie\u00dflich entnervt und unverrichteter Dinge nach K\u00f6ln zur\u00fcck. Aber im Jahr darauf scheint sein Plan bei einem erneuten Versuch aufgegangen zu sein. Sulpicius\u2019 Nachricht dar\u00fcber ist \u00e4u\u00dferst sp\u00e4rlich, legt aber nahe, dass es Arbogast diesmal gelungen sein muss, die Franken so zu \u00fcberraschen, dass er alle Bedingungen diktieren konnte. Es muss ein sehr pers\u00f6nlicher Triumph f\u00fcr Arbogast gewesen sein. Aber gleichzeitig scheint er vorausschauend genug gewesen zu sein, den Gegner nicht zu dem\u00fctigen. Er erneuerte vielmehr mit Sunno und Marcomer \u2013 beide inzwischen wahrscheinlich ziemlich kleinlaut geworden \u2013 nicht nur ihre alten B\u00fcndnisversprechen dem Reich gegen\u00fcber, sondern scheint sie in germanischer Manier auch noch auf sich pers\u00f6nlich eingeschworen zu haben: Wenn Arbogast sie je ben\u00f6tigen sollte, hatten die beiden Franken und ihre Krieger ihm milit\u00e4risch beizustehen. Und er d\u00fcrfte keinen Zweifel daran gelassen haben, dass ab nun jeder weitere Bruch dieser Vereinbarungen im w\u00f6rtlichsten Sinne vernichtende Folgen f\u00fcr die fr\u00e4nkischen St\u00e4mme haben w\u00fcrde. Der Ruf Arbogasts scheint ausgereicht zu haben, dass die Franken sich k\u00fcnftig buchst\u00e4blich daran hielten. Dennoch waren sie mit dieser Abmachung als einzigem Preis f\u00fcr die Geschichte erstaunlich gut weggekommen, und die sp\u00e4teren Ereignisse lassen vermuten, dass man sich dabei nicht nur in Frieden, sondern sogar in Freundschaft trennte. Und laut Sulpicius verfuhr Arbogast kurz darauf in genau derselben Weise mit den (damals noch sehr viel n\u00f6rdlicher lebenden) Alemannen.<\/p>\n<p>Inzwischen hatte aber auch Arbogast sein ganz eigenes Problem, und das war der junge Kaiser Valentinian selbst. Der Knabe war inzwischen 20 Jahre alt und begierig auf eigenen Schlachtenruhm und Regierungsmacht. Arbogast wusste, dass das nur in einer Katastrophe enden konnte und hielt deshalb den jungen Kaiser nur noch umso k\u00fcrzer. Als Valentinian auf Flehen des Ambrosius begeistert gegen in Pannonien (dem heutigen Ungarn) eingefallene heidnische Steppenkrieger ziehen wollte, verbot ihm Arbogast das schlichtweg und verk\u00fcndete stattdessen \u00f6ffentlich, er selbst werde das in die Hand nehmen, woraufhin sich die Invasoren sofort in Panik zur\u00fcckzogen und um Frieden baten. Aber Valentinian hatte seine dem\u00fctigende Rolle inzwischen begriffen und wurde in seinem goldenen K\u00e4fig zunehmend aufm\u00fcpfiger. Und dieses Problem scheint Arbogast falsch angegangen zu sein. Solche Prinzlein m\u00fcssen konstant unterhalten werden, man muss ihnen schmeicheln und man muss sie irgend etwas machen lassen, wobei sie keinen Schaden anrichten k\u00f6nnen, wodurch sie sich aber best\u00e4tigt und wichtig f\u00fchlen. Um ein solch delikates und h\u00f6fisches Problem elegant zu l\u00f6sen, war Arbogast aber wohl zu sehr germanischer Krieger, und seine einzige Reaktion scheint gewesen zu sein, Valentinian noch mehr Beschr\u00e4nkungen aufzuerlegen, obwohl ihm klar gewesen sein muss, dass es in seinem eigenen Interesse gelegen h\u00e4tte, den Jungen m\u00f6glichst gutwillig zu stimmen, um mit ihm auskommen und ihn lenken zu k\u00f6nnen. Nun begann Valentinian, flehentliche und theatralische Briefe mit der Bitte um Hilfe an Ambrosius und Theodosius zu schicken. Keiner von beiden antwortete, Theodosius ganz klar deshalb nicht, weil er das alles schlie\u00dflich genau so geplant hatte und Arbogasts Handeln genau seinem Auftrag entsprach.<\/p>\n<p>Der folgende Vorfall mag ein bezeichnendes Licht auf Arbogasts Gesinnung bez\u00fcglich Korruption werfen: Als Harmonius, ein Mitglied des Hofes und enger Freund Valentinians, der Bestechlichkeit \u00fcberf\u00fchrt war, zog Arbogast fassungslos vor Emp\u00f6rung sein Schwert, um kurzen Prozess mit ihm zu machen. Harmonius rannte, so schnell er konnte, und die gesamte Dienerschaft konnte erschreckt mitansehen, wie Arbogast ihn mit gez\u00fccktem Schwert einmal durch den gesamten Palast und zur\u00fcck jagte, wo der v\u00f6llig Ver\u00e4ngstigte im Thronsaal nun hoffnungsvoll Schutz unter dem Mantel seines Kaisers suchte (eine Geste, die f\u00fcr heiliges Asyl stand). Das aber st\u00f6rte Arbogast wenig, und unter den Augen des entsetzten Valentinian und der \u00fcbrigen Anwesenden zerrte er Harmonius hervor und hieb ihn offensichtlich so drastisch in St\u00fccke, dass auch der junge Kaiser und alle Umstehenden danach v\u00f6llig blutgetr\u00e4nkt waren.<\/p>\n<p>Nach diesem unsch\u00f6nen Zwischenfall war jeder Rest von Vertrauen zwischen den beiden endg\u00fcltig dahin, und damit auch die M\u00f6glichkeit einer Machtteilung, die es Valentinian erlaubt h\u00e4tte, zumindest offiziell und in der \u00d6ffentlichkeit die Kaiserw\u00fcrde zu repr\u00e4sentieren, ohne gleich das gesamte Arrangement zu ruinieren. Wenige Tage sp\u00e4ter \u00fcberreichte Valentinian vom Thron herab Arbogast sein Entlassungsschreiben. Arbogast las es in aller Ruhe, warf es dann achtlos zu Boden und sagte: \u201eDu hast mir mein Amt nicht gegeben, also kannst du mich auch nicht entlassen\u201c. Sprach\u2019s und verlie\u00df unbewegt den Thronsaal. Dies war nicht lediglich die stolze Reaktion eines germanischen Kriegers, sondern das entsprach v\u00f6llig den Tatsachen, denn de facto war Arbogast ausschlie\u00dflich Theodosius gegen\u00fcber Gehorsam schuldig. Aber nicht einmal Theodosius h\u00e4tte ihn so einfach entlassen k\u00f6nnen, da er vom Heer in sein Amt gew\u00e4hlt, nicht aber vom Kaiser ernannt worden war. Diese erneute Konfrontation in aller \u00d6ffentlichkeit aber war so dem\u00fctigend f\u00fcr Valentinian und er fand Arbogasts Druck inzwischen so unertr\u00e4glich, dass er daraufhin nachweislich in tiefe Depression verfiel. Er erkannte nun das ganze Ausma\u00df seiner Situation und muss sich wie ein Gefangener vorgekommen sein. Gegen Arbogasts Pers\u00f6nlichkeit kam er nicht an, er besa\u00df keinerlei Macht und \u2013 schlimmer noch \u2013 auch keine politischen Freunde mehr. Das muss ihn zu einem verzweifelten Entschluss bewogen haben: Einige Tage sp\u00e4ter, im Mai 392, fand man ihn erh\u00e4ngt in seinen Gem\u00e4chern.<\/p>\n<p>Arbogast verk\u00fcndete, es sei Selbstmord gewesen. Die \u00f6ffentliche Meinung war gespalten. Entweder folgte man Arbogasts Version oder man verd\u00e4chtigte ihn, Valentinian umgebracht zu haben. Und bis heute sind sich die Historiker in dieser Frage nicht v\u00f6llig einig, was den Vorfall m\u00f6glicherweise zu einem der ungekl\u00e4rten Mordf\u00e4lle der Geschichte macht. Die Quellen selbst sind zu widerspr\u00fcchlich und beweisen lediglich, dass die genauen Umst\u00e4nde des Todes Valentinians auch schon f\u00fcr die damaligen Zeitgenossen undurchsichtig waren: Die zeitlich am n\u00e4chsten liegende Quelle (Rufinus) gibt klar zu, dass niemand genau wusste, was an diesem schicksalhaften Tag in Vienne wirklich passiert war, und dass es auch keine M\u00f6glichkeit gab, die widerspr\u00fcchlichen Ger\u00fcchte zu beweisen oder zu widerlegen. Alle anderen Berichte dar\u00fcber wurden viel sp\u00e4ter geschrieben und sind schlichtweg wilde R\u00e4uberpistolen mit sensationsl\u00fcsternen und eindeutig erfundenen Details. Sehr aufschlussreich aber ist, dass sogar Ambrosius die Mordtheorie ausschloss \u2013 und der h\u00e4tte wenig Anlass gehabt, den heidnischen Franken Arbogast in Schutz zu nehmen. Das Hauptargument zu Gunsten Arbogasts ist aber, dass er einfach kein glaubw\u00fcrdiges Motiv f\u00fcr einen Mord gehabt h\u00e4tte. Er war nicht nur uneingeschr\u00e4nkter Herrscher des Westreiches, sondern sein Einflussbereich umfasste inzwischen auch Italien, und all das mit vollem Einverst\u00e4ndnis Theodosius\u2019. Als geb\u00fcrtiger Nichtr\u00f6mer konnte er selbst nie Kaiser werden, und das wusste er, und deshalb h\u00e4tte selbst ein nat\u00fcrlicher Tod Valentinians niemals in Arbogasts Interesse sein k\u00f6nnen. Zwar war der junge Kaiser am Ende nur noch schwer oder gar nicht mehr lenkbar, aber dennoch lag alle Macht unangreifbar in Arbogasts H\u00e4nden. Selbst wenn er Valentinian als Gefangenen gehalten h\u00e4tte, w\u00e4re das immer noch besser als sein Tod gewesen, denn wie immer man sich ein neues Arrangement nach Valentinians Tod auch vorstellen k\u00f6nnte, es h\u00e4tte in keinem Fall g\u00fcnstiger f\u00fcr Arbogast ausfallen k\u00f6nnen, als es zuvor gewesen war.<\/p>\n<p>Es ist unklar, was Theodosius dar\u00fcber dachte, als die Neuigkeiten Konstantinopel endlich erreichten. Er scheint skeptisch gewesen zu sein. Aber die Version der Ereignisse kann auf dem langen Weg nach Osten nat\u00fcrlich auch leicht verzerrt oder ver\u00e4ndert worden sein. Tatsache jedenfalls ist, dass er fatalerweise \u00fcber Monate keine Reaktion \u00e4u\u00dferte, m\u00f6glicherweise, weil er zu unsicher war, was er davon halten sollte. Im Licht der folgenden Ereignisse ist dieses lange Schweigen aus Konstantinopel dennoch mehr als befremdlich. Eine andere m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr k\u00f6nnte die Tatsache sein, dass der Kaiser sich genau zu diesem Zeitpunkt mit Intrigen und Machtk\u00e4mpfen gef\u00e4hrlichsten Ausma\u00dfes an seinem eigenen Hof konfrontiert sah (deren Details f\u00fcr unsere Geschichte ohne Belang sind), deren erfolgreiche Niederschlagung all seine Aufmerksamkeit, Kraft und politischen F\u00e4higkeiten erforderte. Dennoch macht Theodosius\u2019 fehlende Reaktion klar, dass er nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig beunruhigt gewesen sein d\u00fcrfte, Arbogast auch weiterhin v\u00f6llig freie Hand zu lassen, denn wenn er der Mordtheorie geglaubt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte er das zwangsl\u00e4ufig als Rebellion ansehen m\u00fcssen und mit Sicherheit energischer reagiert.<\/p>\n<p>Arbogast hingegen beteuerte weiterhin \u00f6ffentlich seine Unschuld und Treue. Offenbar ging er davon aus, dass Theodosius nun seinen \u00e4ltesten Sohn Arcadius zum neuen Kaiser des Westreiches kr\u00f6nen w\u00fcrde, denn Arbogast lie\u00df auf M\u00fcnzpr\u00e4gungen schon l\u00e4nger auch ihn ehren. Als jedoch trotz konstanter Anfragen nach Konstantinopel nach wie vor keine Reaktion von Theodosius kam, muss bei Arbogast der Eindruck entstanden sein, seine Kommunikationsm\u00f6glichkeiten mit dem Kaiser seien blockiert oder abgeschnitten, was ihm v\u00f6llig unerkl\u00e4rlich gewesen sein muss. Das aber brachte Arbogast in eine unhaltbare Situation: Als Herrscher des Westreiches und Oberkommandierender des Heeres musste er die Regierungsgesch\u00e4fte und das Funktionieren des Staatsapparates aufrechterhalten, durfte sich gleichzeitig aber nicht den geringsten Anschein geben, er w\u00fcrde sich selbst kaiserliche Autorit\u00e4t anma\u00dfen. So konnte er z.B. keine Gesetze oder Anordnungen in seinem eigenen Namen erlassen, sondern nur im Namen des rechtm\u00e4\u00dfigen Kaisers. Aber Valentinian war tot, und trotz seiner dringenden Anfragen nach Konstantinopel kam von dort keinerlei Anordnung, ja nicht einmal das kleinste Signal. In klarer Erkenntnis dessen, dass er seine eigene Autorit\u00e4t nicht unbegrenzt ausdehnen konnte, entschloss sich Arbogast vier lange Monate sp\u00e4ter notgedrungen zu dem naheliegendsten Schritt: Ende August 392 kr\u00f6nte er in Lyon einen Mann namens Eugenius zum neuen Kaiser f\u00fcr das Westreich.<\/p>\n<p>Dieser Eugenius erscheint auf den ersten Blick als v\u00f6llig seltsame Wahl. Er war ein zweitrangiger Verwaltungsbeamter, der als Lehrer f\u00fcr Grammatik und Rhetorik zwar den Bildungshintergrund der klassischen Antike, aber nichts von der Konsuls- oder Pr\u00e4fektenw\u00fcrde z.B. eines Senators besa\u00df. Arbogast kannte ihn vom Hofe Valentinians, wo er Chefsekret\u00e4r des jungen Kaisers gewesen war. Seine Ausrufung zum Kaiser sollte der \u00d6ffentlichkeit aber wahrscheinlich zwei Dinge signalisieren: erstens, dass Arbogast nach wie vor an den Schaltstellen der Macht sa\u00df, alles im Griff hatte und in Eugenius einen nichtmilit\u00e4rischen Partner vorzuweisen hatte, und zweitens, dass diese neue Regierung kein Putsch eines gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen germanischen Generals war, sondern rechtm\u00e4\u00dfig, r\u00f6misch und zivilisiert, und somit die Unterst\u00fctzung des Senats und der Aristokratie verdiente. Sein Vorgehen konnte auch nicht als Hochverrat gedeutet werden, da es im Westen ja keinen Kaiser mehr gab. Eugenius war zwar nominell Christ, aber anders als der alte Demagoge in Mailand von extrem moderater und toleranter Art, und deshalb gut geeignet, auch potentielle heidnische Unterst\u00fctzer nicht zu verschrecken. Da Arbogast selbst bekannterma\u00dfen kein Christ war, hatte er Eugenius wohl auch klug unter dem Aspekt ausgew\u00e4hlt, dass dessen Christentum als beruhigendes Signal an Theodosius und vor allem Ambrosius dienen sollte. Arbogast und Ambrosius kannten sich gut aus den gemeinsamen Tagen am Hof zu Mailand. Und Arbogast hatte ihn immer respektiert, denn als Heide hatte er kein Problem damit, Christus als weiteren Gott zu akzeptieren und dessen Priester als m\u00f6glicherweise machtvolle Helfer, wenn es n\u00f6tig sein sollte.<\/p>\n<p>Eugenius sandte nun sofort eine Gesandtschaft mit friedlichen und br\u00fcderlichen Gr\u00fc\u00dfen an Theodosius. Mindestens zwei weitere diplomatische Delegationen folgten, von denen eine sogar ausschlie\u00dflich aus christlichen Geistlichen bestand. Sie alle sollten m\u00f6gliche Missverst\u00e4ndnisse und Irrt\u00fcmer kl\u00e4ren und um Anerkennung und Freundschaft bitten. Und alle waren im Namen des Eugenius, ohne dass Arbogast dabei erw\u00e4hnt wurde. Keine dieser Delegationen erhielt eine klare Antwort. Sie wurden empfangen, Geschenke und h\u00f6fliche Floskeln wurden ausgetauscht, und sie wurden wieder entlassen, ohne ihr eigentliches Ziel erreicht zu haben. Aber selbst jetzt noch erkannte man auf der M\u00fcnzpr\u00e4gung im Westen, die nun offiziell von Eugenius ausgegeben wurde, Theodosius als Kaiser an, und in der westlichen Titulatur teilte Eugenius sich bereitwillig die Konsulschaft f\u00fcr das neue Jahr 393 mit Theodosius, von dem nach wie vor kein klares Wort oder gar eine Anweisung an Arbogast zu vernehmen war. Stattdessen tauchten nun aber pl\u00f6tzlich ostr\u00f6mische M\u00fcnzen auf, auf denen Theodosius die Konsulschaft f\u00fcr das neue Jahr mit seinem General Abundatius teilte. Schon das war kein gutes Zeichen. Dann aber, im Januar 393, erfolgte endlich ein klares Signal, als Theodosius seinen j\u00fcngsten Sohn Honorius zum Kaiser des Westreiches ernannte. Dadurch wurde Eugenius zum unrechtm\u00e4\u00dfigen Usurpator und Rebellen gestempelt. Nun endlich war die Botschaft zumindest eindeutig, aber sie muss ein unerwarteter Schock f\u00fcr Arbogast und Eugenius gewesen sein.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling 393 war der Bruch zwischen Trier und Konstantinopel endg\u00fcltig, und im April zogen Arbogast und Eugenius in Italien ein. Von den wichtigeren politischen Gestalten fand es nur Ambrosius auf einmal klug, Mailand eiligst zu verlassen und sich auf dem Land in der N\u00e4he von Bologna zu verstecken. Diese Flucht ist verschiedentlich als Angst vor dem neuen Regime oder gar vor dem Heidentum Arbogasts selbst gedeutet worden. Das aber ist v\u00f6lliger Unsinn. Schlie\u00dflich kannten sich die beiden seit Jahren und niemand h\u00e4tte Ambrosius behelligt, der zudem \u2013 das muss man ihm zubilligen \u2013 schon in ganz anderen F\u00e4llen entsprechende Zivilcourage bewiesen hatte. Sein Motiv scheint eher gewesen zu sein, jeden Kontakt mit dem neuen Regime zu vermeiden, um nicht zwischen die sich nun abzeichnenden politischen Fronten zu geraten.<\/p>\n<p>Und ab dann nahmen die Ereignisse in Italien eine \u00fcberraschende und g\u00e4nzlich unerwartete Wendung: Obwohl Eugenius die heidnischen Staatskulte nicht wieder offiziell aus Mitteln der \u00f6ffentlichen Hand finanzierte, lie\u00df er das n\u00f6tige Geld daf\u00fcr doch sofort aus anderen Kan\u00e4len flie\u00dfen, das er Flavianus, dem Senat und anderen prominenten Heiden direkt zukommen lie\u00df, was nichts anderes als eine reine Geldw\u00e4sche war, die durch private H\u00e4nde lief. Genauso wurde mit den konfiszierten Tempelsch\u00e4tzen verfahren. Sie gingen als \u201eprivate Geschenke des Kaisers\u201c an die entsprechenden Senatoren, die sie sofort wieder ihrer alten Bestimmung zuf\u00fchrten, was verd\u00e4chtig nach langer Planung und genauer Absprache riecht. Viele weitere Zugest\u00e4ndnisse an das Heidentum folgten umgehend. Ebenfalls umgehend erfolgte die Best\u00e4tigung des ehrenwerten Flavianus als Pr\u00e4fekt Italiens, und das war der letzte Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass das, was nach au\u00dfen hin lediglich wie eine traditionelle Tolerierung des Heidentums durch Eugenius aussah, nun zu einer Wiedererweckung f\u00fchrte, die erstaunliche Ausma\u00dfe annahm. Als spiritueller F\u00fchrer der heidnischen Sache war Flavianus\u2019 Verh\u00e4ltnis zu Theodosius, dem er einige Jahre zuvor noch ein literarisches Werk gewidmet hatte, inzwischen bis zum Zerrei\u00dfen gespannt. Obwohl das Heidentum seiner Natur nach nie militant oder politisch war, wurde es nun erstmals dazu getrieben, dem Kaiser aktiv zu trotzen und zum zentralen Thema eines Aufstandes zu werden, der seine Symbole aus der Welt der alten G\u00f6tter entlehnte.<\/p>\n<p>Unter der energischen F\u00fchrung von Flavianus wurden nun mit dem gewaschenen Geld von Arbogast und Eugenius heidnische Projekte finanziert: Die Tempel wurden renoviert und neu geweiht, alle Feste wieder p\u00fcnktlich gefeiert, alle Staatskulte und offizielle Opferfeiern korrekt durchgef\u00fchrt und die Mysterienkulte neu ins Leben gerufen. Flavianus selbst war Initiant der Kulte von Vesta, Sol, Mithras, Hecate, Isis und Serapis. Zus\u00e4tzlich rief er die Kulte Iuppiters, Saturns, Mercurs, Vulcans, Ceres\u2019 und Proserpinas ins Leben zur\u00fcck. Sein gleichnamiger Sohn wurde zum Pr\u00e4fekten Roms ernannt und wiederer\u00f6ffnete den Tempel der Venus und den der Flora. In Ostia \u2013 der Hafenstadt Roms \u2013 wurde der Herkulestempel wiederaufgebaut, dessen Bau- und Weiheinschriften uns wertvolle Informationen \u00fcber diese aufregenden Vorg\u00e4nge liefern. Geb\u00e4ude, in denen S\u00e4ulen ehemaliger Tempel verbaut waren, wurden niedergerissen, um die heiligen S\u00e4ulen zu \u201ebefreien\u201c und sie wieder an ihre alten heiligen St\u00e4tten zur\u00fcckzuf\u00fchren. Insgesamt aber \u2013 das muss betont werden \u2013 war die Politik die einer religi\u00f6ser Toleranz in bester r\u00f6mischer Tradition, wenn auch mit starker F\u00f6rderung des Heidentums. Dennoch reagierte das Stadtvolk wie gewohnt: \u201eWessen Brot ich ess\u2019, dessen Lied ich sing\u201c, und es kam zu einer einzigartigen R\u00fcckflutbewegung, in der nun auch viele Christen Roms zur Altgl\u00e4ubigkeit zur\u00fcckkehrten. Die r\u00f6mische Tradition regelm\u00e4\u00dfiger Widmungs- und Zueignungsgeschenke besann sich nun wieder auf heidnische Inhalte: f\u00fcr sozial Gleichgestellte die sorgf\u00e4ltig gearbeiteten Elfenbein-Diptychons mit den Darstellungen der G\u00f6tter, f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Verbreitung, auch f\u00fcr die Besucher der Spiele, entstanden zahlreiche m\u00fcnzen\u00e4hnliche Medaillons, auf denen heidnische Kaiser, Gottheiten, Helden und die klassische Mythologie allgemein gefeiert wurden, und die durch viele arch\u00e4ologische Funde bekannt sind (und diese in der Numismatik als<span>\u00a0<\/span><em>Kontorniaten<\/em><span>\u00a0<\/span>bekannten Medaillons waren den Fachleuten lange Zeit ein R\u00e4tsel \u2013 erst gegen Mitte des 20. Jahrhunderts erkannte man ihre historischen Zusammenh\u00e4nge). Durch diese und weitere intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurde das neue Regime \u2013 also Arbogast und Eugenius \u2013 im Reich v\u00f6llig mit der \u201esenatorischen Sache\u201c identifiziert, die ihrerseits in der \u00d6ffentlichkeit wiederum ausschlie\u00dflich mit dem Heidentum gleichgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Diese Neuigkeiten aus Rom m\u00fcssen Theodosius nicht schlecht \u00fcberrascht haben, und er d\u00fcrfte seinen Ohren kaum getraut haben. Auch Ambrosius war fassungslos. So hatte er die Dinge nicht geplant, seine Taktik schien nach hinten loszugehen, und von seinem Aufenthaltsort bei Bologna aus begann er einen vorwurfsvollen Klagebrief an Eugenius zu verfassen, der uns im vollen Wortlaut \u00fcberliefert ist. Was war \u00fcberhaupt mit dem Papst? Nun, ein Papst existierte im 4. Jahrhundert \u00fcberhaupt noch nicht. Zwar gab es bereits einen Bischof in Rom, nur hatte das Amt zu jener Zeit nicht einmal ansatzweise jene Machtf\u00fclle und Autorit\u00e4t, die ihm weit sp\u00e4ter einmal zukommen sollte. In den Tagen Arbogasts bekleidete ein Mann namens Siricius dieses Amt, aber wir haben keine Quelle daf\u00fcr, dass er sich zu den Vorg\u00e4ngen in irgendeiner Form ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tte. Siricius\u2019 Vorg\u00e4nger Damasius wiederum hatte erstmals dreist eine kirchliche Vorrangstellung Roms gefordert, aber nicht etwa der Bedeutung und altehrw\u00fcrdigen Geschichte der Stadt wegen, sondern mit dem Argument, dass hier Petrus und Paulus den M\u00e4rtyrertod erlitten hatten und mit Verweis auf Petrus als legend\u00e4ren \u201eersten Bischof\u201c Roms und auf Matth. 16,18 (\u201eDu bist Petrus, und auf diesem Fels will ich meine Kirche bauen\u201c). So begann eine Theorie der bisch\u00f6flichen Vorherrschaft Roms, die aber erst lange sp\u00e4ter Wirkung zeigen sollte und die auch unter dem Klerus des Westens nicht unumstritten blieb. Die Beschr\u00e4nkung auf die Anrede<span>\u00a0<\/span><em>papa<\/em><span>\u00a0<\/span>(Vater), die vorher allen Bisch\u00f6fen zukam, und ihre Funktion als Titel f\u00fcr den Bischof von Rom setzte sich erst zu Beginn des 6. Jahrhunderts durch. In den Tagen Arbogasts aber hatte die Kirche es nach langen inneren K\u00e4mpfen gerade erst geschafft, halbwegs zu einer Einheit zu finden, wof\u00fcr au\u00dfer Ambrosius vor allem der fanatische \u00e4gyptische Bischof Athanasius zweifelhaftes Verdienst beanspruchen konnte, den man praktisch den \u201eErfinder des Katholizismus\u201c nennen kann. Aber es gab z.B. noch keine verbindliche Liturgie, die Form des Gottesdienstes folgte v\u00f6llig eigenem Gutd\u00fcnken jedes Priesters oder Bischofs, und erst recht waren die gro\u00dfen \u201eH\u00e4resien\u201c wie die der Arianer, Donatisten, Pelagianer, Priscillianer u.v.a. noch keineswegs besiegt und sollten es auf lange Zeit auch nicht werden. Zwar gab es also bereits ein gut organisiertes und zusammenh\u00e4ngendes kirchliches Netzwerk, aber die Kirche hatte noch alle H\u00e4nde voll zu tun, das zu festigen und zu sichern, und die letzte Idee, die sie zu diesem Zeitpunkt gehabt haben k\u00f6nnte, w\u00e4re somit eine organisierte Mission au\u00dferhalb des Reiches gewesen.<\/p>\n<p>Komisch nur, dass viele germanische V\u00f6lker zu diesem Zeitpunkt schon lange Christen waren bzw. es in der unmittelbar darauf folgenden Zeit wurden (Ost- und Westgoten, Wandalen, Burgunder, Sueben usw.). So hatte bereits 325 am Konzil von Nicaea ein gotischer Bischof teilgenommen \u2013 lange vor dem Wirken des angeblich eigentlichen Gotenbekehrers Wulfila. Das sollte man bedenken, wenn man dauernd mit dem Zerrbild vom \u201eb\u00f6sen Rom, dem Papst und der Kirche, die gewaltsam die armen Germanen zum Christentum gezwungen h\u00e4tten\u201c konfrontiert wird, eine antikatholische Propagandaerfindung der Reformation, die nicht die geringste Best\u00e4tigung in den Quellen findet. Genau das Gegenteil war der Fall, denn die germanischen V\u00f6lker nahmen ja ausnahmslos das arianische Bekenntnis an, das von \u201eRom\u201c schon lange zuvor zur Ketzerei erkl\u00e4rt worden war und von der katholischen Kirche aufs heftigste bek\u00e4mpft wurde (der Arianismus lehnte die Wesensgleichheit Jesu mit dem g\u00f6ttlichen Vater ab). \u201eRom\u201c und die katholische Kirche hatte mit dieser Bekehrung also nicht das Geringste zu tun. Keiner der antiken Kirchenschriftsteller wei\u00df auch etwas dar\u00fcber zu berichten, deshalb sind uns mangels eigener germanischer Schriftquellen Ursprung und Ausbreitungsprozess dieser Arianisierung der Germanen nach wie vor ein R\u00e4tsel, da es sich um ein rein innergermanisches (und wohl weitgehend friedliches) Ph\u00e4nomen gehandelt hat. Die erst mehr als 200 Jahre sp\u00e4ter nach Ende der V\u00f6lkerwanderungszeit erneut beginnende Mission des heutigen S\u00fcddeutschlands ging ebenfalls nicht von \u201eRom\u201c aus, sondern erfolgte \u00e4u\u00dferst friedlich durch irische und britische Wanderm\u00f6nche, die ebenfalls nur wenig bis gar nichts mit \u201eRom\u201c und dem Papsttum zu tun hatten und hinter denen keinerlei weltliche Macht stand. Gewaltsame Bekehrung der Germanen hat es nur in zwei sehr viel sp\u00e4teren F\u00e4llen gegeben: durch Karl bei den Sachsen und durch die zwei Olafs in Norwegen, also nur durch germanische K\u00f6nige, was forschungsgeschichtlich auch nie strittig war. Alles andere ist erneute Geschichtsverdrehung aus den dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte, die leider auch in vielen heutigen K\u00f6pfen immer noch willige Aufnahme und unkritische Weiterverbreitung findet. Da zu dieser Zeit aber die vielfach bereits christlichen germanischen V\u00f6lker an allen Ecken und Enden gegen das Reich dr\u00e4ngten, k\u00f6nnte man sogar \u00fcberspitzt sagen, dass der Fall genau andersherum lag: Ihr Christentum war es, das nun das noch sein Heidentum verteidigendes Rom bedrohte, nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Die heidnischen Feiern und Festlichkeiten in Rom erreichten ihren H\u00f6hepunkt im Fr\u00fchling 394, aktiv geleitet von einem begeisterten und gl\u00fccklichen Flavianus, der in diesen Tagen \u00fcberall gleichzeitig anzutreffen war. Im M\u00e4rz beging die Stadt ein rauschendes Fest zu Ehren des Attis, kurz darauf das der Cybele, deren heilige Statue auf einem von L\u00f6wen gezogenen Wagen in Rom einzog, auf dem Flavianus unter dem Jubel der Bev\u00f6lkerung selbst die silbernen Z\u00fcgel f\u00fchrte. Darauf folgten das Fest der Flora und die aufw\u00e4ndigen Megalensischen Spiele. Prozessionen zu Ehren der Magna Mater und der Isis wurden in den Stra\u00dfen Roms wieder zu einem allt\u00e4glichen Anblick. Die goldenen Tage der Stadt schienen zur\u00fcckgekehrt zu sein, und die Menschen waren dar\u00fcber begeistert. Es war, als sei die gesamte Stadt von einem Rausch ergriffen. In der Tat war es lange Zeit her, seit Rom solch pr\u00e4chtige religi\u00f6se Spektakel gesehen hatte.<\/p>\n<p>All das wirft nat\u00fcrlich unz\u00e4hlige Fragen zur Rolle Arbogasts dabei auf. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Eugenius nur sein kaiserliches Aush\u00e4ngeschild war und Arbogast selbst alle politischen F\u00e4den zog \u2013 wie in all den Jahren zuvor auch. Wie bereitwillig Eugenius seine nicht ungef\u00e4hrliche Stellung angenommen hatte, wissen wir nicht. Zumindest eine Quelle (Zosimus) berichtet, er habe sich heftig dagegen gestr\u00e4ubt. Aber wahrscheinlich war das alles eine Nummer zu gro\u00df f\u00fcr ihn, und er hatte v\u00f6llig den Boden unter den F\u00fc\u00dfen verloren. M\u00f6glicherweise hatte er \u00fcberhaupt keine Wahl, aber Arbogast sch\u00fctzte ihn, vertraute ihm offenbar v\u00f6llig, und somit waren die beiden nun in ein gemeinsames Schicksal eingebunden. Den Quellen nach scheinen sie nicht nur ein sehr gutes Team abgegeben zu haben, sondern auch enge Freunde gewesen zu sein. Das hat sp\u00e4tere Historiker der Antike den Verdacht \u00e4u\u00dfern lassen, die beiden h\u00e4tten sich noch zu Lebzeiten Valentinians verschworen, die kaiserliche Macht an sich zu rei\u00dfen. Aber wenn Arbogast den Tod Valentinians im Voraus geplant h\u00e4tte, dann h\u00e4tte er mit Sicherheit auch einen passenden Kandidaten zur Hand gehabt, um ihn sofort zu ersetzen. Das aber war eben nicht der Fall. Man muss es nochmals betonen: Arbogast wartete vier Monate lang auf Anweisungen aus Konstantinopel, fragte immer wieder nach und bereitete nachweislich (durch seine M\u00fcnzpr\u00e4gung) die \u00d6ffentlichkeit bereits auf die Erhebung von Theodosius\u2019 Sohn Arcadius vor, und erst als seine eigene Situation des andauernden Schweigens aus Konstantinopel wegen immer unhaltbarer geworden war, ergriff er schlie\u00dflich die Initiative. Das ergibt nur Sinn, wenn Valentinians Tod tats\u00e4chlich pl\u00f6tzlich und unerwartet kam und vor allem, wenn es Suizid war, und ist ein weiteres Argument daf\u00fcr, dass Arbogast nicht in dessen Tod verwickelt war.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es bei all dem viele Details und Hintergr\u00fcnde, die sich auf immer unserer Kenntnis entziehen werden. Aber es scheint klar, dass Arbogast und Eugenius keine Rebellion planten oder sich als Usurpatoren f\u00fchlten \u2013 zumindest nicht zu Beginn. Liefen die Dinge an irgendeinem Punkt einfach aus dem Ruder? Die politischen Konstellationen, die hier zusammenflossen, sind klar erkennbar: In Rom br\u00fcteten Flavianus und der Senat immer noch finster \u00fcber eine Rettung des Heidentums und einen m\u00f6glichen Widerstand gegen Theodosius\u2019 elende Religionsgesetze nach, die ihnen nichts von ihrem traditionellen Symbolismus, ihrem r\u00f6mischen Selbstverst\u00e4ndnis und ihrer Identit\u00e4t lie\u00dfen. Im klaren Bewusstsein, dass Arbogast germanischer Heide war und gleichzeitig als milit\u00e4risch unbesiegbar galt, schien ihnen das Regime von Arbogast und Eugenius wie ein Geschenk der G\u00f6tter und als L\u00f6sung ihrer Probleme. Kein Wunder, dass sie begierig nach diesem Geschenk griffen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite brauchten Arbogast und Eugenius die Unterst\u00fctzung des Senats und gingen deshalb ihrerseits bereitwillig auf dessen W\u00fcnsche ein, wenn auch in der \u00d6ffentlichkeit mit Blick auf Konstantinopel zun\u00e4chst eher vorsichtig. Ein Detail aber verdient dabei besondere Beachtung: Als sie mit ihrer Geldw\u00e4scherei und sofortigen R\u00fcckgabe alles Tempeleigentums den heidnischen Staatskult wiederbelebten und vor allem, als sie Flavianus als Pr\u00e4fekt Italiens best\u00e4tigten, der weithin als geistiger F\u00fchrer der heidnischen Sache bekannt war, m\u00fcssen sie genau gewusst haben, was sie taten. Sp\u00e4testens in diesem Moment, als sie die heidenfeindlichen Gesetze des Kaisers \u00f6ffentlich in den Dreck traten, machten sie sich endg\u00fcltig zu Rebellen. Das er\u00f6ffnet nat\u00fcrlich sofort die Frage, ob Arbogast selbst religi\u00f6se Motive bewegten. Gab es vielleicht schon lange zuvor eine heidnische Verschw\u00f6rung zwischen Arbogast und Flavianus, und Eugenius diente als Vermittler zwischen ihnen? Jeglicher Hinweis darauf fehlt, aber als germanischer Heide war Arbogast schlie\u00dflich selbst von diesen Gesetzen betroffen (auch wenn ihm in seiner Stellung niemand mit deren Anwendung h\u00e4tte kommen d\u00fcrfen), und er muss davon genauso angeekelt gewesen sein wie Flavianus und die R\u00f6mer. Deshalb kann man nicht ausschlie\u00dfen, dass das zumindest ein Motiv unter vielen anderen f\u00fcr seine Entscheidung gewesen sein mag, nun sein und Eugenius\u2019 Schicksal mit dem von Flavianus, des Senats und der heidnischen Sache Roms zu verschmelzen. Trotz des langen Schweigens aus Konstantinopel h\u00e4tte Arbogast auf der sicheren Seite der Geschehnisse bleiben k\u00f6nnen \u2013 wenn das denn wirklich seine Hauptsorge gewesen w\u00e4re. Aber das tat er nicht. Und auch wenn wir die genauen Gr\u00fcnde daf\u00fcr leider nie mehr erfahren werden, neigen doch etliche Historiker ebenfalls der Theorie zu, dass nur Abscheu gegen\u00fcber Theodosius\u2019 christlicher Intoleranz der entscheidende Ausl\u00f6ser seiner Entscheidung gewesen sein kann, denn andere Erkl\u00e4rungen w\u00e4ren schwer zu finden.<\/p>\n<p>In dieser unseligen Situation zwischen Ost und West, die immer mehr auf einen Krieg zusteuerte, ist es unm\u00f6glich zu \u00fcbersehen, dass Theodosius\u2019 Interesse f\u00fcr das Westreich wenig ausgepr\u00e4gt gewesen sein muss, was auch deshalb erstaunt, weil er der (iberokeltischen) Aristokratie Spaniens entstammte und dort auch aufgewachsen war. Auch wenn es einige Indizien daf\u00fcr gibt, dass am Hof in Konstantinopel die Version vom Mord an Valentinian verbreitet wurde, kann Theodosius unm\u00f6glich geglaubt haben, dass Arbogast, den er doch so gut kannte, selbst nach der Kaiserw\u00fcrde strebte. War er in den Wochen nach Valentinians Tod vielleicht v\u00f6llig ratlos oder falsch beraten und sah dann die Kaiserproklamation des Eugenius als unwiderrufliche Herausforderung seiner eigenen Dynastie an? Eines ist sicher: Das Allerletzte, was Theodosius sich h\u00e4tte w\u00fcnschen k\u00f6nnen, war ein v\u00f6llig unkalkulierbarer und extrem kostspieliger B\u00fcrgerkrieg zwischen Ost und West, wenn er sich irgendwie vermeiden lie\u00df. Und all unsere Quellen lassen eindeutig erkennen, dass ein solcher Krieg problemlos h\u00e4tte vermieden werden k\u00f6nnen, zumindest f\u00fcr die n\u00e4here Zukunft. Oder war Ambrosius, der alte Demagoge aus Mailand, wieder zu seiner alten Form aufgelaufen und spann nun wieder sein manipulatives Netz um den Kaiser?<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 394 r\u00fcsteten sich jedenfalls beide Seiten zum Krieg. Arbogast zog seine gesamten Truppen zusammen, auch Kontingente aus Gallien und Germanien. Er sandte Nachricht an Sunno und Marcomer, die am Niederrhein sofort sammeln lie\u00dfen und kurz darauf mit ihrem heidnischen fr\u00e4nkischen Heer aufbrachen. Sie standen zu ihrem Treueschwur. Auch die Alemannen brachen auf, denn sie waren Arbogast ebenso verpflichtet. So bewegten sich also eine gro\u00dfe Zahl heidnischer Krieger nach S\u00fcden, um Arbogast und dem Kampf Roms beizustehen.<\/p>\n<p>Die Armee der Gegenseite bestand ebenfalls haupts\u00e4chlich aus Germanen, vor allem den christlichen Westgoten, immer noch unter F\u00fchrung ihres K\u00f6nigs Alarich. Auch Kontingente der damals wahrscheinlich ebenfalls bereits christlichen Wandalen unter Stilicho d\u00fcrfen angenommen werden. Dar\u00fcber hinaus bildeten Alanen, Griechen und Hunnen die weitere ethnische Zusammensetzung des Ostheeres.<\/p>\n<p>Da das Heidentum in Rom wieder so offen gefeiert wurde, sah Theodosius die Auseinandersetzung als \u201eHeiligen Krieg\u201c an und zog nun auch seinerseits alle Register christlicher Techniken. Da wurde gefastet, gebetet und eine Prozession nach der anderen durchgef\u00fchrt, um den heidnischen Festen des Flavianus in Rom m\u00f6glichst viel entgegensetzen zu k\u00f6nnen. Theodosius selbst suchte den Rat des frommen Einsiedlers Johannes von Lycopolis, der seit 50 Jahren in einer entlegenen Bergklause hauste und f\u00fcr seine seherischen F\u00e4higkeiten bekannt war. Dessen Prophezeiung lautete, dass Theodosius nach gro\u00dfem Blutvergie\u00dfen zwar siegreich sein, er aber in Italien sterben w\u00fcrde. Wir wissen nicht, wie der Kaiser diesen zweischneidigen Spruch aufnahm, aber kurz danach traf ihn ein weit schlimmerer Schicksalsschlag: An dem Abend, der dem Beginn seines Kriegszugs vorausging, starb seine junge Frau Galla bei der Geburt ihres Kindes, und auch das Neugeborene \u00fcberlebte nicht. F\u00fcr einen solch warmherzigen Familienmenschen, wie uns Theodosius in allen Quellen beschrieben wird, muss das wahrlich eine vernichtende pers\u00f6nliche Katastrophe gewesen sein. Aber er folgte der alten homerischen Regel, g\u00f6nnte sich einen Tag der Trauer und zog am n\u00e4chsten Tag an der Spitze seines Heeres in den Krieg.<\/p>\n<p>Inzwischen waren alle europ\u00e4ischen Truppenkontingente Arbogasts in Norditalien eingetroffen, die er \u2013 mit Eugenius stets an seiner Seite \u2013 in der Ebene um Mailand zusammengezogen hatte. Dort stie\u00df nun auch Flavianus zu ihnen, der eifrigst alle Orakel befragt und h\u00f6chstpers\u00f6nlich die Eingeweideschau durchgef\u00fchrt hatte, f\u00fcr die er als Experte bekannt war. Alle Vorzeichen hatten sich als g\u00fcnstig und siegbringend erwiesen. Die heidnische Moral wurde vor allem durch die Ver\u00f6ffentlichung eines alten griechischen Orakelspruches gehoben, dem zufolge \u201edas Christentum nur so viele Jahre Bestand habe, wie das Jahr Tage hat\u201c. Da man damals die Kreuzigung auf das Jahr 29 festgelegt hatte, erbrachte die Weiterz\u00e4hlung von 365 Jahren genau das gegenw\u00e4rtige Datum, was eindeutig das Ende des Christentums zu signalisieren schien. Man war h\u00f6chst optimistisch, und die Heeresleitung verabschiedete sich mit Flavianus\u2019 Androhung, dass nach siegreicher R\u00fcckkehr der Armee alle M\u00f6nche in die Legionen eingezogen und alle Kirchen als St\u00e4lle f\u00fcr die Pferde der Kavallerie dienen w\u00fcrden. Dann \u2013 mit Arbogast, Eugenius und Flavianus an der Spitze \u2013 brach das Heer von Mailand aus nach Norden auf. Ihnen voran wurden die Standarten von Jupiter, Herkules und den alten G\u00f6ttern getragen, und vor unseren Augen k\u00f6nnte nun das pathetische Bild entstehen, wie die Trommeln den Marschrhythmus vorgaben und die Kriegstrompeten stimmungsvoll das Szenario unterlegten, als das letzte heidnische Heer der klassischen Antike \u2013 R\u00f6mer, Germanen, Gallier, Hispanier und andere \u2013 seinen schicksalhaften Marsch in den Krieg begann, um das altehrw\u00fcrdige Rom gegen das Christentum zu verteidigen. Dass dieses romantisch verkl\u00e4rte Bild zumindest etwas einseitig w\u00e4re, werden wir sp\u00e4ter noch sehen.<\/p>\n<p>Schon bald hatte man Aquileia erreicht, wo das Heer seine endg\u00fcltige Position am Frigidus einnahm, einem Nebenfluss des Isonzo, um die Pforte von Gorizia zu besetzen, einen Alpenpass, der auch heute noch die strategisch verwundbarste Stelle im Nordosten Italiens darstellt. Flavianus lie\u00df Iuppiterstatuen auf den Bergen aufstellen, die das Tal umgaben, und die Blitzstrahlen in den H\u00e4nden des Gottes waren aus massivem Gold. Dann kehrte Flavianus nach Rom zur\u00fcck, um die Regierungsgesch\u00e4fte weiter zu leiten, w\u00e4hrend Arbogast und Eugenius auf Theodosius und sein Heer warteten.<\/p>\n<p>In Eilm\u00e4rschen hatte Theodosius Anfang September den Alpenpass erreicht. Von einem Aussichtspunkt seines Lagers aus schaute er nun auf die Flussebene vor ihm. Dort \u2013 vor dem Fluss \u2013 erblickte er Arbogasts Heer, strategisch perfekt verteilt, mit starken Befestigungsanlagen an genau den richtigen Stellen \u2013 und mit einer alles \u00fcberragenden Iuppiterstandarte in ihrem Hauptlager. Alle modernen Handb\u00fccher \u00fcber Kriegf\u00fchrung betonen, dass ein Pass gegen feindliche Kr\u00e4fte sehr viel besser zu halten ist, wenn man den Ausgang statt des Eingangs blockiert. Und Arbogast war unseres Wissens nach der erste Feldherr der Geschichte, der diese Taktik hier einsetzte. Seine Truppen hatten auch schon die kritischen H\u00f6henpunkte des Passausgangs besetzt, sodass Theodosius mit seinem Heer in dem Pass festsa\u00df und keinerlei Raum f\u00fcr Flankenbewegungen oder \u00fcberhaupt f\u00fcr irgendeine strategische Angriffsplanung hatte. Deshalb blieb ihm keine andere Wahl, als am Nachmittag des 5. September 394 den Befehl zu einem Frontalangriff aus dem Pass heraus zu geben, der von seinen christlichen Westgoten gef\u00fchrt wurde. Es kam zu einem furchtbaren Kampf und Gemetzel, aber die Angreifer vermochten Arbogasts Linien nicht zu durchbrechen, und als die Westgoten sich bei Einbruch der Dunkelheit zur\u00fcckziehen mussten, hatten 10.000 ihrer Krieger den Tag mit ihrem Leben bezahlt, was f\u00fcr gro\u00dfes Entsetzen im Heer des Theodosius sorgte.<\/p>\n<p>Eugenius sah die Schlacht sogar schon als gewonnen an, war voller Freude, und seine Stimmung sprang auch auf Arbogasts Truppen \u00fcber. Eugenius verteilte bereits Geschenke an die Soldaten, und die germanischen Kontingente hoben die H\u00f6rner auf den Sieg. Aber Arbogast war zu erfahren, um ihre Stimmung zu teilen. Stattdessen lie\u00df er einen seiner Truppenf\u00fchrer namens Arbitio rufen und befahl ihm, mit einer starken Abteilung des Heeres Theodosius in der Nacht \u00fcber die Berge zu umgehen, um ihn am n\u00e4chsten Morgen auch noch vom hinteren Ende des Passes aus fassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Lager des Theodosius \u2013 so wird uns berichtet \u2013 war man der Verzweiflung nahe. Der Kaiser selbst verbrachte die ganze Nacht auf einem Felsen, f\u00fcr beide Heere deutlich sichtbar, aber zu hoch f\u00fcr feindliche Pfeile und Wurfgeschosse, wo er seinen Gott anrief, der ihn verlassen zu haben schien. Und immer wieder war sein Ruf zu h\u00f6ren: \u201eWo ist der Gott des Theodosius?\u201c<\/p>\n<p>In der ersten D\u00e4mmerung des n\u00e4chsten Tages hatten Arbitio und seine Truppen das schwierige Umgehungsman\u00f6ver tats\u00e4chlich erfolgreich ausgef\u00fchrt. Aber statt Theodosius anzugreifen, signalisierten sie nun dem Gegner, dass sie f\u00fcr eine hohe Summe Geldes bereit seien, zu Theodosius \u00fcberzulaufen, worauf nat\u00fcrlich sofort bereitwilligst eingegangen wurde. Wir wissen nicht, warum diese Truppen so handelten. War es einfach nur Geldgier? Waren es vielleicht \u00fcberwiegend Christen, die deshalb desertierten? Oder war es reine Loyalit\u00e4t, weil sie in Theodosius den einzig rechtm\u00e4\u00dfigen Kaiser sahen? Wie auch immer, nach dieser \u00fcberraschenden L\u00f6sung eines g\u00e4nzlich unerwarteten Problems beschworen all seine Gener\u00e4le Theodosius, sich zur\u00fcckzuziehen, nach Konstantinopel zur\u00fcckzukehren und den Krieg im kommenden Jahr unter g\u00fcnstigeren Voraussetzungen weiterzuf\u00fchren. Obwohl dieser Rat unter den gegebenen Umst\u00e4nden mehr als vern\u00fcnftig war, lehnte Theodosius ihn ab. Sp\u00e4ter hie\u00df es, er habe in der Nacht eine Vision gehabt, in der ihm der heilige Johannes und der heilige Philipp erschienen seien, die ihm Mut zugesprochen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Bei Sonnenaufgang konnten Arbogasts Truppen Theodosius immer noch auf seinem Felsen beten sehen, was zumindest bei vielen von Arbogasts abergl\u00e4ubischen Germanen f\u00fcr Unwohlsein sorgte, weil sie glaubten, er w\u00fcrde dort schadenszauberische Rituale vollziehen. Der erneute Angriff des Ostheeres kam v\u00f6llig \u00fcberraschend f\u00fcr Arbogasts Truppen, die damit nicht mehr gerechnet, sondern bereits gefeiert hatten und nat\u00fcrlich auch nicht wussten, dass Arbitio mit seinen Truppen \u00fcbergelaufen war. So gelang es den Westgoten diesmal sogar, einige von Arbogasts Schanzanlagen in Brand zu stecken. Aber Arbogast hatte sein Heer gut im Griff, und nach einem kurzen Moment der \u00dcberraschung und Verwirrung standen seine Linien wieder und hielten dem Gegner stand. Lange Zeit tobte die Schlacht wiederum erbittert, ohne dass sich trotz einer abermals immensen Zahl von Gefallenen eine Entscheidung abgezeichnet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Dann aber kam es zu einem v\u00f6llig unerwarteten Naturph\u00e4nomen: In dieser Gegend kann ein meteorologischer Druckeffekt auf die \u00fcber die Berge ziehende kalte Luft auftreten, der pl\u00f6tztlich und ohne Vorwarnung zu heftigen Wirbelst\u00fcrmen f\u00fchren kann, die auch heute noch Lkws in den Graben schleudern und sogar Z\u00fcge entgleisen lassen k\u00f6nnen. Unter dem Namen<span>\u00a0<\/span><em>Bora<\/em><span>\u00a0<\/span>ist das Ph\u00e4nomen allen Einheimischen bekannt, aber die jetzt dort k\u00e4mpfenden Heere kannten es nicht. Als dieser scheinbar aus dem Nichts kommende Sturm nun \u00fcber das Schlachtfeld tobte, direkt gegen die Reihen Arbogasts, gegen ihre Schilde presste und Wurfgeschosse in die eigenen Reihen zur\u00fccktrug, hielten das viele von Arbogasts Kriegern f\u00fcr ein Resultat von Theodosius\u2019 \u201eZauberei\u201c auf seinem Felsen. Gleichzeitig dr\u00fcckte der Sturm die angreifenden Westgoten f\u00f6rmlich \u00fcber die Reihen Arbogasts, die nun ernstlich in Unordnung gerieten und dann brachen. Arbogasts Truppen gerieten in Panik und flohen oder ergaben sich bereitwillig. Ihr befestigtes Lager wurde gest\u00fcrmt, Eugenius gefangengenommen und vor Theodosius gebracht. Er bat um Gnade, wurde aber kurzerhand enthauptet, und sein Kopf \u2013 aufgespie\u00dft auf einer Lanze \u2013 ging danach auf eine Wanderausstellung durch die Provinzen, wie es damals das \u00fcbliche Schicksal erfolgloser Usurpatoren war.<\/p>\n<p>Aber Arbogast selbst war noch nicht geschlagen. Offenbar zusammen mit seiner germanischen Gefolgschaft k\u00e4mpfte er sich den Weg aus der Schlacht hinaus, eine mit Sicherheit filmreife Aktion, und es gelang ihm tats\u00e4chlich, in die Berge zu entkommen, wo er unauffindbar f\u00fcr seine Verfolger in der Wildnis verschwand. Dort muss er intensiv \u00fcber seine Lage nachgedacht haben \u2013 und die sah nicht gut aus. M\u00f6glicherweise h\u00e4tte Theodosius ihn durchaus wieder in Ehren eingesetzt, aber Arbogast war nicht der Mann, um Gnade zu bitten oder sich zu dem\u00fctigen. So traf er die einzige mit seiner Ehre zu vereinbarende Entscheidung und t\u00f6tete sich mit seinem eigenen Schwert. Als ihn die gotischen Suchkommandos wenige Tage sp\u00e4ter fanden, berichteten sie allerdings \u00fcber zwei blutige Schwerter bei ihm, was daf\u00fcr sprechen k\u00f6nnte, dass seine engsten Gefolgsleute bis zum Schluss treu an seiner Seite geblieben waren und ihn auch bei seiner letzten Entscheidung nicht im Stich lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Als Flavianus die Neuigkeiten \u00fcber den Ausgang der Schlacht erfuhr, die eine der gr\u00f6\u00dften Schlachten in der Geschichte des R\u00f6mischen Reiches und eine der blutigsten des gesamten Altertums war, musste auch er sich seiner bittersten Stunde stellen, die einer religi\u00f6sen Katastrophe gleichgekommen sein muss. Er d\u00fcrfte ein letztes Mal in den Iuppitertempel gegangen sein und nach Antworten gesucht haben. Danach hatte er kein Bed\u00fcrfnis mehr, das Ende der heidnischen Sache zu \u00fcberleben, mit der er sich sein ganzes Leben lang identifiziert hatte, und er folgte Arbogasts Beispiel und st\u00fcrzte sich nach altr\u00f6mischer Tradition in sein Schwert, obwohl es in seinem Fall sicher war, dass Theodosius ihm alles vergeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Theodosius zog in Italien ein, ohne dass ihm ernstlicher Widerstand entgegenschlug, und er zeigte bemerkenswerte Milde gegen\u00fcber allen, die gegen ihn rebelliert hatten. Selbst Flavianus\u2019 gleichnamiger Sohn, als Pr\u00e4fekt Roms einer der Hauptt\u00e4ter und ein genauso hartn\u00e4ckiger Heide wie sein Vater, blieb v\u00f6llig unbehelligt. Sogar Ambrosius, der bei Theodosius\u2019 Aufbruch zu dem Kriegszug sofort nach Mailand zur\u00fcckgekehrt war, empfahl dem Kaiser, Milde gegen ehemalige Gegner zu zeigen, w\u00e4hrend er gleichzeitig in einem ziemlich schleimigen Brief an den Kaiser seiner Befriedigung dar\u00fcber Ausdruck verlieh, dass das Reich nunmehr von der \u201eUnmenschlichkeit des barbarischen R\u00e4ubers und vom Thron des unw\u00fcrdigen Usurpators\u201c befreit sei (Brief 61,1). Aber als Theodosius kurze Zeit nach der Schlacht in Mailand eintraf, war er bereits schwer erkrankt und starb dort einige Tage sp\u00e4ter, wahrscheinlich an Wassersucht. So hatte sich zumindest die Prophezeiung des Johannes von Lycopolis korrekt erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Heutige Historiker neigen allerdings dazu, die religi\u00f6se Bedeutung der Geschehnisse vorsichtiger einzusch\u00e4tzen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eAllem Eifer und allen Orakeln zum Trotz w\u00e4re es f\u00fcr Flavianus und seine Kampfgef\u00e4hrten unm\u00f6glich gewesen, die Entwicklung des Christentums zu diesem Zeitpunkt noch ernstlich r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Dies war deshalb auch kein Versuch einer heidnischen Konterrevolution, sondern lediglich eine trotzige Geste des r\u00f6mischen Adels und seiner traditionellen Werte, der das Gl\u00fcck gehabt hatte, ein politisches Vehikel daf\u00fcr zu finden. Selbst wenn Arbogasts Heer gewonnen h\u00e4tte (was um ein Haar der Fall gewesen w\u00e4re), h\u00e4tte man bestenfalls auf eine weitere Tolerierung des Heidentums und die Finanzierung des Staatskultes aus \u00f6ffentlicher Hand hoffen k\u00f6nnen (was selbst unter Konstantin gew\u00e4hrleistet war). Das Christentum selbst \u2013 und seine inzwischen kirchlichen Strukturen \u2013 waren nicht mehr durch Gesetz abzuschaffen, und selbst der heidnischste Kaiser w\u00e4re schlecht beraten gewesen, das auch nur zu versuchen. Arbogast, dessen Heer auch viele Christen einschloss, k\u00e4mpfte um seine Herrschaft und sein politisches \u00dcberleben \u2013 nicht darum, die Pferde seiner Kavallerie im Taufbecken des Mail\u00e4nder Doms zu tr\u00e4nken. Da aber beide Seiten so heftig von Vorzeichen und Prophezeiungen beeinflusst waren, war es die Geschichtsschreibung der Sieger in Form christlicher Autoren wie Ambrosius, Paulinus, Rufinus, Augustinus, Theoderet u.a., die dem Konflikt bereitwillig mehr religi\u00f6se Bedeutung einr\u00e4umten, als er m\u00f6glicherweise verdiente, und diesen Krieg als endg\u00fcltige und nicht mehr diskutierbare Entscheidung zwischen den alten G\u00f6ttern und dem neuen Gott darstellten. Somit sind es Berichte aus christlicher Sicht, die die Streitkr\u00e4fte des Westens als letztes r\u00f6misches Heer beschreiben, das unter den Standarten der alten G\u00f6tter in die Schlacht zog.\u201c<\/p>\n<p><cite>(Williams, S. 132, dt. \u00dcbers. vom Verf.)<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Daran ist aus heutiger Sicht mit Sicherheit viel Wahres. Dennoch muss betont werden, dass die damaligen Zeitgenossen das v\u00f6llig anders sahen \u2013 und das ist es letztlich, was religionsgeschichtlich z\u00e4hlt. Zudem erkl\u00e4rt die zitierte Sichtweise nicht im Geringsten, warum Arbogast als treuester Vasall Theodosius\u2019 pl\u00f6tzlich \u00fcberhaupt \u201eum seine Herrschaft und sein politisches \u00dcberleben\u201c h\u00e4tte k\u00e4mpfen m\u00fcssen, wenn die Motive seiner Rebellion nicht ebenfalls im religionspolitischen Bereich anzusiedeln waren. Die moralische Wirkung der Schlacht am Frigidus \u2013 mit dem wundersamen Eingriff des \u201eg\u00f6ttlichen Windes\u201c \u2013 war der Sache des Christentums aber sehr hilfreich. Beide Seiten hatten diese Schlacht als Wettstreit ihrer jeweiligen G\u00f6tter gesehen, und die Entscheidung war unwiderruflich. Auch gebildete Heiden gaben zu, dass hier der Gott der Christen selbst eingegriffen hatte, und die christliche Geschichtsschreibung feierte das Ereignis danach nat\u00fcrlich als m\u00e4chtiges Wunder. Arbogasts und des Senats Politik einer religi\u00f6sen Toleranz wurde eiligst widerrufen und man versuchte, die antiheidnischen Gesetze erneut zur Anwendung zu bringen \u2013 zumindest insoweit, wie das in Italien und dem westr\u00f6mischen Reich \u00fcberhaupt m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Aber die \u201eletzten R\u00f6mer\u201c verlie\u00dfen die B\u00fchne der Geschichte nicht, ohne einen endg\u00fcltigen und gewaltigen Beitrag zu hinterlassen: Die Zeichen der Zeit erkennend hatten Flavianus, seine Verwandten und der gro\u00dfe Kreis seiner gebildeten senatorischen Gesinnungsfreunde schon fr\u00fcher in gro\u00dfer Voraussicht begonnen, die gro\u00dfen Klassiker der lateinischen Literatur in sorgf\u00e4ltigen Editionen neu herauszugeben, die bereits in ihren Tagen des Zeitgeschmacks wegen in Vergessenheit zu geraten drohten. Ihnen ist es zu verdanken, dass die gro\u00dfen heidnischen Schriftsteller und die klassische Mythologie auch zur Bildungsgrundlage des 100 Jahre sp\u00e4ter anbrechenden Mittelalters werden konnten und damit sicher unsere Zeit erreichten, ein oft verkanntes Verdienst, das nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden kann.<\/p>\n<p>\u201eSolange ihr die G\u00f6tter ehrt, werdet ihr herrschen\u201c. Diese Worte von Horaz bringen das Wesen r\u00f6mischen Heidentums genau auf den Punkt, und die glorreiche Geschichte Roms best\u00e4tigt sie. Sie sollten sich nun auch noch als korrekte Prophezeiung erweisen. Die kurze Regierungszeit von Arbogast und Eugenius, die den letzten organisierten heidnischen Widerstand Roms gegen die das Reich \u00fcberflutenden christlichen Germanen und Konstantinopel markiert, war in mehr als einer Hinsicht das Ende eines Zeitalters. Als Theodosius im Januar 395 starb und seine S\u00f6hne Arcadius und Honorius als Herrscher \u00fcber die zwei Reichsh\u00e4lften einsetzte, zerbrach das R\u00f6mische Reich endg\u00fcltig in zwei Teile, wobei das Westreich schnell v\u00f6llig unterging, das Ostreich aber noch bis 1453 politischen Bestand haben sollte. Und kurz darauf wurde Rom erstmals in der Geschichte eingenommen und gepl\u00fcndert \u2013 von Alarich und seinen abermals auf Wanderschaft befindlichen Westgoten, die als fromme Christen alle Priester und Kirchen von ihren Pl\u00fcnderungen und Zerst\u00f6rungen ausnahmen. Und es war der gleichnamige Sohn des Flavianus, ein ebenso gl\u00fchender Heide wie sein Vater, der diesmal die Verteidigung Roms organisierte, und w\u00e4hrend der Belagerung kam es abermals zu einem Auflodern des r\u00f6mischen Heidentums auf breiter Basis. Aber es war zu sp\u00e4t. Die G\u00f6tter hatten sich endg\u00fcltig von der Stadt abgewandt.<\/p>\n<p>Dennoch kam es trotz dieses vermeintlichen Todessto\u00dfes gegen das Heidentum keineswegs zu einer Massenbekehrung in Richtung Christentum, wie uns das einige zeitgen\u00f6ssische christliche Chronisten weismachen wollen, sondern dieser Prozess sollte weitere Jahrhunderte andauern, in denen auch sp\u00e4tere r\u00f6mische Kaiser noch dauernd dar\u00fcber jammern, dass alle antiheidnischen Gesetze keinerlei Wirkung zeigten und sie diese immer wieder verzweifelt erneuern mussten. Wenn Theodosius II., Enkel des Kaisers in unserer Geschichte, 425 stolz verk\u00fcndete, es gebe in seinem Reich keine Heiden mehr, war dies reines Wunschdenken. Die angebliche \u201eMacht der Kirche\u201c kann kaum weit gereicht haben, wenn noch hundert Jahre nach den hier berichteten Ereignissen einer Pestepidemie in Rom durch Abhaltung der Lupercalien Einhalt geboten werden sollte, einem archaischen heidnischen Ents\u00fchnungsritus, bei dem die Priester nur mit einem Schurz aus Ziegenfell bekleidet mit Lederriemen auf Passanten einschlugen. Selbst zu dieser Zeit gab es mitten in Rom also noch unbehelligte heidnische Kultspezialisten, die diesen Ritus durchf\u00fchren konnten, und vor allem ein Volk, das danach verlangte. Als es in derselben Zeit in Form des Monophysitismus-Streites zu der bis dahin nachhaltigsten Kirchenspaltung kam, zeigte sich erst recht, dass Bisch\u00f6fe und Kirchenf\u00fchrung keinerlei \u201eMacht\u201c besa\u00dfen, denn sie waren gegen\u00fcber dieser nur vom Gemeindevolk und den M\u00f6nchshorden gef\u00fchrten Auseinandersetzung v\u00f6llig hilflos. In der Oberschicht wurde der Polytheismus traditionell auch weiterhin gepflegt, und keinem politischen Amtstr\u00e4ger erwuchs in all den Jahrhunderten danach ein Nachteil aus diesem Bekenntnis, es stand im Gegenteil h\u00f6chsten Ehrungen durch die Kaiser nicht im Wege. Der 467 durch den Sueben Ricimer ernannte westr\u00f6mische Kaiser Anthemius wollte sogar abermals dem Heidentum zum Sieg verhelfen, was aber weder durch den (als Suebe christlich-arianischen) Ricimer noch durch den arianisch weitaus schlimmer eifernden Wandalenk\u00f6nig Geiserich toleriert wurde (der alle \u201eKetzer\u201c \u2013 also Katholiken \u2013 gnadenlos aus Karthago in die W\u00fcste hinaus treiben lie\u00df), die ihn deshalb in Konspiration mit dem katholisch-r\u00f6mischen Bischof Leo erfolgreich wieder absetzten. Aber noch 472 tauchen auf offiziellen r\u00f6mischen M\u00fcnzpr\u00e4gungen heidnische Gottheiten auf. Und sp\u00e4testens als kurz darauf die ebenfalls arianischen Ostgoten die Herrschaft \u00fcber Italien \u00fcbernahmen, kam das ber\u00fchmte Wort Theoderichs des Gro\u00dfen zur Anwendung: \u201eDie Religion k\u00f6nnen wir nicht befehlen.\u201c Heute ist klar, dass sich selbst hundert Jahre nach unserer Geschichte noch nicht einmal die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des r\u00f6mischen Reiches zum Christentum bekannte. Selbst hundert weitere Jahre sp\u00e4ter war die \u201eMacht der Kirche\u201c im 6. Jahrhundert immer noch zu gering, um den nach wie vor dem Arianismus anh\u00e4ngenden gotischen Gemeinden Konstantinopels trotz christlichster Kaiser vor Ort irgendetwas anhaben zu k\u00f6nnen, und noch Ende des 6. Jahrhunderts wurde Spanien von arianischen, nicht von katholischen Bisch\u00f6fen dominiert, obwohl der Arianismus doch schon 300 Jahre zuvor \u201evon der Kirche verboten\u201c worden war.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren vielf\u00e4ltig: Bei weitem nicht alle Bisch\u00f6fe waren solch militante Eiferer wie Athanasius und Ambrosius. So berichtet z.B. Kaiser Julian selbst (Brief 35), dass er in seiner Jugend bei der Durchreise in Ilion (dem alten Troja) die Statue des homerischen Helden Hector auf dem Forum der Stadt frisch gesalbt und mit Opfergaben versehen vorfand, woraufhin er den zust\u00e4ndigen Bischof Pegasius vorsichtig befragte, ob Hector in der christlichen Gemeinde immer noch Opfer erhielte. Der Bischof bejahte das nicht nur sorglos, indem er die Verehrung Hectors mit der der christlichen M\u00e4rtyrer gleichsetzte, sondern gab auch unumwunden zu, dass er selbst aktiv daran teilnahm. Auch die christlichen Kaiser entsprachen keineswegs der Wunschvorstellung der katholischen Bisch\u00f6fe. Wenn hier der Eindruck entstanden sein sollte, Theodosius sei von Ambrosius v\u00f6llig dominiert worden, ist das falsch (die beiden sind sich nur ein einziges Mal pers\u00f6nlich begegnet). Theodosius hat (wie alle sp\u00e4teren Kaiser auch) allein aus Gr\u00fcnden der Staatsr\u00e4son der katholischen Variante des Christentums den Vorzug gegeben (seine uns\u00e4gliche Gesetzgebung des Jahres 391 entsprang rein pers\u00f6nlicher Obsession). Im Gegensatz zum heutigen Wortsinn waren kaiserliche Gesetze zudem immer nur von sehr allgemeiner Art, die stets zahlreiche Ausnahmen zulie\u00dfen, und viele Tempel blieben auch deshalb dem Zugang f\u00fcr alle offen, weil bekannte Statuen ber\u00fchmter K\u00fcnstler darin schon damals eine Art \u201eDenkmalschutz\u201c genossen.<\/p>\n<p>Die Geschichtswissenschaft der letzten 50 Jahre hat so manche der selbstgef\u00e4lligen Darstellungen antiker Kirchenschriftsteller denn auch endg\u00fcltig als das entlarvt, was sie waren: als Propaganda, wie sie allen Religionsgemeinschaften zu eigen ist, die sich als wichtiger, siegreicher und m\u00e4chtiger darzustellen versuchen, als sie es tats\u00e4chlich sind, und die ihre Mitgliederzahlen bis heute zu diesem Zweck oft genug verheimlichen oder gar f\u00e4lschen. Heutzutage kann man sich nur dar\u00fcber wundern, wie unkritisch angesichts des tats\u00e4chlichen Quellenmaterials eine vergangene fromme Geschichtsgl\u00e4ubigkeit der verzerrten Selbstdarstellung der christlichen Apologetiker erlegen ist. Insofern birgt auch der<span>\u00a0<\/span><em>Codex Theodosianus<\/em>, eine im 5. Jahrhundert erfolgte Zusammenstellung angeblich aller kaiserlichen Gesetze seit Konstantin, inzwischen so manchen Verdachtsfall, so z.B., wenn bereits f\u00fcr 356 (also fast ein halbes Jahrhundert vor den hier beschriebenen Ereignissen) ein angeblich kaiserliches Gesetz erw\u00e4hnt wird, in dem allen die Todesstrafe angedroht wurde, die Opfer darbrachten oder Bildnisse heidnischer G\u00f6tter verehrten (Cod.Theod. 16,10,6). Zu jener Zeit h\u00e4tte man aber genauso gut anordnen k\u00f6nnen, dass ab nun alle Menschen auf den H\u00e4nden zu gehen oder sich nur noch in der Vogelsprache zu verst\u00e4ndigen h\u00e4tten. Im Gegensatz zu den sp\u00e4teren Gesetzen des Theodosius zeigte dieses angebliche Gesetz auch weder Reaktion noch Wirkung, was angesichts der o.g. noch viel sp\u00e4teren Realit\u00e4ten den Verdacht einer nachtr\u00e4glichen frommen F\u00e4lschung aufkommen l\u00e4sst \u2013 wie bei so manchen angeblichen Details der fr\u00fchen Kirchengeschichte.<\/p>\n<p>Auf die meisten heutigen Heiden, von denen wohl manche noch dem Klischee von den \u201eguten heidnischen Germanen\u201c und den \u201eb\u00f6sen, dekadenten und christlichen R\u00f6mern\u201c anh\u00e4ngen, d\u00fcrfte unsere Geschichte ungewohnt und verst\u00f6rend wirken. Und doch hat sie sich genauso zugetragen, was sich etwas \u00fcberspitzt auf die Formel reduzieren lie\u00dfe, dass ein germanischer Heide als Oberbefehlshaber der r\u00f6mischen Armee das heidnische Rom gegen das Christentum verteidigte, das der Stadt und dem Land milit\u00e4risch vor allem durch christliche Germanen aufgezwungen wurde.<\/p>\n<p>Und so sollten wir des eigenartigen Bundes zwischen diesen so unterschiedlichen M\u00e4nnern gedenken, die ihren Weg unbeirrt und in unverbr\u00fcchlicher Freundschaft zueinander bis zum bitteren Ende gingen: Eugenius, der Lehrer f\u00fcr Rhetorik, der ganz bestimmt ein ruhigeres Leben vorgezogen h\u00e4tte, bei dem er sich der Kunst, Philosophie und Literatur h\u00e4tte widmen k\u00f6nnen, der sich aber pl\u00f6tzlich in einer Situation wiederfand, die ihn gegen seinen Willen mit sich riss, nominell ein Christ, der letztendlich aber f\u00fcr das Heidentum k\u00e4mpfte und den h\u00f6chsten Preis daf\u00fcr zahlte. Sicherlich kein geborener Krieger \u2013 und dennoch auf seine Weise ein Held, der treu zu Arbogast stand.<\/p>\n<p>Und Flavianus, der seinen G\u00f6ttern unverbr\u00fcchlich die Treue hielt, und der in der Erkenntnis, dass die Idee eines Roms, f\u00fcr die er gelebt und gek\u00e4mpft hatte, zum Untergang verurteilt schien, jeglichen Kompromiss mit der heraufd\u00e4mmernden neuen Ordnung ablehnte und stattdessen den Tod w\u00e4hlte; der aber bei seinem Tod eine treue aristokratische Gefolgschaft zur\u00fccklie\u00df, die verl\u00e4sslich daf\u00fcr sorgte, dass das kostbarste Erbe der klassischen Antike seine Reise durch die Zeit bis in unsere Tage hinein antreten konnte. Als Verteidiger des Erbes von Rom verdient er somit nicht nur den Titel eines r\u00f6mischen Senators mehr als Tausende anderer vor ihm, sondern mehr noch als dem sp\u00e4teren und schon christlichen Bo\u00ebthius geb\u00fchrt ihm wahrlich der Titel des \u201eletzten R\u00f6mers\u201c.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich Arbogast, der von den G\u00f6ttern gesegnet war und der \u2013 wie es scheint \u2013 in seiner letzten Schlacht von Wodan verraten wurde. Aber ist diese Sichtweise wirklich berechtigt? Betrachtet man die Gesamtheit der \u00dcberlieferungen, wird eher folgendes Bild deutlich: Wenn Wodan einen Helden erw\u00e4hlte, stand er ihm im Kampf zwar oft zur Seite, doch wenn er jemals selbst eine Waffe gegen jemanden richtete, dann nur gegen seinen eigenen Auserw\u00e4hlten, wie es auch in der bekanntesten Parallele bei Sigmundr in der V\u00f6lsunga Saga zu finden ist. Nach einem triumphalen Heldenleben muss dieser Preis bezahlt werden, erst dadurch vollendet und best\u00e4tigt sich der Bund mit diesem Gott, und ein Bestandteil dieses Bundes ist das ewige Weiterleben des Helden in Sagen und Liedern der Nachwelt \u00fcber ihn. Genau dieses Muster finden wir auch in der Geschichte Arbogasts. Doch die zweifellos entstandenen Lieder \u00fcber ihn sind verschollen und vergessen, und wie so viele andere auch haben sie unser Zeitalter nicht mehr erreicht. Und auch das war mir Grund und Verpflichtung genug, seine Geschichte hier erstmals erneut zu erz\u00e4hlen. M\u00f6ge es nicht vergeblich gewesen sein.<\/p>\n<p>Lasst uns also das Horn auf diese drei M\u00e4nner erheben, wenn beim n\u00e4chsten Sumbel die Ahnen und Helden geehrt werden, und sie dadurch dem Sturz in die Vergessenheit entrei\u00dfen. Ich denke, diesen Lohn des Nachruhmes haben sie sich redlich verdient. Und wer kann schon sagen, welche weitreichenden und f\u00fcr uns undurchschaubaren Pl\u00e4ne Iuppiter, Wodanaz, Hercules, Thunaraz, Mars und Teiwaz im Fall dieser entscheidenden Schlacht wirklich geschmiedet hatten \u2013 und wie die Nornen, Parzen und Moiren das alles in ihr Schicksalsnetz verwoben?<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literatur<\/strong><\/h3>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Prim\u00e4rquellen<\/strong><\/h4>\n<p>Ambrosius: De Obitu Theodosii; De Obitu Valentiniani Iunioris; Epistulae; Expositio in Lucam<br \/>\nAmmianus Marcellinus: Rerum Gestarum<br \/>\nCarmen adversus Flavianum<br \/>\nCassiodorus: Chronica; Historia Ecclesiastica<br \/>\nClaudian: Carmina<br \/>\nCodex Iustinianus<br \/>\nCodex Theodosianus<br \/>\nEunapius: Historiarum fragmenta; Vitae Sophisticarum<br \/>\nEutropius: Breviarum ab urbe condita<br \/>\nHieronymus: Chronicon<br \/>\nGregorius: Orationes; Epistulae; Historia Francorum<br \/>\nJordanes: Getica<br \/>\nLibanius: Orationes<br \/>\nNotitia Dignitatum<br \/>\nOlympiodorus: Historiarum fragmenta<br \/>\nOrosius: Historiam adversum paganos<br \/>\nPacatus: Panegyrici<br \/>\nPaulinus: Vita S. Ambrosii<br \/>\nPhilostorgius: Historia Ecclesiastica<br \/>\nRufinus: Historia Ecclesiastica<br \/>\nSalvian: De gubernatione Dei<br \/>\nSozomenus: Historia Ecclesiastica<br \/>\nSymmachus: Epistulae<br \/>\nSynesius: Epistulae; De regno<br \/>\nThemistius: Orationes<br \/>\nTheoderet: Historia Ecclesiastica<br \/>\nZonares: Epitome Historiarum<br \/>\nZosimus: Historia Nova<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Sekund\u00e4rliteratur<\/strong><\/h4>\n<p>Albert, G.: Goten in Konstantinopel. Untersuchungen zur ostr\u00f6mischen Geschichte um das Jahr 400 n.Chr. Paderborn 1984<\/p>\n<p>Alf\u00f6ldi, A.: A Conflict of Ideas in the Late Roman Empire. Oxford 1952<\/p>\n<p>Alf\u00f6ldi, A.: The Conversion of Constantine and Pagan Rome. Oxford 1948<\/p>\n<p>Alf\u00f6ldi, A.: Die Kontorniaten. Ein verkanntes Propagandamittel der stadt-r\u00f6mischen heidnischen Aristokratie gegen das christliche Kaisertum. Budapest 1942<\/p>\n<p>Baetke, W.: Die Aufnahme des Christentums durch die Germanen. Darmstadt 1959<\/p>\n<p>Beard, M. (ed.): Pagan Priests. Religion and Power in the Ancient World. Ithaca 1990<\/p>\n<p>Beisel, F.: Studien zu den fr\u00e4nkisch-r\u00f6mischen Beziehungen. Von ihren Anf\u00e4ngen bis zum Ausgang des 6. Jh. Idstein 1987<\/p>\n<p>Bowder, D.: The Age of Constantine and Julian. London 1978<\/p>\n<p>Brenk, B.: Die Christianisierung der sp\u00e4tr\u00f6mischen Welt. Wiesbaden 2003<\/p>\n<p>Brown, P.: Aspects of the Christianisation of the Roman Aristocracy. In: Journal of Roman Studies 51 (1961), 1-11<\/p>\n<p>Brown, P.: The Rise of Western Christendom. Triumph and Diversity, A.D. 200-1000. Malden 2002<\/p>\n<p>Burns, T.S.: Barbarians Within the Gates of Rome. A Study of Roman Military Policy and the Barbarians, ca. 375 \u2013 425. Bloomington 1994<\/p>\n<p>Burns, T.S.: Rome and the Barbarians, 100 B.C \u2013 A.D. 400. 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