{"id":310,"date":"2005-01-12T15:57:34","date_gmt":"2005-01-12T14:57:34","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=310"},"modified":"2025-08-24T20:53:02","modified_gmt":"2025-08-24T18:53:02","slug":"lokis-spuren-auf-den-faeroeern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/lokis-spuren-auf-den-faeroeern\/","title":{"rendered":"Lokis Spuren auf den F\u00e4r\u00f6ern"},"content":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel<\/p>\n<p>Die abgelegenen F\u00e4r\u00f6er, eine Gruppe von ca. 25 baumlosen Felseninseln im Nordadtlantik zwischen Schottland und Island, von denen 17 bewohnt sind, wurden (genau wie Island) ab ca. 800 von Norwegen aus besiedelt. Die Inseln sind meist nur durch schmale Sunde mit starker Gezeitenstr\u00f6mung voneinander getrennt, und ihre Hauptstadt tr\u00e4gt noch den sympathischen Namen T\u00f3rshavn. Bis 1035 waren sie unabh\u00e4ngig, geh\u00f6rten dann zu Norwegen und fielen mit diesem 1380 an D\u00e4nemark. Zu D\u00e4nemark geh\u00f6ren sie auch heute noch, gleichwohl sie 1948 Autonomie in allen inneren Angelegenheiten erhielten. Die f\u00e4r\u00f6ische Sprache geht direkt auf das Altnordische zur\u00fcck, zerfiel aber trotz des sehr \u00fcberschaubaren Gebietes in etliche Dialekte und ist heute Muttersprache von lediglich ca. 45.000 Menschen. Ab dem 14. Jahrhundert verlor sich auf den Inseln jegliche Schriftkenntnis, sodass die Gesellschaft bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine g\u00e4nzlich schriftlose Kultur darstellte, ein f\u00fcr die Neuzeit in Europa einzigartiger Fall. Erst ab 1846 schuf V. U. Hammershaimb eine moderne f\u00e4r\u00f6ische Rechtschreibung, und da er das nach rein etymologischen Prinzipien ohne R\u00fccksicht auf die Aussprache tat, steht die heutige Schriftform des F\u00e4r\u00f6ischen dem urspr\u00fcnglichen Altnordischen noch ebenso nahe wie das moderne Isl\u00e4ndisch.<\/p>\n<p>Aufgrund geographischer Isolation, Inselmentalit\u00e4t und ausschlie\u00dflich m\u00fcndlicher Traditionen \u00fcberrascht es denn auch nicht, dass sich dort ungest\u00f6rtere \u00dcberlieferungen finden als anderswo. So haben dort in Form von Tanzballaden z.B. ca. 600 Strophen der Sj\u00far\u00f0ar kv\u00e6\u00f0i (Sigurdlieder) \u00fcberlebt, eine sehr altert\u00fcmliche Variante des Nibelungenstoffes. Und w\u00e4hrend die Erinnerung an Loki im \u00fcbrigen Skandinavien einschlie\u00dflich Islands in der j\u00fcngeren Folklore lediglich in etlichen Sprichw\u00f6rtern, bildhaften Redewendungen u.\u00c4. \u00fcberlebt hat, kann die f\u00e4r\u00f6ische \u00dcberlieferung auch hier gl\u00fccklicherweise mit ein paar zusammenh\u00e4ngenderen Fundst\u00fccken aufwarten, die der Betrachtung wert sind.<\/p>\n<p>Da ist zun\u00e4chst das Volksm\u00e4rchen<span>\u00a0<\/span><em>Risin og Lokki<\/em><span>\u00a0<\/span>(Der Riese und Loki). Darin nimmt ein Riese einen Mann in seinen Dienst, der sich als Loki vorstellt. Dieser spielt seinem Herrn aber fortgesetzt Streiche, die dazu f\u00fchren, dass der Riese alle Arbeiten selbst erledigen muss und Loki sich dabei immer noch unangreifbar herausredet. So l\u00e4sst er ihn einen Ochsen heranschaffen, auf den sich Loki dabei selber setzt. Er l\u00e4sst ihn Holz herbeischleppen und Wasser ins Haus tragen. Als sie ihre Suppe aus dem gemeinsamen Topf essen, bringt Loki das ganze Fett und die besten St\u00fccke auf seine Sch\u00fcsselseite und l\u00e4sst auf der anderen Seite nur die Knochen und ein winziges St\u00fcck Fleisch \u00fcbrig. In der Nacht schlie\u00dflich schl\u00fcpft er aus seinem Bett, klettert auf den Firstbalken und kr\u00e4ht wie ein Hahn. Als der Riese daraufhin aufsteht, st\u00f6\u00dft er ihm eine gl\u00fchende Eisenstange ins Auge. Der Riese stirbt und Loki macht sich mit dem ganzen Reichtum des Riesen davon.<\/p>\n<p>Vom Ende der Geschichte abgesehen, das ein Motiv der Polyphem-Episode der Odyssee darstellt (was nicht unbedingt eine Abh\u00e4ngigkeit postulieren soll), erinnert Lokis Treiben hier eher an Eulenspiegeleien, und der echte mythologische Gehalt dieser Geschichte d\u00fcrfte gering sein. Man hat sich aber wohl gut genug an gewisse Aspekte von Lokis Charakter erinnert, um ihn als ideale Besetzung f\u00fcr diese Rolle zu empfinden.<\/p>\n<p>Unser zweites Belegst\u00fcck k\u00f6nnte mythologisch interessanter sein, denn hier schimmern Motive durch, die uns auch aus alten Quellen bekannt sind. Es handelt sich um eine Erz\u00e4hlung \u00fcber Lokis Tierverwandlungen, die laut Aussage eines f\u00e4r\u00f6ischen Hirten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebendiges Erz\u00e4hlgut war (Olrik 1, S. 197). Darin hatte Loki sich der Reihe nach in alle Tiere verwandelt, um herauszufinden, welches Tier das schwerste Leben hat. Daraufhin erz\u00e4hlte er den G\u00f6ttern, dass er als Seehund gro\u00dfe M\u00fche hatte, den Wellen des Meeres standzuhalten, dass es noch schlimmer war, ein \u201eVogel mit Ei\u201c zu sein, dass er aber seine schlimmste Zeit als Stute hatte, als er Grani in seinem Bauch trug.<\/p>\n<p>Grani, der hier an Stelle Sleipnirs genannt wird, war in der nordischen Nibelungen-Variante das Pferd Sigurds, auch das also in jedem Fall ein recht altert\u00fcmlicher Zug. Was Lokis Verwandlung in einen Seehund betrifft, gibt es einige schwer verst\u00e4ndliche skaldische Umschreibungen aus dem 9. Jahrhundert, die das Bestehen einer Tradition bezeugen, nach der Loki einen kostbaren Gegenstand gestohlen haben soll (allem Anschein nach Freyias Schmuck Br\u00edsingamen), in deren Verlauf Loki und Heimdall in Seehundgestalt einen Kampf gegeneinander ausfechten. Diese getreu bewahrte f\u00e4r\u00f6ische Erinnerung an alte Mythensplitter l\u00e4sst somit also zumindest die Vermutung zu, dass auch Lokis Existenz als \u201eVogel mit Ei\u201c auf eine uns unbekannte und verlorene alte Geschichte zur\u00fcckgehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das mit Abstand spektakul\u00e4rste, unterhaltsamste und auch von seinem Umfang her erstaunlichste Fundst\u00fcck aber ist<span>\u00a0<\/span><em>Lokka t\u00e1ttur<\/em><span>\u00a0<\/span>(Lokis Erz\u00e4hlung), das deshalb hier nicht nur im vollen Wortlaut, sondern auch in einer speziell f\u00fcr diesen Beitrag erfolgten Neu\u00fcbersetzung vorgestellt werden soll. Dabei handelt es sich um eine f\u00e4r\u00f6ische Volksballade, die erstmals in der 1822 erschienen Liedersammlung des d\u00e4nischen Geistlichen H. C. Lyngbye im Druck erschien. Da der das F\u00e4r\u00f6ische aber nicht beherrschte, enthielt die Ausgabe viele Schreib- und andere Fehler. Ein verl\u00e4sslicher Abdruck erfolgte knapp 30 Jahre sp\u00e4ter durch V. U. Hammershaimb in seiner Sammlung f\u00e4r\u00f6ischer Balladen. Die erste (und bisher einzige) \u00dcbersetzung ins Deutsche wurde 1878 durch Karl Simrock in seiner 5. Auflage des<span>\u00a0<\/span><em>Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluss der nordischen<\/em><span>\u00a0<\/span>vorgelegt, wobei wohl von einer \u00dcbersetzung durch Simrock selbst auszugehen ist. Simrocks Verwendung eines f\u00fcr das Lyrik-Verst\u00e4ndnis des 19. Jahrhunderts ber\u00fcchtigten Sprachgebrauchs sowie inhaltliche Freiheiten, \u00dcbersetzungsfehler, Auslassungen und eine vor allem oft holprige Vers-Rhythmik (was bei den an griechischen Hexametern geschulten Gelehrten dieser Zeit eher erstaunt), machten diese Neu\u00fcbersetzung aus dem f\u00e4r\u00f6ischen Original deshalb geradezu zwingend. So wird z.B. der Riese im Originaltext mehrfach als<span>\u00a0<\/span><em>skr\u00edmsli\u00f0<\/em><span>\u00a0<\/span>bezeichnet, was Simrock als Eigenname missdeutet und demzufolge einen \u201eSkrymsli\u201c daraus macht. Dieser Name w\u00fcrde nat\u00fcrlich sofort an Skr\u00fdmir denken lassen, der in Snorris Erz\u00e4hlung Utgard-Loki in Verkleidung ist. Hier ist der Name aber wohl eher von dem altnordischen<span>\u00a0<\/span><em>skr\u00edmsli<\/em><span>\u00a0<\/span>(Ungeheuer, Monstrum) abzuleiten, w\u00e4hrend der Name Skr\u00fdmir auf altnordisch skruma (schreien, prahlen) zur\u00fcckgeht. Daf\u00fcr spricht auch eindeutig, dass skr\u00edmsli\u00f0 im Gegensatz zu den anderen Namen im Text klein geschrieben ist, also kein Eigenname sein kann.<\/p>\n<p>Da das Original im modernen Endreim und nicht in einem der alten eddischen Versma\u00dfe gehalten ist, wurde der auch f\u00fcr diese Neu\u00fcbersetzung angestrebt. Das zwang zu minimalen Freiheiten im Text, die aber nie solch inhaltliche oder gar sinnentstellende Abweichungen bedingen wie bei Simrock. Zudem geht es in diesem Fall auch nicht vordringlich um philologisch-wissenschaftliche Edition, sondern einfach um die Vorstellung einer pr\u00e4chtigen und unterhaltsamen Geschichte, die man mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen lesen kann und die \u2013 wie alle f\u00e4r\u00f6ischen Quellen \u2013 den meisten heutigen Heiden weitgehend unbekannt sein d\u00fcrfte. Die Stropheneinteilung habe ich heutigem Leseverst\u00e4ndnis angepasst, um den Textfluss m\u00f6glichst verst\u00e4ndlich zu halten. Im Original handelt es sich um 95 Zweizeiler. Auf zus\u00e4tzliche Sprecherangaben in Klammern bei w\u00f6rtlicher Rede wurde verzichtet, weil durchweg klar ist, wer jeweils redet.<\/p>\n<p>Zur Handlung: Ein Bauer hat sich mit einem Riesen auf ein Spiel eingelassen, das der Riese gewinnt und als Preis daf\u00fcr den Sohn des Bauern fordert, den er zu t\u00f6ten gedenkt. Der Bauer ruft in seiner Not nun die alten G\u00f6tter an, die auch prompt und verl\u00e4sslich zur Stelle sind. Allerdings erweisen sich Wirkm\u00e4chtigkeit und Einfallsreichtum der G\u00f6tter als von unterschiedlicher Natur.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Refrain:<\/h2>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Was n\u00fctzt mir die Harfe in meiner Hand,<br \/>\nWenn keiner mir folgt in das andere Land?<\/p><\/blockquote>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Strophen:<\/h2>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>1.<br \/>\nBauer und Riese spielten lang,<br \/>\nDer Bauer verlor, der Riese gewann.<br \/>\n\u201eGewonnen ist das Spiel mir schon,<br \/>\nNun will ich haben deinen Sohn.<br \/>\nHaben will ich den Sohn von dir,<br \/>\nNicht sch\u00fctzen kannst du ihn vor mir.\u201c<\/p>\n<p>Der Bauer rief den Knecht herbei:<br \/>\n\u201eBitt\u2019 Odin, dass er mit uns sei.<br \/>\nZu Odin fleh in unseren Sorgen,<br \/>\nDer k\u00f6nnte mein Kind wohl halten verborgen.<br \/>\nW\u00e4re der K\u00f6nig der Asen hier,<br \/>\nSo w\u00fcsste ich, der sch\u00fctzt ihn mir.\u201c<\/p>\n<p>Das Wort war ihm noch kaum entwischt,<br \/>\nStand Odin auch schon vor dem Tisch.<br \/>\n\u201eH\u00f6re mich, Odin, ich rufe zu dir,<br \/>\nDen Sohn sollst du verstecken mir.\u201c<br \/>\nOdin ging mit dem Knaben hinaus,<br \/>\nVoll Sorge sa\u00dfen die Eltern zu Haus.<\/p>\n<p>Ein Kornfeld lie\u00df da Odins Macht<br \/>\nWachsen und reifen in einer Nacht.<br \/>\nIn des Ackers Mitte verbarg alsbald<br \/>\nOdin den Knaben in \u00c4hrengestalt.<br \/>\nIn einer \u00c4hre ward er mitten im Feld<br \/>\nAls Gerstenkorn zu den anderen gestellt.<\/p>\n<p>\u201eNun stehe ohne Sorge hier,<br \/>\nUnd wenn ich dich rufe, so komm zu mir.<br \/>\nNun steh hier ohne Furcht und Graus,<br \/>\nUnd wenn ich dich rufe, so komm heraus.\u201c<\/p>\n<p>Des Riesen Herz war hart wie Horn,<br \/>\nEr f\u00fcllte den Scho\u00df sich voll mit Korn.<br \/>\nEr pr\u00fcft\u2019 alles Korn auf dem Ackerland<br \/>\nUnd trug ein scharfes Schwert in der Hand.<br \/>\nEin scharfes Schwert sah man ihn tragen,<br \/>\nDen Knaben wollte er damit erschlagen.<\/p>\n<p>Der Knabe in gro\u00dfer Not sich fand,<br \/>\nDem Riesen sprang ein Korn aus der Hand.<br \/>\nDem Knaben graute vor dem Tod,<br \/>\nDa rief ihn Odin in der Not.<br \/>\nOdin brachte ihn heim geschwind,<br \/>\nUnd die Eltern umarmten ihr lebendes Kind.<\/p>\n<p>\u201eHier ist dein Kind, doch wie dem auch sei,<br \/>\nMit meinem Schutz ist es nun vorbei.\u201c<\/p>\n<p>2.<br \/>\nDer Bauer rief den Knecht herbei:<br \/>\n\u201eBitt\u2019 H\u00f6nir, dass er mit uns sei.<br \/>\nZu H\u00f6nir fleh\u2019 in unseren Sorgen,<br \/>\nDer k\u00f6nnte mein Kind wohl halten verborgen.<br \/>\nW\u00e4re H\u00f6nir, der Gott, jetzt hier,<br \/>\nSo w\u00fcsste ich, der sch\u00fctzt ihn mir.\u201c<\/p>\n<p>Das Wort war ihm noch kaum entwischt,<br \/>\nStand H\u00f6nir auch schon vor dem Tisch.<br \/>\n\u201eH\u00f6re mich, H\u00f6nir, ich rufe zu dir,<br \/>\nDen Sohn sollst du verstecken mir.\u201c<br \/>\nH\u00f6nir ging mit dem Knaben hinaus,<br \/>\nVoll Sorge sa\u00dfen die Eltern zu Haus.<\/p>\n<p>H\u00f6nir ging in den gr\u00fcnen Grund,<br \/>\nSieben Schw\u00e4ne \u00fcberflogen den Sund.<br \/>\nZwei Schw\u00e4ne bogen nach Osten ab<br \/>\nUnd lie\u00dfen sich neben H\u00f6nir herab.<br \/>\nAn eines Schwanes Kopf alsbald<br \/>\nVerbarg H\u00f6nir den Knaben in Flaum-Gestalt.<\/p>\n<p>\u201eNun weile ohne Sorge hier,<br \/>\nUnd wenn ich dich rufe, so komm zu mir.<br \/>\nWeile hier ohne Furcht und Graus,<br \/>\nUnd wenn ich dich rufe, so komm heraus.\u201c<\/p>\n<p>Das Monstrum kam in den gr\u00fcnen Grund,<br \/>\nSieben Schw\u00e4ne \u00fcberflogen den Sund.<br \/>\nDer Riese ein Knie zur Erde bog,<br \/>\nDen ersten Schwan er zu sich zog.<br \/>\nIn den ersten Schwan er heftig biss,<br \/>\nDen Kopf er ihm von den Schultern riss.<\/p>\n<p>Den Knaben hielt vor Furcht es kaum,<br \/>\nVom Maul des Riesen flog ein Flaum.<br \/>\nDem Knaben graute vor dem Tod,<br \/>\nDa rief ihn H\u00f6nir in der Not.<br \/>\nH\u00f6nir brachte ihn heim geschwind,<br \/>\nUnd die Eltern umarmten ihr lebendes Kind.<\/p>\n<p>\u201eHier ist dein Kind, doch wie dem auch sei,<br \/>\nMit meinem Schutz ist es nun vorbei.\u201c<\/p>\n<p>3.<br \/>\nDer Bauer rief den Knecht herbei:<br \/>\n\u201eBitt\u2019 Loki, dass er mit uns sei.<br \/>\nIch w\u00fcnschte, Loki w\u00e4r\u2019 jetzt hier.<br \/>\nDann w\u00fcsste ich, der sch\u00fctzt ihn mir.\u201c<\/p>\n<p>Das Wort war ihm noch kaum entwischt,<br \/>\nStand Loki auch schon vor dem Tisch.<br \/>\n\u201eDu kennst nicht, Loki, meine Not,<br \/>\nDer Riese w\u00fcnscht meinem Sohn den Tod.<br \/>\nH\u00f6re mich, Loki, ich rufe zu dir,<br \/>\nden Sohn sollst du verstecken mir.<br \/>\nVersteck\u2019 ihn gut mit deiner List,<br \/>\nDamit das Monstrum nicht ahnt, wo er ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSoll ich deinen Sohn besch\u00fctzen,<br \/>\nSo folg\u2019 meinem Wort, es wird dir n\u00fctzen.<br \/>\nEin Bootshaus lass erbauen dort,<br \/>\nWenn ich bin mit dem Knaben fort.<br \/>\nEin gro\u00dfes Fenster brich hinein,<br \/>\nLass Eisenstangen dahinter sein.\u201c<\/p>\n<p>Loki ging mit dem Knaben hinaus,<br \/>\nSorgend sa\u00dfen die Eltern zu Haus.<br \/>\nLoki eilte zum Meeresstrand,<br \/>\nDa schwamm ein Schifflein dicht am Land.<br \/>\nDie fernsten Fischgr\u00fcnde waren sein Ziel,<br \/>\n(So hei\u00dft es in alten Liedern viel).<\/p>\n<p>Loki sprach kein einziges Wort,<br \/>\nEr warf die Angel \u00fcber Bord.<br \/>\nHaken und K\u00f6der zu Grunde fuhr,<br \/>\nEine Flunder zog er herauf an der Schnur.<br \/>\nEine zweite zog er aus den Wogen,<br \/>\nDie dritte war schw\u00e4rzlich, weil voll von Rogen.<\/p>\n<p>Loki verbarg den Knaben alsbald<br \/>\nMitten im Rogen in Ei-Gestalt.<br \/>\n\u201eNun weile ohne Sorge hier;<br \/>\nUnd wenn ich dich rufe, so komm zu mir.<br \/>\nWeile hier ohne Furcht und Graus,<br \/>\nUnd wenn ich dich rufe, so komm heraus.\u201c<\/p>\n<p>Loki ruderte wieder an Land,<br \/>\nDa stand vor ihm der Riese im Sand.<br \/>\nDer Riese fragte mit Bedacht:<br \/>\n\u201eLoki, wo warst du die ganze Nacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, wenig Ruhe hatte ich nur,<br \/>\nDas weite Meer ich \u00fcberfuhr.\u201c<br \/>\nSein Eisen-Boot stie\u00df der Riese in\u2019s Meer;<br \/>\nLoki warnte: \u201eDie See st\u00fcrmt sehr!\u201c<br \/>\nLoki sprach den Riesen an:<br \/>\n\u201eRiese, nimm mich mit in den Kahn.\u201c<\/p>\n<p>Der Riese nahm das Steuer zur Hand,<br \/>\nMit den Rudern stie\u00df Loki ab vom Land.<br \/>\nLoki ruderte stark und erpicht,<br \/>\nDas Riesenboot aber r\u00fchrte sich nicht.<br \/>\nDa schwor Loki dem Riesen zu:<br \/>\n\u201eVom Steuern verstehe ich mehr als du.\u201c<\/p>\n<p>Der Riese sa\u00df nun am Ruderbord,<br \/>\nUnd der Kahn flog durch die See nur so fort.<br \/>\nEr schonte sich beim Rudern nicht,<br \/>\nAuch Loki tat brav seine Pflicht.<br \/>\nDie fernsten Fischgr\u00fcnde waren sein Ziel,<br \/>\n(So hei\u00dft es in alten Liedern viel).<\/p>\n<p>Der Riese sprach kein einziges Wort,<br \/>\nEr warf die Angel \u00fcber Bord.<br \/>\nHaken und K\u00f6der zu Grunde fuhr,<br \/>\nEine Flunder zog er herauf an der Schnur.<br \/>\nEine zweite zog er aus den Wogen,<br \/>\nDie dritte war schw\u00e4rzlich, weil voll von Rogen.<\/p>\n<p>Loki sprach da schmeichlerisch:<br \/>\n\u201eRiese, gib mir doch den Fisch.\u201c<br \/>\nDer Riese aber sagte: \u201eNein,<br \/>\nNein, mein Loki, das kann nicht sein.\u201c<br \/>\nZwischen die Knie den Fisch gezogen,<br \/>\nZ\u00e4hlte er jedes Ei im Rogen.<br \/>\nKein Ei blieb ungez\u00e4hlt im Fische,<br \/>\nDamit er nun das Kind erwische.<\/p>\n<p>In gr\u00f6\u00dfter Not der Knabe stand,<br \/>\nEin Ei sprang aus des Riesen Hand.<br \/>\nDem Knaben graute vor dem Tod,<br \/>\nDa rief ihn Loki in der Not.<br \/>\n\u201eVersteck dich, Knabe! Hinter mich!<br \/>\nLass nicht den Riesen sehen dich!<br \/>\nSei leichten Fu\u00dfes zur\u00fcck an Land,<br \/>\nUnd keine Spur dr\u00fcck in den Sand.\u201c<\/p>\n<p>Der Riese fuhr zur\u00fcck den Kahn<br \/>\nUnd Loki war wieder Steuermann.<br \/>\nRasch ruderte man dem Ufer zu,<br \/>\nUnd sie erreichten es im Nu.<br \/>\nZu landen war man im Begriff,<br \/>\nDa wandte Loki schnell das Schiff.<br \/>\nDer Achtersteven knirschte im Sand,<br \/>\nDer Knabe sprang rasch hoch an Land.<\/p>\n<p>Der Riese glotzte den Strand hinauf,<br \/>\nUnd prompt fiel ihm der Knabe auf.<br \/>\nLeichtf\u00fc\u00dfig lief der \u00fcber Land,<br \/>\nMan merkte keine Spur im Sand.<br \/>\nSchwer stapft\u2019 der Riese hinterdrein,<br \/>\nBrach bis zum Knie im Sande ein.<\/p>\n<p>Zum Bootshaus, das sein Vater schuf,<br \/>\nLief der Knabe auf Lokis Ruf.<br \/>\nDurchs Fenster schl\u00fcpfte er mit Bedacht,<br \/>\nDer Riese auch \u2013 mit gro\u00dfer Macht.<br \/>\nEr steckte im Fenster fest, oh Schmach!<br \/>\nAn der Eisenstange sein Kopf zerbrach.<\/p>\n<p>Nun galt es f\u00fcr Loki, rasch zu sein,<br \/>\nEr hieb dem Riesen ab ein Bein.<br \/>\nDas tat dem Riesen nicht Gewalt,<br \/>\nZusammen wuchs die Wunde bald.<br \/>\nUnd wieder galt es, rasch zu sein,<br \/>\nEr hieb ihm ab das andere Bein.<\/p>\n<p>Er hieb ihm ab das andere Bein<br \/>\nUnd warf dazwischen Stock und Stein.<br \/>\nDa sah der Knabe mit Wohlgefallen<br \/>\nDen Riesen in viele St\u00fccke zerfallen.<br \/>\nLoki brachte ihn heim geschwind,<br \/>\nUnd die Eltern umarmten ihr lebendes Kind.<\/p>\n<p>\u201eHier ist dein Kind, doch wie dem auch sei,<br \/>\nMit meinem Schutz ist es nun vorbei.<br \/>\nDie Treue hielt ich dir doch sehr,<br \/>\nund der Riese lebt nicht mehr.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Soweit der Text dieser pr\u00e4chtigen Ballade. Da die genaue Entstehungszeit nicht bestimmbar ist, kann man das Lied nicht einfach als \u201ewiederentdeckte vorchristliche Quelle\u201c betrachten, nur weil hier die alten G\u00f6tter auftreten. Das hat so dreist zwar auch niemand behauptet, dennoch gab es nach den ersten Ver\u00f6ffentlichungen des Textes enthusiastische Stimmen, die sich dazu verstiegen, hier ein \u201everlorenes Edda-Lied\u201c wiederentdeckt haben zu wollen. Den G\u00f6ttermythen kann der Text aber weder in inhaltlicher noch formaler Hinsicht zugeordnet werden, weil hier ja im Gegenteil der menschliche Bauer und sein Sohn die Figuren sind, um die es eigentlich geht. Zudem folgen Versma\u00df und Reim eben nicht altnordischen Vorbildern, sondern sind so erstmals in j\u00fcngeren sp\u00e4tmittelalterlichen Balladen nachweisbar.<\/p>\n<p>Das 19. Jahrhundert aber, das religionswissenschaftlich von einer Zuordnungssucht der G\u00f6tter zu Naturelementen gepr\u00e4gt war, nahm dieses Volkslied h\u00f6chst dankbar auf und leitete daraus eifrig eine Verbindung Odins zu den Feldfr\u00fcchten, H\u00f6nirs zu den V\u00f6geln und Lokis zu den Wassertieren ab, wobei in letzterem Fall Lokis Verwandlung in einen Lachs bei Snorri als zus\u00e4tzliches Argument ins Feld gef\u00fchrt wurde. Das aber ergab die Schwierigkeit, Loki gleichzeitig dem Feuer \u201ezuzuordnen\u201c, wie es davor und danach eher Mode war. Man versuchte deshalb, Elemente der Geschichten um W\u00e4in\u00e4m\u00f6inen und Ilmarinen aus dem finnischen<span>\u00a0<\/span><em>Kalevala<\/em><span>\u00a0<\/span>mit dem Lied zu verbinden, was sich in heute nicht mehr \u00fcberzeugenden Spekulationen niederschlug, da die finnischen Mythen nicht dem indoeurop\u00e4ischen Bereich zuzuordnen sind, wenn auch durch die enge Nachbarschaft der entsprechenden V\u00f6lker in Skandinavien m\u00f6gliche gegenseitige Beeinflussungen immer denkbar erscheinen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Keine andere Figur der nordischen Mythologie hat die Forschung so herausgefordert wie Loki, und es gibt kaum eine Rolle, die ihm nicht zugesprochen worden w\u00e4re: Gott, Riese, Zwerg, D\u00e4mon oder gar christlicher Teufel. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts kam es au\u00dferdem zu einem zunehmenden Disput nicht nur \u00fcber Loki selbst, sondern auch \u00fcber die Bewertung des j\u00fcngeren volkskundlichen Materials \u00fcber ihn, was sich in etlichen eigenst\u00e4ndigen und wichtigen Ver\u00f6ffentlichungen niederschlug, auf die hier zumindest ein kurzes Schlaglicht geworfen werden soll. Das aber kann aus Platzgr\u00fcnden nur im Telegrammstil und auf die wichtigsten Positionen beschr\u00e4nkt erfolgen, der den durchweg tiefgreifenden Publikationen allein schon durch diese ungeb\u00fchrliche Verk\u00fcrzung Unrecht tun oder gar verzerrend wirken mag. Vor allem auf den in allen genannten Arbeiten im Mittelpunkt stehenden Baldr-Mythos (und Lokis vermeintliche Verstrickung darin) kann hier nicht einmal ansatzweise eingegangen werden, da das den Rahmen dieses Artikels v\u00f6llig sprengen w\u00fcrde. Weitergehend Interessierte seien deshalb ausdr\u00fccklich auf die lohnende Lekt\u00fcre der Originaltexte selbst verwiesen (siehe Litereraturverzeichnis) \u2013 oder am besten gleich auf das Buch von Yvonne S. Bonnetain (s.u.), da dort auch die gesamte Forschungsgeschichte allgemein verst\u00e4ndlich referiert wird.<\/p>\n<p>1908\/09 ver\u00f6ffentlichte Axel Olrik erstmals eine systematische Zusammenstellung neuerer Loki-Quellen aus der Volks\u00fcberlieferung (<em>Loke i nyere folkeoverlevering<\/em>), aufgrund deren er zu dem Ergebnis kam, Loki m\u00fcsse urspr\u00fcnglich ein mit dem Feuer verbundener Zwerg oder Kobold gewesen sein, dessen Charakter als L\u00fcgner und Dieb sich bestens mit den \u00e4lteren Quellen decke. 1911 erweiterte er diese These nach Untersuchung der Mythenkreise um Thor\/Loki und Odin\/Loki. Er bestand zwar weiter auf Lokis Herkunft als \u201eFeuer-D\u00e4mon\u201c, sah dessen urspr\u00fcngliche Hauptfunktion aber nun in der Rolle als Thors Diener. Dabei zog er den seltsamen Schluss, die boshafte Form Lokis sei m\u00fcsse eine v\u00f6lkerwanderungszeitliche Sch\u00f6pfung der Goten sein und von dort in die altnordische Tradition eingewandert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig und unabh\u00e4ngig davon ver\u00f6ffentlichte Hilding Celander<span>\u00a0<\/span><em>Lokes mytiska ursprung<\/em>. Sein wesentlicher Beitrag lag in dem Hinweis darauf, dass in dem s\u00fcdschwedischen Dialekt von G\u00f6taland die Spinne als<span>\u00a0<\/span><em>locke<\/em><span>\u00a0<\/span>und ihr Netz als<span>\u00a0<\/span><em>lockan\u00e4t<\/em><span>\u00a0<\/span>bezeichnet wird. Da ein anderer Ausdruck daf\u00fcr<span>\u00a0<\/span><em>dv\u00e4rgan\u00e4t<\/em><span>\u00a0<\/span>(Zwergennetz) ist und die Kunst des Webens f\u00fcr den Autor zwergenhafte Z\u00fcge enthielt, schloss Celander daraus, Loki m\u00fcsse urspr\u00fcnglich ebenfalls ein Zwerg gewesen sein. Als weiteres Indiz f\u00fchrte er die m\u00f6gliche Verwandtschaft von Lokis Namen mit dem Wort<span>\u00a0<\/span><em>luka<\/em><span>\u00a0<\/span>(verschlie\u00dfen, abschlie\u00dfen, zu Ende bringen) an, ein \u201eVerschlie\u00dfen\u201c, das er als unterirdisch verstand und deshalb auf einen urspr\u00fcnglichen Berggeist, Zwerg oder ein anderes chtonisches Wesen schloss.<\/p>\n<p>Einen methodologischen Fortschritt erreichte die niederl\u00e4ndische Autorin Elizabeth J. Gras 1931 in ihrer Ver\u00f6ffentlichung<span>\u00a0<\/span><em>De Noordse Loki-Mythen in hun onderling verband<\/em>, die postulierte, dass die Mythen um Loki in seiner boshaften Form seinen urspr\u00fcnglichen Charakter schon allein deshalb nicht entschl\u00fcsseln k\u00f6nnten, weil sie bereits zu sehr von m\u00e4rchenhaften und folkloristischen Motiven \u00fcberwuchert seien, um ein urspr\u00fcnglich religi\u00f6ses Ph\u00e4nomen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Sie pl\u00e4diert f\u00fcr Loki als \u201evielseitigen D\u00e4mon\u201c und \u201eErneuerer\u201c, tappt dabei aber in genau dieselbe Falle, vor der sie zuvor nicht genug warnen konnte, da ihre eigenen Schlussfolgerungen notwendigerweise nat\u00fcrlich auf eben denselben Quellen beruhen m\u00fcssen, die sie zuvor als zu \u201efolkloristisch \u00fcberwuchert\u201c kritisiert hat \u2013 denn das sind nun einmal die einzigen uns heute zug\u00e4nglichen Quellen \u00fcber Loki. Trotz der \u201efolkloristischen\u201c Natur des Gesamtmaterials kommt sie au\u00dferdem zu dem Schluss, dass die Verbindung Lokis mit Odin sehr viel \u00e4lter sein muss, als die mit Thor, und lehnt deshalb Olriks Charakterisierung ab, Lokis Hauptfunktion sei die von Thors Diener gewesen. Sie verbindet Loki stattdessen nun ebenfalls mit dem Wasserelement, indem sie ihn mit der popul\u00e4ren niederl\u00e4ndischen \u00dcberlieferung eines Wassergeistes namens Lodder (oder Kludde) gleichsetzt. Somit sei Loki ebenso bei den westgermanischen V\u00f6lkern wie in Skandinavien bekannt gewesen, was auch durch die Nordendorfer Spange belegt sei, auf der runisch der Name Loga\u00feore als Teil einer G\u00f6ttertrias auftaucht. Der Wert von Gras\u2019 Arbeit liegt vor allem in der systematischen Zusammenstellung der Quellen und ihrer ausf\u00fchrlichen Zitierung, was fr\u00fcheren Arbeiten ermangelte. Und vor allem bringt sie erstmals ein Hauptproblem auf den Punkt: Wenn man sich gerade den altnordischen Quellen n\u00e4hert, muss man sie als das akzeptieren, was sie sind \u2013 n\u00e4mlich fiktionale Literatur und nicht an erster Stelle religionswissenschaftliche Fakten \u2013 und muss sie deshalb auch mit literaturwissenschaftlichem Untersuchungsinstrumenten angehen.<\/p>\n<p>1933 ver\u00f6ffentlichte der ebenfalls niederl\u00e4ndische Wissenschaftler Jan de Vries<span>\u00a0<\/span><em>The Problem of Loki<\/em>, wobei er sich einer erstaunlich grundkritischen Haltung gegen\u00fcber dem gesamten Quellenmaterial beflei\u00dfigt. Diese Haltung dient ihm als \u201eobjektiver Ansatz, die grunds\u00e4tzlichen Erkenntnism\u00f6glichkeiten des Materials zu pr\u00fcfen, bevor man endg\u00fcltige Schl\u00fcsse daraus ziehen kann\u201c. Das klingt lobenswert, ist im Fall von Vries\u2019 stets sehr scharfsinnigen Ausf\u00fchrungen auch h\u00f6chst lesenswert und unterhaltsam, entpuppt sich im Folgenden aber als nicht ganz so wertfrei wie behauptet. Bereits zuvor waren durch Friedrich von der Leyen erste zaghafte Vergleiche Lokis mit der mythologischen Figur des \u201eTrickster\u201c gewagt worden, und die versucht de Vries in seiner Arbeit nun auf solide F\u00fc\u00dfe zu stellen und zu vollenden. Dazu ist er aber gen\u00f6tigt, Lokis Anteil an Baldrs Tod herunterzuspielen oder ganz zu verneinen (worin ihm die neuere Forschung folgt), denn Snorris Version von Loki als eigentlichem T\u00e4ter w\u00fcrde der \u201eTrickster-These\u201c v\u00f6llig widersprechen. Dabei unterteilt de Vries die altisl\u00e4ndische \u00dcberlieferung in drei Phasen:<\/p>\n<p>1. Eine vom Christentum g\u00e4nzlich unbeeinflusste Tradition rein heidnischer Glaubensinhalte.<\/p>\n<p>2. Eine Zeit der Unterdr\u00fcckung heidnischer Glaubensinhalte durch christliche \u00dcberlagerung.<\/p>\n<p>3. Eine zweite poetische Bl\u00fcte der Mythen, wenn auch durch \u201eWildwuchs\u201c in unkontrollierbarer Form.<\/p>\n<p>So plausibel diese Unterteilung auf den ersten Blick auch erscheinen mag, so schnell f\u00fchrt sie doch in neue Fallen. Vries kann somit n\u00e4mlich nicht umhin, die Quellen diesem Schema auch zuordnen zu m\u00fcssen. Diese Zuordnung aber muss zwangsl\u00e4ufig sehr willk\u00fcrlich ausfallen und entbehrt im Einzelfall jeglicher Beweism\u00f6glichkeit. Zwar lassen sich erhaltene Manuskripte aufgrund pal\u00e4ographischer, orthographischer und linguistischer Kriterien problemlos datieren, auch die gegenseitige inhaltliche Abh\u00e4ngigkeit von Texten l\u00e4sst sich mit literaturwissenschaftlichen Techniken bestimmen oder zumindest wahrscheinlich machen, auf das eigentliche Alter der darin mitgeteilten mythologischen Inhalte trifft das aber keineswegs immer zu. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass die Inhalte \u00e4lterer Handschriften auch \u00e4ltere Traditionen als j\u00fcngere Handschriften verk\u00f6rpern. Anders als Olrik und Celander billigt de Vries dem j\u00fcngeren Material aber kaum Wert zu, da man \u201ereligi\u00f6se Erscheinungen einer bestimmten Zeit nicht in Begriffen einer anderen ausdr\u00fccken kann\u201c, und er sagt ausdr\u00fccklich: \u201eWenn unsere Ergebnisse aus den alten Quellen durch j\u00fcngeres Material gest\u00fctzt werden, k\u00f6nnen wir das als nette Best\u00e4tigung ansehen \u2013 wenn nicht, sollten wir nicht versuchen, unsere Sichtweise mit Hilfe des j\u00fcngeren Materials korrigieren zu wollen, sondern m\u00fcssen die davon ganz unabh\u00e4ngige Frage nach dem Ursprung der j\u00fcngeren folkloristischen Traditionen Lokis beantworten\u201c (S. 27). Es kann methodologisch aber nicht angehen, j\u00fcngeres Material nur dann als authentisch zu akzeptieren, wenn es den \u00e4lteren Quellen entspricht, es jedoch abzulehnen, wenn das nicht der Fall ist. Entweder betrachtet man das Material in seiner Gesamtheit als Quelle, oder man tut das nicht \u2013 dann aber sollte man sich zur\u00fcckhalten, eventuelle \u00dcbereinstimmungen als \u201enette Best\u00e4tigung\u201c f\u00fcr die eigenen Theorien zu geltend zu machen. In seiner Definition von Lokis Rolle als \u201eTrickster\u201c wie auch in der Feststellung, dass Lokis Rolle beim Tod Baldrs eine verzerrte Darstellung ist, die ausschlie\u00dflich auf Snorris Bearbeitung zur\u00fcckgeht, gilt diese Studie aber bis heute als wegweisend und im Kern richtig. Leider ruderte Vries nach der Ver\u00f6ffentlichung Dum\u00e9zils zur\u00fcck und distanzierte sich von einigen seiner eigenen Ergebnisse, was sich als unn\u00f6tig und verfehlt erweisen sollte.<\/p>\n<p>Georges Dum\u00e9zils Arbeit mit dem Titel<span>\u00a0<\/span><em>Loki. Les dieux et les hommes<\/em><span>\u00a0<\/span>von 1948 wartete mit einer \u00dcberraschung auf, die innerhalb der damaligen Forschungslandschaft als Sensation empfunden wurde. Denn darin wertet Dum\u00e9zil einen der westlichen Forschung bis dahin weithin unbekannten Mythenkreis der im Kaukasus lebenden indoeurop\u00e4ischen Osseten aus, der mit einer Figur namens Syrdon einen Charakter hervorgebracht hat, der Loki bis hin zu vielen Details genau entspricht. Dadurch wurden schlagartig zumindest all jene Kritiker mundtot gemacht, die Loki als sp\u00e4te Einf\u00fchrung eines christlichen Teufels in das altnordische Pantheon betrachtet hatten. Von Anfang an wenig \u00fcberzeugend war dabei allerdings Dum\u00e9zils Gleichsetzung des Konflikts Soslan-Sosrykos mit dem Baldr-Mythos, denn die einzige Parallele dabei war der Aspekt der Unverwundbarkeit, der sich aber weltweit in allen Mythen und Helden-Epen findet. Dum\u00e9zil hat etliche weitere Kritik erfahren m\u00fcssen, wobei in diesem konkreten Fall in einer Hinsicht aber oft des Guten zuviel getan wurde: Da Dum\u00e9zil bei seinen indoeurop\u00e4ischen Vergleichsstudien der komparatistischen Schule angeh\u00f6rte, \u00fcberlasen n\u00e4mlich viele, dass er in diesem Fall gerade nicht eine hypothetische ur-indoeurop\u00e4ische Verwandtschaft der Mythen postuliert. Er argumentiert sogar genau andersherum: Er betont das Entstehen zwei v\u00f6llig voneinander unabh\u00e4ngiger und dennoch strukturell identischer religi\u00f6ser Komplexe als religionshistorischen Typus, und genau das ist sein Argument f\u00fcr die Authentizit\u00e4t Lokis. Dar\u00fcber hinaus enth\u00e4lt er sich jeglicher historischer Analyse bez\u00fcglich einer m\u00f6glichen Beziehung der Mythen zueinander. Damit nahm er erstmals Abstand von allen bisherigen Ans\u00e4tzen, Loki aus einer religi\u00f6sen Entwicklungsgeschichte heraus zu erkl\u00e4ren. \u00dcbrig bleibt die angeblich universelle Struktur eines ph\u00e4nomenologischen Typus.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz fand 1956 grunds\u00e4tzliche Kritik durch Folke Str\u00f6m (<em>Loki. Ein mythologisches Problem<\/em>): \u201eDass gewisse komplexe mythische Typen sozusagen fix und fertig sind und, ohne dass sie einer kultischen Funktion entsprechen, einer angeblichen socialen [sic], in verschiedenen Kulturkreisen vorkommenden Situation entsprungen sind, ist kein \u00fcberzeugender Gedanke [\u2026] Belege f\u00fcr die als eine Voraussetzung einer solchen Typenbildung angegebenen \u00dcbereinstimmungen in bezug [sic] auf die soziale Unterlage werden uns auch nicht gegeben\u201c (S. 8). Str\u00f6m widmet sich daraufhin (wie alle Genannten) einer genauen Untersuchung der Loki-Mythen und kommt (wie E. J. Gras) zu dem Ergebnis, Lokis Verbindung mit Odin m\u00fcsse sehr viel urspr\u00fcnglicher sein als die mit Thor. Da beide Gottheiten manche negative Wesensz\u00fcge teilen (der Vorwurf von<span>\u00a0<\/span><em>ergi<\/em><span>\u00a0<\/span>\/ Unm\u00e4nnlichkeit, betr\u00fcgerisches Verhalten, Unberechenbarkeit usw.), h\u00e4lt Str\u00f6m die M\u00f6glichkeit f\u00fcr wahrscheinlich, Loki m\u00fcsse eine fr\u00fche Hypostase, also Abspaltung von Odin gewesen sein, die quasi als Stellvertreter und Alter Ego dessen negative Seiten in dem Ma\u00dfe in sich aufnahm, in dem Odin zu einer immer wichtigeren Gottheit wurde. Das sei auch der eigentliche Ursprung ihrer angeblichen Blutsbr\u00fcderschaft.<\/p>\n<p>Eine weitere ausf\u00fchrliche Arbeit zu Loki erfolgte 1961 durch Anna Birgitta Rooth. Ihr besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf Lokis Rolle als \u201eVersorger\u201c bzw. \u201eWiederbeschaffer\u201c (Gungnir, Mj\u00f6llnir, Idun usw.) In dem volkskundlichen neueren Material folgt sie der alten Spur Celanders von Lokis Verbindung als Erfinder des Netzes (bei Snorri) und bringt zus\u00e4tzliche Argumente f\u00fcr eine offensichtliche Verbindung Lokis zur Spinne. Ein neuer Aspekt aber sind die hier aufgezeigten Parallelen zu keltischen Quellen von den britischen Inseln: Die Mythen um Aided Fergusa und vor allem Lugh und Balor k\u00f6nnen laut Rooth keine zuf\u00e4lligen Parallelen sein, sondern sind trotz unterschiedlicher (und im letztgenannten Fall \u00f6dipalischer) Grundstruktur m\u00f6glicherweise Anregung f\u00fcr die Gestaltung (hier vor allem des Baldr-Mythos) durch Snorri gewesen. In einem \u00fcberzeugenden Schlussteil geht Rooth nochmals auf einen Aspekt ein, der bereits bei Elizabeth J. Gras zentrales Thema war, und der gerade in der \u00e4lteren Forschung viel zu wenig Beachtung gefunden hat: G\u00f6ttermythen sind nicht die Religion selbst, sondern in erster Linie zun\u00e4chst einmal Literatur. Die eddische Dichtung \u2013 wie auch alle anderen G\u00f6tter- und Heldenepen der Welt \u2013 sind Werke, die zum Vortragen und Zuh\u00f6ren bestimmt waren und die deshalb auch jenen literarischen Notwendigkeiten folgen m\u00fcssen, die universal g\u00fcltig sind, um Menschen zu unterhalten, belehren, am\u00fcsieren oder auch weinen und mitzittern lassen zu k\u00f6nnen. Das geht nicht ohne eine gewisse dichterische Dramatik, die wiederum immer nur aus Konfliktsituationen entstehen kann. Und hier war Loki nat\u00fcrlich eine Figur mit idealen dichterischen Einsatzm\u00f6glichkeiten, die offensichtlich auch gerne genutzt wurden. Man sollte nicht in den Fehler verfallen, den alten Dichtern weniger poetische F\u00e4higkeiten als denen unserer Zeit zuzubilligen. Deshalb kann man nicht jeder Wendung altnordischer G\u00f6tterdichtung immer sofort einen uralten Naturmythos als Ursprung zusprechen, wie es das 19. Jahrhundert mit Vorliebe tat, dem die Wege und Mechanismen von Dichtung und m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung in schriftlosen Gesellschaften noch g\u00e4nzlich unbekannt waren, die heute aber ein gut beackertes und somit fruchtbares Forschungsfeld darstellen.<\/p>\n<p>Zu diesem Ergebnis kommt auch die neueste Gesamtstudie zu Loki von Yvonne S. Bonnetain (<em>Loki. Beweger der Geschichten,<\/em><span>\u00a0<\/span>2013), die auf die Dissertation der Verfasserin von 2005 zur\u00fcckgeht. Das Werk, das sowohl seines Umfangs (fast 500 Seiten!), seiner Gr\u00fcndlichkeit als auch seiner allgemeinverst\u00e4ndlichen Lesbarkeit wegen beeindruckt, geht zudem auf die gesamte Forschungsgeschichte zu Loki ein und legt f\u00fcr alle bisherigen Ans\u00e4tze dar, warum keine dieser Ursprungserkl\u00e4rungen befriedigen, sondern bestenfalls bruchst\u00fcckhafte Teilantworten liefern konnte. Die Arbeit verzichtet bewusst darauf, Loki in irgendwelche Kategorien zu zw\u00e4ngen und zeigt auf, dass die vermeintliche Widerspr\u00fcchlichkeit Lokis vor allem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass wir die altnordische Mythologie ausschlie\u00dflich durch eine moderne Brille wahrnehmen, die viel zu sehr dem Denken in Kategorien und Systemen verhaftet ist. Bonnetain zeigt \u00fcberzeugend auf, wie wenig wir trotz mythologischer \u00dcberlieferungen von der tats\u00e4chlichen Religion des alten Skandinaviens wissen, aber eines scheint zunehmend klarer: Loki war keine Gottheit, die sich kultischer Verehrung erfreuen konnte, sondern eine rein literarische Kunst-Figur, die ihre Existenz vor allem den Notwendigkeiten erz\u00e4hlerischer Dramatik verdankt. Somit sind zahlreiche Forschungsans\u00e4tze und Fragestellungen nach mythischem Ursprung und Natur dieser zwielichtigen Gestalt schon vom methodologischen Ansatz her falsch oder zumindest irref\u00fchrend.<\/p>\n<p>Und diese Erkenntnis f\u00fchrt uns zur\u00fcck zu zu unseren f\u00e4r\u00f6ischen Fundst\u00fccken. Gerade die sch\u00f6ne Volksballade<span>\u00a0<\/span><em>Lokka t\u00e1ttur<\/em><span>\u00a0<\/span>ist unter diesem Aspekt n\u00e4mlich nicht mehr, als sie zu sein vorgibt, eben eine am\u00fcsante und unterhaltsame Dichtung, die mit \u00fcberlieferten Motiven spielt. Das soll aber keineswegs einer mythologischen Abwertung das Wort reden, denn in diesen \u00fcberlieferten Motiven liegt ja gerade der Wert. Man hat sich auf den F\u00e4r\u00f6ern nicht nur erstaunlich getreu der uralten G\u00f6ttertrias Odin\u2013H\u00f6nir\u2013Loki erinnert (wobei die Gleichsetzung Lokis mit Lo\u00f0ur bei aller Vorsicht als allgemein akzeptiert gilt), es ergibt sich sich aus dem Lied vor allem ein weiterer bedeutsamer Erkenntnisgewinn. Hier wie in den \u00fcbrigen vorgestellten Quellen entspricht Loki n\u00e4mlich sehr genau dem Bild, das wir auch aus den altnordischen Texten herauslesen: Loki als unberechenbarer St\u00f6renfried, dessen Streiche von \u00fcberm\u00fctig \u00fcber geh\u00e4ssig bis hin zu gemeingef\u00e4hrlich reichen und zuweilen r\u00fccksichtslos nur auf eigenen Vorteil bedacht sind (\u201eDer Riese und Loki\u201c), der als experimentierfreudiger Grenz\u00fcberschreiter riskantes Neuland zu erforschen bereit ist (\u201eLokis Tierverwandlungen\u201c), aber auch selbstlos als verl\u00e4sslicher Nothelfer auftreten kann (<em>Lokka t\u00e1ttur<\/em>), wobei seine Findigkeit die H\u00f6nirs \u2013 und sogar die Odins \u2013 \u00fcbertrifft, er von dem Riesen als alter Bekannter behandelt wird (\u201emein Loki\u201c) und er auch den magischen Trick kennt, der die Zauberkr\u00e4fte des Riesen schlie\u00dflich besiegt (als er \u201eStock und Stein\u201c zwischen dessen abgeschlagene Gliedma\u00dfen wirft, eine Redewendung, die im Altnordischen bereits ebenso sprichw\u00f6rtlich war wie noch im heutigen Deutsch). All das ist uns auch aus den alten Mythen gel\u00e4ufig. Dass Loki bis in die neuere Folklore so \u00fcberlebt hat, darf deshalb mit aller Vorsicht als Best\u00e4tigung daf\u00fcr gelten, dass wir dieses Bild auch in den alten Quellen richtig deuten. Und darin liegt \u2013 abgesehen von ihrem Unterhaltungswert \u2013 der wahre Wert dieser Fundst\u00fccke, und als solche stellen sie wertvolle Dokumente dar, die ein bezeichnendes Licht auf literarische Traditionen und m\u00fcndliche \u00dcberlieferungen werfen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literatur<\/strong><\/h2>\n<p>Bonnetain, Yvonne S.: Loki. Beweger der Geschichten. Rudolstadt 2013<\/p>\n<p>Celander, Hilding: Lokes mytiska ursprung. Uppsala 1911<\/p>\n<p>Dum\u00e9zil, Georges: Loki. (Les dieux et les hommes. Bd. 1). Paris 1948 (deutsch 1956)<\/p>\n<p>Gras, Elizabeth Johanna: De Noordse Loki-Mythen in hun onderling verband. Haarlem 1931<\/p>\n<p>Hammershaimb, Venceslaus Ulricus: F\u00e6r\u00f8sk anthologi. K\u00f8benhavn 1886-91<\/p>\n<p>Hammershaimb, Venceslaus Ulricus: F\u00e6r\u00f8iske kv\u00e6\u00f0er. K\u00f8benhavn 1851-55<\/p>\n<p>Hammershaimb, Venceslaus Ulricus: Sj\u00far\u00f0ar kv\u00e6\u00f0i. K\u00f8benhavn 1851<\/p>\n<p>Leyen, Friedrich von der: Der gefesselte Unhold. Eine mythologische Studie. Prag 1908<\/p>\n<p>Leyen, Friedrich von der: Die G\u00f6tter und G\u00f6ttersagen der Germanen. M\u00fcnchen 1909<\/p>\n<p>Lyngbye, Hans Christian: F\u00e6r\u00f8iske Qvaeder om Sigurd Fofnersbane og hans Aet. Randers 1822<\/p>\n<p>Mogk, Eugen.: Lokis Anteil an Baldrs Tode. Helsinki 1925<\/p>\n<p>Mogk, Eugen: Novellistische Darstellung mythologischer Stoffe Snorris. Helsinki 1923<\/p>\n<p>Olrik, Axel: Loke i nyere folkeoverlevering (in: Danske Studier). K\u00f8benhavn 1908-09<\/p>\n<p>Olrik, Axel: Myterne om Loke (Festskrift til H.F. Feilberg). K\u00f8benhavn 1911.<\/p>\n<p>Rooth, Anna Birgitta: Loki in Scandinavian Mythology. Lund 1961<\/p>\n<p>Str\u00f6m, Folke: Loki. Ein mythologisches Problem. G\u00f6teborg 1956<\/p>\n<p>Vries, Jan de: The Problem of Loki. Helsinki 1933<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2005 in Herdfeuer 7<span>\u00a0<\/span><\/strong><strong><br \/>\n(leicht \u00fcberarbeitet 2019)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel Die abgelegenen F\u00e4r\u00f6er, eine Gruppe von ca. 25 baumlosen Felseninseln im Nordadtlantik zwischen Schottland und Island, von denen 17 bewohnt sind, wurden (genau wie Island) ab ca. 800 von Norwegen aus besiedelt. 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