{"id":308,"date":"2005-04-27T15:55:38","date_gmt":"2005-04-27T13:55:38","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=308"},"modified":"2025-08-24T20:52:25","modified_gmt":"2025-08-24T18:52:25","slug":"ostara-eine-germanische-goettin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/ostara-eine-germanische-goettin\/","title":{"rendered":"Ostara \u2013 eine germanische G\u00f6ttin?"},"content":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel<\/p>\n<p>Gegen die Existenz dieser G\u00f6ttin werden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (meistens p\u00fcnktlich zu Ostern) auch in popul\u00e4ren Medien heftige Zweifel vorgebracht. Hier eine Bestandsaufnahme der Fakten und Argumente. Gegen die Existenz einer germanischen G\u00f6ttin mit dem Namen Ostara, die mit einem Fr\u00fchlingsfest verbunden gewesen sein soll und auf deren Namen das heutige Osterfest zur\u00fcckgeht, sind sehr viele Bedenken vorgebracht worden. Die Skepsis ist auch nicht ganz unberechtigt.<\/p>\n<p>Andererseits sind die Indizien aber doch nicht so schlecht, wie vielfach behauptet. Vor allem die oft und v\u00f6llig kritiklos nachgebetete Behauptung, Jacob Grimm habe diese G\u00f6ttin erst nachtr\u00e4glich aus dem Namen des Osterfestes erschlossen, verr\u00e4t grundlegende Unkenntnis der Quellen und stellt die Tatsachen auf den Kopf. Denn Grimm bezog sich ja gerade auf eine alte Quelle, die die Existenz der Gottheit behauptet:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEostur-monath, qui nunc paschalis mensis interpretatur, quondam a dea illorum, quae Eostrae vocabatur, et cui in illo festa celebrabant, nomen habuit; a cuius nomine nunc paschale tempus cognominant, consueto antiquae observationis vocabulo gaudia novae solemnitatis vocantes.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDer Ostermonat, der heutzutage als Passah-Monat \u00fcbersetzt wird, hatte fr\u00fcher seinen Namen von einer G\u00f6ttin jener [Leute], welche Eostra genannt wurde, und der sie in jenem [Monat] Feste feiern; von ihrem Namen geben sie der Osterzeit einen Beinamen, indem sie mit der gewohnten Bezeichnung f\u00fcr einen alten Gottesdienst die Freuden einer neuen Feierlichkeit benennen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>So steht es bei Beda Venerabilis (De Temporum Ratione, cap. 15), einem englischen Kleriker, der zu Beginn des 8. Jahrhunderts die heute ma\u00dfgeblichen Quellen \u00fcber die Bekehrung der Angelsachsen und die fr\u00fche Kirchengeschichte Britanniens verfasste. Und mit einer gewissen Beruhigung scheint der geistliche Chronist zu vermerken, dass der fragliche Zeitraum ja nun \u201ePassah-Monat\u201c (paschalis mensis) hei\u00dft, und nicht mehr den heidnischen Namen tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Grimm hat aus dieser Stelle nun auf eine auch im weiteren germanischen Raum bekannte G\u00f6ttin geschlossen, deren Namen er f\u00fcr den Kontinent als \u201eOstara\u201c ansetzt. Diese Form hat er aus dem althochdeutschen Monatsnamen \u201eostarun\u201c abgeleitet, wobei es erwiesen ist, dass das heutige Osterfest nach diesem \u2013 auch im deutschen Raum \u2013 heidnischen (!) Monatsnamen benannt ist und nicht etwa umgekehrt.<\/p>\n<p>Um es gleich zu sagen:<\/p>\n<p>Die von Grimm erschlossene Form \u201eOstara\u201c ist allerdings schon deshalb sehr zweifelhaft, weil niemand wei\u00df, ob sie zu der Zeit, als sich die althochdeutsche Form des Monatsnamens \u201eostarun\u201c entwickelt hatte, \u00fcberhaupt noch verehrt wurde. Denn vom heutigen Norddeutschland abgesehen war der gr\u00f6\u00dfte Teil des Landes da schon christlich. Durch die sprachliche R\u00fcckf\u00fchrung der verschiedenen Formen l\u00e4sst sich aber problemlos die altgermanische Form \u201eAustro\u201c erschlie\u00dfen, was sich einfach mit \u201edie \u00d6stliche\u201c \u00fcbersetzen l\u00e4sst. Und das w\u00e4re dann der alte und korrekte Name der G\u00f6ttin \u2026 wenn es sie denn wirklich gegeben hat.<\/p>\n<p>Im indoeurop\u00e4ischen Kontext ist die G\u00f6ttin au\u00dferordentlich gut belegt. Im Altindischen lautet das Wort \u201eusastara\u201c, die entsprechende G\u00f6ttin Usas, und sie ist die meistgenannte G\u00f6ttin des Rig-Veda. Ihr entspricht die litauische Ausrine, die G\u00f6ttin der Morgend\u00e4mmerung, die mit zahlreichen Mythen bezeugt ist. Sie wird auch als \u201edughtar dievo\u201c (Tochter des Himmels) bezeichnet. Die griechische Eos d\u00fcrfte hinreichend bekannt sein, ebenso die r\u00f6mische Aurora, deren Mythologie aber auf die mater matura (Die Mutter des Morgens) \u00fcbergegangen ist, der eigene Tempel geweiht waren. Die Existenz einer allgemein verbreiteten indoeurop\u00e4ischen G\u00f6ttin der Morgenr\u00f6te und des Sonnenaufgangs, vielleicht des Lichts schlechthin, deren Name auch sprachlich \u00fcberall eng mit unserer hypothetischen Austro verwandt ist, ist damit zweifelsfrei belegt.<\/p>\n<p>All das ist zwar noch kein Beweis daf\u00fcr, dass es sie deshalb bei den Germanen auch gegeben haben muss, denn die individuelle Entwicklung der einzelnen Gottheiten d\u00fcrfte in den indoeurop\u00e4ischen Kulturen nach Trennung der urspr\u00fcnglichen Sprachfamilien noch erhebliche Sonderwege durchlaufen haben. Auf einfache Weise widerlegt wird dadurch aber schon mal die unsinnige Behauptung, dass es au\u00dfer dem deutschen Wort \u201eOstern\u201c \u00fcberhaupt keinen weiteren Anhaltspunkt f\u00fcr die Existenz einer solchen G\u00f6ttin gebe.<\/p>\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt betrifft nun das Originalzitat von Beda selbst. Es wurde n\u00e4mlich auch ihm unterstellt, er habe diese G\u00f6ttin namens Eostra erfunden. So noch am sch\u00e4rfsten Wolfgang Golther in seinem \u201eHandbuch der Germanischen Mythologie\u201c. Golthers Argument ist, dass die germanischen Monate auch sonst nicht nach Gottheiten benannt waren. Er stellt (zu Recht) die Existenz tats\u00e4chlicher Gottheiten hinter den altnordischen Monatsnamen G\u00f3i und \u00feorri in Frage. Allerdings ist das kein schlagkr\u00e4ftiges Argument, denn altnordische Eigenheiten taugen generell schlecht dazu, Fragen zu viel \u00e4lteren kontinentalen Verh\u00e4ltnissen beweisen oder widerlegen zu wollen. Immerhin muss auch er zugeben, dass die germanische Existenz einer G\u00f6ttin der Morgenr\u00f6te durchaus m\u00f6glich, wenn auch (damals!) durch kein \u00fcber Beda hinausgehendes Zeugnis erwiesen war. Auch Simrock h\u00e4lt den Namen der G\u00f6ttin f\u00fcr eine Erfindung Bedas, leugnet aber ebenfalls nicht generell deren m\u00f6gliche Existenz.<\/p>\n<p>Beide Meinungen stammen aus den gef\u00e4hrlichsten Tiefen des 19. Jahrhunderts, und ausgerechnet darauf berufen sich immer eben jene, die sonst nicht genug Gift auf die stets unerm\u00fcdlich angeprangerten Irrwege der \u201eGermanenforschung\u201c genau dieser Zeit spritzen k\u00f6nnen. Alle neueren Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema stehen der Existenz der Eostra denn auch zunehmend positiver gegen\u00fcber. Philippson billigt Bedas Nachricht absolute Glaubw\u00fcrdigkeit zumindest f\u00fcr den angels\u00e4chsischen Bereich zu, ist aber skeptisch, ob es sich um eine im gesamten westgermanischen Gebiet bekannte Gottheit gehandelt habe. De Vries, Simek und andere neuere Arbeiten sehen dagegen kaum Hindernisse f\u00fcr solch eine Annahme.<\/p>\n<p>Bereits Grimm hat die sehr berechtigte Frage gestellt, warum Beda eine heidnische G\u00f6ttin h\u00e4tte erfinden sollen. Kirchliche Chronisten pflegten die alten Gottheiten mit christlichem Abscheu zu betrachten und nannten Namen durchweg nur in den F\u00e4llen, wo es sich absolut nicht vermeiden lie\u00df oder wenn es der Bekehrungspraxis des \u201eteuflischen Blendwerks\u201c dienstbar gemacht werden konnte. Die Vermutung, Beda habe hier eine \u00c4tiologie (d.h. Ursprungserkl\u00e4rung des Namens) geben wollen, ist zwar theoretisch denkbar, angesichts der sonstigen Praxis christlicher Chronisten aber eher unwahrscheinlich und m\u00fcsste zun\u00e4chst einmal \u00fcberzeugend begr\u00fcndet werden, was bezeichnenderweise nie erfolgt ist. Gerade Beda gilt in seinen Nachrichten n\u00e4mlich als sehr zuverl\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Wie steht es nun mit der Annahme, dass die G\u00f6ttin zwar bei Angeln und Sachsen bekannt, dar\u00fcber hinaus aber nicht allgemein verbreitet war? Daf\u00fcr k\u00f6nnte sprechen, dass uns Personennamen mit dem Namensteil nur aus angels\u00e4chsischen Quellen \u00fcberliefert sind: Easterbeald, Easterhild, Easterwine, Easterwulf usw. Gleichzeitig ist deren Vorkommen aber wieder ein starker Hinweis auf die tats\u00e4chliche Existenz der Gottheit, denn Personennamen, die vom Namen eines Monats oder einer Jahreszeit abgeleitet sind, gibt es im germanischen Bereich \u00fcberhaupt nicht. Und die Bedeutung \u201eOst-\u201c als Namensbestandteil w\u00fcrde ebenfalls wenig Sinn ergeben und h\u00e4tte keinerlei gemeingermanischen Parallelen. Die Existenz dieser belegten Personennamen wird in der Diskussion denn auch regelm\u00e4\u00dfig unterschlagen (wohl eher aus Unkenntnis \u00fcber die altenglischen Quellen insgesamt, und nicht aus Ignoranz).<\/p>\n<p>Es gibt eine weitere Seltsamkeit zu kl\u00e4ren: der Name Ostern f\u00fcr das Fest war au\u00dfer in England (wo er sich dann entgegen der frommen Hoffnung Bedas doch gehalten hat) urspr\u00fcnglich nur noch in S\u00fcddeutschland bekannt. Von dort ist er erst in vergleichsweise neuerer Zeit wieder ins allgemeine Hochdeutsch \u00fcbernommen worden. In Norddeutschland hie\u00df Ostern n\u00e4mlich \u00fcber Jahrhunderte \u201ePaschen\u201c, auch Skandinavien kennt nur diese Form (norw.: p\u00e5ske ; isl.: p\u00e1ska), die nat\u00fcrlich \u00fcber das Kirchenlateinische vom hebr\u00e4ischen \u201ePassah\u201c abgleitet ist.<\/p>\n<p>Diese r\u00e4tselhafte geographische Verteilung des Wortes ist zwar nicht ohne Erkl\u00e4rungsversuche geblieben. Beide Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze aber k\u00f6nnen nicht befriedigen.<\/p>\n<p>Einerseits wurde vermutet, dass sich die alte norddeutsche Form \u201ePaschen\u201c durch den starken Einfluss der K\u00f6lner Kirchenprovinz \u00fcber den n\u00f6rdlichen Teil Deutschlands bis nach Skandinavien verbreitet hat und dass dadurch die \u201eOstern-Gebiete\u201c S\u00fcddeutschlands und Englands als Randreliktgebiete stehen geblieben sind. Das w\u00e4re dann ein starkes Argument daf\u00fcr, dass S\u00fcddeutschland auch eine vorchristliche Ostara\/Eostre\/Austro-Tradition besa\u00df.<\/p>\n<p>Die andere Erkl\u00e4rung behauptet, der s\u00fcddeutsche Name sei auf die angels\u00e4chsische Herkunft der dort t\u00e4tigen Missionare zur\u00fcckzuf\u00fchren. Genau diese M\u00f6glichkeit aber bietet zwei Schwierigkeiten: zum einen waren die Missionare eher irischer und nicht angels\u00e4chsischer Herkunft. Zum anderen h\u00e4tten gerade sie doch (wie auch Beda) das biblische \u201ePassah\u201c dem heidnischen Namen des Festes vorgezogen. Dass ausgerechnet sie ohne Not einen heidnischen Namen f\u00fcr ein christliches Fest in Deutschland erst eingef\u00fchrt haben sollen, ist doch sehr unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Nun gibt es noch eine neue und recht spitzfindige Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Wort Ostern. Die beruht auf der Tatsache, dass das altnordische Wort \u201eaustr\u201c (Osten, \u00f6stlich) in einer einzigen Nebenbedeutung auch \u201eWasser\u201c hei\u00dfen kann, von der dann auch die Verbform \u201eausa\u201c (sch\u00f6pfen\/gie\u00dfen\/besprengen) gebildet wurde. Und die Bezeichnung \u201eausa vatni\u201c (mit Wasser besprengen) ist uns aus den skandinavischen Quellen tats\u00e4chlich f\u00fcr die Wasserweihe bei der Namensgebung eines Kindes bekannt. Diese sei nun angeblich eine rein literarische \u00dcbernahme der christlichen Taufe und keineswegs ein heidnischer Ritus. Das Wort Ostern soll also davon abgeleitet sein und somit nichts anderes als \u201eWasserfest\u201c (= Tauffest) bedeutet haben.<\/p>\n<p>Diese Erkl\u00e4rung ist einigerma\u00dfen bizarr, und zwar aus folgenden Gr\u00fcnden: die Nebenbedeutung \u201eWasser\u201c ist im Westgermanischen unbekannt. Man m\u00fcsste also von einer \u00dcbernahme des Wortes fr\u00fchestens erst ab dem 13. Jahrhundert aus dem bereits christlichen Skandinavien nach Deutschland ausgehen, was extrem unwahrscheinlich ist. Der Name ist f\u00fcr den deutschen Bereich aber schon viel fr\u00fcher belegt und reicht hierzulande ganz klar in vorchristliche Zeit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sehr viel entscheidender aber ist, dass in den altnordischen Quellen durchweg und sehr deutlich zwischen heidnischer Wasserweihe und christlicher Taufe differenziert wird: erstere wird mit \u201eausa vatni\u201c (mit Wasser besprengen) bezeichnet, w\u00e4hrend letztere immer mit \u201esk\u00ed\u00adra\u201c (reinigen) bezeichnet wird. \u201eMit Wasser besprengen\u201c kann sich schon allein deshalb nicht auf die christliche Taufe beziehen, weil die damals immer im Untertauchen des ganzen K\u00f6rpers bestand und nicht in der heutigen Form praktiziert wurde, die paradoxerweise wieder der heidnischen Wasserweihe entspricht.<\/p>\n<p>Dass die Wasserweihe bei Neugeborenen ein heidnisches Ritual ist, wird zun\u00e4chst am indoeurop\u00e4ischen Vergleichsmaterial klar, zweitens an den komplizierten Rechtsfolgen des Ritus, die in skandinavischen Quellen des 13. Jh. ausf\u00fchrlich belegt sind (und die sich schwerlich in nur so kurzer christlicher Zeit konstituiert haben k\u00f6nnen), und drittens haben wir eine sehr unverd\u00e4chtige Quelle in einem Brief Papst Gregors d. Gr. an Bonifatius, in dem \u00fcber das Faktum einer bei den germanischen Heiden praktizierten \u201eTaufe\u201c lamentiert wird.<\/p>\n<p>Was in der Diskussion stets (wohl wiederum eher aus Unkenntnis als aus Ignoranz, diesmal allerdings weit schwerer zu rechtfertigen!) unterschlagen wird, ist ein weithin bekannter arch\u00e4ologischer Befund.<\/p>\n<p>1958 hat man in Morken-Harff am Niederrhein \u00fcber 150 Weihesteine aus der Zeit um 200 n.d.Z. entdeckt, die alle einer G\u00f6ttin namens Austriahenae geweiht sind, sodass hier ein bedeutendes Kultzentrum dieser Gottheit nachweisbar ist. Der Name ist eindeutig germanischen Ursprungs und der Namensteil \u201eAustr-\u201c wird \u00fcbereinstimmend als \u201eOsten-\u201c \u00fcbersetzt. Seltsamerweise wird dieser Name trotz v\u00f6lliger sprachlicher \u00dcbereinstimmung nie mit dem der erschlossenen \u201eAustro\u201c in Verbindung gesetzt. Sie war zu dieser Zeit und in dieser Region allerdings bereits mit dem Matronenkult verschmolzen. Die Matronis Austriahenis sind damit aber der am h\u00e4ufigsten belegte Matronenname \u00fcberhaupt. Und es w\u00e4re m\u00f6glich, dass wir hier den \u00fcber 150mal in Stein gehauenen Beweis f\u00fcr die Existenz der erschlossenen Austro vorliegen haben.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fazit:<\/h4>\n<p>Die Existenz der fraglichen Gottheit ist zwar mit etlichen Unsicherheiten behaftet. Im Gegensatz zu vielen anderslautenden Behauptungen ist aber jeder Versuch eines Gegenbeweises mangels \u00fcberzeugender Argumente (und vor allem mangels Kenntnis der harten Fakten!) bisher noch kl\u00e4glicher gescheitert.<\/p>\n<p>Bei all dem erstaunt vor allem die Hartn\u00e4ckigkeit der entsprechenden Versuche, deren Motive und Sto\u00dfrichtungen nicht ganz ersichtlich sind. Denn fast alle in den antiken lateinischen Quellen genannten Gottheitsnamen der Germanen sind mit weit gr\u00f6\u00dferer Unsicherheit behaftet (nur einmal erw\u00e4hnt, keine Entsprechung in den altnordischen Quellen, keine theophoren Orts- oder Personennamen, keine arch\u00e4ologischen Befunde), ohne dass man hier mit vergleichbarem Eifer agitieren w\u00fcrde. K\u00f6nnte es sein, dass die Kritiker einem (schon lange relativierten) Bild des 19. Jahrhunderts verhaftet sind, das in romantischem \u00dcberschwang ein aus literarischer Erw\u00e4hnung und heutigem Osterbrauchtum verkl\u00e4rtes Konstrukt einer Hochg\u00f6ttin postulierte, die auf einem von Hasen gezogenen Wagen \u2013 gef\u00fcllt mit bunten Eiern \u2013 den Fr\u00fchling brachte?<\/p>\n<p>Die R\u00fcckf\u00fchrung heutigen Osterbrauchtums auf eine solche G\u00f6ttin steht in der Tat auf schwachen F\u00fc\u00dfen und l\u00e4sst sich durch nichts belegen. Irgendwelche Formen von Fr\u00fchlingsfeiern, auf die sich vieles noch heute praktiziertes Brauchtum (vor allem Osterfeuer und Maifeierlichkeiten) zur\u00fcckf\u00fchren lassen d\u00fcrfte, sind zwar gut belegt. Auch bemalte Eier als Fruchtbarkeitssymbol sind in vielen Kulturen nachweisbar. Dennoch kann man daraus nicht schlie\u00dfen, dass diese Kombinationen des heutigen Brauchtums uralt sind. Das Lehrst\u00fcck des zwar uralt wirkenden, aber v\u00f6llig neumodischen \u201eWeihnachtsbaumes\u201c sollte in dieser Hinsicht eine gute Lehre sein.<\/p>\n<p>Der Name Ostara ist nicht sehr verl\u00e4sslich. Denn niemand wei\u00df, ob die Namensform der m\u00f6glichen Gottheit den sprachlichen Wechsel des Monatsnamens zum Althochdeutschen noch mitgemacht hat. Mit der Form \u201eAustro\u201c ist man auf alle F\u00e4lle auf der sichereren Seite.<\/p>\n<p>In jedem Fall d\u00fcrfte es sich um eine sehr untergeordnete Gottheit gehandelt haben, die sich weder im Kult noch in der Mythologie, sondern bestenfalls im jahreszeitlichen Brauchtum niedergeschlagen hat. Ihre Stellung d\u00fcrfte eher der der Idisen oder Matronen entsprochen haben. M\u00f6glich ist, dass es sich wirklich nur um eine Personifizierung des Fr\u00fchlings gehandelt hat. Die Indizien sprechen insgesamt aber eher f\u00fcr als gegen ihre Existenz. Den teilweise erbitterten Streit, der sich an der Frage ihrer Existenz entz\u00fcndet hat, hat sie jedenfalls nicht verdient.<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2005 in Herdfeuer 8<\/strong><em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel Gegen die Existenz dieser G\u00f6ttin werden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (meistens p\u00fcnktlich zu Ostern) auch in popul\u00e4ren Medien heftige Zweifel vorgebracht. Hier eine Bestandsaufnahme der Fakten und Argumente. Gegen die Existenz einer germanischen G\u00f6ttin mit dem Namen Ostara, die mit einem Fr\u00fchlingsfest verbunden gewesen sein soll und auf deren Namen das heutige Osterfest&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/ostara-eine-germanische-goettin\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[20,21,15,28,23],"class_list":["post-308","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-goetter-und-andere","tag-asatru","tag-feste","tag-goetter","tag-heidentum","tag-ostara"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=308"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":364,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308\/revisions\/364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}