{"id":299,"date":"2009-06-01T15:45:56","date_gmt":"2009-06-01T13:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=299"},"modified":"2025-08-24T20:48:25","modified_gmt":"2025-08-24T18:48:25","slug":"wo-odin-sich-rat-holt-eine-annaeherung-an-mimir-und-odins-auge-im-brunnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wo-odin-sich-rat-holt-eine-annaeherung-an-mimir-und-odins-auge-im-brunnen\/","title":{"rendered":"Wo Odin sich Rat holt \u2013 Eine Ann\u00e4herung an M\u00edmir und Odins Auge im Brunnen"},"content":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel<\/p>\n<p><strong>1. Die Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Bekanntlich hat Odin eines seiner Augen als \u201ePfand\u201c in M\u00edmirs Brunnen hinterlegt. Wof\u00fcr genau dies als Pfand dienen soll, wird nirgendwo deutlich, es scheint viel mehr eher als Preis daf\u00fcr verstanden zu werden, dass Odin einen Schluck aus diesem Brunnen nehmen durfte, wodurch ihm Weisheit und Wissen zuteil wurde. N\u00fcchtern betrachtet ist das ein recht seltsamer Handel, denn welchen Gewinn oder Nutzen soll M\u00edmir davon haben, dass Odins Auge nun in dem Brunnen ruht? G\u00e4nzlich unverst\u00e4ndlich wird die Sache aber, wenn man dann noch erfahren muss, dass M\u00edmir ausgerechnet \u201eOdins Pfand\u201c \u2013 also sein Auge \u2013 als Trinkgef\u00e4\u00df benutzt, Was soll das nun wieder bedeuten?<\/p>\n<p>Wie bei solchen Fragen \u00fcblich, sollten wir uns zun\u00e4chst den Quellen \u00fcber M\u00edmir selbst zuwenden, was in diesem Fall ihrer \u00fcbersichtlichen Sp\u00e4rlichkeit wegen schnell erledigt ist. In der<span>\u00a0<\/span><em>Ynglinga saga<\/em><span>\u00a0<\/span>berichtet uns Snorri Folgendes:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eOdin zog mit einem Heer gegen die Wanen, aber die waren gut ger\u00fcstet und verteidigten ihr Land, und so siegte bald dieser, bald jener. Beide verheerten des anderen Land und f\u00fcgten sich gegenseitig Schaden zu. Doch als sie des Streits \u00fcberdr\u00fcssig wurden, verabredeten sie eine Zusammenkunft, um sich zu vers\u00f6hnen. Sie schlossen einen Friedensvertrag und stellten gegenseitig Geiseln. Die Wanen gaben ihre Edelsten: Nj\u00f6rd den Reichen und seinen Sohn Frey; die Asen aber sandten einen Mann namens H\u00f6nir. Sie sagten, er eigne sich sehr wohl zum H\u00e4uptling, denn er war gro\u00df und sehr sch\u00f6n. Mit ihm sandten die Asen Mimir, einen sehr weisen Mann, und die Wanen stellten daf\u00fcr den Kl\u00fcgsten aus ihrer Schar, der Kvasir hie\u00df. Als nun H\u00f6nir nach Wanenheim kam, machte man ihn dort gleich zum H\u00e4uptling; Mimir aber beriet ihn in allem. Befand sich H\u00f6nir aber auf einem Thing oder in einer Versammlung und Mimir war nicht in der N\u00e4he, so antwortete er, sobald es um schwierige F\u00e4lle ging, stets in der gleichen Art: \u201eAndere sollen entscheiden!\u201c sagte er dann. Da argw\u00f6hnten die Wanen, die Asen k\u00f6nnten sie beim M\u00e4nneraustausch \u00fcbergangen haben, ergriffen Mimir, schlugen ihm den Kopf ab und sandten diesen zu den Asen. Odin nahm das Haupt, bestrich es mit Kr\u00e4utern, sodass es nicht verwesen konnte, sprach Trollspr\u00fcche dar\u00fcber, und verlieh ihm dadurch solche Macht, dass es zu ihm redete und mancherlei Verborgenes verriet. (Kap. 4) [\u2026] Stets hatte Odin Mimirs Haupt bei sich, und das sagte ihm mancherlei Neuigkeiten aus anderen Welten.\u201c (Kap. 7).<\/p><\/blockquote>\n<p>In Kap. 14 seiner Edda berichtet derselbe Verfasser:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDoch unter jener Wurzel, die sich zu den Reifriesen wendet, befindet sich der Mimirbrunnen, in welchem Klugheit und Verstand verborgen sind; und der Besitzer des Brunnens hei\u00dft Mimir. Er ist voller Weisheit, weil er aus dem Brunnen trinkt mit dem Gjalllarhorn. Dorthin kam einst Allvater und erbat sich einen Trunk aus dem Brunnen; aber er bekam ihn nicht, bevor er eines seiner Augen als Pfand hinterlegt hatte. So hei\u00dft es in der V\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Wohl wei\u00df ich, Odin,<br \/>\nwo du dein Auge bargst,<br \/>\nin dem ber\u00fchmten<br \/>\nMimirbrunnen.<br \/>\nMet trinkt Mimir<br \/>\njeden Morgen<br \/>\naus Walvaters Pfand.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In dieser Darstellung vermeidet Snorri jegliche Erw\u00e4hnung M\u00edmirs als abgetrennten Kopf \u2013 und zwar offensichtlich ganz bewusst, denn in seiner Nacherz\u00e4hlung der<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em><span>\u00a0<\/span>\u00e4ndert er die Zeile \u201eOdin murmelt mit Mimirs Haupt\u201c zu \u201eDann reitet Odin zum Mimir-Brunnen und holt Rat bei Mimir\u201c, obwohl er kurz darauf die entsprechende Originalstrophe korrekt zitiert (Kap. 51). Dass er dabei die<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em><span>\u00a0<\/span>nacherz\u00e4hlt, und nicht etwa eine andere Quelle, wird dadurch klar, dass er danach mit dem Erzittern des Weltenbaumes fortf\u00e4hrt, genau wie die<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1.<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber diese zwei erz\u00e4hlenden Stellen hinaus gibt es nur noch wenige und sehr verstreute Verbindungen zu M\u00edmir. Die einzige weitere Erw\u00e4hnung M\u00edmirs in der Lieder-Edda findet sich in<span>\u00a0<\/span><em>Sigrdr\u00edfum\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>13-14, wobei sich eine solche in Str. 13 allerdngs nur vermuten l\u00e4sst:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSinnrunen sollst du kennen,<br \/>\nwenn du geistesst\u00e4rker sein willst,<br \/>\nals jeder [andere] Mann.<br \/>\nEs deutet sie, es ritzte sie,<br \/>\nes erdachte sie Hroptr,<br \/>\naus der Fl\u00fcssigkeit,<br \/>\ndie getropft ist<br \/>\naus Hei\u00f0draupnirs Sch\u00e4del<br \/>\nund aus Hoddrofnirs Horn.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hroptr ist ein auch anderweitig belegter Odinsname, die Namen Hei\u00f0draupnir (Klar-Tropfer) und Hoddrofnir (Schatz-Rei\u00dfer) dagegen tauchen nur hier auf. Da der Zusammenhang der Stelle sich auf das Runenweistums Odins bezieht, wurde hier die Darstellung des Gottes vermutet, wie er den Trank aus M\u00edmirs Brunnen der Weisheit zu sich nimmt, der ihn danach erst zum Finden der Runen bef\u00e4higt habe. Deshalb wurden beide Begriffe auf M\u00edmir bezogen \u2013 wohl auch wegen der \u00c4hnlichkeit zu dem Namen Hoddmimir (Schatz-M\u00edmir) in<span>\u00a0<\/span><em>Vaf\u00fer\u00fa\u00f0nism\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>45 (den man wiederum auf den Schatz verborgenen Weistums M\u00edmirs bezog, oder vielleicht auch auf die tats\u00e4chlichen Reicht\u00fcmer, deren H\u00fcter er sein k\u00f6nnte). In Hei\u00f0draupnirs Sch\u00e4del (vermutlich M\u00edmirs Kopf) und Hoddrofnirs Horn (vermeintlich das Gjallarhorn) vermutete man somit die dem Brunnen zugeh\u00f6rigen Trinkgef\u00e4\u00dfe,<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>derer Odin sich bei diesem mythisch zentralen Akt bediente, um sich diese wertvolle Fl\u00fcssigkeit einverleiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gegen diese phantasievolle Deutung hat aber Klaus von See sehr ern\u00fcchternde Einw\u00e4nde vorgebracht:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eH\u00f6rner werden zwar als Trinkh\u00f6rner und Sch\u00e4del gelegentlich als Trinkschalen verwendet [\u2026], doch deutet nichts darauf hin, dass sich<span>\u00a0<\/span><em>hauss<\/em><span>\u00a0<\/span>(Sch\u00e4del) hier auf etwas anderes als einen Sch\u00e4del als K\u00f6rperteil bezieht. Eine Identit\u00e4t von Hei\u00f0draupnirs Sch\u00e4del mit M\u00edmirs Kopf ist unplausibel: Sie h\u00e4tte zur Folge, da\u00df Odin aus M\u00edmirs Kopf tr\u00e4nke, der auch zu ihm spr\u00e4che. Aufgrund der parallelen Ausdrucksweise w\u00e4re dann das Horn Hoddrofnirs als Horn auf einem Tier zu deuten. Grm. 26 bietet einen Beleg f\u00fcr das Motiv, da\u00df Fl\u00fcssigkeit aus dem Horn eines mythischen Tiers (Hirsch) trieft: Dieser Hirsch mit dem Namen Eik\u00feyrnir steht auf Odins Halle und \u00e4st von den Zweigen eines mythischen Baumes, und von seinen H\u00f6rnern tropft es in Hvergelmir hinein, von dort nehmen alle Gew\u00e4sser ihren Lauf. Von den H\u00f6rnern dieses Hirsches stammt also die Fl\u00fcssigkeit, aus der sich alle Fl\u00fcsse speisen.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Andererseits hatte man hinter dem Begriff \u201eHei\u00f0draupnirs Sch\u00e4del\u201c aber auch die Vorstellung zu sehen versucht, dass von M\u00edmirs Kopf das Wasser seines Brunnens tropft, wenn er sich daraus erhebt, und dass man sich diese Fl\u00fcssigkeit nicht blo\u00df als Wasser, sondern als den magischen Met der Weisheit dachte, denn<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em><span>\u00a0<\/span>28 erw\u00e4hnt, dass M\u00edmir Met trinkt, und das Element<span>\u00a0<\/span><em>hei\u00f0-<\/em><span>\u00a0<\/span>kann auch f\u00fcr \u201eklaren Met\u201c stehen.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Zu der Frage, ob es sich bei dem Trunk aus M\u00edmirs Brunnen denn nun um Wasser oder Met handelt, erkl\u00e4rt die amerikanische Religionswissenschaftlerin Kris Kershaw:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich ist es Met und nicht Wasser, was Mimir aus Odins Pfand trinkt, aber es scheint nicht problematisch, da\u00df Met aus einer mythischen Quelle flie\u00dft, und schlie\u00dflich ist Odin derjenige Gott, der den Dichtermet f\u00fcr G\u00f6tter und Menschen errungen hat und ihn verteilt. Bedenken wir all das, wof\u00fcr der indoeurop\u00e4ische Dichter stand: Der Trunk verleiht kein Talent zum Versemachen, sondern inspirierte Weisheit, g\u00f6ttliche Wahrheit. Der Gewinn des inspirierenden Trunkes ist ein indoeurop\u00e4isches Erbe, aber die Inspiration ist Odins Anteil, mit Met oder ohne.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die unmittelbar darauf folgende Strophe 14 ist leider nicht weniger r\u00e4tselhaft<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eAuf dem Berg stand er<br \/>\nmit den Schneiden des Schwertes,<br \/>\nhatte einen Helm auf dem Kopf;<br \/>\nda sprach Mimirs Kopf<br \/>\nkundig das erste Wort<br \/>\nund sagte wahre St\u00e4be.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Bedeutet dies lediglich, dass Odin (wenn es sich trotz des f\u00fcr ihn g\u00e4nzlich un\u00fcblichen Schwertes denn \u00fcberhaupt um ihn handelt) M\u00edmirs Kopf in einer Krisensituation befragt, wie in der<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em>? Oder wird hier angedeutet, dass er selbst M\u00edmir soeben enthauptet hat und der Kopf nun erstmals zu ihm spricht? Und wenn das gemeint sein sollte, gibt es dann eine Verbindung zu<span>\u00a0<\/span><em>Gr\u00edmnism\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>50? Dort br\u00fcstet sich Odin:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSvi\u00f0urr und Svi\u00f0rir hie\u00df ich bei S\u00f6kkmimir,<br \/>\nals ich den alten Riesen \u00fcberlistete,<br \/>\nund ich allein t\u00f6tete Mi\u00f0vitnirs ber\u00fchmten Sohn.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dazu abermals Klaus von See:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eNach allgemeiner Auffassung bezieht sich die Wortfolge in Str. 14 auf Odin, der also den Worten lauscht, die von M\u00edmirs Kopf gesprochen werden [\u2026]. Odins Auftreten mit Helm und Schwert hat ein kriegerisches Gepr\u00e4ge und deutet eine kriegerische Situation an, f\u00fcr deren Hintergrund die Strophe aber keine Erkl\u00e4rung bietet. In dieser Situation empf\u00e4ngt Odin M\u00edmirs Mitteilung \u00fcber die mythischen Runen, und zwar von \u201aM\u00edmirs Kopf\u2018. Vsp. 46 bietet hier eine auffallende Parallele. Mit<span>\u00a0<\/span><em>Mims hofu\u00f0<\/em><span>\u00a0<\/span>[M\u00edmirs Haupt] redet Odin, als Heimdallr mit dem Sto\u00df ins Gjallarhorn das Warnsignal gibt, da\u00df die Weltuntergangszeit begonnen hat. Weder Sd. 14 noch Vsp. 46 erkl\u00e4ren den Hintergrund von \u201aM\u00edmirs Kopf\u2018, doch ist wohl kaum davon auszugehen, da\u00df die Schilderung des bewaffneten Odins und die anschlie\u00dfende Erw\u00e4hnung von M\u00edmirs Kopf in Sd. 14 andeuten soll, da\u00df Odin M\u00edmir enthauptet habe [\u2026]. Gegen ein solches feindseliges Verh\u00e4ltnis zwischen Odin und M\u00edmir spricht die Bezeichnung Odins als<span>\u00a0<\/span><em>M\u00edmmis vinr<\/em><span>\u00a0<\/span>[Mimirs Freund] in Egills<span>\u00a0<\/span><em>Sonatorrek.<\/em><span>\u00a0<\/span>Odins Auftreten in Bewaffnung, als er M\u00edmirs Mitteilung \u00fcber die mythischen Runen empf\u00e4ngt (Sd. 14), deutet wohl eine Krisensituation an, bei der Odin M\u00edmirs Wissen einholt, wie er dies bei der anbrechenden Weltuntergangssituation tut (Vsp. 46) [\u2026]. Die Erw\u00e4hnung von M\u00edmirs Kopf als Sprecher oder als Odins Gespr\u00e4chspartner (Vsp. 46) impliziert, da\u00df nur der Kopf \u2013 und nicht der ganze K\u00f6rper \u2013 M\u00edmirs vorhanden ist.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Mehr kann man der Stelle tats\u00e4chlich nicht entnehmen, will man nicht in haltlose Spekulationen abgleiten, f\u00fcr die es im Text selbst keine Grundlagen gibt. F\u00fcr ein weiteres Verst\u00e4ndnis der Zusammenh\u00e4nge hilft sie also nicht weiter, und auch Snorri hat die beiden Strophen nicht verwendet, m\u00f6glicherweise deshalb nicht, weil sie auch ihm bereits nicht mehr ganz durchsichtig waren (oder weil er sie einfach nicht kannte).<\/p>\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber seien hier noch die wenigen weiteren eddischen Zusammenh\u00e4nge genannt: der Name S\u00f6kkm\u00edmir (d.h. M\u00edmir der Tiefen), wohl auf einen Riesen bezogen, den Odin aufsuchte (<em>Gr\u00edmnism\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>50, dem dortigen Zusammenhang nach auf der Suche nach dem magischen Met), die Namen M\u00edmamei\u00f0r (<em>Fj\u00f6lvinnsm\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>10-22) und<span>\u00a0<\/span><em>Hoddm\u00edmis holt<\/em><span>\u00a0<\/span>(<em>Vaf\u00fer\u00fa\u00f0nism\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>45), die beide auf den Weltenbaum bezogen werden und wobei der letztere \u201eSchatzm\u00edmirs Holz\u201c bedeutet.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden bez\u00fcglich M\u00edmirs folgende Namensverbindungen vermutet: Mimigernaford (der alts\u00e4chsische Name f\u00fcr M\u00fcnster \/Westf.), Mimileba (das heutige Memleben an der Unstrut), das Fl\u00fcsschen Miming im Odenwald, der schwedische<span>\u00a0<\/span><em>Mimes sj\u00f6<\/em><span>\u00a0<\/span>(Mimirs See) und<span>\u00a0<\/span><em>Mimes \u00e5<\/em><span>\u00a0<\/span>(Mimirs Bach). Wolfgang Golther f\u00fchrt noch auf:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie deutsche Heldensage (<em>Biterolf<\/em><span>\u00a0<\/span>124 ff.) gedenkt eines klugen Schmiedemeisters, der zwanzig Meilen hinter Toledo sa\u00df, Mime gehei\u00dfen. Der schuf die besten Schwerter, die auf der Welt zu finden waren. Wielands Schwert Miming, das Witige f\u00fchrte, war Mime zu Ehren so gehei\u00dfen. In der Thidrekssaga ist Mimir der Lehrmeister Sigfrieds. Saxo erw\u00e4hnt noch einen Waldgeist (<em>Mimingo silvarum satyro<\/em>), der wunderbare Geschmeide, Schwert und Armring besitzt. Mimir in den nordischen Quellen ist Riese. In der Heldensage aber erscheint er als Zwerg und kunstfertiger Alb. Elbische und riesische Wesen gehen ja h\u00e4ufig ineinander \u00fcber.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Aussagen der Quellen lassen sich so zusammenfassen: Zum einen wird M\u00edmir als Ase dargestellt, der bei dem Geiselaustausch zu den Wanen wechselt und dort enthauptet wird. Zum anderen ist er der H\u00fcter eines Brunnens, der den Andeutungen nach im Riesenreich liegt. Da sein Name auch in Aufz\u00e4hlungen von Riesennamen auftaucht, ist er dieser Vorstellung nach also ein Riese. Und er scheint auf gewisse Weise eng mit dem Weltenbaum verbunden, da sein Name auch in Benennungen des Baumes mit einflie\u00dft.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Die \u00e4ltere Forschung<\/strong><\/h4>\n<p>Die Widerspr\u00fcchlichkeit dieser Aussagen, die \u00e4rgerlicherweise ja auch noch demselben Verfasser \u2013 n\u00e4mlich Snorri Sturluson \u2013 entstammen, hat der Forschung verst\u00e4ndlicherweise gro\u00dfe Probleme bereitet. Etliche Wissenschaftler empfanden es deshalb als unm\u00f6glich, diese Gegens\u00e4tze in Einklang zu bringen, sodass gerade die \u00e4ltere Forschung hier zeitweise von zwei v\u00f6llig unterschiedlichen Figuren ausgegangen ist, die urspr\u00fcnglich nichts miteinander zu tun hatten.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Tats\u00e4chlich wird das Verst\u00e4ndnis dieser r\u00e4tselhaften Figur auch noch dadurch erschwert, dass ihr Name in drei unterschiedlichen Formen vorkommt: M\u00edmr, M\u00edmi und M\u00edmir, was Jan de Vries als bedeutsam empfindet, was wahrscheinlich aber nur den Notwendigkeiten des Versrhythmus entspringt. De Vries geht zwar nicht mehr von g\u00e4nzlich unterschiedlichen Figuren aus, vermutet aber ebenfalls noch, dass hier ganz Unterschiedliches zusammengeflossen ist:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eVielleicht d\u00fcrfen wir die Verschiedenheit so erkl\u00e4ren, da\u00df ein weiser Riese, der besondere Kenntnisse besa\u00df (wie Vaf\u00fer\u00fa\u00f0nir), den Namen M\u00edm(i)r hatte; bei der Ausbildung seines Mythus hat man entweder an das Motiv des weissagenden Kopfes oder an die Vorstellung der Orakelquelle angekn\u00fcpft.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Andere erw\u00e4gen, er sei urspr\u00fcnglich ein Wassergott gewesen und der Begriff \u201eM\u00edmirs Haupt\u201c in der<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em><span>\u00a0<\/span>bezeichne den Brunnen- oder Quellenkopf, also die Stelle, an der das Wasser austritt. Diese Umschreibung sei sp\u00e4ter w\u00f6rtlich verstanden worden, und die Erz\u00e4hlung von dem mumifizierten und weissagenden Kopf sei aus alten Erinnerungen an archaische Kopfjagd und nekromantische Praktiken entstanden. Auch wurde erwogen, M\u00edmir lebe k\u00f6rperlich unversehrt in dem Wasser des Brunnens und erhebe bei seinen Prophezeihungen lediglich den Kopf aus dem Wasser.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Golther geht von einem gemeingermanischen Wasserriesen aus, dessen urspr\u00fcnglichen Namen er als Mimiaz oder Mimio erschlie\u00dft, und interpretiert ihn auf sehr eigene Weise:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eTiefe Weisheit ist \u00fcberall mit diesem Wesen verkn\u00fcpft. Seine Behausung ist Wald und Wildnis. Gew\u00e4sser sind nach ihm benannt. Im Norden ist er von der Quelle unzertrennlich. Beherrscher der Gew\u00e4sser ist Mimir wohl schon von Anfang an. Seen, Fl\u00fcsse, W\u00e4lder und B\u00e4ume, die mit seinem Namen in Verbindung stehen, belehren, dass wir keinen Meerriesen, sondern den Herrn der Binnengew\u00e4sser vor uns haben. Damit treten wir der Urgestalt des Mimiaz n\u00e4her. Die Germanen dachten sich darunter einen urweisen Wasserriesen, der im geheimnisvollen Dunkel tiefer Haine an murmelnden Quellen oder zauberisch wallenden Bergseen zu Hause war. Seine S\u00f6hne, die Fl\u00fcsse, str\u00f6men zu den Menschen. Wer ihrem Ursprung nachging, bis in die Nacht des Urwalds zum geheiligten Baume, aus dessen Wurzeln der Quell hervorsprudelte, wo Mimir sein Haupt barg, der stand am Urquell allen Wissens.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Richard M. Meyer geht von einem urspr\u00fcnglichen \u201eGeist der still rauschenden Waldquelle\u201c aus:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eRekapitulieren wir, so scheint es sicher, da\u00df Mimir ein gemein-germanischer kollektiver Geist der wahrsagenden Waldquellen war, und da\u00df er erst im Norden zum geistigen Schwerthalter und B\u00fcchsenspanner Odins wurde. Wahrscheinlich mu\u00dfte der h\u00f6chste Gott ihn zum ersten \u00d6ffnen des Mundes zwingen, wie Proteus und andere prophezeiende Wassergeister durch Gewalt zum Reden gebracht werden m\u00fcssen: Odin stand auf dem Berg (wo die Waldquelle entspringt?) in voller R\u00fcstung und bedrohte den Geist wie Skirnir die Gerd mit dem Schwert bedroht.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>[Letzteres bezieht sich auf die oben zitierte Strophe aus<span>\u00a0<\/span><em>Sigrdr\u00edfum\u00e1l<\/em>].<\/p>\n<p>Wilhelm Gr\u00f6nbech kann \u2013 seinem Forschungsansatz gem\u00e4\u00df \u2013 in dem gesamten Mythos nur eine Widerspiegelung kultischer Praktiken erkennen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Weisheit, die durch das Bl\u00f3t geschaffen wurde, war in den heiligen Gew\u00e4ssern unter dem Baum verborgen; gute Ratschl\u00e4ge, Weissagungen und Wahrzeichen flossen aus der Quelle und wurden durch kultische Mittel aufgespeichert; aus der Quelle wurde das Schicksal geboren oder, in mythischer Vermenschlichung, die Nornen, die Hamingjas, die den Menschen Zukunftsheil geben. Diese Weisheit oder Macht der guten Weissagung war vertreten durch Mimir, den Berater Odins. Manchmal erscheint Mimir als ein Haupt, und ein Mythos, den Snorri wiedergibt, erkl\u00e4rt, wie es kam, da\u00df sein Haupt von seinem K\u00f6rper getrennt und zum Zwecke der Weissagung bewahrt wurde. Die Sage ist in einer kultischen Tatsache begr\u00fcndet: ein weissagendes Haupt \u2013 das entweder in dem Sch\u00e4del des Opfertieres oder im Kessel oder noch wahrscheinlicher in beiden Symbolen vermutet werden kann \u2013 stellte Mimir, die Macht der Weisheit, dar. Mimirs Quelle, der Bierbottich, bildete den Mittelpunkt in einem kultischen Auftritt, auf welchen der Vers der V\u00f6luspa hinweist, und ebenso die belehrende Prosa der j\u00fcngeren Edda, wo Odin sein Auge verpf\u00e4ndet, um Weisheit zu erlangen. Da aber die \u00dcberlieferung so aberissen ist und uns jede Vergeichsm\u00f6glichkeit fehlt, sind alle Versuche, den kultischen Vorgang wiederherzustellen, von vornherein verfehlt.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>All diese alten Erkl\u00e4rungen erwecken verd\u00e4chtig den Eindruck bewusster Vereinfachung, die deshalb heute auch wenig \u00fcberzeugend wirken \u2013 vor allem, wenn man die Schriftquellen selbst als Ma\u00dfstab anlegt. Wenn \u201eMimirs Haupt\u201c lediglich \u201eBrunnenkopf von Mimirs Quelle\u201c bedeuten w\u00fcrde, bleibt unverst\u00e4ndlich, wie Odin mit ihm reden und es selbst sprechen k\u00f6nnte. Die einzige Erkl\u00e4rung daf\u00fcr w\u00e4re dann die Annahme einer Orakelpraxis, die auf den Ger\u00e4uschen des sprudelnden Wassers beruhte. Es gibt aber nicht den geringsten Hinweis darauf, dass solch eine Praxis im heidnischen Norden bekannt war oder praktiziert wurde.<\/p>\n<p>Ist es also m\u00f6glich, eine Erkl\u00e4rung zu finden, die einerseits die Widerspr\u00fcche besser aufl\u00f6st ohne sich dabei andererseits zu weit von den w\u00f6rtlichen Aussagen der Quellen zu entfernen? Um uns einer solchen Erkl\u00e4rung zumindest ann\u00e4hern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir die zwei Motivkomplexe des Kopfes und des Auges in der Quelle getrennt voneinander betrachten, k\u00f6nnen dabei aber gl\u00fccklicherweise auf vielf\u00e4ltige neuere Befunde zur\u00fcckgreifen, die der \u00e4lteren Forschung (und somit auch dem Wissensstand heutiger Heiden) noch nicht zug\u00e4nglich waren.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Der Kopf in dem Brunnen<\/strong><\/h4>\n<p>Bei diesem Motiv m\u00fcssen wir den Blick zun\u00e4chst auf den gut belegten keltischen Kopfkult richten, der zumindest f\u00fcr die Gallier gleicherma\u00dfen arch\u00e4ologisch wie literarisch nachweisbar ist. Sie waren leidenschaftliche Kopfj\u00e4ger, die die K\u00f6pfe ihrer get\u00f6teten Feinde einbalsamierten und um so h\u00f6her in Ehren hielten, je namhafter der Get\u00f6tete war:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie K\u00f6pfe der gefallenen Feinde hauen sie ab und binden sie ihren Pferden um den Hals; die blutige R\u00fcstung geben sie ihren Dienern und lassen sie unter Jubelgeschrei und Siegesliedern zur Schau tragen. Zu Hause nageln sie dann diese Ehrenzeichen an die Wand, gerade als h\u00e4tten sie auf der Jagd ein Wild erlegt. Die K\u00f6pfe der Vornehmsten unter ihren Feinden balsamieren sie mit Zedern-\u00d6l ein, bewahren sie in einem Kasten sorgf\u00e4ltig auf und zeigen sie stolz Fremden. Manch einer r\u00fchmt sich, f\u00fcr diesen Kopf habe man einem seiner Vorfahren, seinem Vater oder ihm selbst viel Geld geboten, aber er habe ihn nicht weggegeben, selbst dann nicht, wenn man das Gewicht des Kopfes mit Gold aufzuwiegen anbot.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Abschlagen von K\u00f6pfen war jene keltische Tradition, \u00fcber die R\u00f6mer und Griechen sich gleicherma\u00dfen emp\u00f6rten, weil das f\u00fcr sie religi\u00f6s wie moralisch eine Entweihung der Toten darstellte, und etliche Quellen belegen den Abscheu der R\u00f6mer gegen\u00fcber dieser Sitte bei ihren gallischen Soldaten, an die sie sich im Lauf der Zeit aber zwangsl\u00e4ufig gew\u00f6hnen mussten.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Diese grausame Praxis d\u00fcrfte mehreren Zwecken gedient haben, am deutlichsten nat\u00fcrlich dem konkreten Beweis f\u00fcr den Mut eines Krieges beim Besiegen des Gegners. Derartige Troph\u00e4en waren wohl \u00fcberaus prestigetr\u00e4chtig. Daneben mag die Kopfj\u00e4gerei religi\u00f6se Grunde gehabt haben: Nach keltischem Glauben (und heutiger Erkenntnis) wohnte der Geist des Menschen im Sch\u00e4del, und mit dem Besitz des Sch\u00e4dels eines Feindes glaubten sie wohl, auch die Herrschaft \u00fcber dessen Geist zu besitzen.<\/p>\n<p>Kaum ein popul\u00e4rwissenschaftliches Buch \u00fcber die Kelten kommt ohne die Abbildung der wie ein Tor gestalteten Steinkonstruktion des Tempels von Roquepertuse aus (15 km westlich von Aix-en-Provence), der dem keltisch-ligurischen Volk der Salluvier zugeschrieben wird, in der die exakt gestalteten Nischen f\u00fcr Sch\u00e4del auch mit solchen best\u00fcckt sind. Der Regisseur Peter Jackson hat diese Konstruktion recht genau in Teil 3 seiner Verfilmung von<span>\u00a0<\/span><em>Der Herr der Ringe<\/em><span>\u00a0<\/span>als Eingang in den Berg der Toten \u00fcbernommen. Weitere arch\u00e4ologische Belege sind aber auch aus Entremont (n\u00f6rdlich von Marseille) belegt, der ehemaligen Hauptstadt der Salluvier, wo Skulpturen mit aufgeschichteten Sch\u00e4deln im Scho\u00df und die Deponierung der Sch\u00e4deldecken von f\u00fcnfzehn m\u00e4nnlichen Erwachsenen gefunden wurden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gab es bei den Kelten offenbar aber auch eine enge Beziehung zwischen abgetrennten K\u00f6pfen und heiligen Gew\u00e4ssern. Gew\u00e4sserkulte sind nat\u00fcrlich weltweit verbreitet, gerade im keltischen Bereich haben sie allerdings auch die Christianisierung \u00fcberlebt, da die irischen Bekehrer diese Kulte nicht auszurotten, sondern sie von den heidnischen Gottheiten auf christliche Heilige zu \u00fcbertragen versuchten.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Als man 1876 bei einer arch\u00e4ologischen Grabung nahe dem schottischen Carrawburgh \u2013 in unmittelbarer N\u00e4he der r\u00f6mischen Festung Procolitia am Hadrianswall \u2013 einen Brunnen untersuchte, der einstmals der G\u00f6ttin Coventina geweiht war, fanden sich darin neben Keramik und anderen Gegenst\u00e4nden auch zahlreiche Kopfdarstellungen aus Bronze sowie ein echter menschlicher Sch\u00e4del. Das wurde zu diesem Zeitpunkt noch als Kuriosit\u00e4t empfunden, die arch\u00e4ologischen Befunde im Verlauf des 20. Jahrhunderts haben aber zahlreiche weitere Beispiele von Sch\u00e4deln in Brunnen erbracht \u2013 und das nicht nur aus dem keltischen Britannien. Auch in Trelleborg auf der d\u00e4nischen Insel Seeland wurden von Arch\u00e4ologen sechs Brunnen aus der Zeit vor 1000 untersucht, in denen sich neben anderen Objekten ebenfalls ein Sch\u00e4del fand. Die kreisf\u00f6rmigen Umschlie\u00dfungen dort, die genaue Parallelen zu den keltischen Opferbrunnen Britanniens haben, deuten auf eine ebenfalls kultische Verehrung dieser Pl\u00e4tze hin. In dem durch den Fluss Axe gespeisten H\u00f6hlensee von Wookey Hole in Somerset wurden zun\u00e4chst drei, bei einer Nachuntersuchung aber vierzehn weitere Sch\u00e4del gefunden \u2013 abermals in Verbindung mit Keramik, die auf die zwei ersten nachchristlichen Jahrhunderte datierbar war, als der keltische Kopfkult noch in voller Bl\u00fcte stand. Auch wenn es keine Anzeichen daf\u00fcr gibt, dass an diesem Ort selbst Menschenopfer durchgef\u00fchrt wurden, handelt es sich aber doch zweifellos um religi\u00f6se Opferniederlegungen.<\/p>\n<p>Diese zahlreichen arch\u00e4ologischen Befunde werden durch literarische Quellen gest\u00fctzt. In Wales galt ein Sch\u00e4del oftmals als W\u00e4chter und H\u00fcter eines Brunnens oder einer Quelle. Aus zeitgleichen schottischen \u00dcberlieferungen wird der Glaube deutlich, dass das Trinken von Fr\u00fchlingswasser aus dem Sch\u00e4del eines Vorfahren als wirkungsvolles Heilmittel gegen Epilepsie galt, was noch bis in das 20. Jahrhundert hinein geglaubt wurde. Auch in den irischen Quellen findet sich die feste Verbindung von Brunnen, Heilquellen und abgetrennten K\u00f6pfen, was sich durchweg in Erz\u00e4hlungen \u00e4u\u00dfert, in denen der Kopf eines Erschlagenen in einem Brunnen versenkt wurde, der danach dann h\u00e4ufig den Namen des Get\u00f6teten trug. Die Brunnen erlangten dadurch oft magische Eigenschaften. So spendete ein irischer Brunnen daraufhin zu einer Jahreszeit salziges, zu einer anderen s\u00fc\u00dfes Wasser, und galt damit als eines der gro\u00dfen Wunder Irlands. In einem anderen Fall deponiert Riach, der einzige \u00dcberlebende einer gro\u00dfen Schlacht, die K\u00f6pfe der Erschlagenen in einem Brunnen. Da ihm klar ist, dass der Brunnen dadurch gro\u00dfe Macht gewinnt, l\u00e4sst er ein starkes Bauwerk mit einem Tor darin \u00fcber ihm errichten. Dessen ungeachtet brodelt der erboste Brunnen aber so gewaltig auf, dass sein Wasser tausend M\u00e4nner ertr\u00e4nkt, unter ihnen auch Riach selbst.<\/p>\n<p>Das Thema h\u00e4lt sich unver\u00e4ndert auch in zahlreichen fr\u00fchen Heiligenlegenden. Unter den Geschichten \u00fcber den heiligen Melor \u2013 Schutzpatron von Cornwall und der Bretagne \u2013 findet sich auch die Erz\u00e4hlung \u00fcber seine Ermordung. Sein M\u00f6rder hatte ihm den Kopf abgeschlagen, um ihn dem niedertr\u00e4chtigen Onkel des Heiligen zu \u00fcberbringen, der den Mord in Auftrag gegeben hatte. Unterwegs aber \u00fcberfiel den Mann eine solche Mattigkeit und ein Durst, dass er sein Ende nahe glaubte. In seiner Not begann er um Hilfe zu rufen. Da begann der Kopf, den er trug, pl\u00f6tzlich zu sprechen, und wies ihn an, seinen Stab fest in die Erde zu sto\u00dfen. Der schlug sofort Wurzeln, daraus wurde ein wundersch\u00f6ner Baum mit Fr\u00fcchten, und zwischen seinen Wurzeln begann eine Quelle zu sprudeln, in die der Heilige seinen Kopf zu deponieren befahl. Auch f\u00fcr eine der heiligen Quellen im gallischen Alesia gibt es die Umdeutung auf einen M\u00e4rtyrer aus dem 3. Jahrhundert, dessen Kopf nach seiner Enthauptung bei Ber\u00fchrung mit dem Boden diese Quelle entstehen lie\u00df.<\/p>\n<p>Aus Wales liegen gleichartige \u00dcberlieferungen vor: Als die heilige Lludd enthauptet wurde, rollte ihr Kopf einen H\u00fcgel hinab, bis er an einem Felsen liegen blieb, aus dem daraufhin sofort eine heilkr\u00e4ftige Quelle entsprang. Weit weniger segensreich verlief die Enthauptung des heiligen Cynog w\u00e4hrend seiner Sonntagspredigt in Brecknockshire: Zwar verbl\u00fcffte der Heilige die Zeitzeugen dadurch, dass er nach seiner Enthauptung selbst seinen Kopf aufhob und ihn noch bis zu einem Brunnen trug, um ihn eigenh\u00e4ndig darin zu versenken. Der Brunnen selbst aber trocknete dadurch auf der Stelle aus.<\/p>\n<p>Diese Belege lassen sich vielfach vermehren, und sie beweisen, dass die heidnische Vorstellung eines Kopfes in einem Brunnen oder einer Quelle eine feste religi\u00f6se Gr\u00f6\u00dfe war, die auch in nachheidnischer Zeit noch ein z\u00e4hes Weiterleben bewies, wobei aber der Hinweis wichtig ist, dass es sich in fast all diesen keltischen F\u00e4llen um Quellen oder Brunnen handelte, deren Wasser Heilkr\u00e4fte zugeschrieben wurden. In den keltischen Gebieten der Britischen Inseln tragen noch heute zahlreiche Quellen und Brunnen den Namen<span>\u00a0<\/span><em>Well of the Heads<\/em>. Vor allem im g\u00e4lischen Schottland finden sich daf\u00fcr erstaunlich viele Beispiele, wobei die urspr\u00fcngliche kultische Bedeutung allerdings durch Sagen und pesudo-historische Erz\u00e4hlungen \u00fcberlagert wurde, mit deren Hilfe eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die kultische Verehrung geschaffen wurde, als deren Urspr\u00fcnge auch von den Einheimischen selbst nicht mehr verstanden wurden.<\/p>\n<p>Letzteres ist auch unser Hauptproblem, denn f\u00fcr uns ist genauso wenig mehr nachvollziehbar, welche genauen religi\u00f6sen oder magischen Vorstellungen mit einem abgeschlagenen menschlichen Kopf in einer Quelle oder einem Brunnen verbunden gewesen sein m\u00f6gen. Wir k\u00f6nnen nur feststellen, dass dem in heidnischer Zeit offenbar so war. Die Keltologin Anne Ross kommt angesichts dieser Befunde denn auch bez\u00fcglich des M\u00edmir-Mythos zu dem Schluss:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Abtrennung des Kopfes vom K\u00f6rper, die Haltbarmachung, die Beziehung zu einem Brunnen oder einer Quelle, die einer Gottheit lieb war, und seine prophetischen Gaben, all das sind Merkmale, die sich auf keltische \u00dcberlieferung und Glaubensinhalte zur\u00fcckleiten lassen. All das legt nahe, dass diese Episode in der nordischen Mythologie, wenn auch nicht als eine direkte \u00dcbernahme, seine Entstehung aber doch einer genauen Kenntnis keltischer Verh\u00e4ltnisse durch die Dichter verdankt.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Angesichts dieser zweifellos erstaunlichen \u00dcbereinstimmungen w\u00e4re aber auch die Annahme zu pr\u00fcfen, ob die keltischen und germanischen \u00dcberlieferungen nicht vielleicht gleicherma\u00dfen Spuren archaischer Praktiken aus einer ehemals gemeinsamen indoeurop\u00e4ischen Zeit bewahrt haben k\u00f6nnten. Auch Kris Kershaw urteilt:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDas Motiv mu\u00df nicht von den Kelten entlehnt sein: Germanien hatte seine eigenen<span>\u00a0<\/span><em>t\u0207tes coup\u00e9es<\/em>, von denen einige auch sprechen konnten. K\u00f6pfe in Brunnen und Quellen treten in europ\u00e4ischen M\u00e4rchen auf und m\u00f6gen ein indoeurop\u00e4isches Motiv sein, w\u00e4hrend wahrsagende K\u00f6pfe durchaus nicht selten sind.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Das allgemeine Motiv, dass einem abgeschlagenen Kopf eine geheimnisvolle Macht innewohnt, findet sich n\u00e4mlich auch im altnordischen Schrifttum, auch wenn die Anzahl dieser Stellen einem Vergleich mit den keltischen Beispielen nicht standhalten kann. Hier nur ein paar dieser F\u00e4lle:<\/p>\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>So berichtet Snorri in<span>\u00a0<\/span><em>Skaldsk\u00e1parm\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>15, dass Heimdall \u201eschon einmal get\u00f6tet worden sei\u201c, und zwar durch einen menschlichen Kopf, und verweist daf\u00fcr auf die Dichtung<span>\u00a0<\/span><em>Heimdallargaldr<\/em>. Deshalb k\u00f6nne in der Dichtersprache ein Kopf \u201eHeimdalls Schwert\u201c und ein Schwert \u201eHeimdalls Kopf\u201c genannt werden. Da diese Dichtung aber leider nicht auf uns gekommen ist, bleiben uns die genauen Umst\u00e4nde r\u00e4tselhaft.<\/li>\n<li>In der<span>\u00a0<\/span><em>Eyrbyggja saga<\/em><span>\u00a0<\/span>(Kap. 43) findet der Knecht Freystein beim Schafeh\u00fcten auf einem Geirv\u00f6r genannten H\u00fcgel ein \u201eabgeschlagenes Manneshaupt und unbeerdigt\u201c. Das spricht zu ihm: \u201eRot ist Geirv\u00f6r vom Blut der Helden, hegt wohl h\u00fctend Helden-Sch\u00e4del\u201c, was gleicherma\u00dfen Bezug auf vorangegangene kriegerische Ereignisse wie auch zuverl\u00e4ssige Prophezeihung bervorstehenden weiteren Blutvergie\u00dfens an diesem Ort ist.<\/li>\n<li>In der<span>\u00a0<\/span><em>Orkneyinga saga<\/em><span>\u00a0<\/span>(Kap. 5-6) ergeht es Jarl Sigurd insofern \u00fcbel, als er den abgeschlagenen Kopf seines Feindes Melbricte an den Sattel seines Pferdes geh\u00e4ngt hat, beim Ritt aber durch dessen Schaukeln von einem Zahn am Bein verletzt wird, was zu seinem Tod durch Blutvergiftung f\u00fchrt.<\/li>\n<li>In der pr\u00e4chtigen L\u00fcgensaga<span>\u00a0<\/span><em>\u00deorsteinns \u00fe\u00e1ttr b\u00e6jarmagns<\/em><span>\u00a0<\/span>w\u00e4chst aus dem Ende eines gewaltigen Trinkhorns pl\u00f6tzlich ein riesenhafter Kopf, der Weissagungen ausspricht und daf\u00fcr mit Gold belohnt wird.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Dar\u00fcber hinaus taucht das verwandte Motiv des Trinkens aus menschlichen Sch\u00e4deln auch in der<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lundarkvi\u00f0a<\/em><span>\u00a0<\/span>auf.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und auch im indoeurop\u00e4ischen Vergleich findet man weitere Parallelen: Nachdem sich Orpheus aus Verbitterung \u00fcber den zweifachen Verlust seiner geliebten Frau Eurydike von der Liebe zu Frauen losgesagt hat, wird er von den M\u00e4naden zerrissen, wonach sein Kopf in den Fluss Hebrus geworfen wird und stromabw\u00e4rts ins Meer treibt (dabei weiterhin konstant laut dichtend und singend), bis er schlie\u00dflich an der K\u00fcste von Lesbos angetrieben und dort von den Einwohnern als Orakel in einer H\u00f6hle installiert wird.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Somit sollte man nicht zu vorschnell annehmen, das germanische Motiv k\u00f6nne nur eine \u00dcbernahme aus dem Keltischen sein. Von besonderem Interesse ist dabei ein M\u00e4rchen, das sich in unterschiedlichen Versionen in George Peele\u2019s<span>\u00a0<\/span><em>The Old Wives\u2019 Tale<\/em><span>\u00a0<\/span>von 1595 wie auch in dem Volksbuch<span>\u00a0<\/span><em>History of the Four Kings of Canterbury, Colchester, Cornwall and Cumberland, their Queens and Daughters<\/em><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>erhalten hat, in dem ein gutherziges M\u00e4dchen (wie \u00fcblich mit einer \u00fcbelwollenden Stiefmutter ind einer boshaften Stiefschwester gestraft) zu einem Brunnen gelangt, aus dem sich drei K\u00f6pfe erheben, die darum bitten, gek\u00e4mmt, gestreichelt und gek\u00fcsst zu werden. Trotz der H\u00e4sslichkeit der K\u00f6pfe erf\u00fcllt das M\u00e4dchen die Bitten und wird daf\u00fcr reich belohnt: mit Sch\u00f6nheit, Wohlgeruch, Gold und der sich erf\u00fcllenden Prophezeihung, dass sie einen Prinzen heiraten werde. Als die boshafte Stiefschwester des M\u00e4dchens ebenfalls an den Brunnen ger\u00e4t, verweigert sie die Erf\u00fcllung der Bitten und verh\u00f6hnt und verspottet die K\u00f6pfe, was nat\u00fcrlich dazu f\u00fchrt, dass sie danach Lepra, \u00fcblen K\u00f6rpergeruch, Armut und einen mittellosen Taugenichts als Ehemann verpasst bekommt. Noch interessanter ist, dass es dazu eine sehr genaue Parallele aus Norwegen in Form eines M\u00e4rchens gibt,<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>das sich lediglich dadurch unterscheidet, dass die drei K\u00f6pfe sich hier nicht aus einem Brunnen sondern aus einem Fluss erheben.<\/p>\n<p>Jacqueline Simpson, die auf dieses Material aufmerksam gemacht hat,<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>weist denn auch nachdr\u00fccklich auf die Wichtigkeit dieser englischen (also germanischen) Volkserz\u00e4hlungen und ihrer eigenst\u00e4ndig wirkenden norwegischen Parallele hin, da sie inhaltlich keinerlei Verbindung zu den keltischen Varianten Britanniens aufweisen. Ganz anders als in den keltischen Beispielen sind die K\u00f6pfe hier n\u00e4mlich Schenker von Gaben (wie auch M\u00edmir), nicht aber die W\u00e4chter von Heilquellen. Hier \u2013 und zwar ausschlie\u00dflich hier (nicht aber in den keltischen Quellen!) \u2013 finden wir auch das Detail, dass die K\u00f6pfe sich tats\u00e4chlich aus der Quelle, dem Brunnen oder dem Fluss erheben, sowie auch ihre Forderung, gek\u00e4mmt, geb\u00fcrstet, gewaschen, gestreichelt oder gek\u00fcsst zu werden, was auf rituelle bzw. kultische Urspr\u00fcnge hinweist. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um K\u00f6pfe ohne K\u00f6rper, nicht aber um Wesen, die lediglich ihren Kopf aus dem Wasser erheben. Auch werden diese Geschichten nicht mit dubiosen Erkl\u00e4rungen bez\u00fcglich bestimmter Ortsnamen oder der Verehrung \u00f6rtlicher Heiliger verbunden. Deshalb muss es als unwahrscheinlich betrachtet werden, dass es sich im Fall vom M\u00edmir um das einzige nicht-keltische Beispiel f\u00fcr einen mit dem Wasser verbundenen und sprechenden Kopf handelte. Auch wenn man Wandermotive dabei nicht v\u00f6llig ausschlie\u00dfen kann, st\u00fctzen diese Beispiele aber die Vermutung, dass die Verbindung eines Brunnens mit einem Kopf einstmals weit verbreitet war, auch wenn heute deren Spuren im keltischen Bereich weit besser nachweisbar sind als anderswo. Mit diesen neuen Erkenntnissen versehen empfiehlt es sich also, auch die Quellen \u00fcber M\u00edmir in neuem Licht zu betrachten und daraufhin zu pr\u00fcfen, wie weit sie zur Kl\u00e4rung der Probleme in der \u00e4lteren Forschung beitragen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Klar wird dadurch aber auch, dass es eben nicht zwei verschiedene M\u00edmirs gab, sondern nur einen. Der abgeschlagene Kopf, der durch magische Kunst weiterlebt und dadurch selbst magische F\u00e4higkeiten erlangt hat, befindet sich innerhalb der heiligen Quelle bzw. des Brunnens an der Wurzel von Yggdrasill. Snorris \u00c4nderung von \u201eOdin murmelt mit M\u00edmirs Haupt\u201c zu \u201edann reitet Odin zum M\u00edmir-Brunnen und holt Rat bei M\u00edmir\u201c muss damit auch nicht mehr als willk\u00fcrliche und eigenm\u00e4chtige Erkl\u00e4rung im Dienst der Vernunft betrachtet werden. Das Problem, ob M\u00edmir nun Riese oder Ase ist, verliert somit ebenfalls an Bedeutung. Wahrscheinlich war er weder das eine noch das andere, sondern vor allem immer nur \u201eder Kopf\u201c, eine Gottheit der Anderswelt, deren angemessene Bezeichnung S\u00f6kkm\u00edmir (M\u00edmir der Tiefen) war. Als solcher geh\u00f6rt er weder ganz der Welt der Lebenden noch der der Toten an. Somit gibt es auch keinen wirklichen Widerspruch zwischen den Textquellen, in denen er aktiv und lebendig erscheint und die Wasser seiner eigenen Quelle trinkt, und denen, in denen er lediglich Objekt von Odins nekromantischen K\u00fcnsten ist. Genauso wenig ist seine Verbindung mit dem Weltenbaum ein widerspr\u00fcchliches Element, da die Verbindung heiliger Quellen mit heiligen B\u00e4umen in der indoeurop\u00e4ischen \u00dcberlieferung allgegenw\u00e4rtig ist. Zwar wird im Fall der Nennung von M\u00edmamei\u00f0r in<span>\u00a0<\/span><em>Fj\u00f6lsvinnsm\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>19-23 das Wesen des Baumes nicht als kosmische S\u00e4ule verstanden, sondern als Baum der Heilung mit besonderer Beziehung zu den weiblichen Problemen bei der Kindsgeburt. Bei der Nennung von<span>\u00a0<\/span><em>Hiddm\u00edmis holt<\/em><span>\u00a0<\/span>in<span>\u00a0<\/span><em>Vaf\u00fer\u00fa\u00f0nism\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>45 wird aber allgemein angenommen (obwohl das keineswegs sicher ist), dass damit Yggdrasill gemeint ist, da es hier darum geht, dass sich die zwei einzigen menschlichen \u00dcberlebenden von Ragnar\u00f6k in einem \u201eHolz\u201c (d.h. Baum) verbergen. Egal ob M\u00edmirs Verbindung mit dem Weltenbaum urspr\u00fcnglicher Teil seines Mythos war oder nicht, w\u00fcrde das aber in keinem Fall seiner Hauptfunktion widersprechen. Und diese Hauptfunktion M\u00edmirs besteht in seiner Rolle als Spender und H\u00fcter von Weisheit, vor allem magischer, chtonischer und prophetischer Weisheit. Sein Name ist schlie\u00dflich ursprungsverwandt mit<span>\u00a0<\/span><em>memor<\/em><span>\u00a0<\/span>(Ged\u00e4chtnis, Erinnerung), und die Wasser (bzw. der Met) seiner Quelle schenken Wissen, nicht Heilung.<\/p>\n<p>Ein letzter Widerspruch ist nicht wirklich aufzul\u00f6sen, den auch Kris Kershaw anmahnt: \u201eUnd dann gibt es da noch das Problem des mumifizierten Kopfes, den Odin in der<span>\u00a0<\/span><em>Ynglinga saga<\/em><span>\u00a0<\/span>mit sich herumtr\u00e4gt und zu Rate zieht.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote23sym\"><sup>23<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Solche vermeintlichen Widerspr\u00fcche werden aber nur dann zum Problem, wenn man nach dem Modell \u201eheiliger Schriften\u201c auch in Mythen ein in sich logisches und widerspruchsfreies Konstrukt einziger und letzter Wahrheit finden will, wozu auf Grund ihrer christlichen Sozialisation auch viele heutige Heiden neigen. Das aber waren sie nie. Gerade die literarisch gut \u00fcberlieferten Mythen der klassischen Antike strotzen von Unterschieden und Widerspr\u00fcchlichkeiten. Sie wurden \u2013 wie auch M\u00e4rchen und Sagen \u2013 immer wieder ver\u00e4ndert und ganz anders erz\u00e4hlt, wobei sie neuen sozialen, religi\u00f6sen und politischen Gegebenheiten neu angepasst wurden, ohne dass dabei jemand an einer \u201eVerf\u00e4lschung\u201c Ansto\u00df genommen h\u00e4tte. Im Fall der<span>\u00a0<\/span><em>Ynglinga saga<\/em><span>\u00a0<\/span>muss auch bedacht werden, dass hier vermutlich alte schwedische Traditionen vorliegen, die sich im Einzelfall deutlich von norwegischen oder isl\u00e4ndischen \u00dcberlieferungen unterschieden haben m\u00f6gen. Alles andere w\u00e4re sogar sehr erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass die letzten Fragen bez\u00fcglich M\u00edmirs nie endg\u00fcltig gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, aber die hier aufgezeigten Gemeinsamkeiten lassen es zumindest \u00fcberzeugend erscheinen, dass die unterschiedlichen Aussagen \u00fcber ihn lediglich verschiedene Facetten einer einzigen \u2013 wenn auch vielschichtigen \u2013 Figur sind und dass dem Versuch, seine Bedeutung zu verstehen, keine unaufl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcche entgegen stehen.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Das Auge in der Quelle<\/strong><\/h4>\n<p>Was nun das Motiv des Auges in der Quelle betrifft, ist die Indizienlage noch d\u00fcnner. Im 19. Jahrhundert wurde diese Geschichte \u2013 wie praktisch jeder Mythos \u2013 rein naturmythologisch gedeutet, in diesem Fall so, dass er das Eintauchen der Sonne in das Meer darstelle. Aber bereits Golther konnte sich mit dieser naiven Deutung nicht mehr so recht anfreunden. Aus seiner Formulierung klingt deutlich heraus, wie widerwillig und eher gezwungenerma\u00dfen er auf diese Deutung seiner Vorg\u00e4nger eingeht:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eOb man Odins Ein\u00e4ugigkeit auf die Sonne deuten darf, scheint zweifelhaft. Aber vorerst ist keine bessere Deutung gefunden. Dichterische Bildsprache mag die Sonne als das Auge des Himmelsgottes bezeichnen, wie die Sonne das Auge des Zeus ist. Ihr Spiegelbild im Gew\u00e4sser ist das andere Auge, das der Gott, um Weisheit zu erholen, in den tiefen Quellengrund hinabsenkte. In st\u00e4ndigem Verkehr stehen Sonne und Wasser, die Sonne zieht Wasser, das Wasser nimmt ihr Bild zum Pfand. So mag zur Not das Verh\u00e4ltnis zwischen Odin und Mimir gedeutet werden. Auch das Versinken der Sonne im Meer k\u00f6nnte den Mythos veranlasst haben. Liegt die Sonne im Quellengrunde, in Mimirs tiefem Brunnen, aus dem alle Gew\u00e4sser ihren Ursprung haben, dann mag auch dadurch die Vorstellung, dass ein Strom aus Odins Pfande flie\u00dft, erkl\u00e4rt werden.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Und bereits Golther erkennt:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Sage von Odin und Mimir ist schwerlich sehr alt, sie ist allzu geistig und weist auf bewusst schaffende, kunstreiche dichterische Erfindung.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote25sym\"><sup>25<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Elard H. Meyer betont:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eNicht die Verpf\u00e4ndung des Gottesauges, noch weniger die Enthauptung Mimirs und vor allem die Einbalsamierung seines Kopfes sind echte Volksmythen.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote26sym\"><sup>26<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Das sieht man auch in der neueren Forschung so. Dazu Kris Kershaw:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Geschichte von Odins Opfer seines Auges im Tausch f\u00fcr einen Trunk Weisheit erscheint mir [\u2026] als zu k\u00fcnstlich, um wirklich alt zu sein; jedoch kann weder der Verlust des Auges noch das Auge im Brunnen sehr jung sein, da beide tief in der Dichtung verwurzelt sind. Andererseits ist der \u00fcberlieferte Zustand des Mythos problematisch. Snorris Erz\u00e4hlung verweist auf Vsp. 28, 7-10, nach der Odins Auge sich in Mimirs Brunnen befindet; er berichtet uns, da\u00df \u201aOdin sein Auge als Pfand hinterlie\u00df\u2018. Aber laut Vsp. 28, 12-13 \u201atrinkt Mimir jeden Morgen Met aus Odins Pfand\u2018. Wenn das Auge das Pfand ist, dann mutet das ziemlich seltsam an. Snorri sagt, Mimir \u201aist voller Weisheit, da er mit dem Horn Giallarhorn aus dem Brunnen trinkt\u2018, aber Vsp. 46 identifiziert Giallarhorn, wie Snorri selbst zuvor, mit dem Horn, auf dem Heimdall blasen wird, um die G\u00f6tter zur Schlacht zu rufen. [\u2026] Snorri macht wie immer das Beste aus dem Mythos einer Religion, an die er nicht glaubte. Ich denke, wir k\u00f6nnen das Zeugnis der V\u00f6luspa akzeptieren, da\u00df Mimir der Eigent\u00fcmer der Quelle war und da\u00df Odins Auge und das Giallarhorn sich darin befanden. Doch zu jener Zeit hatte die Geschichte bereits eine Entwicklung durch viele Stufen hinter sich. Ich bin nicht so k\u00fchn, diese verschiedenen Stadien rekonstruieren zu wollen, aber ein paar Andeutungen m\u00f6chte ich mir erlauben. Das Bild [\u2026] legt meines Erachtens die Vermutung nahe, da\u00df in einer sehr alten Geschichte das Auge selbst die Quelle gewesen ist.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote27sym\"><sup>27<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Kris Kershaw gr\u00fcndet ihre Ansicht und nachfolgenden Ausf\u00fchrungen darauf, dass im indoeurop\u00e4ischen Vergleichsmaterial tats\u00e4chlich Quellen und Brunnen h\u00e4ufig als \u201eAugen\u201c bezeichnet werden. Im Altnordischen ist eine mit Wasser gef\u00fcllte Mulde ein<span>\u00a0<\/span><em>auga.<\/em><span>\u00a0<\/span>Der niederl\u00e4ndische Keltologe Anton Gerard van Hamel belegt<span>\u00a0<\/span><em>Morska oka<\/em><span>\u00a0<\/span>(See-Augen) als Namen von Seen im Tatra-Gebirge, gibt zahlreiche walisische Beispiele von \u201eAuge\u201c (<em>ilygad<\/em>) in den Namen von Flussquellen an und verweist auf den besonders auffallenden Gebrauch von<span>\u00a0<\/span><em>ilygad<\/em><span>\u00a0<\/span>im Walisischen als verbreiteten Begriff f\u00fcr die Stelle, wo das Wasser aus der Erde sprudelt, z.B.<span>\u00a0<\/span><em>ilygad y ffynnawn<\/em><span>\u00a0<\/span>(Auge des Brunnens), und auch das litauische<span>\u00a0<\/span><em>aka<\/em><span>\u00a0<\/span>(Brunnen) entspricht dem russischen<span>\u00a0<\/span><em>oko<\/em><span>\u00a0<\/span>(Auge).<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote28sym\"><sup>28<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Angesichts dessen klingt Kershaws Vermutung durchaus plausibel, und erst sp\u00e4ter mag sich das Verst\u00e4ndnis von der Quelle als \u201eAuge\u201c mit der Vorstellung von Odins Auge in der Quelle verbunden haben. Das k\u00f6nnte auch die auf den ersten Blick unsinnig erscheinende Behauptung erkl\u00e4ren, M\u00edmir trinke aus Odins Pfand. W\u00e4re dieser Begriff \u2013 Odins Auge \u2013 urspr\u00fcnglich als die Quelle selbst verstanden worden, w\u00fcrde sich dieser Widerspruch n\u00e4mlich problemlos aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Aber m\u00f6glicherweise ist alles auch viel einfacher und muss nicht mit gelehrten Wortableitungen erkl\u00e4rt werden. Denn was spricht dagegen, dass der Mythos einfach vor dem Hintergrund althergebrachter Opferpraxis verstanden wurde, wobei man etwas von gro\u00dfem Wert opfert, um daf\u00fcr etwas ebenso Gro\u00dfes zu erlangen? Zu dem Schluss kommt auch Richard M. Meyer:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEin nordischer Mythos erz\u00e4hlt uns auch, wie Odin sich Mimirs Weisheit gesichert habe: indem er sein eigenes Auge hergab. Aber urspr\u00fcnglich hat er Mimirs Haupt ganz anders zum Sprechen gebracht: durch Bedrohung mit Helm und Schwert [<em>Sigrdr\u00edfum\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>14]. Man wird deshalb wohl die naturmythische Deutung auf die versinkende Sonne (z.B. bei Mogk) ebenso entschieden abweisen m\u00fcssen wie die euhemeristische Erz\u00e4hlung der<span>\u00a0<\/span><em>Heimskringla,<\/em><span>\u00a0<\/span>die den fetischistischen Charakter des Hauptes ausarbeitet. [\u2026] Vielmehr wird in jener \u201aPfandsetzung\u2018 des Auges lediglich ein mythologisch-symbolischer Ausdruck f\u00fcr Odins Selbstaufopferung um der Runenfindung willen zu sehen sein.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote29sym\"><sup>29<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich kann der Mythos nicht von der \u00fcber lange Jahrhunderte in weiten Teilen Europas dokumentierten Praxis losgel\u00f6st betrachtet werden, an heiligen Quellen und Brunnen zu opfern, indem man die Opfergaben (oder menschlichen Opfer) den Wassern \u00fcbergab. So berichtet Adam von Bremen \u00fcber die Opferfeiern zu Uppsala, dass ein lebender Mensch in den Brunnen zu F\u00fc\u00dfen des heiligen Baumes gesto\u00dfen wurde.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote30sym\"><sup>30<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Eine solche Opferpraxis l\u00e4sst sich gut mit dem Glauben an eine andersweltliche Gottheit vereinen, die ihren Aufenthaltsort in den Tiefen von Brunnen und Quellen hat.<\/p>\n<p>In Litauen gibt es den Begriff<span>\u00a0<\/span><em>V\u00e9lnio okis<\/em><span>\u00a0<\/span>(V\u00e9lnias Auge), mit dem ein Teich in einem Wald bezeichnet wird. Dieser V\u00e9lnias (oder auch Velinas) ist eine Gottheit mit gro\u00dfen \u00c4hnlichkeiten zu Odin. Marija Gimbutas berichtet:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEr ist der Gott der Toten und f\u00fchrt die Schar der<span>\u00a0<\/span><em>veles<\/em><span>\u00a0<\/span>an, von Geistern und Heroen, \u00e4hnlich dem Wilden Heer oder der Wilden Jagd. Sein Name war tabu und durfte nicht ausgesprochen werden, weshalb viele andere Namen in Gebrauch waren, darunter waren die bekanntesten Pikulas, Pikis oder Piktis (Gott der Wut). Ein anderer ist Ragius (der Seher). Velinas ist ein\u00e4ugig, sein eines Auge hat magische Bedeutung, \u00e4hnlich dem des germanischen Odin.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote31sym\"><sup>31<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann folgt eine ganz erstaunliche Passage:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eAus einer Darstellung des litauischen Heidentums von Henneberger aus dem Jahr 1696 erfahren wir, dass es bei Isrutis eine heilige Quelle namens Golbe gab, zu der die M\u00e4nner kamen, um \u201aein\u00e4ugig\u2018 zu werden, d.h. um ein Auge zu opfern. Ein\u00e4ugig zu sein war eine gro\u00dfe Ehre, und einige ein\u00e4ugige M\u00e4nner lebten noch zu Hennebergers Zeiten.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote32sym\"><sup>32<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Information ist \u00e4u\u00dferst schwierig einzusch\u00e4tzen, aber es d\u00fcrfte wenig wahrscheinlich sein, dass sie wortw\u00f6rtlich zu verstehen ist, denn kein geistig gesunder Mensch w\u00fcrde sich selbst ein Auge herausschneiden oder -rei\u00dfen. Zwar ist die Selbstkastration der orientalischen Attis- und Kybele-Priester genauso schwer nachvollziehbar, sie erfolgte aber in einem kulturellen Umfeld, in dem Eunuchen zum Alltag geh\u00f6rten. Diese angebliche Praxis der Litauer w\u00e4re in indoeurop\u00e4ischem Zusammenhang jedoch ein solch herausragender ritueller Einzelfall, dass sie schon deshalb wenig glaubhaft wirkt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal kann man dabei nicht kategorisch auschlie\u00dfen, dass dem Chronisten hier von seinem Informanten eine phantastische L\u00fcgengeschichte erz\u00e4hlt worden ist, die er willig geglaubt hat. Oder aber er hat diese Geschichte frei erfunden, da bei der Beschreibung fremder V\u00f6lkerschaften seit der Antike vor allem Bizarres und Seltsames (heute w\u00fcrden wir sagen: Sensationelles) gefragt war. F\u00fcr beides gibt es genug zeitgen\u00f6ssische Beispiele. Am Wahrscheinlichsten aber scheint mir, dass der Verfasser hier gutgl\u00e4ubig irgend einem kulturellen oder sprachlichen Missverst\u00e4ndnis aufgesessen ist, wovon es in der Geschichte der V\u00f6lkerkunde ebenfalls nur so wimmelt. Demnach k\u00f6nnte es einen m\u00f6glichen Initiationsritus gegeben haben, deren Angeh\u00f6rige danach als \u201eEin\u00e4ugige\u201c galten, ohne dass sie dabei aber tats\u00e4chlich ein Auge verloren. Bei aller gebotenen Skepsis ist dieser Hinweis in unserem Zusammenhang aber hoch interessant.<\/p>\n<p>Ein weiteres ungel\u00f6stes Problem \u2013 oben von Kershaw schon angedeutet \u2013 betrifft die Verbindung M\u00edmirs mit dem Gjallarhorn, aus dem er laut Snorri das Wasser seines Brunnens trinkt. Das Gjallarhorn ist uns aus anderen Informationen aber nicht als Trinkhorn, sondern als Rufhorn bekannt, mit dem Heimdall bei Ragnar\u00f6k zum Kampf bl\u00e4st. Einige Gelehrte haben hier ein Missverst\u00e4ndnis vermutet, das aus<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em><span>\u00a0<\/span>27 entstanden ist, wo gesagt wird, dass Heimdalls<span>\u00a0<\/span><em>hl\u00f3\u00f0<\/em><span>\u00a0<\/span>unter Yggdrasill verborgen sei und von Wassern \u00fcberstr\u00f6mt werde, die sich aus Walvaters Pfand ergie\u00dfen. Die Bedeutung von<span>\u00a0<\/span><em>hl\u00f3\u00f0<\/em><span>\u00a0<\/span>an dieser Stelle ist unklar. Viele \u00dcbersetzer haben den Begriff hier als \u201eStimme\u201c verstanden und somit als Horn. Sigur\u00f0ur Nordal aber vermutet darin Heimdalls Ohr, denn tats\u00e4chlich bedeutet der altnordische Begriff eigentlich \u201eGeh\u00f6r\u201c (Snorri sagt, Heimdall k\u00f6nne das Gras und das Fell auf dem R\u00fccken der Schafe wachsen h\u00f6ren), das er ebenso als Pfand in den Brunnen gegeben haben k\u00f6nnte, wie Odin sein Auge.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote33sym\"><sup>33<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>Snorris Interpretation (s.o.) k\u00f6nnte allenfalls durch die Erw\u00e4hnung eines Hornes in<span>\u00a0<\/span><em>Sigrdr\u00edfum\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>12 gest\u00fctzt werden, und vielleicht auch durch<span>\u00a0<\/span><em>V\u00f6lusp\u00e1<\/em><span>\u00a0<\/span>46, wo das Gjallarhorn unmittelbar vor der Erw\u00e4hnung von \u201eMimirs Kopf\u201c genannt wird, und wo die Aussage<span>\u00a0<\/span><em>horn er \u00e1 lopti<\/em><span>\u00a0<\/span>(das Horn ragt in die Luft) nicht lediglich das Blasen des Horns meinen k\u00f6nnte, sondern auch, dass es aus seinem tief verborgenen Versteck erhoben wurde. Dass eine Gottheit der Anderswelt ein bemerkenswertes Trinkgef\u00e4\u00df \u2013 Horn, Kessel oder Kelch \u2013 h\u00fctet, ist ein h\u00e4ufiges Motiv in M\u00e4rchen und Sagen.<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Fazit<\/strong><\/h4>\n<p>Wenn wir unsere Betrachtungen hiermit also wieder auf die Ausgangsfrage zur\u00fcck lenken (von der wir uns zwischenzeitlich erheblich entfernt haben), was n\u00e4mlich Odins Auge in M\u00edmirs Brunnen zu suchen hat, f\u00e4llt die Antwort nun eindeutig leichter. Nach all den hier vorgetragenen Befunden m\u00f6chte ich deshalb zu einer Erkl\u00e4rung kommen, die mir auch mythisch immanent als am folgerichtigsten erscheint und die ich mit einem weiteren Zitat von Kris Kershaw einleiten m\u00f6chte:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEine lebendige Religion arbeitet kontinuierlich an ihrer Selbsterkl\u00e4rung, und das germanische Heidentum war in Skandinavien mehrere Jahrhunderte l\u00e4nger gelebte Religion als woanders. In derselben Zeit entwickelte sich eine anspruchsvolle Dichtkunst. Dies k\u00f6nnte, wie ich meine, ein geeigneter Augenblick sein, in dem der neue Gedanke von einem Gott aufkommt, der etwas au\u00dferordentlich Wertvolles opfert, um eine gr\u00f6\u00dfere Macht oder ein h\u00f6heres Gut zu erlangen; in diesem Sinne opfert T\u00fdr, der Schwert- (und Eid-)gott seine Hand, um den Wolf zu b\u00e4ndigen und dadurch etwas Zeit f\u00fcr G\u00f6tter und Menschen zu gewinnen, bevor das Chaos entfesselt wird. Odins Opfer pa\u00dft zu seiner Rolle als Gott des Wod, der zum Hochgott aufgestiegen ist; er schenkt dichterische Inspiration und l\u00e4\u00dft das feindliche Heer erstarren, aber er \u00fcberschaut auch alle Welten von seinem Hochsitz aus. Dies f\u00fcgt sich leicht in das Charakterbild eines Gottes ein, der sich einer Selbstfolter unterzog, um die Runen unter seine Botm\u00e4\u00dfigkeit zu zwingen: Er w\u00e4chst als ein Gott, der davon besessen ist, die Macht des Wissens zu erwerben.\u201c<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote34sym\"><sup>34<\/sup><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In Asgard gibt es bekanntlich einen<span>\u00a0<\/span><em>Hli\u00f0skj\u00e1lf<\/em><span>\u00a0<\/span>genannten Sitz, von dem man aus das Geschehen in allen neun Welten \u00fcberblicken kann. Er wird teilweise als Thron Odins verstanden, aber aus<span>\u00a0<\/span><em>Sk\u00edrnism\u00e1l<\/em><span>\u00a0<\/span>scheint deutlich zu werden, dass auch andere G\u00f6tter diese \u201eAussichtsplattform\u201c nutzen k\u00f6nnen, da Freyr sich dort eigener Ausblicke wegen niederl\u00e4sst und so die sch\u00f6ne Gerdr erblickt. Die entsprechenden Parallelen zu dem als<span>\u00a0<\/span><em>sei\u00f0hjallr<\/em><span>\u00a0<\/span>bezeichneten Ger\u00fcst der V\u00f6lven sind von Vilhelm Kiil deutlich gemacht worden.<a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote35sym\"><sup>35<\/sup><\/a><span>\u00a0<\/span>W\u00e4re angesichts all dessen also nicht vielleicht die Annahme folgerichtig, dass es gerade Odin mit dem \u00dcberblick \u00fcber die neun Welten nicht genug ist, sondern er auch die in dem Brunnen M\u00edmirs verborgenen Geheimnisse von Wyrd, \u00d6rlog und nornischen Angelegenheiten ergr\u00fcnden will?<\/p>\n<p>Die keltischen Parallelen belegen zweifelsfrei den Glauben daran, dass einem abgeschlagenen Haupt durch Deponierung in solch einer geweihten Quelle oder einem Brunnen Weisheit und verborgenes Wissen zukam \u2013 und wechselseitig dadurch auch die Wasser selbst wundersame Kr\u00e4fte erlangten. Dass dieses Muster sp\u00e4ter auch auf enthauptete christliche Heilige \u00fcbertragen wurde, sollte dabei weder \u00fcberraschen noch verwirren, sondern ist gerade ein Beweis und eine Best\u00e4tigung f\u00fcr diesen vorchristlichen Glauben. Durch diesen Glauben ist es m\u00f6glicherweise \u00fcberhaupt erst zu der Verbindung zwischen M\u00edmir und Odin gekommen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Voraussetzung muss das dann aber genauso auch f\u00fcr ein Auge gegolten haben, das in solch heiligem Wasser versenkt wurde. Auch ein solch \u201eabgetrenntes\u201c Auge muss danach also als \u201eallsehend\u201c oder zumindest als von gro\u00dfer Seherkraft erf\u00fcllt gedacht worden sein (und Heimdalls wahrscheinlich dort deponiertes Ohr bzw. Geh\u00f6r ebenfalls als \u201eallh\u00f6rend\u201c). Odins Auge im Brunnen \u2013 nach wie vor nat\u00fcrlich auf g\u00f6ttlich-magische Weise mit ihm verbunden \u2013 h\u00e4tte er dann deshalb in M\u00edmirs Brunnen versenkt, um \u00fcber seine Blickm\u00f6glichkeiten von<span>\u00a0<\/span><em>Hli\u00f0skjalf<\/em><span>\u00a0<\/span>hinaus nun auch noch all die dort in den Wassern verborgenen weiteren Geheimnisse ersp\u00e4hen und ergr\u00fcnden zu k\u00f6nnen. Somit war die Deponierung des Auges in der Quelle m\u00f6glicherweise also gar kein \u201eOpfer\u201c oder der \u201ePreis\u201c f\u00fcr einen Trunk aus dem Brunnen, sondern der entscheidende Akt der Weisheitsfindung selbst.<\/p>\n<p>Daraus wird ersichtlich, dass die Deponierung des eigenen Auges als Pfand oder Bezahlung f\u00fcr einen Trunk aus dem Brunnen der Weisheit tats\u00e4chlich eine sp\u00e4theidnische Erkl\u00e4rung sein muss, als sich die urspr\u00fcnglichen Zusammenh\u00e4nge bereits zu verwischen begannen und wohl schon in der Wikingerzeit nicht mehr richtig verstanden wurden, weshalb sie auf das Verst\u00e4ndnis kultischer Opferpraxis reduziert wurde, durch eine wertvolle Gabe vergleichbar Wertvolles erlangen zu k\u00f6nnen. Sie wird damit zu einem eher unwesentlichen Element, das f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Mythos keine Bedeutung mehr hat. Die Aussage, dass M\u00ecmir aus \u201eOdins Pfand\u201c (also seinem Auge) trinkt, l\u00e4sst sich wiederum problemlos aus der Tatsache ableiten, dass \u201eAuge\u201c auch ein alter und vielfach belegter Begriff f\u00fcr Quellen und Brunnen als solche ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind damit nicht alle Fragen dieses r\u00e4tselhaften Mythos gekl\u00e4rt. Wir haben uns hier aber zumindest der Figur M\u00ecmirs und seines Kopfes im Brunnen so weit angen\u00e4hert, wie es angesichts des \u00fcberlieferten Materials nur m\u00f6glich scheint. Dar\u00fcber hinaus glaube ich, die Fragen bez\u00fcglich \u201eOdins Auge im Brunnen\u201c hier ebenfalls auf einen Punkt gebracht zu haben, \u00fcber den hinaus man schwerlich gelangen kann, wenn man die sp\u00e4rlichen Quellen im Auge beh\u00e4lt. Denn nur so lassen sich die unterschiedlichen Motive des Kopfes und des Auges in der Quelle \u2013 sowie die Verbindung M\u00edmirs mit Odin in diesem Zusammenhang \u2013 in Beziehung setzen. Alles, was dar\u00fcber hinaus bez\u00fcglich dieses Motivkomplexes offen oder widerspr\u00fcchlich bleibt (und das ist eine ganze Menge), kann man nur als so gegeben hinnehmen. F\u00fcr heutige Heiden sollte daraus kein Problem erwachsen \u2013 schon gar nicht in Verbindung mit Odin. Denn ist nicht gerade diese unerkl\u00e4rliche Widerspr\u00fcchlichkeit eine der typischen Eigenschaften dieses Gottes?<\/p>\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Endnoten<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote1anc\">1<\/a><span>\u00a0<\/span>So z.B. Johan Palm\u00e9r: Sigrdr\u00edfum\u00e1l 13, in: Festskrift til Finnur J\u00f3nsson, 29. maj 1928. K\u00f8benhavn 1928, S. 244-251.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote2anc\">2<\/a><span>\u00a0<\/span>Klaus von See [u.a.]: Kommentar zu den Liedern der Edda, Bd. 5. Heidelberg 2006, S. 575 f.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote3anc\">3<\/a><span>\u00a0<\/span>R. H\u00f6ckert: V\u00f6lusp\u00e1 och Vanakulten. Uppsala 1926-30, I, S. 528.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote4anc\">4<\/a><span>\u00a0<\/span>Kris Kershaw: Odin. Der ein\u00e4ugige Gott und die indogermanischen M\u00e4nnerb\u00fcnde. Ulst\u00e4dt-Krchhasel 2003. S. 275.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote5anc\">5<\/a><span>\u00a0<\/span>Klaus von See, a.a.O., S. 577 f.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote6anc\">6<\/a><span>\u00a0<\/span>Wolfgang Golther: Handbuch der germanischen Mythologie [1895]. Essen [Repr.] o.J., S. 180.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote7anc\">7<\/a><span>\u00a0<\/span>So z.B. F. von der Leyen: Die G\u00f6tter und G\u00f6ttersagen der Germanen. M\u00fcnchen 1909. S. 150.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote8anc\">8<\/a><span>\u00a0<\/span>Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Bd. I. Berlin 1956, S. 247.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote9anc\">9<\/a><span>\u00a0<\/span>So z.B. Axel Olrik: Nogle grunds\u00e6tninger for sagneforskning<em>.<\/em><span>\u00a0<\/span>K\u00f8benhavn 1921, S. 91.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote10anc\">10<\/a><span>\u00a0<\/span>Golther, a.a.O., S. 180.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote11anc\">11<\/a><span>\u00a0<\/span>Richard M. Meyer: Altgermanische Religionsgeschichte [1909]. Essen [Repr., o.J.], S. 167.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote12anc\">12<\/a><span>\u00a0<\/span>Wilhelm Gr\u00f6nbech: Kultur und Religion der Germanen. Hamburg 1937-39, Bd. 2, S. 241.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote13anc\">13<\/a><span>\u00a0<\/span>Diodorus Siculus V, 29.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote14anc\">14<\/a><span>\u00a0<\/span>Vgl. Strabon: Geographica IV, 4 f.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote15anc\">15<\/a><span>\u00a0<\/span>F\u00fcr Detalis und Belege zu den folgenden Ausf\u00fchrungen \u00fcber die arch\u00e4ologischen Befunde und literarischen Quellen vgl. ausf\u00fchrlich Anne Ross: Pagan Celtic Britain. London 1967, S. 104-113.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote16anc\">16<\/a><span>\u00a0<\/span>Ebenda, S. 110.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote17anc\">17<\/a><span>\u00a0<\/span>Kershaw, a.a.O., S. 275.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote18anc\">18<\/a><span>\u00a0<\/span>Gu\u00f0ni J\u00f3nsson u. Bjarni Vilhj\u00e1lmsson (Hg.): Fornaldars\u00f6gur Nor\u00f0urlandar. Reykjav\u00edk 1944. Bd. 3, S. 397-417<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote19anc\">19<\/a><span>\u00a0<\/span>Ovid: Metamorphosen XI, sowie bei Philostratus: Heroica V, 704.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote20anc\">20<\/a><span>\u00a0<\/span>Abgedruckt in R.H. Cunningham: Amusing Prose Chapbooks, London 1889, sowie in E.S. Hartland: English Fairy and other Folk Tales, London 1890.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote21anc\">21<\/a><span>\u00a0<\/span>Abgedruckt in P. Chr. Asbj\u00f8rnsen u. J\u00f8rgen Moe: Samlede eventyr, Bd. 2. Oslo 1936, S. 52-54<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote22anc\">22<\/a><span>\u00a0<\/span>Jacqueline Simpson: M\u00edmir \u2013 Two Myths or One? In: Saga Book of the Viking Society, 16.1962, S. 41-53.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote23anc\">23<\/a><span>\u00a0<\/span>Kershaw, a.a.O., S. 274.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote24anc\">24<\/a><span>\u00a0<\/span>Golther, a.a.O., S. 347 f.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote25anc\">25<\/a><span>\u00a0<\/span>Ebenda, S. 348<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote26anc\">26<\/a><span>\u00a0<\/span>Elard Hugo Meyer: Mythologie der Germanen. Stra\u00dfburg 1903, S. 281.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote27anc\">27<\/a><span>\u00a0<\/span>Kershaw, a.a.O., S. 274 ff.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote28anc\">28<\/a><span>\u00a0<\/span>A.G. van Hamel: V\u00f6lusp\u00e1 27-29, in: Arkif f\u00f6r nordisk filologi 41 (NF 37).1925, S. 293-305.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote29anc\">29<\/a><span>\u00a0<\/span>Richard M. Meyer, a.a.O., S. 167.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote30anc\">30<\/a><span>\u00a0<\/span>Gesta IV, 26, schol. 134.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote31anc\">31<\/a><span>\u00a0<\/span>Marija Gimbutas: The Lithuanian God Velnias, in: Myth in Indo-European Antiquity, ed. by Gerald j. Larsen. Berkeley 1974. S. 87-92<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote32anc\">32<\/a><span>\u00a0<\/span>Ebenda.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote33anc\">33<\/a><span>\u00a0<\/span>Sigurdur Nordal: V\u00f6lusp\u00e1. Darmstadt 1980.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote34anc\">34<\/a><span>\u00a0<\/span>Kershaw, a.a.O., S. 276.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eldaring.de\/2009\/06\/01\/wo-odin-sich-rat-holt\/#sdfootnote35anc\">35<\/a><span>\u00a0<\/span>V. Kiil: Hli\u00f0skj\u00e1lf og sei\u00f0hjallr, in: Arkif f\u00f6r nordisk filologi, 75.1960, S. 84-112<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2009 in Herdfeuer 23<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Oertel 1. Die Quellen Bekanntlich hat Odin eines seiner Augen als \u201ePfand\u201c in M\u00edmirs Brunnen hinterlegt. Wof\u00fcr genau dies als Pfand dienen soll, wird nirgendwo deutlich, es scheint viel mehr eher als Preis daf\u00fcr verstanden zu werden, dass Odin einen Schluck aus diesem Brunnen nehmen durfte, wodurch ihm Weisheit und Wissen zuteil wurde.&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wo-odin-sich-rat-holt-eine-annaeherung-an-mimir-und-odins-auge-im-brunnen\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[20,11,52,15,28,12],"class_list":["post-299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-goetter-und-andere","tag-asatru","tag-asen","tag-edda","tag-goetter","tag-heidentum","tag-wanen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":357,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions\/357"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}