{"id":295,"date":"2017-08-12T15:41:01","date_gmt":"2017-08-12T13:41:01","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/?p=295"},"modified":"2025-08-24T20:42:10","modified_gmt":"2025-08-24T18:42:10","slug":"freyja-zu-besuch-in-frankfurt-am-main","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/freyja-zu-besuch-in-frankfurt-am-main\/","title":{"rendered":"Freyja zu Besuch in Frankfurt am Main"},"content":{"rendered":"<p>von Nelly Dirks<\/p>\n<p>(Ausstellung Februar bis Juni 2017)<br \/>\nGedanken \u00fcber die Abbildung der G\u00f6ttin auf einer Fibel<br \/>\n(mit Nachzeichnungen der Freyja-Fibeln von Tiss\u00f8)<\/p>\n<p>Die Ausstellung im Arch\u00e4ologischen Museum Frankfurt hie\u00df zwar \u201eOdin, Thor und Freyja\u201c, doch f\u00fcr mich steht Freyja (die Herrin) an erster Stelle. Davon abgesehen ist sie \u2013 oder ihre \u201eVorg\u00e4ngerinnen\u201c \u2013 die \u00e4lteste von den dreien. Also sollte sie auch als Erste genannt werden. Wenigstens wurde eine der Freyja-Fibeln als Werbeschild f\u00fcr diese Ausstellung verwendet \u2013 allerdings auch nur zwischen Odins Kopf und Thors Hammer.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung (Begleitbuch zur Ausstellung), dass Freyja und Freyr urspr\u00fcnglich eine hermaphroditische Gottheit waren, halte ich f\u00fcr, naja, eigenartig. Die \u00e4ltesten Idole der Muttergottheit sind sehr \u00fcppige Frauenfiguren. Ich kenne keine nordeurop\u00e4ische Darstellung mit gro\u00dfen Br\u00fcsten und Phallus \u2013 also woher diese Weisheit? Ich gebe zu, bei den Griechen ist Hermaphroditos Teil deren Mythologie. Sohn von Hermes und Aphrodite, Lustobjekt einer Quellnymphe und auf ihren Wunsch durch beide G\u00f6tter zu einem Wesen vereint. Die Statuen dieser Verschmelzung sind mit weiblichen Br\u00fcsten und m\u00e4nnlichem Geschlechtsteil in den Museen zu bewundern. Allerdings gibt es auch \u00e4ltere Statuen mit ganz anderen Geschichten. F\u00fcr mich geht es dabei um das Aufeinandertreffen zweier Kulturen (Zypern und Athen) mit jeweils unterschiedlichen Aphrodite-Vorstellungen. In Zypern geht es um verlorene Kriege, ver\u00e4nderte Geschlechterrollen, B\u00e4rte als Machtsymbol, \u00e4hnlich dem weiblichen Pharao, Frauen und M\u00e4nner, die die Kleidung tauschen, um in Ritual-Festen die jeweils andere Rolle anzunehmen \u2013 Karneval auf Zypern. Was macht Athen daraus? Ein neues Schauspielst\u00fcck \u2013 und schon haben die Griechen eine neue Gottheit mit einer skurrilen Geschichte.<\/p>\n<p>Doch gehe ich nicht davon aus, dass Nordeurop\u00e4er dieses Ideal f\u00fcr sich entdeckt haben. Ich vermute vielmehr, den M\u00e4nnern war es irgendwann wichtig geworden, dass auch ihr Teil der Arbeit gew\u00fcrdigt wird, und es wurde beschlossen, dass die Muttergottheit einen Partner bekommt. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, das war zu der Zeit, als das Jagdgl\u00fcck immer seltener wurde und die Viehhaltung in den Vordergrund r\u00fcckte. In der Agrarkultur verschwanden die Tierg\u00f6tter der M\u00e4nner, aber die Muttergottheit der Frauen war nicht ausreichend f\u00fcr das m\u00e4nnliche Selbstbewusstsein. Und so haben wir heute in der paganen Welt die G\u00f6tter als Paare \u2013 scheinbar das Ideal der Agrar-Gesellschaft. Umso interessanter ist es, dass Freyja und Freyr Geschwister sind. Eigenwillig in ihrer Partnerwahl, unabh\u00e4ngig voneinander (erzwungene Trennung, dem Missionierungseifer moralischer M\u00f6nche zu verdanken?), aber in ihrem Wesen Vegetationsg\u00f6tter. Und geboren von Mutter Erde. Kann sein, dass ich mit solchen Gedanken Kopfsch\u00fctteln ernte. Doch wenn die Experten zwischen Nerthus und Nj\u00f6r\u00f0ur eine Verbindung sehen und die \u00c4hnlichkeit zwischen J\u00f6r\u00f0 (Erde) und Nj\u00f6r\u00f0 mehr als augenf\u00e4llig ist \u2013 weshalb sollte ich von meiner Vorstellung abr\u00fccken? Die Frage nach dem Vater? Die Erde gebiert aus der Erde. Sie erschafft Paare, braucht aber selbst keinen Besamer. Das ist ihre Magie. V\u00f6lker an der K\u00fcste neigen nat\u00fcrlich dazu, ihre Geburtsmythen dem Wasser entsteigen zu lassen. Doch die See und alle anderen Gew\u00e4sser sind Teil der Erde.<\/p>\n<p>Und schon sind wir bei Venus \u2013 der Schaumgeborenen.<\/p>\n<p>Hat nun wirklich eine s\u00fcdliche Mittelmeer-G\u00f6ttin die Nordmenschen so stark inspiriert, dass eine der Fibeln mit weiblicher Darstellung der badenden Venus wie aus der Haltung geschnitten scheint? Oder war es doch die griechische Aphrodite? Da die Handelswege zwischen dem Frankenreich (r\u00f6misch beeinflusst) und Skandinavien bekannt sind, k\u00f6nnte es eine exotische Statue gewesen sein oder ein r\u00f6mischer Denar, der einem normannischen K\u00fcnstler oder Handwerker in die H\u00e4nde fiel und seine Werke neu inspiriert hat. Doch wie wir auf nordischen Brakteaten, Fibeln und G\u00fcrtelschnallen sehen k\u00f6nnen, wurden die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Kunstgegenst\u00e4nde oder M\u00fcnzen nicht einfach kopiert. Nein, es wurden sehr eigene und durchaus hintergr\u00fcndige, zum Teil auch verspielte und schalkhafte Neusch\u00f6pfungen hergestellt.<\/p>\n<p>Ein Zitat aus der FAZ.net-Rhein-Main hat mich dann doch etwas irritiert.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e<em>Freyja rauft sich die Haare. Ist die nordische Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin verstimmt, weil sie es an Liebreiz nicht mit ihrer antiken Kollegin Aphrodite aufnehmen kann? Falls ja, vers\u00f6hnt es sie vielleicht, dass ihr katzengesichtiges Abbild mit der f\u00fcr Aphrodite typischen Geste zum Erkennungszeichen der aktuellen Ausstellung des Arch\u00e4ologischen Museums erhoben wurde: Gemeinsam mit den beiden anderen Schwergewichten des nordischen G\u00f6tterhimmels, Odin und Thor, l\u00e4dt Freyja von heute an zu einer faszinierenden Reise in die religi\u00f6se Welt der Wikinger ein. \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p><cite><em>Allihn, Karen: Ausstellung Neues Bild des alten Glaubens. \u201eOdin, Thor und Freyja\u201c: Das Arch\u00e4ologische Museum stellt skandinavische Kultpl\u00e4tze des 1. Jahrtausends und ihre Beziehungen zum Frankenreich vor, in:FAZ-Net, Frankfurter Allgemeine, Rhein-Main, 12.02.2017.<\/em><\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Figur hat angeblich \u00c4hnlichkeit mit r\u00f6mischen Venus-Darstellungen oder der griechischen Aphrodite: G\u00f6ttin der Sch\u00f6nheit und Verf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Zum Vergleich:<\/p>\n<p>Venus\/Aphrodite: Pose nackig, die Haare hochhaltend, manchmal versch\u00e4mter Blick nach unten. Mit Badetuch um die H\u00fcften oder ohne Tuch, dann aber die Scham mit einer Hand bedeckend. Bei vielen Darstellungen wringt sie sich die Haare, weil sie dem Bade entsteigt. Sie ist eine aus dem Meer gesp\u00fclte Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin. Das Symbol Badetuch und Feuchtigkeit wird sie nicht mehr los. Eigentlich schade, denn auch sie ist urspr\u00fcnglich eine Vegetationsg\u00f6ttin. Sie hat mehr zu bieten als feuchte M\u00e4nnertr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Freyja oder wen immer diese Fibel darstellt:<\/p>\n<p>Die Figur ist 4,6 cm hoch. In der Vergr\u00f6\u00dferung wirkt ihr Mund wie eine grausige Wolfsfalle. Doch wollte der K\u00fcnstler uns vermutlich die sch\u00f6nen Z\u00e4hne und ein strahlendes, selbstbewusstes L\u00e4cheln zeigen. Sie ist aus dem hohen Norden, wo es so kalt ist, dass keine Frau nackig posieren w\u00fcrde. Daher ist sie in kompletter, reicher Garderobe und mit voller Schmuckausstattung zu sehen. Viel Kleidung und Schmuck galt und gilt in diesen Breiten als vornehm, reich und bedeutend. Welche Frau versteckt ihren Reichtum? Sie ist schlie\u00dflich die Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin!<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/eldaring.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Freya-Darstellung.png\" alt=\"Freyja-Darstellung\" class=\"wp-image-469\" width=\"278\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/eldaring.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Freya-Darstellung.png 374w, https:\/\/eldaring.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Freya-Darstellung-227x300.png 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><figcaption>Fibel einer G\u00f6ttin \u2014 Freyja? (Nachzeichnung)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p>Die langen Z\u00f6pfe ber\u00fchren die breite Brustdarstellung an den Seiten. Es k\u00f6nnte so erkl\u00e4rt werden, dass sie sie stolz mit ausgestreckten Armen h\u00e4lt. An den Schl\u00e4fen tr\u00e4gt sie sehr gro\u00dfe und deutliche Haar-Knoten. Auf dem Scheitel ist ein auff\u00e4lliges Schmuckst\u00fcck zu erkennen.<\/p>\n<p>Sie rauft sich weder die Haare, noch hat sie Grund, die r\u00f6mische Venus zu beneiden. Sie hat eigentlich gar nichts mit ihr gemeinsam. Auch dass sie die Haare festh\u00e4lt, ist m\u00f6glicherweise eine irrige Annahme. Es sind keine H\u00e4nde zu erkennen. Ich halte die Verbindung zwischen Brusttuch und Zopfenden eben genau daf\u00fcr: eine Verbindung, um der Figur Stabilit\u00e4t zu geben \u2013 rein gusstechnisch gesehen.<\/p>\n<p>Haare bedeuten sowohl im S\u00fcden als auch im Norden und bei uns in der Mitte Europas auch: St\u00e4rke, Kraft, Gesundheit und Sch\u00f6nheit. Und genau das symbolisiert die ganze Figur.<\/p>\n<p>Mir ist aufgefallen, dass die Kleidung der Figur mit der traditionellen Kleidung der samischen Frauen \u00c4hnlichkeit hat (die Tracht wird immer noch und auch von jungen Sami getragen). Der faltenreiche plissierte Rock, die vielen gestickten B\u00e4nder, das Schultertuch.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e<em>Die sch\u00f6ne Freyja (altnordisch \u201aHerrin\u2018) galt als bedeutendste G\u00f6ttin der wikingerzeitlichen Mythologie. Begehrt von G\u00f6ttern und Riesen repr\u00e4sentierte sie Liebe und Lust. [\u2026] Freyja fuhr in einem von Katzen gezogenen Wagen, \u00e4hnlich der orientalischen \u201aHerrin der Tiere\u2018, die von Raubkatzen begleitet wurde. Sie trug den \u201agl\u00e4nzenden\u2018 Brustschmuck Br\u00edsingamen und ein Falkengewand. Wikingerzeitliche Frauenfig\u00fcrchen zeigen Freyja mit dem charakteristischen Gestus der antiken Liebesg\u00f6ttin Aphrodite, die sich, dem Meer entstiegen, das Haar auswringt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><cite>Wamers, Egon (Hg.). Odin, Thor und Freyja : Skandinavische Kultpl\u00e4tze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich. 1. Aufl., Regensburg 2017, S. 61.<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>In der Ausstellung befindet sich ein solches Exemplar aus der k\u00f6niglichen Wikingerresidenz Tiss\u00f8.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Es<span>\u00a0<\/span><em>\u201eerinnert mit schr\u00e4g gestellten Augen und spitzem Mund an eine Katze. Die Brust der Freyja-Figur ziert ein pr\u00e4chtiges Schmuckst\u00fcck, und sie ist von einem weiten, gefiederartigen Gewand umh\u00fcllt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p><cite>ebenda<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Federartiger Umhang? Nein! Fransen am Schultertuch! Diese sind besonders lang und sehr dicht. Der Brustschmuck besteht bei den Sami zwar aus ein bis drei Broschen, aber es gibt Anh\u00e4nger, die exakt so aussehen wie der Brustschmuck der Figur, nur kleiner. Die Broschen sind allerdings riesig, haben viele Glitzereffekte und manchmal bunte Steine oder Kristalle.<\/p>\n<p>An manchen G\u00fcrteln ist eine an einer Kette baumelnde Kugel befestigt.<\/p>\n<p>Die Figur hat an der unteren Mitte eine Verzierung, die eine solche Kugel sein k\u00f6nnte. Da bei fr\u00fchmittelalterlichen Grabfunden oft gro\u00dfe Kristallkugeln am G\u00fcrtelgeh\u00e4nge geborgen werden, k\u00f6nnte es sich auch hier um etwas derartiges handeln.<\/p>\n<p>Die angeblich katzenartigen Augen \u2013 womit ein Bezug zu Freyjas Zugtieren hergestellt werden soll \u2013 k\u00f6nnen ganz anders erkl\u00e4rt werden. Das Sch\u00f6nheitsideal der Sami sind h\u00f6chstwahrscheinlich die Sami selbst. \u201eLappl\u00e4nder\u201c haben oft hohe Wangenknochen und nach oben-au\u00dfen schr\u00e4ggestellte Augen. Keine Idee? Denkt an Lina vom Katthulthof oder die Schauspielerin, die Pippi Langstrumpf dargestellt hat. Das sind bestimmt Schwedinnen mit Sami in ihren Ahnentafeln.<\/p>\n<p>Was ich damit sagen will? Es k\u00f6nnte eine Freyja-Abbildung sein. Aber es k\u00f6nnte auch eine Frauendarstellung mit damaligem Sch\u00f6nheitsideal sein. V\u00f6llig ohne G\u00f6ttin-Bezug, einfach nur weiblich. So wie Gemmen der Jugendstilzeit nicht eine G\u00f6ttin darstellen, sondern eine sch\u00f6ne Frau. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass das Wort Frau von Freyja abstammt. So gesehen sind alle Frauen Abbilder von Freyja. Auch werden starke Frauen oft mit Katzen verglichen \u2013 ob im Guten: Selbstsicherheit, oder im Schlechten: Treulosigkeit. Selbst Schminkanleitungen f\u00fcr den verf\u00fchrerischen Blick haben Katzenaugen zum Vorbild.<\/p>\n<p>Allerdings konnte ich mit Wagen ziehenden Katzen noch nie viel anfangen. Das w\u00fcrde keine Katze freiwillig machen. Und eine Frau, die Katzen liebt, w\u00fcrde das nicht wollen. Dieses Bild haben sich vermutlich M\u00e4nner ausgedacht, die immer noch daran glauben, dass eine freie, unabh\u00e4ngige, \u201ekatzenartige\u201c Frau sich vor irgendeinen Wagen spannen lassen w\u00fcrde. Denkt nur an die Geschichte als Freyja den Zermalmer zur\u00fcckholen sollte. Ihr ist der Hals so dick geworden, dass das Geschmeide zerschellte. Aber sie lie\u00df sich nicht einspannen.<\/p>\n<p>Im Hoch- und Sp\u00e4tmittelalter wurden unabh\u00e4ngige Frauen und Katzen genau aus dem Grund mit dem Feuertod bestraft. Sie waren ungebunden und lie\u00dfen sich von der Kirche nichts vorschreiben. Dass Katzen den Wagen der G\u00f6ttin ziehen, kenne ich nur von Bildern aus dem 19. Jahrhundert. War das nicht die Zeit, als \u00c4gypten in der europ\u00e4ischen \u00d6ffentlichkeit sehr viel Interesse fand? Hat man damals nicht auch die ersten Gr\u00e4ber aus dem Fr\u00fchmittelalter mit der reichen Beigabensitte der noch nicht christianisierten Franken in Deutschland entdeckt? Die isl\u00e4ndische Edda wurde zu dieser Zeit \u00fcbersetzt und die Br\u00fcder Grimm haben sich in b\u00fcrgerlich-moralischen M\u00e4rchen ausgetobt. Das Zeitalter der Schatzgrabungen und Entdeckungen der eigenen Vielg\u00f6tterei.<\/p>\n<p>Aber was haben die afrikanischen L\u00f6wen aus Babylon mit den europ\u00e4ischen Haus- oder Waldkatzen zu tun? Die vergleichende und gleichsetzende Art der R\u00f6mer in der Antike ist wohl auch in der Neuzeit ein Zwang. Also sind die L\u00f6wen der G\u00f6ttin Ishtar pl\u00f6tzlich bei Freyja gelandet. Ishtar f\u00e4hrt allerdings nicht in einem von L\u00f6wen gezogenen Wagen. Sie steht auf ihnen \u2013 vielmehr ihre Vogelf\u00fc\u00dfe schweben \u00fcber ihnen. L\u00f6wen sind Ausdruck von Mut, St\u00e4rke und Herrschaft. Im Verlauf der kilometerlangen Wanderschaft nach Norden sind die Katzen wohl geschrumpft und haben sich den kalten und kargen Verh\u00e4ltnissen angepasst \u2013 von M\u00e4usen wird man ja auch nicht so gro\u00df wie von Antilopen.<\/p>\n<p>Eine Ausgrabung aus dem Fr\u00fchmittelalter mit den Glaubensvorstellungen und k\u00fcnstlich herbeigeredeten Zuordnungen von Attributen zu behaften, die in den letzten 150 Jahren entwickelt wurden, ist meiner Meinung nach unsinnig.<\/p>\n<p>Diese Frauen-Figur ist eine Frau. Eine sch\u00f6ne Frau. Eine starke und selbstbewusste Frau. Und vielleicht eine G\u00f6ttin.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/eldaring.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/G%C3%B6ttinnen-Darstellung.png\" alt=\"Fibel einer G\u00f6ttin\" class=\"wp-image-470\" width=\"174\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/eldaring.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/G\u00f6ttinnen-Darstellung.png 331w, https:\/\/eldaring.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/G\u00f6ttinnen-Darstellung-167x300.png 167w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><figcaption>Fibel: unbekannte G\u00f6ttin (Nachzeichnung)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p>Was die andere Fibel mit einer Frauen-Figur betrifft, die ist tats\u00e4chlich und unmissverst\u00e4ndlich eine G\u00f6ttin. Doch welche? Aber das ist v\u00f6llig egal. Auch sie sitzt in keinem Wagen, der von irgendwelchen Tieren gezogen wird.<\/p>\n<p>Der einzige Hinweis auf den g\u00f6ttlichen Bezug ist der gro\u00dfe Dreierknoten; ein Symbol f\u00fcr die Dreiheit in der Weltordnung; z. B.: Geburt, Leben, Tod \u2013 M\u00e4dchen, Mutter, Alte \u2013 Saat, Wachstum, Ernte. Also k\u00f6nnte sie f\u00fcr die Erdg\u00f6ttin stehen. Oder f\u00fcr die Mutterg\u00f6ttin. Oder Freyja, Frigg, Hel, die drei Nornen, oder, oder, oder\u2026<\/p>\n<p>Auf jeden Fall symbolisiert diese Figur eine freie Frau.<\/p>\n<p>Ich habe mir auch Gedanken \u00fcber die Linien in den Gesichtern beider Figuren gemacht. Es ist bei unserem heutigen Jugendwahn wohl kaum verst\u00e4ndlich, aber f\u00fcr mich sind das Alters-Falten. Wir sollten uns in die Zeit vor 1.500 Jahren zur\u00fcckversetzen. Die alte Frau ist weise, lebenserfahren und wenn sie so alt ist, hat sie wahrscheinlich viele Kinder und Enkelkinder. Sie versteht so manches von Kr\u00e4utern und Heilen, kann gut hauswirtschaften und hat schon etliche Ehem\u00e4nner \u00fcberlebt. Sie herrscht \u00fcber Haus und Hof, sorgt f\u00fcr die Sippe und h\u00e4lt sie gesund und gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Die Ahninnen-Verehrung und der Folgerin-Glaube (Fylgia) d\u00fcrfte sich in diesen Fibeln widerspiegeln. Die (Ur-)Gro\u00dfmutter als Verbindung zu und Symbol von Schutz, Heilung und Wissen \u2013 auch wieder eine Dreiheit \u2013 wurde von den Frauen hoch verehrt und als Vorbild gesehen. M\u00f6glicherweise wurde sie als Stamm-Mutter auch zur G\u00f6ttin erhoben. Es sind immerhin Freyja und Frigg, die Schamanen-Wissen und Textil-Handwerk den Frauen beibringen.<\/p>\n<p><strong>Erschienen 2017 in Herdfeuer 46\u00a0<\/strong><em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Nelly Dirks (Ausstellung Februar bis Juni 2017) Gedanken \u00fcber die Abbildung der G\u00f6ttin auf einer Fibel (mit Nachzeichnungen der Freyja-Fibeln von Tiss\u00f8) Die Ausstellung im Arch\u00e4ologischen Museum Frankfurt hie\u00df zwar \u201eOdin, Thor und Freyja\u201c, doch f\u00fcr mich steht Freyja (die Herrin) an erster Stelle. Davon abgesehen ist sie \u2013 oder ihre \u201eVorg\u00e4ngerinnen\u201c \u2013 die&hellip; <br \/> <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/freyja-zu-besuch-in-frankfurt-am-main\/\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[16,49,15],"class_list":["post-295","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-goetter-und-andere","tag-archaeologie","tag-freya","tag-goetter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=295"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":350,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295\/revisions\/350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=295"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.dwa-server.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}